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Der Klient als Kumpel? Nähe und Distanz in der aufsuchenden Drogenarbeit

Titel: Der Klient als Kumpel? Nähe und Distanz in der aufsuchenden Drogenarbeit

Diplomarbeit , 2006 , 73 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Dipl. Sozialpädagoge FH Martin Thiergärtner (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Straßensozialarbeit in der Drogenszene. Dabei geht der Verfasser vor allem auf die Frage ein, warum Streetworker in der Drogenszene einer erhöhten Gefahr ausgesetzt sind, sich aufzuarbeiten und Grenzen in Zusammenhang mit Nähe und Distanz zu überschreiten. In diesem Zusammenhang werden erschwerende Rahmenbedingungen der aufsuchenden Drogenarbeit dargelegt.
Die Arbeit beginnt mit den Grundgedanken der Lebensweltorientierung sowie einer akzeptanzorientierten Drogenarbeit. Diese beiden Begriffe legen die Basis für die Methode Streetwork, das inhaltlich und in Bezug auf Chancen dieser Arbeit dargestellt wird.
Es folgt eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik „Nähe und Distanz“ in der Theorie der Sozialarbeit und wird fortan übertragen auf die aufsuchende Drogenarbeit in der Szene.
Des Weiteren wird nun die Frage geklärt, ob der Klient in der aufsuchenden Drogenarbeit ein Kumpel ist? Es muss Vertrauen zum Klienten von Seiten des Sozialarbeiters aufgebaut werden. Auch Parteilichkeit, Solidarität und Akzeptanz gegenüber der Szene gehören zur Arbeitshaltung eines Streetworkers. Darüber hinaus verlangt es die Tätigkeit als Streetworker, mit einem emotionalen und menschlichen Umgang der Klientel gegenüber zu begegnen. Der Klient kann bzw. muss schlussfolgernd in einer vertrau-ensgesprägten Atmosphäre Kumpel sein, um die Chancen und die Zielsetzung von Streetwork zu verwirklichen. Jedoch muss der Streetworker sowohl seine eigenen Ressourcen schützen als auch aus einer gewissen Distanz heraus handeln. Die Professionalität darf nicht aufgrund einer vollständigen Identifizierung mit der Szene verloren gehen.
Ein Streetworker muss für die Umsetzung seiner Aufgabe bestimmte Anforderungen erfüllen, jedoch mindern Rahmenbedingungen, die der Träger zu erfüllen hat, Gefahren für den Streetworker. Dazu zählen regelmäßige Reflexion des eigenen Handelns sei es im Team, Supervision oder in Fortbildungen und gewisse Standards wie z.B. aufsuchende Arbeit zu zweit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufsuchende, akzeptanzorientierte und niedrigschwellige Drogenarbeit

2.1 Grundgedanke der Lebensweltorientierung nach Grunwald und Thiersch

2.2 Begründung, Grundlage und Inhalte einer akzeptanzorientierten bzw. niedrigschwelligen Drogenarbeit

2.3 Arbeitsprinzipien, Arbeitsmethoden und Chancen der aufsuchenden Drogenarbeit – Streetwork

3. Allgemeine Ansichten zu Nähe und Distanz in der Sozialen Arbeit

3.1 Beschreibung der Begriffe Nähe und Distanz

3.2 Persönlichkeitstheoretische Ansichten zum Thema Nähe und Distanz

3.3 Nähe als Voraussetzung einer helfenden Beziehung

3.4 Die Regulierung von Nähe und Distanz

3.4.1 Die Regulierung durch Strukturen

3.4.2 Die Regulierung durch die Person des Sozialarbeiters

3.5 Grenzverletzungen in Bezug auf Nähe und Distanz

3.6 Zusammenfassung

4. Nähe und Distanz in der Arbeit als Streetworker der Drogenszene

4.1 Distanz

4.1.1 Ordnungspolitische Maßnahmen

4.1.2 Zielgruppe ohne Vertrauen in Drogenhilfesystem und mit ablehnender bzw. aggressiver Haltung

4.1.3 Haltung der Abgrenzung von Seiten des Streetworkers

4.1.4 Begrenzte Ressourcen des Straßensozialarbeiters

4.1.5 Antipathien

4.1.6 Zusammenfassung

4.2 Nähe

4.2.1 Berufswahl Streetwork aufgrund von egoistischen Zielen oder eigener Biographie

4.2.2 Nähe zum Ort des Geschehens und unmittelbares Miterleben

4.2.3 Parteilichkeit

4.2.4 Konsum- und Anspruchshaltung der Klientel

4.2.5 Vollständige Identifikation mit der Szene

4.2.6 Persönliche Abhängigkeit der Klientel vom Streetworker

4.2.7 Zusammenfassung

5. Professionalität mit oder ohne Kumpel in der Streetwork

5.1 Begriffsklärung „Kumpel“ im täglichen Gebrauch

5.2 Klient als Kumpel in der aufsuchenden Drogenarbeit

5.2.1 Professionalität ohne Kumpel

5.2.2 Kumpel und Professionalität

5.3 Ergebnis

6. Anforderungen an den Streetworker und Rahmenbedingungen der Stelle

6.1 Kompetenzanforderungen an den Streetworker

6.1.1 Fachliche Anforderungen

6.1.2 Anforderungen an die Persönlichkeit des Streetworkers

6.2 Rahmenbedingungen der Stelle

6.2.1 Personelle Standards

6.2.2 Zeitlicher Rahmen

6.2.3 Materielle Bedingungen

6.2.4 Fachlicher Rahmen

6.2.5 Strukturelle Rahmenbedingungen

6.3 Zusammenfassung

7. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Balanceakt zwischen Nähe und Distanz in der aufsuchenden Drogenarbeit (Streetwork) und beleuchtet die Frage, ob der Klient im professionellen Kontext als „Kumpel“ betrachtet werden kann oder sollte. Ziel ist es, Gefahren der Grenzüberschreitung aufzuzeigen und Handlungsanforderungen für Streetworker sowie notwendige Rahmenbedingungen für eine professionelle Gestaltung dieser Arbeitsbeziehung zu definieren.

  • Grundlagen der lebensweltorientierten und akzeptanzorientierten Drogenarbeit
  • Theoretische Auseinandersetzung mit Nähe und Distanz in der Sozialarbeit
  • Herausforderungen und Gefahren in der Arbeit als Streetworker
  • Professionalitätsanspruch und das Verhältnis zum Klienten
  • Anforderungen an die Persönlichkeit und Rahmenbedingungen der Streetwork

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Berufswahl Streetwork aufgrund von egoistischen Zielen oder eigener Biographie

Die Methode Streetwork beinhaltet, dass der Straßensozialarbeiter Nähe zum Klientel herstellt und eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen soll. Vordergründig vertritt jeder Streetworker diese Haltung und sieht diese Aufgabe umgesetzt. Allerdings kann die Berufswahl zum Streetworker auch durch eine egoistische Motivation zustande gekommen sein. Vielleicht sucht ein Streetworker nach einem Ausgleich zu seinem eher langweilig scheinenden Privatleben. Die Nähe zur Drogenszene ist geeignet, um Action zu erleben. Der Streetworker lässt sich mehr und mehr mit Drogenkonsumenten ein, um „sich an individuellen Schicksalen aufzugeilen“. (Steffan, 1988, S.160)

Außerdem können vom Streetworker die jedem bekannten Gefühle und Gedanken, einfach auszusteigen, alles hinzuschmeißen oder die Frage, warum, wofür und für wen mache ich das eigentlich, in der Klientel wieder gefunden werden. „ Man kann im engen Kontakt mit Drogenkonsumenten die eigenen verdrängten Wünsche nach (...) augenblicksbezogenem, hedonistischem Leben und nach „Action“ stellvertretend ausleben lassen.“ (ebd., S.159) Die Antworten von Mitarbeitern in der Suchthilfe auf die Frage, warum sie in der Drogenarbeit tätig sind, stützen die oben genannte These: „Mich mit seltsamen Typen befassen, Grenzgänger kennenlernen, (...) Beschäftigung mit der Sinnfrage des Lebens.“ (Hübner, 1997, S.201) Dabei nimmt der Streetworker eine privilegierte und angenehme Stellung ein, denn im Gegensatz zu seiner Zielgruppe sieht sich dieser nicht im Schussfeuer der Gesellschaft. Drogenabhängige Menschen machen sich aufgrund ihrer Sucht nicht nur strafbar, auch ihre Entscheidung für ihre Art des Lebens wird von der Öffentlichkeit nicht verstanden und anerkannt. Folglich erfahren sie Ablehnung und ihnen drohen Konsequenzen aufgrund ihres Drogenkonsums in Form von Strafen. Mit diesen Folgen hat der Streetworker aufgrund seiner Position nicht zu rechnen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Spannungsfeld zwischen professioneller Distanz und notwendiger Nähe in der aufsuchenden Drogenarbeit und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der „Kumpel-Rolle“.

2. Aufsuchende, akzeptanzorientierte und niedrigschwellige Drogenarbeit: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch Konzepte der Lebensweltorientierung und akzeptanzorientierten Hilfe, welche die Grundlage für die Methode Streetwork bilden.

3. Allgemeine Ansichten zu Nähe und Distanz in der Sozialen Arbeit: Hier werden die Begriffe theoretisch definiert und die Bedeutung von Nähe als Voraussetzung für vertrauensvolle, helfende Beziehungen sowie die Notwendigkeit von Grenzregulierungen erläutert.

4. Nähe und Distanz in der Arbeit als Streetworker der Drogenszene: Das Kapitel analysiert die spezifischen erschwerenden Rahmenbedingungen auf der Straße, die den Streetworker in seinen Bemühungen um Nähe oder Distanz unter Druck setzen.

5. Professionalität mit oder ohne Kumpel in der Streetwork: Diese Sektion diskutiert, ob ein „kumpelhaftes“ Verhältnis als professionell eingestuft werden kann und unter welchen Bedingungen dies die Hilfe stabilisieren oder gefährden kann.

6. Anforderungen an den Streetworker und Rahmenbedingungen der Stelle: Es werden die fachlichen Kompetenzen, Anforderungen an die Persönlichkeit sowie strukturelle Standards wie Teamarbeit und Supervision definiert, die notwendig sind, um professionell und gesund zu arbeiten.

7. Resümee: Das Resümee fasst die Kernergebnisse zusammen und betont die Unverzichtbarkeit von Psychohygiene und professioneller Selbstreflexion für Streetworker.

Schlüsselwörter

Streetwork, Drogenarbeit, Nähe und Distanz, akzeptanzorientiert, Lebensweltorientierung, Sozialarbeit, Professionalität, Beziehungsgestaltung, Streetworker, Sucht, Klientel, Grenzverletzungen, Teamarbeit, Supervision, Empowerment

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der professionellen Gestaltung von Nähe und Distanz in der aufsuchenden Drogenarbeit, insbesondere mit der Frage, wie Streetworker ein professionelles Arbeitsverhältnis zur Klientel aufbauen können, ohne ihre Rolle zu verlieren.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Lebensweltorientierung, akzeptanzorientierter Drogenhilfe, der Theorie der Grenzziehung in der Sozialarbeit sowie den spezifischen Anforderungen und Rahmenbedingungen für Streetworker.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Streetworker trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in der Drogenszene eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen, ihre professionelle Identität wahren und ihre eigene psychische Gesundheit schützen können.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur zu den Themen Soziale Arbeit, Suchthilfe und Streetwork sowie einer Analyse der Rahmenbedingungen in der Praxis.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Herausforderungen für Streetworker durch die Szene (Distanz) und Gefahren der Überidentifikation (Nähe), sowie Anforderungen an die Professionalität und Arbeitsstrukturen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Streetwork, Nähe-Distanz-Verhältnis, akzeptanzorientierte Drogenarbeit, Professionalität, Grenzziehung, Empowerment und Psychohygiene.

Was ist die „Erlöser-Falle“ und welche Bedeutung hat sie für Streetworker?

Die „Erlöser-Falle“ beschreibt ein Verhaltensmuster von Helfern, die eigene Suchterfahrungen oder Kindheitserlebnisse in ihre Arbeit projizieren. Für Streetworker ist sie gefährlich, da sie zu mangelnder Abgrenzung, Überforderung und Burnout führt.

Warum ist das Arbeiten im Team in der aufsuchenden Drogenarbeit so essentiell?

Teamarbeit verhindert, dass sich Klienten nur an eine Person binden (Abhängigkeit), ermöglicht gegenseitige fachliche Beratung (Supervision) und schützt den Einzelnen vor Überforderung durch den belastenden Arbeitsalltag in der Szene.

Wie unterscheidet sich die Streetwork von der Arbeit in einer Drogenberatungsstelle?

Im Gegensatz zur Beratungsstelle ist der Streetworker in der Szene Gast. Der Kontakt ist niedrigschwellig, geht oft vom Sozialarbeiter aus und findet unter variablen Bedingungen statt, was eine höhere Flexibilität und eine besondere Reflexionsfähigkeit erfordert.

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Klient als Kumpel? Nähe und Distanz in der aufsuchenden Drogenarbeit
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München, Abt. Benediktbeuern
Note
2,0
Autor
Dipl. Sozialpädagoge FH Martin Thiergärtner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
73
Katalognummer
V64071
ISBN (eBook)
9783638569682
ISBN (Buch)
9783638718226
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klient Kumpel Nähe Distanz Drogenarbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dipl. Sozialpädagoge FH Martin Thiergärtner (Autor:in), 2006, Der Klient als Kumpel? Nähe und Distanz in der aufsuchenden Drogenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64071
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Leseprobe aus  73  Seiten
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