Vergleichende Quelleninterpretation zum Aufstand des Spartacus - Appian, Bürgerkriege I, 116f.; Plutarch, Crassus 8f. und Florus II, 8,1 ff.


Seminararbeit, 2004
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben und Werk der Autoren
2.1. Plutarch
2.2. Appian
2.3. Florus

3. Zu Aufbau und Gliederung der Quellenauszüge
3.1. Plutarch, Crassus 8f
3.2. Appian, Bürgerkriege I, 116f
3.3. Florus II, 8,1 ff

4. Vergleichende Interpretation der Quellenauszüge
4.1. Zur Bezeichnung der Ereignisse
4.2. Zu den Lebensumständen der Gladiatoren und zur Person des Spartacus
4.3. Ausbruch und Bewaffnung der Gladiatoren
4.4. Die Belagerung des Vesuvs und die Reaktion Roms
4.5. Die Vergrößerung des Heeres

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vor gut zweitausend Jahren, ca. 73 v. Chr., erhoben sich im Römischen Reich, nicht zum ersten Mal, die Sklaven. Nun jedoch in einem vorher nicht gekannten Ausmaß. Insgesamt werden wohl mehr als 120.000 Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten beteiligt gewesen sein. Tausende fanden jedoch bis zum Jahre 71 v.Chr., dem Jahr der Beendigung der Aufstände durch ein zuletzt von Licinius Crassus geführtes römisches Heer, den Tod. Ihr Ziel war es, sich aus den menschenverachtenden Umständen der Sklaverei zu befreien. Der Triumph des römischen Heeres fand seinen Ausdruck in der brutalen Kreuzigung von 6000 gefangenen Aufständischen entlang der Via Appian.

Die Quellen, aus denen wir unsere Kenntnisse ziehen können, sind sehr dünn, die bekanntesten Berichte finden wir in der Darstellung der römischen Bürgerkriege des Historikers Appian[1], er lebte zur Zeit Hadrians. Die zweite bedeutende Quelle ist die Crassus-Vita des Plutarch aus der Zeit Trajans[2]. Einen zusammenhängenden Bericht über die Ereignisse findet sich bei dem Schriftsteller Florus in seiner Darstellung der römischen Kriege[3]. Allen drei Quellen haftet jedoch der Makel an, dass sie nicht zeitgenössisch sind. Eine bedeutende Quelle aus dieser Zeit sind die Historien des Sallust, sie sind jedoch nahezu vollständig verloren gegangen und nur noch sehr fragmentarisch verfügbar. Auch aus Ciceros zweiter Rede gegen Verres lassen sich Hinweise zu den Aufständen finden, soweit sie Sizilien betreffen. In der folgenden Arbeit sollen nun die zuerst genannten Quellen, die des Appian, des Plutarch und des Florus, in Auszügen behandelt werden. Es werden zunächst die Autoren, ihr Werk und ihr Leben soweit bekannt vorgestellt. Im Anschluss werden die drei Auszüge zur besseren Vergleichbarkeit in möglichst gleiche thematische Sinnabschnitte untergliedert. Im vierten Teil sollen die herausgearbeiteten Schwerpunkte der jeweiligen antiken Darstellung nach Gesichtspunkten des Inhalts, der Tendenz und der Form miteinander verglichen und interpretiert werden, die Interpretation folgt dann jedoch nicht der Gliederung sondern den thematischen Schwerpunkten. Dabei sollen die Aussagen der antiken Autoren, die in den Einzelheiten sehr unterschiedlich sind, durch Ergebnisse der Geschichtswissenschaft kritisch überprüft und ergänzt werden. Dabei kann, im Gegensatz zu einer herkömmlichen Quelleninterpretation, nicht so feingliedrig vorgegangen werden, da diese Arbeit einem vorgegebenen Rahmen folgen muss. Dies bedeutet nicht, dass hier ungenauer gearbeitet werden kann, vielmehr ist es notwendig, aus Gründen des Vergleiches sich auf einige Aspekte der antiken Darstellungen zu beschränken. Im letzten Teil soll kurz auf das Nachwirken sowohl der Arbeiten der Autoren als auch der geschichtlichen Ereignisse, eingegangen werden.

2. Leben und Werk der Autoren

2.1. Plutarch

Plutarch lebte von 45 bis nach 120 n.Chr., er war griechischer Philosoph und delphischer Apollonpriester. Plutarch kann als letzter hellenistischer Universalgelehrter bezeichnet werden, sein Werk umfasst eine geradezu enzyklopädische Bandbreite, es erstreckt sich über Schriften zur Geschichte, Politik, Naturwissenschaft, Medizin, Literatur, Philosophie und Theologie, in all seinen Werken stehen dabei Ethik und Moral im Vordergrund[4]. Plutarch war ein Mann, der sehr viel reiste und dabei sein enormes Wissen sammelte. Er entstammt einer angesehenen und wohlhabenden Familie in Böotien, die es ihm ermöglichte, in Athen zu studieren. Hier kommt er mit dem geistigen Erbe Platons in Kontakt, dessen Ideen ihn Zeit seines Lebens beschäftigten und beeinflussten. Er reiste mehrfach nach Italien und nach Rom, um verschiedene Aufträge seiner Heimatstadt Chaironeia umzusetzen. Er hatte viele Freunde in Rom, und seine Beziehungen reichten bis ins Kaiserhaus. Unter Trajan und Hadrian erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und sogar konsularische Würden. Trotzdem war Plutarch immer mit Leib und Seele ein Grieche[5]. Deshalb sieht Plutarch seine Aufgabe darin, das griechische und das römische Volk einander näher zu bringen und die Bereitschaft zu erzeugen, gegenseitig voneinander zu lernen. Deutlich wird dieses Ansinnen vor allem in den Parallelbiografien, in denen je ein Römer einem Griechen gegenüber gestellt wurde und am Ende eines jeden Kapitels das Schaffen und Wirken der beschriebenen Personen miteinander verglichen wurde. Sein Ziel ist es nicht, Geschichte zu schreiben, sondern das Leben von Personen darzustellen und ihre Charaktere nachzuzeichnen. Er strebt dabei weder Vollständigkeit noch eine exakte Chronologie an. Deshalb halten die Werke der kritischen Geschichtswissenschaft nur ungenügend stand[6]. Ziel seiner Methode von der Gegenüberstellung ist wohl das Symbolisieren der Gleichwertigkeit von Griechen und Römern und deren Kulturen. Der Quellenwert Plutarchs für die Zeit des Spartacusaufstandes ist eingeschränkt, da Plutarch weder Zeitzeuge noch Römer war. Seine Kenntnisse stammen wohl aus zweiter Hand und sind ideologisch gefärbt.

2.2. Appian

Zunächst ist zu bemerken, dass auch Appian kein Zeitzeuge des Spartacusaufstandes war, er ist zwischen 90 und 95 n.Chr. in Alexandria geboren, lebte ab ca. 120 bis zu seinem Tode im Jahr 160 in Rom. Hier war er als Anwalt, trat unter anderem in Prozessen vor dem Kaiser auf[7], und im Amt eines Prokurators tätig. Es ist hervorzuheben, dass Appian nicht der Karriere wegen von seiner griechischen Heimat nach Rom übersiedelte. Er ist wohl wegen eines Judenaufstandes gegen Trajan aus Alexandria geflohen[8]. Appian, genau wie Florus, war also kein Bürger Roms, er kam aus der Provinz und suchte in Rom Anerkennung, dies tat auch Florus. Appian suchte diese Anerkennung in Rom auf politischem Gebiet, er wurde mehrmals als Prokurator vorgeschlagen und bekleidete dieses Amt dann auch. Florus suchte sie mehr auf kulturellem Gebiet, er war in Rom als Dichter tätig und in der Provinz als Lehrer. Beide hielten aber stets Verbindung zu ihrer Heimat. So behielt Appian seinen ägyptisch-griechischen Namen bei, obwohl er in Rom das Bürgerrecht erhielt und dadurch einen Gentilnamen gehabt haben müsste[9]. Unter diesem Gesichtspunkt sind ihre Werke auch zu interpretieren.

Besonders wirkte Appians Geschichtswerk nach, welches in griechischer Sprache verfasst worden ist. Appian beschreibt in seinem Werk die Geschichte der römischen Königszeit. Fünf Bücher waren dabei den Bürgerkriegen gewidmet. Insgesamt umfasst das Geschichtswerk Appians 24 Bücher, die römische Geschichte ist hier nicht wie üblich chronologisch geordnet, sondern nach Schauplätzen der römischen Expansion[10], die Bücher zu den Bürgerkriegen sind nach Protagonisten geordnet. Die römische Geschichte wird in den buntesten Farben dargestellt, so bildet die Bewunderung über Größe und Ausdehnung des Reiches die Grundlage Appians Beschreibungen[11]. Die römische Kaiserzeit wir jedoch als besonders glücksbringend hervorgehoben, da sie nach Appians Ansicht die blutrünstige Gewalt und die anarchischen Zustände der Bürgerkriege und der Sklavenaufstände beendete. Die Überlieferungen Appians sind aufgrund des hohen Maßes an Subjektivität mit äußerster Vorsicht zu betrachten, trotzdem gehört sein Vermächtnis zu den wichtigsten und aussagekräftigsten Quellen zur römischen Republik[12], hier besonders zu den Bürgerkriegen, da es die einzige überlieferte Gesamtdarstellung dieser Zeit ist. Hauptziel Appians war es, die militärische Überlegenheit der Römer darzustellen. Es ist jedoch zu sagen, dass Appian mit seinen Beschreibungen zwischen den beiden Extremen, zum einen der kompromisslosen Ablehnung des Spartacus bei Florus und zum anderen dessen konsequenter Stilisierung zu einem idealen Feldherrn bei Plutarch, stand[13].

[...]


[1] Appian, Bürgerkriege I, 116 f.

[2] Plutarch, Crassus 8 f.

[3] Florus II, 8,1 ff.

[4] Vgl. Hirsch-Luipold, R.: s.v. Plutarch, Lexikon antiker Autoren, Stuttgart u.a. 1997, S. 561.

[5] Vgl. Ebenda S. 562.

[6] Vgl. Ebenda S. 564.

[7] Vgl. Brodersen, K.: s.v. Appian, Lexikon antiker Autoren, Stuttgart u.a. 1997, S. 73.

[8] Vgl. Hose, M.: Erneuerung der Vergangenheit. Die Historiker des Imperium Romanum von Florus bis Cassius Dio, (= Beiträge zur Altertumskunde, Bd. 45), Stuttgart, Leipzig 1994, S. 165.

[9] Vgl. Ebenda S. 146.

[10] Vgl. Brodersen, K., (Anm. 7), S. 74.

[11] Vgl. Magnino, D.: s.v. Appianos, DNP I 1996, Sp. 903.

[12] Vgl. Brodersen, K., (Anm. 7), S. 74.

[13] Vgl. Grünewald, T.: Räuber, Rebellen, Rivalen, Rächer. Studien zu Latrones im römischen Reich, (= Forschungen zur antiken Sklaverei, Bd. 31), Stuttgart 1999, S. 94.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Vergleichende Quelleninterpretation zum Aufstand des Spartacus - Appian, Bürgerkriege I, 116f.; Plutarch, Crassus 8f. und Florus II, 8,1 ff.
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V64126
ISBN (eBook)
9783638570138
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleichende, Quelleninterpretation, Aufstand, Spartacus, Appian, Bürgerkriege, Plutarch, Crassus, Florus, Proseminar
Arbeit zitieren
Matthias Kolodziej (Autor), 2004, Vergleichende Quelleninterpretation zum Aufstand des Spartacus - Appian, Bürgerkriege I, 116f.; Plutarch, Crassus 8f. und Florus II, 8,1 ff., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64126

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