Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 - Ein Exzerpt


Exzerpt, 2004
15 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Der Fetischcharakter der Ware (S. 85-93)

Das Geld (102-160)

Die Begriffe "Geld" und "Kapital"(161-169)

Der Ursprung des Mehrwert? (170-232)

Folgen der Produktivitätssteigerung (341-530)

Der Mehrwert

Der Lohn

Kapitalismus (590-639)

Technischer Fortschritt, Arbeitslosigkeit und Lohnhöhe (640-675)

Geschichte und Zukunft des Kapitalismus (741-791)

Der Fetischcharakter der Ware (S. 85-93)

Die Ware hat nach Marx zwei wesentliche Wertbestimmungen: Gebrauchswert und Tauschwert. Unter dem Aspekt des Gebrauchs erscheint die Ware nicht als etwas Mysteriöses; erst der Tauschwert, das „gesellschaftliche Dasein der Ware“, macht sie zu einem Rätsel. Dazu Marx: „Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, dass sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eigenen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften der Dinge zurückspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer ihnen liegendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen.“ (86) Das Wertverhältnis der Waren untereinander lässt sich nicht auf ihre physische Natur zurückführen, sondern ist rein gesellschaftlichen Ursprungs. Dieses Phänomen bezeichnet Marx als Fetischismus und stellt damit eine Verbindung zur religiösen Sphäre her, in der ebenfalls „Produkte des menschlichen Kopfes“ dem Menschen wie etwa Fremdes gegenübertreten.[1]

Anschließend begründet Marx, wie die Ware ihren Fetischcharakter annimmt. Dies lässt sich aus dem „eigentümlichen gesellschaftlichen Charakter der Arbeit“ erklären, durch die die Waren entstehen. Zunächst produzieren einzelne Unternehmer privat und von einander unabhängig verschiedene Waren. Erst im Austausch wird der gesellschaftliche Charakter der Privatarbeiten sichtbar, denn erst dort erhalten die Produkte eine „von ihrer sinnlichen Gebrauchsgegenständlichkeit getrennte, gesellschaftlich gleiche Wertgegenständlichkeit“ (87). Diese gleiche Wertgegenständlichkeit schlägt irgendwann auch auf die Produktion zurück: Waren werden nur noch für den Austausch produziert. Dann erfüllen sie einen doppelten Zweck: Sie befriedigen gesellschaftliche Bedürfnisse, sind also bestimmte, nützliche Arbeit, und sie befriedigen die Bedürfnisse des eigenen Produzenten, der sie gegen alles eintauschen kann, was er selber braucht.

Indem die Menschen ihre Produkte im Austausch einander als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre Arbeiten gleich. Damit wird unklar, was den bestimmten Wert einer Ware ausmacht, denn dieser besteht ja nur aus abstrakter, unbestimmter menschlicher Arbeit. Doch auch die Entdeckung der klassischen politischen Ökonomie, dass der Wert einer Ware gleichzusetzen ist mit der Summe der zu seiner Herstellung benötigten Arbeit, hat den Rätselcharakter der Ware nicht aufgelöst. Sie hat zwar den Inhalt des Wertes als Arbeit erwiesen, aber niemals erklärt, warum dieser Inhalt jene Form annimmt.

Weiterhin werden vollkommen unterschiedene Waren gleichgesetzt, so dass sich Wertverhältnisse herausbilden, die den Menschen als zu den Sachen selbst gehörig erscheinen, obwohl sie ihre eigenen Produkte sind. „Ihr eigne gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form der Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen.“ (89)

Marx geht im Folgenden auf verschiedene Gesellschaftsformen ein, in denen der Charakter der Arbeit noch nicht so mystifiziert ist, wie im modernen Kapitalismus:

1. Die Robinsonade. Robinson in Daniel Defoes Roman macht sich Aufzeichnungen darüber, wie viel Zeit er braucht, um einen bestimmten Gebrauchsgegenstand herzustellen. Das macht für ihn den Wert eines Gegenstandes aus. Das Arbeitsprodukt verbirgt keine gesellschaftlichen Verhältnisse.
2. Die mittelalterliche Naturalwirtschaft. Dort ist die Arbeit in ihrer natürlichen Form, nämlich konkreter Arbeit und nicht, wie im Kapitalismus, abstrakte Arbeit. Die Arbeit (z.B. der Frondienst) dient zur Befriedigung des konkreten Bedürfnisses einer konkreten Person. „Die gesellschaftlichen Verhältnisse der Personen in ihrer Arbeit erscheinen jedenfalls als iher eignen persönlichen Verhältnisse und sind nicht verkleidet in gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen, der Arbeitsprodukte.“ (92)
3. Der landwirtschaftliche Familienbetrieb. Dieser produziert zwar verschiedene Waren, setzt diese aber nicht zueinander ins Verhältnis, da alles in der Familie bleibt.

Alle drei Formen haben das Gemeinsame, dass die Arbeitenden wissen, wie viel sie für wen arbeiten.

Dann kommt Marx auf den Zusammenhang von Warenproduktionsform und Religion zu sprechen. Der Protestantismus ist seiner Meinung nach mit seinem „Kultus des abstrakten Menschen“ die adäquate Religion der bürgerlichen Gesellschaft. In anderer Gesellschaften mit weniger hochentwickelter Warenproduktion sind die Verhältnisse der Menschen zueinander und zur Natur entsprechend mehr befangen; das spiegeln die Volks- und Naturreligionen wider.

Berger zum gesamten Kapitel: „Arbeit bedeutet nicht zu allen Zeiten dasselbe...je nach historisch-gesellschaftlichen Umständen entstehen durch Arbeit höchst verschiedene Gesellschaften. Die Vergesellschaftung durch private Warenproduktion ist etwas grundlegend anderes, als eine feudale oder antike Vergesellschaftung. Arbeit für einander erscheint nur noch als Tausch von Dingen. Einzig die sachlichen Regeln des Tauschs legitimieren die zulässigen Beziehungen der Gesellschaftsmitglieder. Ausbeutung wird unsichtbar, Macht erscheint sachlich gerechtfertigt.“[2]

Das Geld (102-160)

Geld ist selber Ware und keineswegs nur ein Zeichen. Zwar verweist das Geld auf gesellschaftliche Verhältnisse; es ist nur mehr als ein Stück Metall, weil es aufgrund gesellschaftlicher Setzung mit allen anderen Dingen austauschbar ist. Aber das gilt in gleicher Weise für alle anderen Waren, weil sie „als Wert nur sachliche Hülle der auf sie verausgabten menschlichen Arbeit“ (105) sind.

In einem weiteren Abschnitt differenziert Marx zwischen „Preis“ und „Wert“: Während der Wert einer Ware feststeht, da er nur der äußere Ausdruck der in der Ware vergegenständlichten Arbeit ist, schwankt der Preis durch Bewegungen des Marktes. Preis und Wert sind von einander prinzipiell unabhängig; so kann man auch mit Dingen Handel treiben, in denen überhaupt keine menschliche Arbeit steckt. Marx nennt Ehre und Gewissen als Beispiele.

Die Begriffe "Geld" und "Kapital"(161-169)

„Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zunächst nur durch ihre verschiedenen Zirkulationsformen.“ (161) Marx unterscheidet die beiden Zirkulationsprozesse W-G-W und G-W-G. Letzterer Zyklus ist nur sinnvoll, wenn G am Ende mehr ist als G am Anfang, also müsste es eigentlich heißen G-W-G’. Den Zugewinn bezeichnet Marx als Mehrwert. Das entscheidende am Prozess G-W-G’ ist, dass er unaufhörlich fortgesetzt werden muss, sonst versteinert das Kapital zum bloßen Schatz. Deswegen: „Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist dagegen Selbstzweck.“ (167) Der Kapitalist macht die objektive Bewegung des Kapitals zu seinem Zweck, er wird „personifiziertes, mit Willen und Bewusstsein begabtes Kapital“ (168) Während der Schatzbildner verzweifelt versucht, das Geld aus der Zirkulation herauszunehmen und es in etwas Beständigem anzulegen, gibt der Kapitalist sein Geld immer wieder der Zirkulation preis. Max Weber hat deswegen auch klargestellt, dass unbeschränkte Geldgier alleine keineswegs den Kapitalisten ausmache, sondern immer schon vorhanden gewesen sei. Typisch kapitalistisch sei dagegen das Streben nach Gewinn im kontinuierlichen, rationalen Betrieb; das Streben nach „Rationalität“.[3]

Die Waren interessieren den Kapitalisten nur noch als eine Existenzweise des Kapitals, das dauernd aus der Geld- in die Warenform wechselt. Marx bezeichnet das Kapital deswegen auch als „automatisches Subjekt“ (169); Subjekt verstanden als Substanz, die verschiedene Formen annehmen kann, ohne ihr Wesen zu verlieren.

Der Ursprung des Mehrwert? (170-232)

Das Argument, dass bei einem Tausch beide Seiten profitieren, ist vom Gebrauchswert her gesehen vollkommen berechtigt. Wer viel Wein und wenig Getreide hat, profitiert davon, wenn er mit jemandem tauscht, der viel Getreide aber wenig Wein besitzt. Aber eine Vermehrung des Tauschwerts lässt sich aus dem Tausch nicht erklären, schon deswegen nicht, weil jeder ja immer Käufer und Verkäufer ist, also die Gewinne, die er in der einen Rolle macht, in der anderen sofort wieder verlieren würde, es sei denn, er verfügt über das Privileg, immer nur verkaufen zu können (etwa durch Gewalt oder durch ein Monopol). „Die Gesamtheit einer Kapitalistenklasse kann sich nicht selbst übervorteilen.“ (177) Das Phänomen des Mehrwerts bleibt bei diesen Erklärungen unverständlich.

[...]


[1] Wenn im Text nicht ausdrücklich anders verzeichnet, beziehen sich Seitenangaben immer auf: Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Band 1, Hamburg 1890. (=MEW Bd. 23)

[2] Als Kommentar/Erläuterung: Berger, Marx, a.a.O., S. 63.

[3] Vgl. ebd., S. 78.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 - Ein Exzerpt
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V64170
ISBN (eBook)
9783638570503
ISBN (Buch)
9783640315567
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das ausführliche Exzerpt behandelt den ersten Band von Karl Marx "Kapital". Beginnend mit dem Kapitel über den "Fetischcharakter der Ware" wird versucht, die wesentlichen Argumente in Marx' Text zusammenzufassen, wobei sich das Exzerpt mit zahlreichen Zitaten eng an den Text anlehnt. Die Gliederung folgt teilweise dem bewährten Kommentar von Michael Berger. Das Exzerpt eignet sich sehr gut als Ergänzung zur eigenen Lektüre oder als Zusammenfassung, wenn man nicht das ganze Buch lesen will.
Schlagworte
Karl, Marx, Kapital, politische Ökonomie, Marxismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus, Engels, Materialismus, Dialektik, Wirtschaftswissenschaften, Zusammenfassung, Exzerpt
Arbeit zitieren
Moritz Deutschmann (Autor), 2004, Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 - Ein Exzerpt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64170

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