Die Fabel als Lernformat für Kinder? Eine Untersuchung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

32 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Wort und Begriff

3. Die Geschichte der Fabel
3.1. Entstehung der Fabel
3.2. Die griechisch – römische Fabel
3.2.1. Aesop
3.2.2. Phädrus
3.3. Die orientalische Fabel
3.3.1. Panschatantra
3.4. Deutsches Mittelalter
3.4.1. Sticker
3.4.2. Ulrich Boner
3.5. Zeitalter der Reformation
3.5.1. Martin Luther
3.5.2. Jean de La Fontaine
3.6. Zeitalter der Aufklärung
3.6.1. Christian Fürchtegott Gellert
3.6.2. Gotthold Ephraim Lessing
3.7. Das 19. Jahrhundert
3.7.1. Wilhelm Busch
3.7.2. Wilhelm Hey
3.8. Das 20. Jahrhundert
3.8.1. James Thurber

4. Strukturmerkmale
4.1. Umfang der Fabel
4.2. Aufbau der Fabel
4.3. Handelnde Figuren und ihre Eigenschaften
4.3.1. Die Anzahl der Akteure
4.3.2. Die Typisierung der Fabeltiere
4.3.3. Die Vermenschlichung der Fabelfiguren
4.4. Sprachliche Charakteristika der Fabel
4.5. Abgrenzung von verwandten Gattungsformen
4.5.1. Fabel und Parabel
4.5.2. Fabel und Märchen

5. Stilzüge der Fabel
5.1. Belehrender Stil
5.2. Kritisierender Stil
5.3. Satirischer Stil

6. Aufbautypen der Fabel
6.1. Die Normalform und ihre Abwandlungen
6.2. Die Sonderform bei Alberus
6.3. Die Kunstfabel

7. Fabel und Schule
7.1. Die Bedeutung der Fabel für die Schule
7.2. Einsatz der Fabel im Unterricht
7.2.1. Die Altersfrage

8. Resümee

9. Literaturverzeichnis

Der Wolf kam zum Bach. Da entsprang das Lamm.

„Bleib nur, du störst mich nicht", rief der Wolf.

„Danke", rief das Lamm zurück, „ich habe im Äsop gelesen."

(Helmut Arntzen)[1]

1. Vorwort

Eine typische, klassische Fabel ist kurz und pointiert, leicht zu merken - wie ein guter Witz. Der Begriff Fabel ruft bei vielen Menschen zunächst die Assoziation Tierfabel hervor, obwohl sie sich nicht nur auf die Welt der Tiere, sondern auch auf die gesamte belebte und unbelebte Natur, sowie die Menschen- und Götterwelt bezieht. Die handelnden Figuren innerhalb einer Fabel stellen überwiegend dem Leser bekannte Tiere dar. Grund hierfür sind der Bekanntheitsgrad dieser Tiere, da sie aus der Umgebung des Menschen stammen und keiner weiteren Beschreibung bedürfen, sowie die Verkörperung bestimmter Eigenschaften und Verhaltensweisen, die sich auch in Sprichwörtern und Redensarten finden lassen. Tiere als Akteure besitzen kein Eigenleben, sondern dienen der Demonstration bestimmter menschlicher Verhaltensweisen.

Die Fabel selbst hat viele Gesichter und eine lange Geschichte (von der Antike bis zur Moderne). Sie „ist von jeher eine volkstümliche Gattung, sie will auch den ansprechen, der „nicht viel Verstand besitzt“ (Ch. F. Gellert). Aber bei aller poetischer Einkleidung (sprechende Tiere!) verlangt sie doch einen denkenden, kritischen Hörer, der die Übertragung aus dem fiktiven Bereich auf seine Wirklichkeit vornimmt. Die Fabel erweist sich damit als eine die ratio ansprechende Gattung.“[2]

Jede Fabel, ob kurz oder lang, enthält eine Lehre, die sowohl vor- oder nachgestellt werden kann oder vom Leser selbst zu suchen ist. Oftmals ist sie Bestandteil der Fabelerzählung und wird einer Figur in den Mund gelegt.

Aufgrund der Kürze und meist leichten Verständlichkeit des Textes ist die Fabel besonders für Kinder im Grundschulalter geeignet und regt zum kritischen Denken und Handeln an. Ist das wirklich so? Innerhalb dieser Hausarbeit soll versucht werden, dieser Frage auf den Grund zu gehen und eine entsprechende Antwort zu finden.

Um einen theoretischen Hintergrund zu schaffen wird zunächst die Gattung Fabel genauer beleuchtet, was eine Begriffserklärung, einen geschichtlichen Rückblick, sowie die Analyse ihrer Strukturmerkmale (Umfang, Aufbau etc.) mit einbezieht.

2. Wort und Begriff

„Fabel (lat. fabula = Erzählung) […] im engeren Sinn (Äsoptische Fabel) selbständige, kurze episch – didaktische Gattung vorwiegend der → Tierdichtung in Vers oder Prosa, die als Beispielgeschichte eine allgemein anerkannte Wahrheit, einen moralischen Satz, eine praktische Lebensweisheit an Hand eines überraschenden, doch analogen Beispiels in uneigentlicher Darstellung veranschaulicht und besonders aus der anthropomorphisierenden Übertragung menschlicher Eigenschaften, Verhaltensweisen, Verhältnisse, Sitten, auch der Rede, auf die beseelte oder unbeseelte Natur (Pflanzen, Steine, bes. Tiere) witzig – satirische oder moralisch – belehrende Effekte erzielt. Die Tierfabel erspart durch Benutzung typisch feststehenden, allgemein anerkannten Charaktereigenschaften der einzelnen Tiere (List des Fuchses, Majestät des Löwen u.ä.) eine vorgegebene Charakterschilderung.“[3]

Dem Begriff „Fabel“ wurden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Bezeichnungen zugeordnet. Phaedrus (1.Jahhundert n. Chr.) verwendete den Begriff Fabel mit dem Zusatz „äsoptisch“ zur Bezeichnung der Gattung. In der ionische Poesie wurde der Begriff ainos zur Bezeichnung von Fabel, Rätsel, Sprichwort und Gleichnis und die Begriffe mythos und logos zur Betonung bestimmter Elemente, wie z.B. das phantastisch Märchenhafte der Fabel verwendet. Im Mittelalter verwies das Wort bispel (Beispiel) auf eine belehrende Erzählung, die der Wahrheit entspricht und für etwas steht, dessen Sinn nicht im Erzählten verborgen liegt und bezeichnete die Gattung Fabel. Im 13. Jahrhundert wurde mit dem Begriff spel (Erzählung, Bericht) eine nicht wahre oder lügenhafte Erzählung bezeichnet, was gleichzeitig eine Abwertung des Begriffs selbst bedeutete. Das Lehnwort fabel wurde zur Bezeichnung von Erzählungen verwendet, die nur unterhaltsam waren oder dessen Wahrheit nicht belegt werden konnte. Das Wort Fabel, in seiner jetzigen Bedeutung wurde erst bei Steinhöwel (1476) verwendet. „Seit dem 18. Jahrhundert wird der Begriff „Fabel“ auch als Handlungsverlauf eines epischen oder dramatischen Werkes gebraucht, eine Bedeutung, die bis in die Gegenwart neben der Gattungsbezeichnung gilt.“[4]

Jedoch eine eindeutige und allgemein gültige Definition der Fabel gibt es nicht, da sich eine definitorische Bestimmung an den jeweiligen Autoren, Epochen oder Typen der Fabel orientiert.

3. Die Geschichte der Fabel

3.1. Entstehung der Fabel

Nach heutigen Erkenntnissen entstand die Fabel in vielen Völkern nahezu zeitgleich und unabhängig voneinander. Grund hierfür liegt vermutlich in der Veränderung der gesellschaftlichen Zustände und der Verschärfung der gesellschaftlichen Gegensätze. Der Ursprung der Fabel liegt laut mündlicher Überlieferung im Orient: Sumer, Indien und Arabien. Etwa zur selben Zeit, zu der die bekannten antiken Fabeln entstanden, wurden auch die frühen indischen Sammlungen angelegt. In der Folge gab es auch persische und türkische Sammlungen, deren Verfasser zumeist unbekannt blieben. Dies zeigt deutlich, dass die Fabel nicht nur eine europäische Erscheinung darstellt.

3.2. Die griechisch – römische Fabel

3.2.1. Aesop

Der griechische Sklave Aesop (ca. 550 v. Chr.) gilt als Ahnherr der Fabel. Er schrieb Fabeln als Berichte oder Erzählungen über wahre Begebenheiten. Seine Fabeln galten im Mittelalter als Vorbild der Fabeldichtung. Da seine Lebensdaten jedoch nicht gesichert sind, wird von manchen Forschern bezweifelt, dass er überhaupt gelebt hat. Sie gehen sogar soweit und behaupten Aesop sei eine Konstruktion und seine Fabeln anonyme Produkte aus dem Volk.

Laut Überlieferung war Aesop in seiner gesellschaftlichen Existenz doppelt beeinträchtigt, d.h. nicht nur physisch, weil er einen verkrüppelten Rücken hatte, sondern auch in seiner sozialen Existenz: Als Sklave stand er auf der niedersten Sprosse der Gesellschaft. Im Laufe seines Lebens soll er sich durch seine witzigen, geistvollen und pointierten Erzählungen nicht nur vorerst seine persönliche Freiheit erworben haben, sondern sich später auch die Missgunst, den Neid und den Hass der delphischen Geistlichkeit zugezogen haben.

Diese Leute fürchteten offensichtlich seinen Einfluss auf das Volk. Sie ließen ihn heimlich verhaften aus Angst vor Reaktionen des Volkes. Danach schmuggelten sie eine goldene Schale aus dem Apollotempel in seinen Sack und stellten nun Aesop dem Volk als Kirchenräuber dar. Er wird in den Kerker geworfen, als Kirchenräuber zum Tode verurteilt und vom Felsen gestürzt. Aesop hat bis zuletzt versucht mit seinem einzigen Verteidigungsmittel, der Fabel, um sein Leben zu kämpfen.

Die Fabel vom „Frosch und der Maus" erzählt er den Delphern, als sie ihn aus dem Gefängnis holen.

Was du tust, wirst du erleiden!

Als die Tiere noch alle die gleiche Sprache redeten, gewann eine Maus einen Frosch lieb. Daher lud sie ihn zum Mahle ein und führte ihn in die Vorratskammer eines Reichen. Da gab es Brot, Käs´, Honig, Feigen und alle andern Leckerbissen. „Nun iß nach Herzenslust, lieber Frosch", sagte die Maus. Der ließ sich das nicht zweimal sagen, und alle beide schwelgten in auserlesenen Genüssen. Dann sagte der Frosch: „Nun komm auch einmal zu mir, liebe Maus, und mäste dich an meinen Schätzen! Damit du aber bei der Reise durchs Wasser keine Angst bekommst, will ich deinen Fuß an meinen anbinden." Das tat er auch und sprang in den Teich, wobei er die Maus gefesselt mit sich zog. Als diese nun merkte, daß sie ertrinken mußte, sprach sie: „Ich werde von dir getötet werden, aber von einem Stärkeren werde ich gerächt werden." So starb sie. Aber wie sie noch auf dem Wasser dahintrieb, flog ein Habicht über den Teich. Der sah die Maus, schoß herab und ergriff sie und zugleich mit ihr den Frosch. Und er verschlang sie beide."[5]

Jedoch, es gelang Aesop nicht mehr, seine Feinde umzustimmen und zur Einsicht zu bringen. Er kämpfte also bis zu seinem Tode mit Hilfe der Fabel für sich selbst und damit für alle Unterdrückten, Benachteiligten und Entrechteten.

3.2.2. Phädrus

Phädrus - „der Freigelassene des Augustus", wie er sich selbst nennt - lebte im 1. Jahrhundert n. Chr., war Sklave im Haus des Augustus und erhielt später die Freiheit. Phädrus führte die äsopische Fabel in Rom ein, war jedoch bei den zeitgenössischen Schriftstellern unbeliebt, da sich diese durch seine Fabeln angegriffen fühlten. Zu den äsopischen Fabeln, die er in lateinischen Versen nachdichtet, ergänzt er eigene Erfindungen. Er schreibt, wie er selbst sagt, „im alten Stil zwar, doch mit neuem Inhalt“[6]. Die fünf Bücher des Phädrus enthalten insgesamt 92 Fabeln. Für seine Fabeln wählte er den sechsfüßigen Jambus.

Der Fuchs und der Storch

Verletze niemand; doch hast du verletzt,

Ist´s recht, mit gleichen Ruten dich zu zücht´gen.

Der Fuchs, erzählt man, lud zuerst den Storch

Zur Mahlzeit ein und setzt´ in flacher Schüssel

Ihm eine Brüh´ vor, die des Storches Schnabel

Trotz Hunger sich umsonst zu kosten mühte.

Nun ladet er den Fuchs und tafelt Flaschen

Voll Brocken auf, worein den Schnabel steckend

Er selbst sich labt, den Gast durch Hunger peinigt.

Wie der der Flasche Hals vergeblich leckt,

Läßt sich der Wandervogel so vernehmen:

„Was selbst man angab, trage man mit Gleichmut""[7]

3.3. Die orientalische Fabel

3.3.1. Panschatantra

Das wichtigste Fabelbuch des Orients Panschatantra beruht auf einem indischen Grundwerk, das seit etwa 500 n. Chr. existiert. Ihre Entstehung lässt sich leider nicht genauer angeben als: nach dem 2. Jahrhundert v. Chr. und vor dem 6. Jahrhundert n. Chr. Der Grund für die Entstehung nach dem 2. Jahrhundert v. Chr. ist vermutlich der ausgeprägte Bekanntheitsgrad der Fabel, da viele äsopische Fabeln im Panschatantra erscheinen. Eine solche Bekanntschaft aber ist erst im 2. vorchristlichen Jahrhundert möglich.

Jedes der fünf Bücher des Panschatantra steht unter einem Thema, zu dem Geschichten erzählt werden, ergänzt durch eine Reihe von angehängten und eingefügten Lebensweisheiten im Sprichwortstil. Die Erzählungen sind meist sehr umfangreich und mit märchenhaften Zügen versehen. Eine Erzählung enthält oft mehrere Lehren verschiedener Art, die an der passenden Stelle in die Geschichte eingefügt werden.

Die Themen der Bücher lauten:

1. Verfeindung mit Freunden
2. Erwerbung von Freunden
3. Krähen- und Eulenkrieg
4. Verlust von schon Besessenem
5. Handel ohne sorgfältige Prüfung

Die Sammlung enthält insgesamt 83 Erzählungen, von denen man allerdings nur einen Teil als echte Fabeln bezeichnen kann. Auch Fabeln, die offensichtlich griechischen Ursprungs sind, wie beispielsweise „Die Elefanten und die Mäuse", werden so ausgeschmückt, dass sie in die Nähe des Märchens geraten.

3.4. Deutsches Mittelalter

Der Beginn der fabelartigen Literatur in deutscher Sprache machte die Physiologusübersetzung aus dem Jahre 1070. Diese Übersetzung kann allerdings noch nicht als Fabel angesehen werden, obwohl sie fabulose Züge zeigt: „Die Auslegung tierischer Eigenschaften und Verhaltensweisen, so daß ihre Bedeutung für den Menschen sichtbar ist.“[8]

Die Fabel wird im Mittelalter bispel oder bischaft genannt. Beide Benennungen machen deutlich, dass es sich um eine belehrende Erzählung handelt. Das Wort bispel weist außerdem auf den Zusammenhang zwischen Fabel, Gleichnis und Sprichwort hin.

3.4.1. Sticker

Der bedeutenste Dichter der spätmittelalterlichen deutschen Fabel ist der Stricker. Er gestaltete seine moralischen und erzählenden Fabeln mit epischen und dramatischen Mitteln, sowie einer breiten Ausmalung. Die Stricker – Fabeln weisen zwei typische Ausprägungen auf: a) eine Überbetonung der Lehre, da sie fast die Hälfte der Fabel einnimmt („Eine Lehre erhellt (...) oft nur eine Seite der Erzählung, daher werden mehrere Deutungen angehängt, um die Erzählung befriedigend zu erklären.“[9] ) und b) das Überwiegen der Erzählung, bei der die Lehre in den Hintergrund tritt.

Durch die umfangreiche Fabelsammlung des späten Mittelalters in deutscher Sprache, war es nun auch dem einfachen Volke möglich Falbel zu lesen.

3.4.2. Ulrich Boner

Vom Dominikaner Ulrich Boner (1324- 1349) aus Bern ist die Fabelsammlung bispel erhalten geblieben, die 1349 entstand und 1461 als erstes deutsches Buch im Druck veröffentlicht wurde. Nicht nur im Mittelalter, sondern auch darüber hinaus wurde dieses Werk sehr geschätzt, u.a. von Lessing. Der berühmte Literaturhistoriker des 19. Jahrhunderts G.G. Gervinus bezeichnete Boners Fabelsammlung als Musterbeispiel der Gattung.

Die Sammlung enthält ca. 100 Fabeln, die aus dem Lateinischen übernommen und in Versform neu erzählt wurden. Boners Fabeln sind sehr ausführlich gestaltet und verfügen meist über 50 – 60 Zeilen. Die Lehre steht bei Boner am Ende, jedoch wird auch sie sehr ausführlich, geschmückt mit Redensarten und bildlichen Ausschmückungen, vorgetragen.

Die Hauptmotive in den Fabeln von Ulrich Boner sind die menschliche Torheit und Ungerechtigkeit, Undankbarkeit und Untreue. Zudem preist er Freiheit und Freundschaft und gibt wiederholt die Lehre, dass man dem guten Rat folgen und sich vor dem Schlechten hüten soll. Seine Fabeln sind ausdrücklich nur für die bestimmt, die es hören wollen und sollen beraten.

3.5. Zeitalter der Reformation

Mit der Einführung des Buchdrucks Ende des 15. Jahrhunderts und im gesamten 16. Jahrhundert (Reformation) erlebte die Fabel eine Hochblüte. Die Fabel zog in das Volksbuch und in großer Zahl in Schwanksammlungen ein. „Ein weiterer Grund für dieses Aufblühen einer – im hohen Mittelalter von der Dichtung vollkommen ausgeschlossenen – Form, ist in ihrer Einschätzung durch die neue evangelische Lehre zu sehen.“[10] Neu an der Fabel war zu dieser Zeit, dass sie als Mittel der politisch – religiösen Auseinandersetzung galt. „Benennungen und Beschimpfungen des Gegners durch einen Tiernamen – ein dem Bereich der Fabel entlehnter Brauch – ist in der Reformation weit verbreitet: der Papst ist der Esel oder zur Verdeutlichung der „Babstesel“.“[11]

3.5.1. Martin Luther

Martin Luther (1483–1546) geht hier mit gutem Beispiel voran und schrieb sein Fabelbuch auf Grundlage der Übersetzung der griechisch – römischen Fabeln (1476) des Ulmer Arztes Heinrich Steinhöwel (1412–1478). 1557 erschienen erstmalig Luthers Fabeln im fünften Band der Jenaer Lutherausgabe unter dem Titel: „Etliche Fabeln aus ESOPO / von M.M.I. verdeutscht / sampt einer schönen Vorrede / von rechtem Nutz und Brauch desselben Buchs / jederman wes Standes er auch ist / lustig und dienlich zu lesen. Anno M.D. XXX.”[12] Als weitere bedeutende Fabeldichter dieser Zeit sind Melanchthon, Mathesius, Chytraeus, Burkhard Waldis, Erasmus Alberus und Hans Sachs zu nennen.

3.5.2. Jean de La Fontaine

Die Fabeln aus der Feder von Jean de La Fontaine (1621–1695) wurden vielfach kritisiert, wie z.B. von Lessing: „Ihm gelang es, die Fabel zu einem anmuthigen poetischen Spielwerke zu machen; er bezauberte.(vgl. Karl August Ott: Lessing und La Fontaine. GRM N.F. 1959, S. 235ff)“[13] La Fontaine sagte dazu:„Da er nicht in der Kürze des Phädrus schreiben könne, wolle er mehr als dieser aufheitern. Heiterkeit aber ist für La Fontaine nicht das, was zum Lachen reizt, sondern der Zauber („un certain charme, un air agréable“), den man auch den ernstensten Dingen und Ereignissen verleihen kann.“[14] Ihm kam es nicht auf die Form, sondern auf den Nutzen seiner Fabelsammlung an, da Fabeln belehren sollen. Die Versfabeln von La Fontaine sind „humoristisch und elegant, vornehm und höflich auch in der Entlarvung menschlicher und gesellschaftlicher Schwächen“[15].

[...]


[1] Dithmar, R. (19887), S. 195

[2] Poser, T. (1993), S. 60

[3] von Wilpert, G (20018), S. 254

[4] Dithmar, R. (19887)*, S. 165

[5] Dithmar, R. (19852)*, S. 23

[6] Phadrus´ des Freigelassenen des Augustus (1855-19123), S. 41

[7] Dithmar, R.(19852), S. 23

[8] Leibfried, E. (1967), S. 45

[9] Leibfried, E. (1967), S. 47

[10] Leibfried, E. (1967), S. 53

[11] Leibfried, E. (1967), S. 54

[12] Dithmar, R. (19887), S. 42

[13] Dithmar, R. (19887) , S. 57

[14] Dithmar, R. (19887), S. 57

[15] Dithmar, R. (19887), S. 58

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die Fabel als Lernformat für Kinder? Eine Untersuchung
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Veranstaltung
Lesefrüchtekorb oder Arbeitstasche: Lernformate heutiger Deutsch(lese)bücher
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
32
Katalognummer
V64324
ISBN (eBook)
9783638571739
ISBN (Buch)
9783638720359
Dateigröße
1105 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fabel, Lernformat, Kinder, Eine, Untersuchung, Lesefrüchtekorb, Arbeitstasche, Lernformate, Deutsch(lese)bücher
Arbeit zitieren
Katja Küchemann (Autor), 2006, Die Fabel als Lernformat für Kinder? Eine Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64324

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