Verrechnungspreise in multinationalen Unternehmen - ein Überblick


Hausarbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Grundlagen der innerbetrieblichen Leistungsbewertung
2.1. Funktionen von Verrechnungspreisen
2.2. Verrechnungspreise im Unternehmenszusammenhang

3. Koordination von Bereichsentscheidungen
3.1. Pretiale Betriebslenkung
3.2. Unsichere Entscheidungen

4. Gewinnabgrenzung multinationaler Konzerne
4.1. Minimierung der Gesamtsteuerbelastung
4.2. Methoden der Gewinnabgrenzung
4.3. OECD-Empfehlung
4.4. Tatsächliche Anwendung und aktuelle Problematik

5. Fazit

6. LITERATUR

7. ANHANG

1. Einleitung

Der Anteil konzerninternen Lieferungs- und Leistungsverkehrs am Welthandel betrug 1998 bereits geschätzte 60%[1]. Durch die Globalisierung hat diese Zahl noch zugenommen: Unternehmen und Konzerne werden komplexer, es entstehen neue Strukturen. Multinationale Unternehmen (im folgenden MNU) sind dabei aufgrund ihrer Komplexität selten zentral organisiert, die Erstellung einer simultanen Gesamtplanung ist nahezu unmöglich geworden. Stattdessen wird durch dezentrale autonome organisatorische Teilbereiche, oft als Profit Center geführt, eine Entlastung der Unternehmensführung angestrebt.

Von der organisationstheoretischen Seite her betrachtet ist hierbei dennoch zentrale Koordination notwendig, um zu verhindern, dass nur noch voneinander unabhängige Einzelentscheidungen getroffen und erfolgsbeeinflussende Inter-dependenzen missachtet werden. Die Entscheidungen aller Akteure müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass unternehmenszielkonform gewirtschaftet wird. Dies geschieht durch die Bewertung innerbetrieblicher Leistungen.

Von der steuerlichen Seite her betrachtet ergibt sich die Möglichkeit des Gewinn-transfers mit Hilfe solcher Verrechnungspreise. Dies ist für rund 85% der MNU deren wichtigste Funktion[2]. Es entsteht dabei international die Problematik einer angemessenen Gewinnabgrenzung für die Besteuerung.

Beide Themenbereiche müssen Unternehmen in ihre Verrechnungspreissysteme einbinden - eine Aufgabe, die einiges Kopfzerbrechen bereiten kann.

D ie folgende Arbeit führt an die damit verbundenen Problematiken heran: sie stellt zunächst in einem kurzen Überblick Grundlagen und Funktionen der inner-betrieblichen Leistungsbewertung dar. Es folgen Erläuterungen zur Funktion der pretialen Betriebslenkung und, ausführlicher, zur Steuerthematik. Dabei werden allgemein verwendete und von der OECD[3] empfohlene Methoden, die aktuelle Problematik sowie mögliche Lösungsalternativen umrissen. Den Abschluss bildet Kapitel 5 mit einem Fazit.

2. Grundlagen der innerbetrieblichen Leistungsbewertung

2.1. Funktionen von Verrechnungspreisen

Verrechnungspreise als Wertansatz für innerbetriebliche Leistungsströme können diverse interne und externe Funktionen haben:[4]

Intern dienen sie der Koordination dezentraler Entscheidungen und der Gesamt-koordination im Hinblick auf die Unternehmensgesamtzielsetzung. Sie werden zur Erfolgsermittlung einzelner Bereiche verwendet und unterstützen somit zentrale, am Erfolgsbeitrag orientierte strategische Entscheidungen. Weiterhin haben Verrechnungspreise dadurch interne Anreizfunktion:

die „bereichserfolgsabhängige Karriereentwicklung oder Entlohnung“[5] stellt grundsätzlich einen hohen Motivationsfaktor dar und sollte nicht unterschätzt werden[6].

Auch extern haben Verrechnungspreise Erfolgsermittlungsfunktion: diese dient bei rechtlich selbständigen Konzern-Tochtergesellschaften zur „Erfüllung externer Publizitätspflichten“[7], bei fertigen und halbfertigen Erzeugnissen zu deren Bewertung und Bilanzierung. Im Rahmen der Konzernbesteuerung bestimmen Verrechnungspreise über die Erfolgshöhe auch das Besteuerungssubstrat für die nationalen Finanzverwaltungen. Weiterhin spielen sie sowohl bezüglich der Zollbemessungsgrundlagen im grenzüberschreitenden Warenverkehr als auch „gegenüber Regulierungsbehörden zur Rechtfertigung der am Markt geforderten Leistung“[8] eine Rolle.

Diverse Funktionsmöglichkeiten bergen die Gefahr von Zielkonflikten und Widersprüchen. Hier sind diese besonders vorhanden zwischen dem Ziel, betriebswirtschaftlich sinnvolle Verrechnungspreise auf Bereichsebene zu erhalten und demjenigen, auf Gesamtunternehmensebene internen und externen steuerlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Insgesamt erweisen sich Verrechnungspreise „als ´Gordischer Knoten` dezentraler Entscheidungsstrukturen“[9], den zu lösen die Hauptaufgabe von Verrechnungs-preissystemen ist.

2.2. Verrechnungspreise im Unternehmenszusammenhang

Die Bestimmung von Verrechnungspreisen muss, unabhängig von der verwendeten Methode, immer im Gesamtzusammenhang des Unternehmens-managements vorgenommen werden. Verrechnungspreise sollten so ausgestaltet sein, dass sie primär die operative Effizienz des Geschäfts gewährleisten und sowohl Geschäftsmodell als auch Strategie des Unternehmens unterstützen. Neben diesen betriebswirtschaftlichen Funktionen muss die angestrebte Steuerop-timierung insgesamt ebenso zu den übergeordneten Unternehmenszielen passen[10].

Wird bei ihrer Bestimmung ein solcher „ ´business fit` “[11] erreicht, so können Verrechnungspreise eine „entscheidende Scharnierfunktion“[12] zwischen Konzern-strategie und operativem Geschäft einnehmen.

[...]


[1] vgl. Oestreicher (2003), S.33 in: Oestreicher (Hrsg.), Internationale Verrechnungspreise

[2] vgl. Nestler/Schaflitzl (2003), S.197

[3] Organization for Economic Co-Operation and Development; Organisation für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

[4] gesamtes Kapitel 2.1. vgl. Weber/Stoffels/Kleindienst (2004), Kapitel 3, S.13-16

[5] Weber/Stoffels/Kleindienst (2004), S.15

[6] Eine solche Erfolgszurechnung anhand von Verrechnungspreisen kann sich als problematisch erweisen: zum einen liegen Informationsasymmetrien vor (vgl. Punkt 2.3.), zum anderen können bereits kleine Fehler bei der Bestimmung zu Folgefehlern bei der Gewinnzuordnung führen. Die Erfolgszurechnung sollte dementsprechend nicht eine Funktion derjenigen Verrechnungspreise sein, die für den innerbetrieblichen Leistungstransfer erstellt wurden. Genauso wenig vermögen diese zusätzlich noch die Funktion der auf der Erfolgsrechnung aufbauenden Kontrollrechnung auszufüllen. Gelöst wird das Anforderungsproblem, indem die Transferpreise ausnahmslos steuern, während die Einkommensverteilungs- und Kontrollfunktion parallel von extra dafür geschaffenen Lenkungspreisen erfüllt wird. Ideal ist allerdings auch diese Regelung nicht, da solche Lenkungspreise nicht immer den tatsächlichen Bereichsgewinn widerspiegeln und somit häufig nicht anreizkompatibel sind.

[7] Weber/Stoffels/Kleindienst (2004), S.15

[8] ebd., S.16

[9] ebd., S.8

[10] vgl. ebd., S.58f.

[11] ebd., S.57

[12] Schnorberger (2003), S.59 in: Oestreicher (Hrsg.), Internationale Verrechnungspreise

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Verrechnungspreise in multinationalen Unternehmen - ein Überblick
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Lehrstuhl für Industrielles Management und Unternehmensrechnung )
Veranstaltung
Internationales Controlling
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V64508
ISBN (eBook)
9783638573078
ISBN (Buch)
9783638767545
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verrechnungspreise, Unternehmen, Internationales, Controlling
Arbeit zitieren
Christina Berghold (Autor), 2006, Verrechnungspreise in multinationalen Unternehmen - ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64508

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