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Zur Denkfigur des 'Vornehmen Menschen' bei Nietzsche

Title: Zur Denkfigur des 'Vornehmen Menschen' bei Nietzsche

Seminar Paper , 2001 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jaroslaw Piwowarski (Author)

Philosophy - Philosophy of the 19th Century
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Auf die Frage hin, was vornehm sei, antwortet Nietzsche im 287 Aphorismus von »Jenseits von Gut und Böse«:„Die vornehme Seele hat Ehrfurcht vor sich selbst. “ Was bedeutet es? „Ehrfurcht“ bedeutet hohe Achtung, achtungsvolle Scheu, Respekt vor der Würde, Erhabenheit einer Person, eines Wesens oder einer Sache - ist das nicht u.a. eine im religiösen Kontext gebräuchliche Formel, die die Beziehung zwischen Mensch und Gott und Göttlichem als ein vertikales Verhältnis beschreibt? Ein Verhältnis, bei dem der Mensch sich am unteren Ende befand und Gott am anderen, höchsten Punkt, bevor er im Zarathustra für tot erklärt wurde? Ein Verhältnis, bei dem der Mensch zwangsläufig nach oben aufschauen mußte, sich selbst dabei als klein und nichtig wahrnehmend? Letztendlich also bezeichnet „Ehrfurcht“ im religiösem Kontext (den Nietzsche ja selbst in dem besagten Aphorismus aufgreift) nichts anderes, als die Beschreibung einer hierarchischen Beziehung zwischen Niedrig- und Hochgestellten. Von dem Begriff der Ehrfurcht aus ist es nicht weit zum Begriff der Demut, also einer weiteren religiösen Kategorie.
Was bedeutet dieses intensivierte Selbstverhältnis der Ehrfurcht vor sich selbst?
In der vorliegenden Arbeit will ich dieser Frage nachgehen und mich dabei mit einigen Begriffen auseinander setzten, die aus dem Umfeld der Denkfigur vom vornehmen Menschen stammen. Es soll den Begriffen nachgespürt werden, die bei der Konturierung dieser Denkfigur eine wichtige Rolle spielen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

„Die vornehme Seele hat Ehrfurcht vor sich selbst“

Der Begriff „vornehm“

Verortung der Vornehmheit in der Aristokratie.

Die Perspektivität: das E x o t e r i s c h e und E s o t e r i s c h e

Der g a n z e r e Mensch: der Vorzug des vornehmen Menschen

Der i n s t i n k t i v e Mensch – Instinkt als Lenker des Verhaltens

Pathos der Distanz – Leidenschaft der Distanz, Pathos der Ferne

Die Scham im Denken Nietzsches

Exkurs: Maske, Person und die Zuschreibung von Handlungen

Abschluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Denkfigur des „vornehmen Menschen“ bei Friedrich Nietzsche, insbesondere im Kontext seiner Werke „Jenseits von Gut und Böse“ und „Zur Genealogie der Moral“, mit dem Ziel, das darin enthaltene intensivierte Selbstverhältnis und die Bedeutung der „Ehrfurcht vor sich selbst“ zu ergründen.

  • Analyse des Begriffs der Vornehmheit und seiner aristokratischen Verortung.
  • Untersuchung der Bedeutung von Instinkt und Bewusstsein für den vornehmen Menschen.
  • Erörterung des „Pathos der Distanz“ als wesentliches Merkmal der vornehmen Lebenshaltung.
  • Diskussion der Scham und des Maskenspiels als Strategien der Selbstbehauptung und Distanzierung.
  • Exploration der philosophischen Entwicklung des Personenbegriffs im Vergleich zur nietzscheanischen Maske.

Auszug aus dem Buch

Die Scham im Denken Nietzsches

In diesem Kontext möchte ich den Begriff der Scham im Zusammenhang der Denkfigur des vornehmen Lebensideals bei Nietzsche diskutieren, und einen Gedanken von Marcus Planckh und dessen Ausführung aufgreifen. In seinem Aufsatz SCHAM ALS THEMA IM DENKEN FRIEDRICH NIETZSCHES vertritt er die These, „daß Scham und Ehrfurcht natürlicher Ausdruck des Pathos der Distanz sind“. Immer wieder wird deutlich, daß Nietzsche sehr häufig das Schamgefühl mit der distinktiven, vornehmen Haltung in Verbindung bringt – wie Planckh in seinem Aufsatz ausführt. Doch möchte ich diesen Gedanken um einen Aspekt ergänzen: um die Beziehung von Scham und Maske.

Planckh geht zu Beginn seines Aufsatzes auf außerphilosophische Aspekte des allgemeinen Schamphänomens ein, aus denen ich einige aufnehmen will und um die historische Dimension erweitern möchte.

Scham ist nicht unbedingt eine philosophische Kategorie. Im Begriffsgebrauch bezeichnet Scham auf der einen Seite eine quellende Empfindung, die durch das Bewußtsein ausgelöst wurde, besonders in moralischer Hinsicht versagt zu haben: durch das Gefühl, sich eine Blöße gegeben zu haben. Andererseits trägt es in sich die Bedeutung im Sinne von Schamgefühl, als Ausdruck von Zurückhaltung und Bescheidenheit. Das Schamphänomen ist ein Empfindungsfeld, das die innerste und somit intimste Zone menschlichen Gesamtaufbaues abgrenzt und vor dem Einblick anderer schützt.

Zusammenfassung der Kapitel

„Die vornehme Seele hat Ehrfurcht vor sich selbst“: Dieses Kapitel führt in den zentralen Aphorismus ein, der die Ehrfurcht als hierarchisches Selbstverhältnis des vornehmen Menschen definiert.

Der Begriff „vornehm“: Es wird die etymologische und habituelle Bedeutung von „vornehm“ als Ausdruck von Auslese und Distinktion analysiert.

Verortung der Vornehmheit in der Aristokratie.: Der Text beleuchtet die antidemokratischen Züge von Nietzsches Philosophie und die Hochschätzung aristokratischer Lebensweisen.

Die Perspektivität: das E x o t e r i s c h e und E s o t e r i s c h e: Hier wird der Unterschied zwischen der exoterischen Sicht von „unten“ und der esoterischen Sicht von „oben“ als Erkenntnismodus dargestellt.

Der g a n z e r e Mensch: der Vorzug des vornehmen Menschen: Dieses Kapitel befasst sich mit der Vorstellung des „Barbaren“ aus der Höhe als einem „ganzeren Menschen“ und Kulturstifter.

Der i n s t i n k t i v e Mensch – Instinkt als Lenker des Verhaltens: Es wird erörtert, warum instinktives Handeln für Nietzsche ein Zeichen von Vollkommenheit und notwendiger regulatorischer Stärke ist.

Pathos der Distanz – Leidenschaft der Distanz, Pathos der Ferne: Der Begriff wird als selbstgewähltes Exil und unabkömmliche Grundvoraussetzung für die Entfaltung der Individualität interpretiert.

Die Scham im Denken Nietzsches: Dieses Kapitel untersucht Scham als Ausdruck von Zurückhaltung, Diskretion und als natürliches Korrelat des Pathos der Distanz.

Exkurs: Maske, Person und die Zuschreibung von Handlungen: Es wird die Maske als notwendiges Instrument des vornehmen Menschen zur Wahrung von Geheimhaltung und zum Schutz vor Zudringlichkeit diskutiert.

Abschluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Ehrfurcht vor sich selbst ein gefährliches, metaphysisch ungesichertes Selbstverhältnis darstellt, das die volle Verantwortung auf den Einzelnen verlagert.

Schlüsselwörter

Friedrich Nietzsche, Vornehmheit, Ehrfurcht, Pathos der Distanz, Aristokratie, Instinkt, Bewusstsein, Scham, Maske, Person, Maskierung, Individuation, Wille zur Macht, Jenseits von Gut und Böse, Genealogie der Moral

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Denkfigur des „vornehmen Menschen“ bei Friedrich Nietzsche und wie diese Haltung durch Begriffe wie Ehrfurcht, Distanz und Scham charakterisiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten gehören das Pathos der Distanz, die Bedeutung des Instinkts gegenüber dem Bewusstsein, der Umgang mit Scham sowie die Funktion der Maske als Schutz und Ausdruck von Vornehmheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu ergründen, was Nietzsche mit der Formel „Die vornehme Seele hat Ehrfurcht vor sich selbst“ meint und wie sich dieses Selbstverhältnis in der Praxis des vornehmen Menschen niederschlägt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine textnahe philosophische Analyse von Nietzsches Aphorismen durch, ergänzt durch die Einbeziehung fachwissenschaftlicher Literatur und historischer Kontextualisierungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Begriffe „vornehm“ und „Aristokratie“, die Analyse erkenntnistheoretischer Aspekte (Exoterik/Esoterik), die Rolle der Instinkte und die tiefgehende Erörterung von Pathos der Distanz, Scham und Maskierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Nietzsche, Vornehmheit, Pathos der Distanz, Scham, Maske, Instinkt und Individuation.

Wie unterscheidet Nietzsche zwischen dem exoterischen und dem esoterischen Menschen?

Der exoterische Mensch betrachtet die Dinge von „unten“ und ist der Allgemeinheit verpflichtet, während der esoterische Mensch von „oben“ herabblickt und eine eigenständige, von ursprünglicher Erfahrung getragene Perspektive einnimmt.

Warum ist für Nietzsche das Tragen einer Maske für den vornehmen Menschen notwendig?

Die Maske dient als notwendiger Schutz vor der Zudringlichkeit mitleidiger Menschen, ermöglicht den Rückzug in das eigene Selbst und bewahrt die Distanz, die für die Entfaltung der individuellen Tiefe unerlässlich ist.

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Details

Title
Zur Denkfigur des 'Vornehmen Menschen' bei Nietzsche
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Philosophie)
Course
SE: „Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse /
Grade
1,0
Author
Jaroslaw Piwowarski (Author)
Publication Year
2001
Pages
27
Catalog Number
V64707
ISBN (eBook)
9783638574532
ISBN (Book)
9783656792154
Language
German
Tags
Denkfigur Vornehmen Menschen Nietzsche Jenseits Böse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jaroslaw Piwowarski (Author), 2001, Zur Denkfigur des 'Vornehmen Menschen' bei Nietzsche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64707
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