Im Rahmen des Hauptseminars „Schiller: Dramen und Dramentheorie“ schreibe ich die vorliegende Hausarbeit. Da ich bereits ein Referat über Friedrich Schillers Drama „Don Karlos“ angefertigt habe, blieb ich bei diesem Themenkomplex. Mein Erkenntnisinteresse gilt hauptsächlich der Frage, inwieweit sich Schiller bei der Gestaltung seines Dramas an Jean – Jaques Rousseau und dessen Staats- und Freiheitsideal anlehnte. Weiterhin soll der Psychologie und Ambivalenz der Hauptfiguren Karlos, Phillip und Marquis Posa nachgespürt werden. Hierbei interessiert vor allem die von Schiller vorgenommene Freundschaftskonzeption innerhalb seines Werkes. Gleich zu Anfang findet eine Verschiebung der Hauptfiguren statt. Vom eigentlichen Namengeber Don Karlos, hin zu dem Malteserritter Posa. Dieser wird nun geistige Mitte des Dramas und hält die Macht in den Händen das Geschehen zu lenken. An dieser Figur erscheint es besonders interessant Rousseaus Ideale nachzuweisen. Dieses folgt daraus, dass Posa zusammen mit Phillip die entscheidende Schlüsselszene des gesamten Werkes ausfüllt. In ihr fällt auch immer wieder der zentrale Begriff des Dramas, die Freiheit.
Zunächst sollen in dieser Hausarbeit die grundlegenden Begriffe und Theorien aus Rousseaus Werk „Der Gesellschaftsvertrag“ herausgearbeitet werden. Hierbei wird zunächst besonderer Wert auf den Begriff Freiheit gelegt und wie dieser im Sinne Rousseaus gebräuchlich ist. Weiterführend soll in Kapitel 2.2 geklärt werden, wie das System einer funktionierenden Gesellschaft für Rousseau bestehen kann, wieder im Hinblick auf die individuelle Freiheit. In Kapitel 2.3 will diese Arbeit herleiten, wie Rousseau die herrschende Klasse eingeteilt hat. Dies ist besonders für die Figur des Phillip in Schillers Don Karlos notwendig. Nun folgt in Kapitel 3. zunächst eine allgemeine Beschreibung zu der Entstehung von Schillers Werk. Dieser kurze Abriss soll der Einleitung und der Orientierung dienen. In Kapitel 3.1 werden Rousseaus Ideale auf das Stück hin angewendet, insbesondere auf die Figuren des Karlos und des Phillips. Hierbei wird auch die Beschreibung der Figuren und ihre Psychologie bedacht. Das letzte Kapitel dieses Abschnittes ist Marquis Posa gewidmet, aus oben bereits beschriebenen Gründen. Weiterhin beschreibt das vierte Kapitel die Freundschaftskonstellationen Marquis Posa und Karlos, sowie Phillip und Posa. Hierbei wird versucht diesen ambivalenten Beziehungen Rechnung zu tragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jean – Jaques Rousseaus Gesellschaftsvertrag
2.1 Die Gesellschaftsmaximen Rousseaus
2.2 Der Absolutismus und die Despotie bei Rousseau
3. Friedrich Schillers Don Karlos
3.1 Der Don Karlos und Jean – Jaques Rousseau
3.2 Marquis Posa und Rousseaus Ideale
4. Die Freundschaftskonzeption im Don Karlos
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der staatsphilosophischen Ideale Jean-Jacques Rousseaus auf Friedrich Schillers Drama „Don Karlos“. Dabei steht die Analyse der psychologischen Ambivalenz der zentralen Charaktere sowie das Verständnis von Freundschaft, Freiheit und politischer Macht im Kontext der Aufklärung im Mittelpunkt der Untersuchung.
- Rousseaus Gesellschaftstheorie und deren Freiheitsbegriff
- Psychologische Charakterisierung von Karlos, Phillip und Marquis Posa
- Freundschaftskonzeptionen im 18. Jahrhundert
- Spannungsfeld zwischen absolutistischer Macht und aufklärerischem Ideal
- Die Rolle der Inquisition als Gegenspieler zur individuellen Freiheit
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Don Karlos und Jean – Jaques Rousseau
Da der Don Karlos mehrheitlich als politisches Drama begriffen wird, finden sich viele Aspekte aus Rousseaus Gesellschaftsvertrag in ihm.
Der Begriff der Freiheit ist zentrale Mitte des gesamten Stückes und entwickelt eine spannende Eigendynamik. Jede Person im Don Karlos, definiert ihn für sich anders. Für Karlos, den spanischen Erbprinz, bedeutet Freiheit, seine Stiefmutter Elisabeth öffentlich lieben zu dürfen. Karlos verkörpert in Schillers Stück die Figur der Menschlichkeit. So ist seine Freiheitsidee in Gefühlen und Emotionen verankert. Karlos handelt immer nach seinem Herzen und bleibt der Liebe zu Elisabeth treu. Er verfolgt keine eigenständigen politischen Ziele, wie beispielsweise Marquis Posa, König Phillip, Herzog Alba oder der geistliche und des Königs Berater Domingo. Karlos ist dem empfindsamen home naturell zuzuordnen. Diesen beschrieb bereits Rousseau. Der home naturell steht hier im Gegensatz zum homo politicus, einem Menschen, der politische Pläne strickt und verfolgt. Karlos repräsentiert eine Empfindsamkeit, wie sie für den bürgerlichen Tränen und Freundschaftskult Schillers Zeit bezeichnend ist. Tränen sind zu dieser Epoche als Zeichenleere des Humanen zu begreifen. So hat die Menschlichkeit im vorherrschenden System keinen Platz und die damalige Zeit ist geprägt durch familiäre Härte und falsche oder fehlende Kommunikation. Menschlichkeit durfte weder gezeigt, noch gelebt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Erkenntnisinteresse der Arbeit hinsichtlich des Einflusses von Rousseau auf Schillers Drama und skizziert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2. Jean – Jaques Rousseaus Gesellschaftsvertrag: Dieses Kapitel arbeitet die theoretischen Grundlagen aus Rousseaus Werk heraus, insbesondere den Freiheitsbegriff und das System einer funktionierenden Gesellschaft.
2.1 Die Gesellschaftsmaximen Rousseaus: Hier wird untersucht, inwiefern der Mensch durch Freiheit zu sich selbst findet und welche Rolle der Naturzustand in Rousseaus Philosophie spielt.
2.2 Der Absolutismus und die Despotie bei Rousseau: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Regierungsformen bei Rousseau und das Verhältnis zwischen Souverän, Volk und Regierung zur Vermeidung von Despotie.
3. Friedrich Schillers Don Karlos: Dieser Abschnitt beschreibt den Entstehungsprozess des Dramas und die literarische Einordnung von Schillers Werk als Stück des Übergangs.
3.1 Der Don Karlos und Jean – Jaques Rousseau: Hier werden die Ideale Rousseaus auf die Charaktere Karlos und Phillip angewendet, wobei die Diskrepanz zwischen Menschlichkeit und politischem Zwang beleuchtet wird.
3.2 Marquis Posa und Rousseaus Ideale: Dieses Kapitel widmet sich der Figur des Marquis Posa als politischem Planer und analysiert seine (misslungenen) Versuche, Rousseaus Freiheitsideale am spanischen Hof umzusetzen.
4. Die Freundschaftskonzeption im Don Karlos: Hier wird der Freundschaftsbegriff der Aufklärung analysiert und den unterschiedlichen Bindungen zwischen den Protagonisten im Drama gegenübergestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die offene Gestaltung des Dramas sowie die Bedeutung der Gedankenfreiheit für die Rezeption des Stücks.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Don Karlos, Jean-Jacques Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Freiheit, Freundschaft, Aufklärung, Despotie, Absolutismus, Marquis Posa, Menschlichkeit, Politische Dramatik, 18. Jahrhundert, Gedankenfreiheit, Individuum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den inhaltlichen und philosophischen Einfluss von Jean-Jacques Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“ auf das Drama „Don Karlos“ von Friedrich Schiller.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Freiheitsideal, die Konzepte von Freundschaft im 18. Jahrhundert, die Psychologie der Hauptfiguren und der Konflikt zwischen Individuum und absolutistischer Herrschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit möchte klären, inwieweit Schiller Rousseaus Staats- und Freiheitsideale bei der Gestaltung der Charaktere und der Konfliktstruktur seines Dramas bewusst adaptiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primärtextbasierte Textanalysen mit ideengeschichtlichen Bezügen zu Rousseau und kulturhistorischen Kontexten der Aufklärung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Rousseaus Theorien expliziert und anschließend auf die Charaktere (Karlos, Phillip, Posa) sowie die spezifischen Freundschaftskonstellationen innerhalb des Dramas übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Freiheit, Freundschaft, Aufklärung, Rousseau, Despotie und Individuum charakterisiert.
Warum spielt die Figur des Marquis Posa eine so zentrale Rolle in der Untersuchung?
Posa verkörpert als politischer Strategist und Idealist am stärksten den Versuch, Rousseaus Ideale in die Realität umzusetzen, scheitert jedoch an der eigenen Ambivalenz und dem höfischen Intrigenmilieu.
Inwiefern beeinflusst das „Puppenspiel“-Motiv die Schlussfolgerung der Arbeit?
Das Motiv illustriert, dass die Inquisition als übergeordnete Macht die Charaktere manipuliert, was den schwierigen Weg zur persönlichen und politischen Freiheit unterstreicht.
Wie bewertet die Arbeit die Freundschaft zwischen Karlos und Posa?
Die Freundschaft wird als ein Versuch gewertet, im kleinen Kreis die Ideale der Freiheit und Brüderlichkeit zu erproben, wobei die unterschiedlichen Motive – echte Zuneigung bei Karlos vs. strategisches Kalkül bei Posa – betont werden.
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- Marthe Wedler (Author), 2005, Friedrich Schiller - Don Karlos: Ideal und Freundschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64946