Bedeutung von Sterben und Tod im tibetischen Buddhismus


Hausarbeit, 2003

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichtlicher Überblick

3 Grundlagen des tibetischen Buddhismus
3.1 Was ist Buddhismus?
3.2 Die vier edlen Wahrheiten
3.3 Die Bardos
3.4 Ablauf der drei Bardos des Todes
3.4.1 Der Bardo des Sterbens
3.4.2 Der Bardo des Zwischenzustandes
3.4.3 Der Bardo des Werdens

4 Der Tod
4.1 Was ist der Tod?
4.2 Tibetische Ansichten über den Tod

5 Die tibetische Kunst des Sterbens
5.1 Sterben ohne Furcht
5.2 Vorbereitungen auf den Tod

6 Todeszeremonie

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Religion als Sinn und Deutungsinstrument“ entschloss ich mich, ein Thema aus dem tibetischen Buddhismus zu wählen, weil mich bisher Filme und Dokumentationen über das Land Tibet sehr beeindruckt haben. Zudem hatte ich als Intensivschwester sehr viel mit Sterben und Tod zu tun und fand dies häufig belastend, weil auf Intensivstationen meist ein friedliches Sterben durch Geräte, Medikamente und sonstige Wiederbelebungsmaßnahmen nicht möglich ist.

Ich finde interessant zu erfahren, wie diese Glaubensrichtung damit umgeht und möchte in meiner Arbeit folgenden Fragen nachgehen:

- Inwieweit wird im tibetischen Buddhismus der Tod als „Ende des Lebens“ gesehen, dem man furchtvoll begegnet?
- Inwieweit beschäftigen sich Tibeter im Leben mit dem Tod und besteht eine aktive Vorbereitung darauf?
- Ist ihr Leben eher jenseits- oder diesseitsorientiert?

Beginnen werde ich mit einem geschichtlichen Überblick und kläre anschließend, was unter dem tibetischen Buddhismus zu verstehen ist. Da der Ausgangspunkt aller buddhistischen Lehren die „Vier edlen Wahrheiten“ sind, führe ich diese aus.

Sodann fahre ich mit der Beschreibung der „Bardos“ fort, wobei ich auf die drei Bardos des Todes näher eingehe. Zum Thema Tod sind mir auch die Ansichten, die Vorbereitung und die Todeszeremonien der Tibeter wichtig, um meine Fragen beantworten zu können.

2 Geschichtlicher Überblick

Die geschichtlichen Aufzeichnungen Tibets reichen ca. 2300 Jahre zurück. Die ersten acht Jahrhunderte regierte das Land eine Kriegerdynastie. Es herrschte ein animistisches[1] Religionssystem unter der Führung einer Priesterkaste von Schamanen mit besonderem Geschick in Divination[2], Zauberei und Opferkult.

Die frühe Dynastie hatte ihren Sitz im Yarlung-Tal, einem Flusstal, welches nahe dem heutigen Tsetang liegt. Diese nahm im Laufe der folgenden Jahrhunderte immer mehr Stämme und Gebiete ein und vereinigte die Führer der Nachbarkönigreiche in einem feudalen, militärischen Verbund, welche bereits durch drei Gemeinsamkeiten verbunden waren: Territorium, Sprache und Religion. (vgl. Thurmann 2002: Seite 21f.)

Die Tibeter vergötterten Elemente von der sie umgebenden Natur und vollzogen ein „(...) komplexes System von Ritualen zur Opferung, Divination und Besänftigung eines vielgestaltigen Pantheons[3] von Gottheiten, die Unterwelt, Erdoberfläche und Himmel bevölkerten“ (Thurmann 2002: Seite 22).

Im sechsten Jahrhundert waren alle Stämme des Hochlandes ein Reich und durch Kämpfe untereinander und mit der feindlichen Umwelt auch so mächtig geworden, dass sie sich durch kriegerische Beuteexpeditionen in tiefergelegene Länder einen furchteinflößenden Ruf bei den Menschen erwarben. (vgl. Thurmann 2002: Seite 23)

Im frühen siebten Jahrhundert begann Kaiser Songzen Gambo dem feudalen Militarismus eine friedliche, spirituellere Richtung zu geben. Durch die Heirat mit zwei buddhistischen Prinzessinnen aus Nepal und China nahm der Buddhismus Einzug in Tibet und erreichte einen Höhepunkt in der Zeit von Kaiser Trisong Detsen in den Jahren ab 790 n. Chr., der mit Hilfe des indischen Adepten Padamasambhava und des indischen buddhistischen Abtes Shantarakshita in Samye das erste Kloster Tibets baute. In einem 60-jährigen Prozess wurde alles nutzbringende Wissen des gesamten erreichbaren asiatischen Raumes zusammengetragen, und die Tibeter entwickelten in ihrem Streben nach dem bestmöglichen Verständnis von Mensch und Natur großes Geschick.

Nach einer Periode der Verwirrung, ausgelöst durch übertriebenen Druck seitens der Herrscher, entstanden in den nächsten drei Jahrhunderten im ganzen Land Klöster, und die Tibeter konzentrierten sich mehr und mehr auf die buddhistische Bildung. (vgl. Thurmann 2002: Seite 24f.; vgl. Brück 1996: Seite 17ff.)

Das zwölfte Jahrhundert zeichnete sich durch eine Phase des intensiven Kontaktes zwischen Tibet und dem Mongolenreich aus, ohne dass es zu einem Herrschaftsverhältnis der einen über die andere Seite kam. Gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts zerfiel das mongolische Reich, und die tibetische Dynastie von Pagmodru errang die Vorherrschaft in Tibet. Gleichzeitig wurde durch das Wirken des Lama Jey Tsongkhapa eine spirituelle Renaissance eingeleitet, in der die Praxis des Buddhismus als wichtigstes Lebensziel durch die Gründung eines Gebetsfestes in Lhasa gefestigt wurde.

Mit einem der jüngeren Schüler Tsongkhapas, Gendun Drubpa (1391 – 1475), wurde die Inkarnationsreihe der Dalai Lama begonnen. (vgl. Thurmann 2002: Seite 26f.)

„Im Jahre 1642 (...) wurde Seine Heiligkeit der Fünfte Dalai Lama (1617 – 1682) zum König von Tibet gekrönt und begründet die Ganden-Palast-Sieg-Herrschaft, die von den Tibetern bis zum heutigen Tag als legitime Regierung angesehen wird“ (Thurmann 2002: Seite 27). Die gegenwärtige Notlage Tibets zeigt sich dadurch, dass seit 1950 die Chinesen versuchen, die tibetische Sprache, den Buddhismus und die auf ihn gegründete Kultur sowie jede Spur nationaler tibetischer Identität zu unterdrücken, was fast mit der Auslöschung der Tibeter endete. Der vierzehnte Dalai Lama befindet sich deshalb im Exil in Indien und baut von dort eine lebensfähige Gemeinschaft auf. (vgl. Brück 1996: Seite 26)

3 Grundlagen des tibetischen Buddhismus

3.1 Was ist Buddhismus?

Der Buddhismus ist eine Lehre, die auf Buddha[4] Shakyamuni zurückgeht, der vor ca. 2500 Jahren gelebt hat. Shakyamuni wurde „Buddha“ genannt, was „Erwachter“ oder „Erleuchteter“ bedeutet, weil er für sich in Anspruch nahm, vollkommene Einsicht in Wesen und Struktur der Wirklichkeit erlangt zu haben.

Die Lehre des tibetischen Buddhismus wird zum Mahayana[5] gezählt und ist heute auch unter dem Namen Lamaismus bekannt. Sie ist keine Religion in unserem Sinne; der Buddha glaubte an keinen Gott und konnte im Glauben auch keinen Selbstzweck sehen. Es treten zwar Gottheiten auf, diese haben jedoch eine ganz andere Bedeutung[6]. (vgl. Anderson 1983: Seite 37; vgl. Thurmann 2002: Seite 34ff.)

„Die Hauptaussagen dieser Lehre waren, dass die gewöhnliche menschliche Existenz ein unbefriedigender Zustand ist, in dem sich die Menschen aufgrund eines fundamentalen Missverständnisses ihres eigenen Wesens selbst Leid zufügen, und dass es einen anderen Daseinszustand gibt, Nirvana[7], der als Befreiung von diesem Leid eine völlig andere Seinsweise darstellt“ (Anderson 1983: Seite 19).

Während die abendländische Kultur den menschlichen Organismus als Ganzheit betrachtet, akzeptiert der Buddhismus nur die Ganzheit des Kosmos.

Der tibetische Buddhismus negiert jeden Glauben an ein „Selbst“ und erwartet, dass man sich einem Entwicklungsprozess überantwortet, der Harmonie in ein individuelles Leben bringt. (vgl. Anderson 1983: Seite 34ff.)

[...]


[1] Lat. animus: Geist, Seele; Glaube an die Beseeltheit der Natur und an die Existenz von Geistern

(Wahrig-Burfeind 2000: Seite 61).

[2] Lat. divinatio: Ahnung, Sehergabe (Wahrig-Burfeind 2000: Seite 218).

[3] Antiker Tempel aller Götter oder Gesamtheit aller Götter (Wahrig-Burfeind 2000: Seite 678).

[4] Das Wort „Buddha“ geht auf die sanskritische Verb-Wurzel „budh“ = erwachen, erkennen zurück. Die tibetische Entsprechung dafür ist „Sang-yas, was zwei Bedeutungen hat. Zum einen die Beseitigung geistiger Schranken und die Ausweitung positiver Eigenschaften; d. h. ein Buddha erkennt etwas, er ist sich seiner Sache bewusst und diese Bewusstheit bringt Weiterentwicklung und Wachstum mit sich (vgl. Anderson 1983: Seite 38).

[5] Großes Fahrzeug

[6] Die Gottheiten stammten noch vom schamanischen Glaubenssystem (Bön) und wurden zu Schutzgottheiten der buddhistischen Lehre (vgl. Anderson 1983: Seite 27).

[7] Ist nach buddhistischer Definition, die Überwindung oder völlige Auslöschung von Gier, Hass und Wahn; die Befreiung aus dem Daseinskreislauf (vgl. Lama Anagarika Govinda 1989: Seite 332).

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Details

Titel
Bedeutung von Sterben und Tod im tibetischen Buddhismus
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V65053
ISBN (eBook)
9783638577137
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Sterben, Buddhismus, Thema Buddhismus
Arbeit zitieren
Dipl. Sozial. Päd. (FH) Viktoria Lehrer (Autor), 2003, Bedeutung von Sterben und Tod im tibetischen Buddhismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65053

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