Der Begriff des Wissensmanagements ist im Zuge der Qualitätsdebatte auch im pädagogischen Feld immer häufiger anzutreffen. Obwohl das sich dahinter verbergende Gebilde ursprünglich aus der Betriebswirtschaft kommt, ist es nicht nur für Pädagogen in Profit-Organisationen interessant und vor allem wichtig, darüber Bescheid zu wissen. Inwiefern sich mit Wissensmanagement auch (erwachsenen-)pädagogische Handlungsfelder verbinden lassen bzw. dadurch vielleicht auch erst neu entstehen, soll im Folgenden näher beleuchtet werden.
Dafür wird zunächst der Begriff in seine Bestandteile „Wissen“ und „Management“ zerlegt und definiert. Anschließend wird ein bekanntes Wissensmanagementmodell in seinen einzelnen Schritten erläutert und plastisch durch die Nennung von Methoden und Instrumenten beschrieben. Dabei wird auch die mögliche Rolle eines Pädagogen berücksichtigt.
Am Ende wird die Frage nach pädagogischen Handlungsfeldern im Bereich Wissensmanagement noch einmal grundsätzlicher betrachtet und auf Interdisziplinarität untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Wissens(management)begriff
2.1. Daten – Informationen – Wissen
2.2. Implizites/ Explizites Wissen
2.3. (Wissens-)Management
3. Das Modell der Bausteine des Wissens
3.1. Wissensziele definieren
3.2. Wissen identifizieren
3.3. Wissen erwerben
3.4. Wissen entwickeln
3.5. Wissen (ver-)teilen
3.6. Wissen nutzen
3.7. Wissen bewahren
3.8. Wissen bewerten
4. Wissensmanagement als Aufgabe für Pädagogen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Wissensmanagement in Organisationen als ein (erwachsenen-)pädagogisches Handlungsfeld betrachtet werden kann. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob durch die Verknüpfung ökonomischer Managementansätze mit pädagogischen Kompetenzen Synergieeffekte entstehen, die für die Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen in Organisationen entscheidend sind.
- Grundlagen der Begriffsbestimmung von "Wissen" und "Management"
- Analyse des Modells der "Bausteine des Wissens" von Probst et al.
- Rolle des Pädagogen bei der Implementierung von Wissensmanagement
- Interdisziplinäre Verbindung zwischen Pädagogik und Ökonomie
- Praktische Anwendungsfelder für pädagogische Expertise in Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.7. Wissen bewahren
Dieser Baustein beschäftigt sich mit der Frage: Wie kann das Wissen innerhalb der Organisation bewahrt werden? Dabei geht es nicht nur um die reine „Speicherung“, sondern auch um die Auswahl, welches Wissen bewahrt und nach welchen Kriterien diese Entscheidung getroffen werden soll. Die häufigste Form eines Verlusts von organisationalem Wissen entsteht durch die Trennung von einem Mitarbeiter, der Träger dieses Wissens war bzw. ist. Selten wird bei so genannten „Verschlankungen“ bzw. „Verjüngungen“ einer Organisation bedacht, dass mit den älteren Mitarbeitern oft auch wertvolle Erfahrungen verloren gehen, die unter Umständen nie mehr oder nur mit einem großen Kostenaufwand wieder beschafft werden können.
Das Beispiel verdeutlicht, welcher Verlust entstehen kann, wenn eine Organisation sich „unvorbereitet“ von (Schlüssel-)Mitarbeitern trennt. Zur Bewahrung des wertvollen Wissens erfahrener Mitarbeiter gibt es einige wirkungsvolle Instrumente. Je nachdem ob es sich um eine Pensionierung mit anschließender Neubesetzung der Stelle oder um eine komplette Streichung handelt, bieten sich folgende Instrumente an: Bei einer Neubesetzung kommt die in Japan weitverbreitete Methode „sempai-kohai“ in Frage. Dabei wird der junge neue Kollege („kohai“) während einer gemeinsamen Übergangszeit vom erfahrenen „Meister“ („sempai“) angelernt. Sollte die ehemalige Position nicht weiter bestehen, wäre es hilfreich, den Kontakt zu dem ehemaligen Kollegen aufrecht zu erhalten, so dass dieser beispielsweise als Berater auf Honorarbasis weiter zur Verfügung steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Wissensmanagementdebatte und Darlegung der Zielsetzung, das Feld aus pädagogischer Perspektive zu untersuchen.
2. Zum Wissens(management)begriff: Definition der zentralen Konzepte Wissen und Management sowie Erläuterung der Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Wissen.
3. Das Modell der Bausteine des Wissens: Detaillierte Vorstellung und Analyse der acht Bausteine von Probst et al. mit Fokus auf die jeweilige pädagogische Rolle.
4. Wissensmanagement als Aufgabe für Pädagogen: Diskussion der Synergien zwischen pädagogischer Expertise und betriebswirtschaftlichem Wissensmanagement.
5. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Ergebnis, dass Wissensmanagement ein pädagogisches Handlungsfeld darstellt.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, Erwachsenenpädagogik, Wissensbausteine, Wissensbewahrung, Lernende Organisation, implizites Wissen, explizites Wissen, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung, pädagogisches Handlungsfeld, Wissenstransfer, Kommunikation, Wissensziele.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Verbindung zwischen betriebswirtschaftlichem Wissensmanagement und erwachsenenpädagogischem Handeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Definition von Wissen, das Baustein-Modell von Probst et al. sowie die Rolle von Pädagogen in betrieblichen Lernprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu belegen, dass Wissensmanagement ein legitimes und notwendiges pädagogisches Handlungsfeld darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen analytischen Ansatz, der existierende Wissensmanagement-Modelle durch eine „pädagogische Brille“ betrachtet und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die detaillierte Analyse der acht Bausteine des Wissens und die theoretische Fundierung der pädagogischen Rolle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wissensmanagement, Lernende Organisation, Wissenstransfer und die pädagogische Kompetenz in der Unternehmensführung.
Welche Bedeutung hat das "Münchener Modell" für den Autor?
Es dient als Beleg dafür, dass pädagogische Expertise bereits bei der theoretischen Modellentwicklung von Wissensmanagementsystemen essenziell ist.
Warum wird das Beispiel von "Andy Miller" angeführt?
Das Beispiel illustriert den Verlust von organisationalem Erfahrungswissen bei unvorbereiteten Entlassungen und unterstreicht die Notwendigkeit einer professionellen Trennungskultur.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Wissensmanagers?
Der Autor argumentiert, dass aufgrund der Notwendigkeit, Lehr- und Lernprozesse zu gestalten, eine pädagogische Ausbildung für dieses Arbeitsfeld besonders prädestiniert ist.
- Quote paper
- Marten Hornbostel (Author), 2006, Wissensmanagement in Organisationen - Ein (erwachsenen-)pädagogisches Handlungsfeld?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65443