Full Metal Jacket - Ein (Anti-)Kriegsfilm?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Full Metal Jacket – ein (Anti-)Kriegsfilm ?

1. Einleitung
1.1. Hinweise
1.2. Kontext
1.3. Vorgehen
1.4. Anti-Elemente
1.4.1. Anti-Elemente und Zuschauerrezeption

2. Analyse von Full Metal Jacket
2.1. Inhaltsangabe
2.1.1. Hauptcharaktere
2.2. Bildebene
2.3. Tonebene
2.4. Erzählstrategien
2.5. Themen

3. Full Metal Jacket - Pressereaktionen

4. Fazit

5. Literatur

Titelbild: Screenshot von Full Metal Jacket, Warner Bros., DVD 0:18:08

1. Einleitung

1.1. Hinweise

Zur Unterstützung eines besseren Leseflusses wurde in der folgenden Arbeit jeweils nur die männliche Schreibform genutzt. Selbstverständlich sind aber jeweils beide Geschlechter gemeint.

Der Unterzeichner versichert, dass er die vorliegende schriftliche Hausarbeit

(Seminararbeit) selbstständig verfasst und keine anderen als die von ihm angegebenen Hilfsmittel benutzt hat. Die Stellen der Arbeit, die anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinne nach entnommen sind, wurden in jedem Fall unter Angabe der Quellen (einschließlich des World Wide Web und anderer elektronischer Text- und Datensammlungen) kenntlich gemacht. Dies gilt auch für beigegebene Zeichnungen, bildliche Darstellungen, Skizzen und dergleichen. Dem Unterzeichner ist bewusst, dass jedes Zuwiderhandeln als Täuschungsversuch zu gelten hat, der die Anerkennung der Hausarbeit als Leistungsnachweis ausschließt und weitere angemessene Sanktionen zur Folge haben kann.

1.2. Kontext

Die vorliegende Hausarbeit entstand im Kontext des Hauptseminars:

„(Anti-)Kriegsfilm“, welches im Sommersemester 2005 stattfand. Zielsetzung des Seminars war der Versuch einer Genrebeschreibung für das Genre „Antikriegsfilm“. Hierbei sollte es vor allem darauf ankommen, durch die Untersuchung und Analyse ausgewählter Werke typische Anti-Elemente zu identifizieren und so ein Instrumentarium zu entwickeln, welches eine Abgrenzung zwischen Kriegsfilm- und Antikriegsfilmgenre möglich macht.

Dazu wurden Filme aus verschiedenen Epochen gesichtet und jeweils in zwei Sitzungen analysiert und diskutiert. Berücksichtigt wurden: Im Westen nichts Neues[1], Westfront 1918[2], Wege zum Ruhm[3] und Apocalypse Now[4]. Neben einer Analyse der Bild-, Ton- und Erzählstrategien sowie einer Benennung der im Film behandelten Themen, wurden auch Kritiken und Rezensionen des entsprechenden Werks zum Zeitpunkt seiner Uraufführung zusammengetragen. Letzteres sollte Aufschluss über das Bild des Films in der Gesellschaft sowie dessen Wandlungen geben.

1.3. Vorgehen

In der vorliegenden Arbeit soll die gleiche Prozedur mit Stanley Kubricks Film Full Metal Jacket durchgearbeitet werden, um anschließend den Versuch einer Zuordnung zum Kriegsfilm- bzw. Antikriegsfilmgenre zu machen.

Zuerst werden die Bild- und Tonebenen, anschließend die Erzählstrategien und Themen untersucht. Die Reaktionen der Öffentlichkeit werden im Nachhinein näher beleuchtet, bevor der Versuch der Genrebestimmung von Full Metal Jacket vorgenommen werden soll.

Zunächst ist jedoch ein kleiner Exkurs notwendig, um die bereits erwähnten Anti-Elemente näher zu erklären.

1.4. Anti-Elemente

Während des gesamten Seminarverlaufs blieb die Fragestellung präsent, was einen Kriegsfilm zum Antikriegsfilm macht. Schnell wurde eine unvollständige und lose Sammlung von Anti-Elementen entwickelt, die bei Bedarf jeweils ergänzt wurde. Dabei unterschieden sich die genannten Aspekte nicht nur im Grad ihrer Ausprägung, sondern oftmals auch in ihrer Dimension. So wurde die „bildliche Darstellung von Gewalt und Tod“[5] schnell ergänzt durch eine vermeintliche Sinnebene „die Darstellung des Todes Unschuldiger“[6]. Viel diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob der Grund des Krieges und alle beteiligten Parteien dargestellt werden müssten. Auch das – von Knut Hickethier bereits skizzierte „grundsätzliche Dilemma des Antikriegsfilms, immer auch den Krieg zeigen zu müssen, den man eigentlich bekämpft“ war Gegenstand der Diskussion um eine Bestimmung typischer Anti-Elemente. Viele der aufgeworfenen Fragen konnten nicht im Konsens beantwortet werden, was die Schwierigkeit einer Umschreibung des Genres verdeutlicht. Letztendlich blieb zumindest als ein zentraler Punkt die Dekonstruktion, die in allen behandelten Filmen auftauchte und sich auf verschiedenen Ebenen manifestierte. Sie ließ sich auf der bildlichen Ebene in der Zerstörung von Gebäuden, Maschinen und Lebewesen nachweisen, während auf der Ebene der Erzählstruktur die Zerstörung der Psyche bzw. des Verstandes verschiedener Protagonisten als Zeichen von Dekonstruktion gewertet werden kann. Im Zusammenspiel ergab sich dadurch die Sinndekonstruktion von Krieg, Kriegsgrund und Kriegsziel.

1.4.1. Anti-Elemente und Zuschauerrezeption

Die Frage, wie sich Dekonstruktion – auf welcher filmischen Ebene auch immer – in der Rezeption des Betrachters auswirkt oder besser; ob sie wirklich zu einer Anti-Kriegshaltung beim Zuschauer führt konnte nicht abschließend geklärt werden. Roger Odin beschreibt in seinem Text: „For a Semio-Pragmatics of Film“[7] die Möglichkeiten von Bedeutungskonstruktion beim Regisseur und beim Zuschauer. Er geht dabei davon aus, dass Film an sich keine Bedeutung produziert, sondern lediglich bestimmte Les- und Interpretationsarten beim Zuschauer blockiert:

We must, therefore, confront the shocking fact that not only does a film produce no meaning by itself, but all it can do is to block a number of possible investments of meaning. The only effect of internal constraints is to prevent the application of certain reading rules[8].

Die beschriebenen Anti-Elemente können also auch nur als Hinweise gedeutet werden, die eine bestimmte Bedeutungskonstruktion beim Zuschauer unterstützen, indem sie eine gegenteilige blockieren.

Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich die Analyseart, die in der vorliegenden Arbeit verwendet werden soll. Vorwiegend sollen die verschiedenen Ebenen von Full Metal Jacket auf Zeichen von Dekonstruktion untersucht werden.

2. Analyse von Full Metal Jacket

2.1. Inhaltsangabe

Der Film unterteilt sich in zwei Teile.

Im ersten Teil wird die Ausbildung einer Gruppe Rekruten zu Marines auf Parris Island gezeigt. Höhepunkt ist der letzte Abend, an dem ein Amok laufender Rekrut den Ausbilder und anschließend sich selbst erschießt.

Im zweiten Teil verlagert sich die Handlung nach Vietnam zum Zeitpunkt der Tet-Offensive. Einige der Rekruten aus dem ersten Teil tauchen wieder auf. Nach der Offensive der Nordvietnamesen begleitet die Kamera die amerikanischen Soldaten bei der Rückeroberung der Stadt Hué. Höhepunkt ist hierbei ein Patrouilleneinsatz, bei dem drei Amerikaner von einer vietnamesischen Heckenschützin erschossen werden, bevor diese von den restlichen Soldaten des Trupps gestellt und getötet wird.

2.1.1. Hauptcharaktere

Private Joker (Matthew Modine), Gunnery Sergeant Hartmann [der Ausbilder] (Lee Ermey), Private Paula (Vincent D’Onofrio), Private Cowboy (Arliss Howard), Animal Mother (Adam Baldwin), Albino (Dorian Harewood), Rafterman (Kevyn Major Howard)

2.2. Bildebene

Schon in der ersten Szene von Full Metal Jacket wird auf der bildlichen Ebene Dekonstruktion sichtbar, indem Kubrick zeigt, wie den neuen Rekruten die Köpfe geschoren werden. Dabei wird neben der simplen Dekonstruktion der Frisuren auch bereits die folgende Entindividualisierung der Rekruten angedeutet.

Der Rest der „Ausbildungsepisode“ zeichnet sich durch einen Bildaufbau mit klarem Linienverlauf aus. Der Schlafsaal der Rekruten wirkt ebenso symmetrisch wie die Toiletten an der Wand im Waschraum. Alle Exerzier- und Turnübungen, die die Rekruten vollbringen müssen, zielen ebenfalls auf Symmetrie und Einheit ab[9]. Stefan Reinecke spricht von einer „Geometrie des Terrors“[10]. Hier steht also zunächst erstmal der Aufbau im Vordergrund, der notwendig ist, um später eine Dekonstruktion zu schildern.

In diesem ersten Teil des Films geht es Kubrick vorwiegend um den militärischen Apparat, der die Rekruten in allen Lebensbereichen erfassen und vereinheitlichen soll, damit sie perfekt als Killermaschinen funktionieren. Lediglich Private Paula (im Original Private „Pyle“) zerstört immer wieder die Symmetrie und geometrischen Formen, indem er für seine Fehler und Unzulänglichkeiten mit Strafexerzieren in heruntergelassenen Hosen oder Daumenlutschen bestraft wird.

Die Strafe besteht (semantisch gesehen) darin, dass an ihm [Paula] die Regression, der Ich-Verlust, auf die der Drill zielt, sichtbar wird.[11]

Die durch diese Bilder transportierte und zur Schau gestellte Härte der Ausbildung, die ein Eingliedern in die Gruppe durch Aufgabe der Individualität fordert, lässt sich als Anti-Element identifizieren, da die Quintessenz die Dekonstruktion der Individualität mit eigener Meinung und eigenem, freien Willen ist. Kubrick setzt hier bereits am militärischen Apparat mit seiner Kritik an und nicht erst an der Kriegsführung dieses Apparats.

Die Farbsetzung in diesem Teil des Films unterstützt die Dramaturgie der Handlung. Grün und Grau sind die beherrschenden Farben, die symbolisch für den oft beschriebenen Kampf von Natur gegen Technik bzw. Zivilisation in Vietnam stehen können. Lediglich der Waschraum erscheint in strahlendem Weiß, bevor ihm diese implizierte Unschuld, durch den Mord und Selbstmord Paulas und den damit verbundenen roten Blutspritzern und –lachen genommen wird. In zwei Szenen ist kaltes Blau die beherrschende Farbe. Diese Szenen spielen abends bzw. nachts und enden jeweils mit dem Ausbruch physischer Gewalt. In der ersten Szene wird Paula von seinen Kameraden nachts gefesselt und geschlagen, in der anderen erschießt Paula zuerst den Ausbilder und anschließend sich selbst.

[...]


[1] All Quiet on the Western Front, USA 1930, R: Lewis Milestone

[2] Westfront 1918, D 1930, R: G.W. Pabst

[3] Paths of Glory, USA 1957, R: Stanley Kubrick

[4] Apocalypse Now, USA 1979, R: Francis Ford Coppola

[5] von Teilnehmenden im Seminarverlauf genanntes Argument

[6] von Teilnehmenden im Seminarverlauf genanntes Argument

[7] in: R. Stam and T. Miller, Film and Theory, 2000

[8] ebd. S.55

[9] vgl. S. Reinecke, Hollywood goes Vietnam, S. 106 ff.

[10] S. Reinecke, Hollywood goes Vietnam, S.107

[11] ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Full Metal Jacket - Ein (Anti-)Kriegsfilm?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Medienwissenschaften am Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften)
Veranstaltung
HS: (Anti-)Kriegsfilm
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V65444
ISBN (eBook)
9783638580090
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Seminar sollten Genrekonventionen für das (Anti-)Kriegsfilmgenre erarbeitet und anschließend an prominenten Beispielen getestet werden. Die Abschlussarbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und wendet das Raster auf den Film "Full Metal Jacket" (Stanley Kubrick, USA, 1987) an.
Schlagworte
Full, Metal, Jacket
Arbeit zitieren
Marten Hornbostel (Autor), 2005, Full Metal Jacket - Ein (Anti-)Kriegsfilm?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65444

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