Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich mich schon immer sehr für die Thematik „Schwerstbehinderte Kinder in der schulischen Integration“ interessiert habe, vor allem weil ich mitbekommen habe, dass sich viele Lehrer/innen vor dieser Thematik „fürchten“ und scheuen. Besonders interessierte mich zusätzlich der Aspekt der nonverbalen Kommunikation. Da ich Jona schon seit vier Jahren persönlich kenne und auch in seiner Klasse ein Semester unterrichten durfte, schien es für mich perfekt, diese drei Aspekte der Schwerstbehinderung, Integration und der nonverbalen Kommunikation in einer Arbeit zu vereinigen. Die Problemstellung dieser Arbeit ist es, anhand dieses Einzelfalles, die Bedeutsamkeit einer funktionierenden Integration zu veranschaulichen. Hierfür wird der Fall von Jona, einem schwerstbehinderten, nonverbalen Kindes, beschrieben, das trotz seiner Behinderung gut im Klassenverband integriert ist. Dazu wählte ich die Methode der Einzelfallanalyse. In dieser Methode finden sich mehrere Aspekte, einen einzelnen Fall genauesten zu durchleuchten. Die Komplexität des ganzen Falles, die Zusammenhänge der Funktions- und Lebensbereiche in der Ganzheit der Person und der historischen, lebensgeschichtliche Hintergrund sollen hier betont werden. Fallanalysen stellen eine entscheidende Hilfe dar bei der Suche nach relevanten Einflussfaktoren und bei der Interpretation von Zusammenhängen (siehe Mayring, 2002, S.42). Das Material für Fallanalysen kann sehr vielfältig sein. In dieser Arbeit wurden folgende Methoden bzw. Materialien verwendet: Interviews mit Mutter und Sonderschullehrerin, Fragebögen an die Mitschüler/innen, von Ärzten erhobene Krankengeschichten (Anamnesen), persönliche Lebenskurve und die Erfolgs- bzw. Misserfolgsquote diverser Therapien.
Diese Arbeit soll angehenden Lehrer/innen Mut machen, Herausforderungen in ihrem Beruf anzunehmen und zu versuchen aus jeder neuen Situation das Bestmögliche zu machen. Jedes behinderte Kind ist in seinem Wesen individuell und dies gilt es herauszufinden, was das jeweilige Kind für sich benötigt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
Theoretische Einführungen
1 Definition von Behinderung
1.1 Definition von Schwerstbehinderung
2 Definition der Integration
2.1 Gesetze zur Integration
2.2 Thesen zu Integration von Georg Feuser
2.3 Von der Integration zur Inclusion – eine Schule für alle
3 Kinder mit schweren Behinderungen in der Schule
3.1 Schulische Situation von schwerstbehinderten Kindern in Graz
4 Wesensmerkmale der Kommunikation
4.1 Die Notwendigkeit zu kommunizieren
5 Unterstützte Kommunikation (UK)
5.1 Prinzipien Unterstützter Kommunikation
5.2 Kommunikationshilfen
5.3 Beispiele nonverbaler Kommunikationstechniken
5.3.1 Körpereigene Kommunikationsformen
5.3.2 Externe Kommunikationshilfen
5.3.3 Graphische Zeichen
5.3.4 Elektronische Kommunikationshilfe
5.4 Kommunikationssystem in Jonas Klasse
5.4.1 Jona erzählt von zuhause
5.4.2 Jona kommuniziert mit der Studentin
6 Zukunftsperspektiven für Jona
6.1 Selbstbestimmtes Leben
Werte, die durch Selbstbestimmung unterstützt werden
Selbstbestimmung schreit nach einer Systemänderung
6.2 Persönliche Assistenz
Empirischer Teil
7 Die Methode
7.1 Einzelfallanalyse
7.2 Fünf Punkte meiner Einzelfallanalyse
7.3 Methoden der Einzelfallanalyse
7.3.1 Interviews
7.3.1.1 Interviewleitfaden
7.3.1.2 Auswertung der Interviews
7.3.2 Fragebogen der Mitschüler/innen
7.3.2.1 Auswertung der Fragebögen
7.3.3 Persönliche Lebenskurve
7.3.4 Auswertung der ärztlichen Gutachten
7.3.5 Therapien
8 Fallzusammenfassung und Fallstrukturierung
9 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Einzelfallstudie über ein schwerstbehindertes, nonverbales Kind die Bedeutung und Funktionsweise schulischer Integration. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Integration im Klassenverband gelingen kann und welche Rolle unterstützte Kommunikationssysteme für die Teilhabe und Lebensqualität des Kindes spielen.
- Schulische Integration von Kindern mit Schwerstbehinderung
- Methoden und Prinzipien der Unterstützten Kommunikation (UK)
- Bedeutung von Selbstbestimmung und Persönlicher Assistenz
- Qualitative Einzelfallanalyse und Methoden der Fallstudie
- Peer-Teaching und soziales Lernen im Klassenverband
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Notwendigkeit zu kommunizieren
Kommunikation wird weitgehend als Austausch von Informationen verstanden. In unserer technischen Welt spricht man gerne von Sender-Empfänger- Modellen, von Codierung und Decodierung. Denkt man in solchen Begriffen, ist es meist leicht, bei Störungen die Ursachen auszumachen: entweder ist der Sender defekt oder der Empfänger, möglicherweise fehlt der richtige Code zur Entschlüsselung der Botschaft, und so weiter.
Wie vielfältig die Störungen sein können und wie schwer es oft ist, sich verständlich zu machen, weiß wohl jeder aus eigener Erfahrung. Gerade in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen ist man immer wieder mit Problemen im kommunikativen Prozess konfrontiert: Sprachliche Beeinträchtigungen gehen in vielen Fällen Hand in Hand mit einer körperlichen, geistigen oder mehrfachen Behinderung und es fällt den Bezugspersonen oft schwer, Handlungen und Ausdrucksweisen von Menschen mit Behinderung als kommunikative Signale zu verstehen und richtig zu interpretieren.
Für den Menschen als soziales Wesen ist seine Gabe und Art zu kommunizieren von grundlegender Bedeutung für seine Stellung im sozialen Umfeld. Er braucht diese Fähigkeit nicht nur, um mit der Umwelt in Kontakt zu treten, also Dialoge verschiedenster Art zu führen, sondern auch, um im Gespräch mit sich selbst, im Monolog, seine Denkweise zu unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Definition von Behinderung: Das Kapitel erörtert die Komplexität und Relativität des Behinderungsbegriffs und definiert Schwerstbehinderung unter Berücksichtigung verschiedener sozialer und medizinischer Dimensionen.
2 Definition der Integration: Dieses Kapitel behandelt das Konzept der Integration und Inclusion, erläutert die rechtlichen Grundlagen und stellt die Thesen von Georg Feuser zur gemeinsamen Erziehung dar.
3 Kinder mit schweren Behinderungen in der Schule: Es wird die schulische Situation schwerstbehinderter Kinder diskutiert und verdeutlicht, dass Integration auch bei hohem Förderbedarf ein Recht und keine Frage der Lernfähigkeit ist.
4 Wesensmerkmale der Kommunikation: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen der Kommunikation ein und betont deren Bedeutung als soziales Grundbedürfnis und notwendiges Instrument zur Teilhabe.
5 Unterstützte Kommunikation (UK): Hier werden Prinzipien und praktische Techniken der UK, wie elektronische und nicht-elektronische Hilfsmittel, detailliert vorgestellt und auf die Anwendung im Klassenalltag bezogen.
6 Zukunftsperspektiven für Jona: Das Kapitel thematisiert die Lebensplanung für Menschen mit Behinderung, insbesondere durch Konzepte wie Selbstbestimmtes Leben und Persönliche Assistenz.
7 Die Methode: Dieser Abschnitt beschreibt den empirischen Rahmen der Einzelfallanalyse, inklusive der methodischen Vorgehensweise zur Datenerhebung und Interpretation.
8 Fallzusammenfassung und Fallstrukturierung: Hier werden die Ergebnisse der Analyse zusammengeführt und die wesentlichen Erkenntnisse aus Jonas schulischer Entwicklung sowie den angewandten Therapien resümiert.
9 Schlusswort: Das Schlusswort unterstreicht die Wichtigkeit der Integration und ermutigt Pädagogen, die Herausforderungen in der Arbeit mit schwerstbehinderten Kindern anzunehmen.
Schlüsselwörter
Integration, Schwerstbehinderung, Nonverbale Kommunikation, Unterstützte Kommunikation, Einzelfallanalyse, Inklusive Pädagogik, Selbstbestimmtes Leben, Persönliche Assistenz, Förderpädagogik, Schulalltag, Sprachverständnis, Behinderung, Sozialintegration, Teilhabe, Lebenskurve.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der schulischen Integration eines schwerstbehinderten, nonverbalen Kindes namens Jona und untersucht, wie Integration im Schulalltag erfolgreich gestaltet werden kann.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Integrationsbegriff, der Unterstützten Kommunikation, den Zukunftsperspektiven für behinderte Menschen und der empirischen Einzelfallanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand eines konkreten Einzelfalls zu zeigen, dass auch Kinder mit schwersten Behinderungen erfolgreich in Regelschulen integriert werden können und wie dies gelingt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet die Methode der qualitativen Einzelfallanalyse, basierend auf Interviews, Fragebögen, Lebenskurven und ärztlichen Gutachten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Integration und Kommunikation sowie einen empirischen Teil, der Jonas Situation und die Wirksamkeit verschiedener Therapien darlegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Integration, Schwerstbehinderung, Nonverbale Kommunikation, Unterstützte Kommunikation, Einzelfallanalyse und Persönliche Assistenz.
Wie kommuniziert Jona laut den Ergebnissen der Arbeit?
Jona kommuniziert primär über Mimik, Gestik und Körpersprache sowie unterstützend durch technische Hilfsmittel wie den "BigMack", um Entscheidungen zu treffen.
Was sind die größten Hindernisse für die weitere Zukunft von Jona nach der Volksschule?
Die Autorin und die Mutter weisen darauf hin, dass es in Österreich für schwerstbehinderte Jugendliche an passenden weiterführenden Schul- und Ausbildungsplätzen mangelt.
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- Mag. Susanne Biermair (Author), 2005, Nonverbale Kommunikation in der Integrationsklasse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65531