Aus meinem Leben Dichtung und Wahrheit von Goethe


Referat (Ausarbeitung), 2006

7 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Aus meinem Leben – Dichtung und Wahrheit (Goethe)

Daria Hagemeister

1. Gliederung und Bedeutung des Werkes:

Johann Wolfgang von Goethe wurde 1749 in Frankfurt geboren und starb 1832 in Weimar. Dichtung und Wahrheit ist seine Autobiografie, zu welcher ihm von Freunden und Verehrern geraten worden war, und die er mit 60 Jahren begonnen hat zu schreiben. Sie besteht aus 4 Teilen zu je 5 Büchern, die in Etappen verfasst wurden, und zwar die Teile 1 bis 3 entstanden zwischen dem Oktober 1809 und dem Jänner 1814. Den 4. Teil schrieb er 1824 bis 1831, und er erschien erst 1933 posthum.

Goethes Autobiografie unterscheidet sich in Art und Zielsetzung von anderen Autobiografien seiner Zeit, trägt aber Züge derselben. Sie ist keine Selbstanklage und auch keine Selbstanalyse, wie wir sie in K. Ph. Moritzs „Anton Reiser“ vorfinden. Eventuell könnte man meinen, Goethe hätte seine Vorbilder in den Biografien der italienischen Renaissance oder einem chronikähnlichen Memoirentypus aus dem 16. Jhdt., wie etwa den Lebenserzählungen „Gottfrieds von Berlichingen“ gesehen.

Goethe verknüpft ganz bewusst und planmäßig die faktischen Daten seines Lebens mit einer poetisch-ästhetischen Form der Darstellung, sowie einer Sinn gebenden Deutung. Durch den Altersstandpunkt hat Goethe bereits eine gewisse Distanz erlangt, sodass er die Ereignisse seiner Jugend in einem größeren Gesamtzusammenhang sehen und beschreiben kann. Dabei ist er stets bestrebt, die Relation zwischen Wahrheit und Dichtung zu wahren. Wahrheit heißt für ihn die stufenweise Ausbildung seiner Persönlichkeit, und die Ereignisse und Fakten, die dazu beigetragen haben, Dichtung hingegen bezeichnet die Art und Weise, wie sich diese Wahrheit in seiner Poesie niederschlägt, und dies wiederum beinhaltet nicht nur das Wirkliche, sondern auch alles Mögliche, das nie Wirklichkeit wurde, aber ebensolche Geltung und Bedeutung hat wie die Realität selbst.

Die kulturgeschichtliche Bedeutung des Werkes liegt darin, dass Goethe neben seiner persönlichen Lebensgeschichte auch tiefe Einblicke in die politischen und kulturellen Entwicklungen seiner Zeit gibt, soweit sie sich auf seine eigene Entwicklung ausgewirkt haben. Dort, wo Goethe auf einzelne Werke zu sprechen kommt, tut er es, wie er selbst sagt, um etwaige Lücken zu schließen. Es ist interessant zu lesen, was der wirkliche Hintergrund einer Geschichte war, da im Laufe der Zeit viel in Werke interpretiert worden ist, und oft die Interpretation später mehr Gewicht bekommen hat als das ursprüngliche Werk selbst.

Seine individuelle Entwicklung schildert Goethe als Resultat des literarischen und religiösen Lebens seiner Jugendzeit, wie etwa die Rezeption Shakespeares, die Schriften Herders, Klopstocks und die Naturbegeisterung entfacht durch die Lehre Rousseaus, sowie die Philosophie Spinozas von der Gott-Natur und ihrer All-Einheit. Der Aufklärung wird als Antithese die Genie-Bewegung entgegen gesetzt. Um 1770 wird die strenge Regelpoetik verabschiedet. Die „exakte Fantasie“ gleicht den Verlust der dichterischen Normen aus. In Dichtung und Wahrheit lösen episches Erzählen und analytisches Reflektieren einander ab.

Goethe versteht Dichtung als Mittel, um die Wahrheit ans Licht zu befördern und zu erkennen. Durch die Dichtung wird der Wahrheit des Daseins und den widersprüchlichen Lebensfragmenten Folge und Sinn zugewiesen. Goethes Autobiografie ist somit nicht nur ein Kunstwerk, sondern gleichzeitig auch ein Geschichtswerk. Durch die Alterssicht hat er retrospektives geschichtliches Verstehen und eine größere Urteilskraft. Bei der Rückerinnerung an Vergangenes wirkt allerdings die Einbildungskraft mit, dies ist die dichterische Komponente. Goethe bedient sich des Wahren zu seinem Zweck und erhebt eigene Erlebnisse und Entwicklungen zu Symbolen des Menschenlebens. Sie sollten eine „höhere“ Wahrheit bestätigen. Zwar müsse eine Biografie den Menschen in seinen Zeitverhältnissen zeigen, was ihm widerstrebt und was ihn begünstigt hat, doch Goethe war sich auch dessen bewusst, dass nicht alles von ihm wahrheitsgetreu wiedergegeben worden war, sondern perspektivische Verkürzungen einerseits und Auseinanderfaltungen andererseits unvermeidbar gewesen waren. Auch seine jugendlichen Krisen, Konflikte, Gefährdungen (er kam ja als etwa 15-Jähriger sogar mit dem Gesetz in Konflikt), seine religiösen Wandlungen, seine hypochondrischen und neurotischen Anwandlungen wurden oftmals bewusst oder unbewusst verschoben, beschönigt, gedämpft oder verdeckt. Obwohl Goethe sein Leben rückblickend als unter einem glücklichen Stern stehend betrachtete, nannte er es in einem Entwurf „ein einzig Abenteuer“ mit vielen wahren und falschen Tendenzen und es sei deshalb eine ewige Marter ohne eigentlichen Genuss gewesen. Im Zusammenhang mit „Egmont“ erörtert Goethe auch den Begriff des Dämonischen, der an ihm selbst seine produktive Seite erwiesen hat.

2. Inhaltsangabe:

Im ersten Teil beschreibt Goethe seine Kindheit in der Geborgenheit seines Elternhauses und seines Freundeskreises. Seine ersten Lebensjahre sind eng mit seiner Geburtsstadt Frankfurt verbunden. Sein Großvater ist sein geliebtes Vorbild. Der Unterricht beginnt, der kleine Goethe wird in die Welt des Geistes und des Glaubens eingeführt. Das Erdbeben von Lissabon am 1. Nov. 1755, bei dem etwa 60000 Menschen starben, lässt in dem Kind erste Zweifel an der Güte Gottes aufkeimen. Der ehrgeizige Vater lässt dem Knaben eine humanistische Bildung und streng religiöse Erziehung angedeihen. Der kirchliche Protestantismus war jedoch für den jungen Goethe „nur eine Art von trockner Moral“, deshalb versucht er auch, sich Gott auf andere Art zu nähern, und dieses Gottesbild blieb für sein Leben bis ins Greisenalter bestimmend, nämlich das Bild des Gottes, „der mit der Natur in unmittelbarer Verbindung [ stand ], sie als sein Werk [ liebte ] und [anerkannte ].“ In diese Zeit fallen auch bereits die ersten poetischen Versuche, Gedichte, die im Freundeskreis vorgetragen wurden.

Dann erschüttert der Siebenjährige Krieg die Welt. Durch die damit verbundene Parteinahme wird die Familie entzweit. Zu dieser Zeit schenken die Großeltern dem kleinen Goethe zufällig ein Puppentheater und das Kind flüchtet sich in die Welt der Märchen und Fantasie. Dann beginnt er sich mit den Versen Klopstocks zu befassen. Auch bemerkt er an sich selbst die Fähigkeit, mit seinen Geschichten Zuhörer fesseln zu können. Seine Geschichten stießen jedoch auch bei seinen Freunden manchmal auf Unglauben, da diese ja sehr wohl wussten, dass er für derlei abenteuerliche Unternehmungen gar nicht genügend Zeit hatte. Doch als Dichter fordert Goethe von einem jeden, „dasjenige für wirklich zu erkennen, was ihm, dem Erfinder, auf irgend eine Weise als wahr erscheinen konnte.“

Um die tatsächlichen Folgen des Krieges für Goethe so richtig verstehen zu können, muss ich erwähnen, dass der Vater Anhänger des Preußenkönigs war, der französische König jedoch Graf Thoranc, seinen Statthalter bei den Goethes am Hirschgraben einquartiert hatte. Diesem Umstand verdankt allerdings Goethe seinen Zugang zum französischen Theater, da sich dadurch in seiner Wohngegend eine französische Bühne etabliert hatte. Nun begann sich Goethe mit Racine auseinander zu setzen, lernte auch noch Französisch, neben all den anderen antiken und lebenden Sprachen, die er bereits lernen hatte müssen, las Moliere und Corneilles „Abhandlung über die drei Einheiten“, womit gemeint ist: die Einheit der Zeit, des Raumes und des Ortes. Dabei wird ihm bewusst, dass ein guter Praktiker nicht auch ein ebenso guter Theoretiker sein müsse. Neben dem Sprachunterricht erhält Goethe Musik- und Zeichenunterricht. Doch was dem Knaben vorschwebt, ist „etwas Außerordentliches hervorzubringen; worin es aber bestehen könne, wollte [ ihm ] nicht deutlich werden. Wie man jedoch eher an den Lohn denkt, den man erhalten möchte, als an das Verdienst, das man sich erwerben sollte; so [ leugnete er ] nicht, dass wenn [ er ] an ein wünschenswertes Glück dachte, dieses [ihm] am reizendsten in der Gestalt des Lorbeerkranzes erschien, der den Dichter zu zieren geflochten ist.“

Der 1. Teil endet mit Goethes erster Liebesbeziehung zu Gretchen, die ein abruptes Ende findet, als sich der damals etwa 15-Jährige in eine Dokumentenfälschungsaffäre verwickelt sieht, die sogar gerichtliche Untersuchungen zur Folge haben sollte. Die Kindheit endet mit dem Erlebnis von Schuld und in Verzweiflung und Krankheit. Der Jugendliche wird in Gewissenskonflikte gestürzt, weil er gegen Freunde aussagen muss. Die Sache geht jedoch aufgrund der Privilegien, die seine Familie genießt, noch einmal relativ glimpflich aus. Mit diesem seelisch tief gehenden Ereignis ist das Weltereignis der Kaiserkrönung Josephs II. in Frankfurt verbunden.

Im 2. Teil steht die Universitätsstadt Leipzig am Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Bald jedoch macht sich Enttäuschung breit, denn statt des positiven Einflusses der Gelehrtenatmosphäre auf den jungen Jusstudenten, beginnt eine äußere und innere Wandlung, die - beeinflusst durch die Leichtlebigkeit einer Weltstadt - sich nicht nur in der Kleidung und im literarischen Geschmack niederschlägt, sondern auch auf die Haltung des jungen Goethe Autoritäten gegenüber. Dies ist die Zeit, zu der Goethe sich vorwiegend in Ärztekreisen aufhält, dies ist die Zeit, zu der er mit Gottsched abrechnet und sich zu Wieland hinwendet. Doch seine Geschmacks- und Urteilsungewissheit verleitet ihn schließlich gar dazu, all seine Prosa und Gedichte auf dem Küchenherd zu verbrennen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Aus meinem Leben Dichtung und Wahrheit von Goethe
Hochschule
Universität Wien  (Germanistik)
Veranstaltung
Konversatorium
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
7
Katalognummer
V65597
ISBN (eBook)
9783638581233
ISBN (Buch)
9783656562825
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leben, Dichtung, Wahrheit, Goethe, Konversatorium, Autobilografie, Klassik, Literatur
Arbeit zitieren
Dr. phil. Daria Hagemeister (Autor), 2006, Aus meinem Leben Dichtung und Wahrheit von Goethe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65597

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