Wenn man mich fragen würde, wer die meiste Angst vor Kriminalität hätte, so würde ich spontan an das weibliche Geschlecht denken. In erster Linie sicherlich wegen meiner Sozialisation, in der das Bild der Frau als körperlich schwächeres Geschlecht immer mit der größeren Angst vor „Untaten“ in Verbindung gebracht wird. Des Weiteren aber auch durch einschlägige mediale Mittel, wie z.B. Kino- und Fernsehfilme, in denen Frauen als besonders gefährdete Individuen dargestellt werden.
Mein folgender Text wird sich hauptsächlich mit der Untersuchung von K.-H. Reuband auseinandersetzen.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Einleitung
Zielsetzung und methodisches Vorgehen
Viktimisierung und Kriminalitätsfurcht
Vulnerabilität und Frauen: Möglichkeiten des Selbstschutzes
Sexuelle Elemente der Bedrohung
Vermeidungsstrategien
Schlussbemerkung
Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Kriminalitätsfurcht und analysiert kritisch das Vulnerabilitätskonzept nach K.-H. Reuband, um das sogenannte „Kriminalitätsfurcht-Paradoxon“ soziologisch einzuordnen.
- Analyse des Kriminalitätsfurcht-Paradoxons
- Einfluss des Vulnerabilitätskonzepts auf das Furchtempfinden
- Rolle geschlechterspezifischer Sozialisation bei Sicherheitswahrnehmungen
- Untersuchung von Vermeidungsstrategien im öffentlichen Raum
- Kritische Reflexion methodischer Indikatoren in der Kriminologie
Auszug aus dem Buch
Vulnerabilität und Frauen: Möglichkeiten des Selbstschutzes
Wie bereits festgestellt wurde, impliziert die Vulnerabilität die These: „ Je weniger der einzelne glaubt, sich gegen das Delikt wehren zu können, desto größer die Furcht“( Reuband; 1999; S.152) Auf einem ähnlichen Prinzip basieren auch Untersuchungen zur Angst vor Delikten. Solche Untersuchungen enthalten die These, dass Ängste dann zunehmen, wenn Handlungsressourcen nur wenig bzw. gar nicht zur Verfügung stehen. In diesem Bekenntnis ist nicht die Wahrnehmung entscheidend, sondern das Gefühl in einer Opfersituation. Auch diese These wird von Reuband mit Hilfe verschiedener Variablen, wie z.B. der Frage nach den Chancen, sich in speziellen Situationen verteidigen zu können, untersucht. Dabei stellt er fest, dass Frauen sich hilfloser als Männer fühlen. Darüber hinaus spekuliert er über mögliche Gründe, wie z.B. die Sozialisation und die physische Unterlegenheit der Frau, die zu einem solchen Ergebnis führen.
Hierbei möchte ich auf einige Kritikpunkte eingehen. Zum einen ist anzuzweifeln, dass der gewählte Indikator valide ist, da, wie in der „Rational Choice“ Theorie propagiert wird, rationale Handlungen, unter anderem durch Abwägung der Möglichkeiten stattfinden. So ist es sicherlich entscheidend, ob Hilfe z.B. durch Artikulation (in so einem Fall durch Schreien), die Abwehrmöglichkeit steigern würden, jedoch in der Beantwortungssituation des Fragebogens eine solche Verteidigungsmöglichkeit nicht wahrgenommen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation sowie die Fragestellungen, die ihn bei der Auseinandersetzung mit Reubands Studie leiten.
Einleitung: Dieses Kapitel definiert das Kriminalitätsfurcht-Paradoxon und führt das Vulnerabilitätskonzept als theoretischen Erklärungsansatz ein.
Zielsetzung und methodisches Vorgehen: Hier werden das Forschungsdesign der postalischen Befragung sowie die Kritik an bisherigen Indikatoren zur Messung von Kriminalitätsfurcht dargelegt.
Viktimisierung und Kriminalitätsfurcht: Das Kapitel analysiert empirische Daten zu Viktimisierungsraten und vergleicht diese mit den subjektiven Bedrohungseinschätzungen von Männern und Frauen.
Vulnerabilität und Frauen: Möglichkeiten des Selbstschutzes: Hier wird der Zusammenhang zwischen mangelnden Handlungsressourcen, wahrgenommener Hilflosigkeit und der daraus resultierenden Furcht thematisiert.
Sexuelle Elemente der Bedrohung: Dieses Kapitel untersucht, inwieweit die Furcht vor Sexualdelikten ein zentraler Faktor für die geschlechterspezifische Kriminalitätsfurcht darstellt.
Vermeidungsstrategien: Es wird analysiert, wie Kriminalitätsfurcht das Verhalten im öffentlichen Raum prägt und zu Vermeidungsstrategien oder Rollenbestätigungen führt.
Schlussbemerkung: Die Erkenntnisse werden zusammengefasst, wobei insbesondere die deliktspezifische Natur der Furcht bei Frauen hervorgehoben wird.
Resümee: Der Autor zieht ein Fazit über die Validität von Reubands Ergebnissen und diskutiert die Notwendigkeit einer zeitgemäßeren soziologischen Betrachtung.
Schlüsselwörter
Kriminalitätsfurcht, Vulnerabilität, Kriminalitätsfurcht-Paradoxon, Viktimisierung, Geschlechterrolle, Sozialisation, Gewaltdelikte, Vermeidungsstrategien, öffentliche Sicherheit, rationale Entscheidung, Körperkraft, objektive Bedrohung, empirische Sozialforschung, Habitus, Sicherheitswahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Hintergründen der höheren Kriminalitätsfurcht von Frauen im Vergleich zu Männern und prüft, ob das sogenannte Vulnerabilitätskonzept dieses Paradoxon erklären kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Viktimisierungsrisiken, die Bedeutung von körperlicher Verletzlichkeit, die Rolle von Sexualdelikten bei der Bedrohungswahrnehmung sowie die daraus resultierenden Vermeidungsstrategien im Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, warum Frauen eine höhere Kriminalitätsfurcht äußern als Männer, obwohl sie statistisch gesehen seltener Opfer von Kriminalität werden, und die Gültigkeit von Reubands Erklärungsmodellen kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine sekundäranalytische Auswertung der Studie von K.-H. Reuband durch und kombiniert diese mit einer kritischen Reflexion der verwendeten soziologischen Erklärungsansätze und Indikatoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kriminalitätsraten, das Vulnerabilitätskonzept, die spezielle Bedeutung sexueller Gewalt, Vermeidungsstrategien im öffentlichen Raum sowie eine methodische Kritik der zugrunde liegenden Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Kriminalitätsfurcht, Vulnerabilität, Kriminalitätsfurcht-Paradoxon, Geschlechterrolle und Viktimisierung beschreiben.
Wie bewertet der Autor den Einsatz des „Standardindikators“ in der Befragung?
Der Autor steht der Verwendung des Indikators „Sicherheit beim Spaziergang in der Nacht“ kritisch gegenüber, da dieser keine explizite Kriminalität thematisiert und durch traditionelle Rollenbilder der Befragten verzerrt sein könnte.
Welche Rolle spielen Sexualdelikte für die Furcht der Frauen laut dem Dokument?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Furcht vor Sexualdelikten ein wesentlicher Bestandteil der Bedrohungswahrnehmung bei Frauen ist, wobei oft eine Verbindung zwischen allgemeinen Gewaltdelikten und sexuellem Missbrauch hergestellt wird.
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- Alex Theile (Author), 2004, Geschlechterspezifische Unterschiede in der Kriminalitätsfurcht (Vulnerabilität), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65712