Die Modebranche. Vom Schneider bis zur Haute Couture


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
21 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Haute Couture
1.1 Versuch einer Definition
1.2 Die Geschichte des Schneiderhandwerks als Vorläufer der Haute Couture
1.2.1 Paris die Modehauptstadt
1.3 Die Geschichte der Haute Couture vor dem 1. Weltkrieg
1.4 Die Entwicklung der Haute Couture nach dem 1. Weltkrieg
1.5 Die wichtigsten Aufnahmekriterien der Innungskammer
1.6 Entstehung eines Haute Couture Modells

2. Die Entwicklung der Modetrends während Haute Couture seit dem 19. Jahrhundert
2.1 Die Damenmode
2.2 Die Herrenmode

3. Haute Couture und Prêt-à-porter, Boutique-Mode und Konfektion
3.1 Was versteht man unter Prêt-à-porter
3.2 Zur Geschichte des Prêt-à-porter
3.3 Die Boutique – Mode
3.4 Konfektion – was versteht man darunter?
3.4.1 Die Entstehung der Konfektion
3.4.2 Die Konfektion heute

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Die Haute Couture

1.1 Versuch einer Definition

Der Begriff Haute Couture kommt aus dem Französischen und bedeutet ,gehobene Schneiderkunst’. Nach Loschek ist die Haute Couture die richtungsweisende und gehobene Pariser Schneiderkunst, die in exklusiver Maßarbeit elegante Mode herstellt.[1] Auch im Italienischen gibt es eine Modebranche, die sich mit der Haute Couture vergleichen lässt. Sie heißt Alta Moda.

1.2 Die Geschichte des Schneiderhandwerks als Vorläufer der Haute Couture

Da bis zum 12. Jahrhundert Kleidung vorwiegend in der Familie oder in Klöstern hergestellt wurde, kam erst Mitte des 12. Jahrhunderts der Beruf des Schneider auf. Der mittelhochdeutsche Begriff des „Snider“[2] galt allerdings auch für den Tuchkrämer. In Frankreich unterschied man zu dieser Zeit schon zwischen Schneider und Näher (Couturier), wobei die Unterscheidung von Herren- und Damenschneider fehlte.

Bis zur Abschaffung der Zünfte 1789 (Französische Revolution), hatte das Schneiderhandwerk wenig Ansehen. Der Schneider war im Unterschied zum Kleidermacher nicht in einer Zunft und so hatte er wenig Rechte und Aufträge. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts galt der Schneider nicht als kreativer Künstler, sondern als Handwerker. Daher konnte er in dieser Zeit keinen richtigen Einfluss auf die Mode nehmen, vielmehr wurde diese vom Großbürgertum und der Aristokratie bestimmt.

1760 entstand aus der Zunft der Merciers (Kurzwarenhändler) die Zunft der Marchands (Modehändler). Dieser neugeschaffene Beruf übte auf die Modewelt einen großen Einfluss aus. Die Tätigkeitsfelder der Marchands waren anfangs zwar sehr beschränkt (Mäntel, Umhänge, Filchus (französisches Hals-Brusttuch)), aber mit ihren zusätzlichen Arbeitsbereichen , wie Beiwerk, Kopfbedeckungen und Frisuren nahmen sie recht schnell Einfluss auf die Mode. So lässt sich zum Beispiel die Frisur „Coiffure à la frégate“[3] (Loschek) aus dem Jahre 1780 auf die Marchands zurückführen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sehr schnell den Beinamen Modekünstler bekamen und über die Grenzen hinaus bekannt wurden.

Zu jener Zeit ließen sich schon viele Modehändler in Paris nieder, wo sie auch heute noch zu finden sind. Mit der Aufhebung der Zünfte 1789 kam eine gewisse Unsicherheit in der Modebranche auf. Diese wurde schnell überwunden und die Mode etablierte sich sehr sicher in der französischen Hauptstadt Paris.

1.2.1 Paris die Modehauptstadt

Der Standort Paris war wie geschaffen für die Entstehung der Haute Couture. Frankreich war eh und je führend in der Mode. Schon im 18. Jahrhundert präsentierte sich die Pariser Mode in ganz Europa, in dem eine Puppe, die als Mannequin fungierte, von Stadt zu Stadt gefahren wurde und die neuesten Modeschöpfungen aus Paris präsentierte. Diese „[...] Puppe aus der rue Saint-Honoré [...]“[4] wurde allerorts mit großer Erwartung empfangen und bewundert. Mit diesem künstlichen Mannequin kamen Handwerker, Parfumhersteller, Perückenmacher, Hersteller von Salben usw. in die verschiedenen Städte. Dies war nicht überall gerne gesehen, da die eigenen Hersteller dagegen keine Chance mehr hatten. So sagten einige Länder der französischen Mode den Kampf an und verboten diese im eigenen Land (z.B. Russland, Großbritannien). Doch auch diese kleine Auseinandersetzung konnte den Standort Paris nicht erschüttern. Gestärkt wurde dies mit der Entstehung der Haute Couture am Ende des 19. Jahrhunderts.

1940 spielte Hitler mit dem Gedanken die Haute Couture nach Berlin oder Wien verlagern zu lassen. Es sollte eine „Straße der Mode“[5] entstehen. Dies konnte allerdings vom damaligen Präsidenten des Chambre Syndicale de la Couture Française, Lucien Lelong, verhindert werden. Nach dem 2. Weltkrieg war der Standort Paris abermals in Gefahr. Die amerikanische Modebranche versuchte das Monopol an sich zu reißen. Dies gelang nicht und so ist und bleibt Paris, bis heute, die führende Stadt der Mode. Diese Stellung verdankt sie unter anderem der Fähigkeit, internationalen Modeschöpfern eine Chance zu geben.

1.3 Die Geschichte der Haute Couture vor dem 1. Weltkrieg

Eigentlicher Begründer der Haute Couture ist Frederik Worth. Er kam 1845 nach Paris und fing als Verkäufer im Modehaus Gagelin an. Worth hatte als Erster die Idee eine ganze Kollektion im Voraus anzufertigen und von einem Mannequin der Kundschaft vorführen zu lassen. Vorher wurden alle Kleidungsstücke an lebensgroßen Puppen präsentiert.

Eine weitere Neuheit war, dass jede Kreation einen eigenen Namen bekam, welches auch eine Erfindung Worths war. Der Vorteil gegenüber seinen Vorgängern war für Frederik Worth, dass er durch seine herausragenden Fähigkeiten in fachlichen und organisatorischen Bereichen sowie seine Geschäftstüchtigkeit einen gesellschaftlichen Stand bekam, der seinen Kunden gleichgestellt war.

1858 eröffnete Worth in Kooperation mit Otto Borbegh, ein Bankiers Sohn, den Modesalon „Worth et Borbegh“ in der Rue de la Paix Nr. 7. 1868 wurde auf Anregung von Frederik Worth die „Chambre Syndicale de la Couture Francaise“ ins Leben gerufen, deren Name 1911 in „Chambre Syndicale de la Couture Parisienne Fédération francaise“ umgewandelt wurde.[6] Eine wichtige Aufgabe war und ist der Schutz der Couturmodelle, die immer wieder kopiert wurden. Außerdem stellte diese Innung Regeln auf, die ein Couturehaus erfüllen musste.[7]

Neben Worth etablierten sich weitere Couturiers, die alle zusammen als „Gründer“ bezeichnet wurden. Nach Worth kamen Paul Poiret und Jaques Doucet, die die gesellschaftliche Stellung de Couturiers festigten. Auch Frauen wurden stärker integriert, was vor allem mit Jeanne Paquin zusammenhing. Sie wurde bei der Pariser Weltausstellung 1900 Präsidentin der Modeabteilung und bekam als erste Frau den Orden der Ehrenlegion. Außerdem war sie die Erste, die beschloss ihre Mannequins in Theaterhäusern und auf Pferderennen auftreten zu lassen.

Auch in den Nachbarländern entwickelte sich die Mode weiter. Dennoch blieb Paris nach wie vor die Modemetropole Nummer eins und lockte sogar internationale Modeschöpfer nach Frankreich. Ab 1911 organisierte die Chambre Syndicale de la Couture Parisienne viermal jährlich Modeschauen.

Eine starke Veränderung in der Modewelt bewirkte der 1. Weltkrieg. Dadurch traten Frauen zwangsläufig mehr ins Berufs- und Arbeitsleben, was für die Damenmode Folgen hatte. Frauen benötigten jetzt mehr praktische Kleidung als eine große Abendgarderobe. Auch die Stoffrationalisierung schränkte die Couturiers stark ein.

1.4 Die Entwicklung der Haute Couture nach dem 1. Weltkrieg

Nach dem 1. Weltkrieg war Europa wirtschaftlich stark geschwächt. Daher ging die Stammkundschaft zurück und die Haute Couture musste umstrukturiert werden. Dies nutzten die USA um einen großen Einfluss auf die Pariser Mode auszuüben. So arbeiteten die Pariser Modeschöpfer stark am Export nach Amerika. Dennoch war die Privatkundschaft ein wichtiger Teil der französischen Modehäuser. Eine weitere wichtige Veränderung war der Wandel der Haute Couture zur Industrie. Das Verhältnis von Kunde zu Modeschöpfer wurde immer anonymer und so sah man persönliche Kontakte bei wichtiger Kundschaft nur als Werbezweck. Diese Entwicklung zur Typisierung verkrafteten viele eingesessenen Modesalons nicht und mussten somit schließen. Darunter auch das Haus Poiret.

In den 20er Jahre wurde vor allem Gabrielle Chanel durch ihre emanzipierte Damenmode berühmt. Sie entwickelte eine Mode, die die berufstätige Frau elegant kleidete, aber auch eine, die abends die feminine Seite der Frau zeigen konnte.

Die Pariser Haute Couture bekam während des 2. Weltkriegs große Probleme. Viele Modeschöpfer gingen in dieser kritischen politischen Lage nach England oder in die USA, andere, darunter auch Coco Chanel, mussten ihre Modesalons schließen.

Die Kundschaft im 2. Weltkrieg bestand hauptsächlich aus der deutschen Führungsspitze und „Schwarzmarkt-Kapitalisten“[8]. Dennoch arbeiteten die Modeschöpfer weiter und als der Krieg 1944 zu Ende ging konnte die Pariser Haute Couture eine komplette Kollektion vorstellen.

1945 wurde in neun internationalen Städten die Ausstellung Théatre de la Mode vorgestellt. Diese stellte Puppen dar, die kleine Modelle trugen. Damit wollten 53 Couturiers im Ausland Werbung für die Haute Couture machen.

In den 50er Jahren hatte sich die Haute Couture vom Krieg erholt und es herrschte eine richtige Gier nach Mode. Die Couturiers waren wieder hoch im Kurs und stellten ihre grandiosen Kollektionen her. Kundinnen aus aller Welt brachten ihr Geld nach Paris und somit war die Stadt wieder führend in der Modebranche. Neben den alten Modeschöpfern kamen auch viele neue Talente in die Modehauptstadt. Der wichtigste Vertreter dieser Zeit war Christian Dior. Er hantierte mit wahnsinnig vielen Stoffmengen, was zunächst als Verschwendung angesehen wurde. Aber mit seinen verschiedenen Linien gewann er schnell aller Frauenherzen. 1957 starb Dior, nach einer langen Erfolgsreihe, an deinem Herzinfarkt und Yves Saint Laurent trat mit nur 21 Jahren seine Nachfolge an. 1951 kam allerdings große Konkurrenz aus Italien. Hier fanden Saisonmodenschauen mit berühmten italienischen Modeschöpfern statt, die die Journalisten stark beeindruckten. Auffallend war vor allem die Herren- Haute- Couture.

In den 60er Jahren musste sich die Haute Couture stark an den gesellschaftlichen Umbrüchen orientieren. Zu dieser Zeit wurde die Jugend zum Idealbild der Gesellschaft und bestimmte dadurch die Mode. Sie lehnten das Modediktat der exklusiven Modemacher ab, was zur Folge hatte, dass die Haute Couture umdenken musste. Dies geschah als erstes in London. Jeder, der einen ausgefallenen Geschmack hatte, konnte dort die idealen Lösungen finden. Ein wichtiger Modetrend dieser Zeit, der sich bis heute erhalten hat, ist der Mini-Rock von Mary Quant. Diesem neuen Look musste sich die Pariser Haute Couture schnell anpassen. Einer der ersten, die dies versuchten, war Yves Saint Laurent.

Nicht nur die Mode änderte sich, sondern auch die Modeindustrie. Die Grand Couturiers stellten sich langsam auf eine immer stärker kommerzieller werdende Industrie ein und entwarfen zusätzlich zu ihren zwei Haute-Couture-Kollektionen zwei Pret-à-porter Kollektionen pro Jahr. So wurde eine jugendliche Fertigmode angeboten. Diese Entwicklung führte dazu, dass die Haute Couture und das Pret-à-porter in einer engen Verbindung stand. Es entstand ein vielseitiger Industriezweig, der dazu führte, dass sich die Haute Couture nicht nur auf Mode spezialisierte, sondern sich auch an der Richtung Produktdesign orientierte. Dazu gehörten unter anderem Bettwäsche, Porzellan und Accessoires. In dieser Zeit eröffneten viele Couturiers, wie zum Beispiel Yves Saint Laurent und Philippe Vennet, Modesalons. Dieser Trend konnte sich in den 70er Jahren allerdings nicht fortsetzen. Eine wichtige Modeerscheinung dieser Zeit war der Hippie Look. Dieser kam aus den USA und etablierte sich in der Haute Couture. Wichtige Vertreter der 70er und 80er waren Laurent, das Haus Dior, Cardin, Laroch, Scherrer, das Haus Chanel unter dem Einfluss von Karl Lagerfeld, Givenchy und Balmain.[9]

Der gesellschaftliche Wandel in den 80ern führte auch zu einer Änderung der Mode. Die Hippies waren out und es entstand eine Bewegung der Yuppies mit dem Gegenstück Punker.[10] Yuppies waren durchgestylte Businesstypen, die jung und dynamisch waren. Dagegen waren Punks eine provokative Form des Londoner Undergrounds und schockierte die Gesellschaft durch „Fetzen-Löcher-Look“[11] Junge Modeschöpfer brachten neue Ideen und experimentierten mit ausgefallen Materialien. Dennoch kam es Mitte der 80er zu einer Ideenkrise. Junge Talente fehlten und die Einsatzfreude ließ ziemlich nach. Dies führte wiederum zu einem Aufschwung der italienischen Mode, die mit ihren Modenschauen der Pariser Haute Couture die Schau stahl. Die Reaktion der Pariser darauf, war der Versuch die besten internationalen Modeschöpfer in die französische Hauptstadt zu bekommen. So kamen auch viele Italiener nach Paris. Den Anfang machte 1989 Gianfranco Ferré, der Marc Bohan vom Haus Dior ablöste. Den größten Erfolg konnte das Modetalent Christian Lacroix für sich verbuchen. Er entwickelte die erste Kollektion unter seinem Namen und brachte viele Farben und Muster in die Mode. Somit war die Ideenkrise überwunden und Paris blieb die Modehauptstadt. Dennoch behielt Italien das Monopol über die Produktion der Kollektionen. „Wir haben den Kampf um die Kreativität gewonnen, doch den um die Produktion verloren.“[12]

[...]


[1] vgl. Loschek Ingrid: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 19994. S. 236

[2] vgl. Hellmeister, Anette: Die Pariser Haute Couture. 1996 S. 3

[3] Loschek Ingrid: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 19994. S. 125

[4] Arnaud, Jean-Louis: Wenn Paris den Ton angibt. 25.2.2002

[5] vgl. Hellmeister, Anette: Die Pariser Haute Couture. S. 21

[6] vgl. Hellmeister, Anette: Die Pariser Haute Couture. 1996 S. 7

[7] vgl. Laurence, Benaim: Hinter den Kulissen. 25.1.2002

[8] Hellmeister, Anette: Die Pariser Haute Couture. 1996 S. 21

[9] vgl. Loschek Ingrid: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 19994. S. 250

[10] vgl. Hellmeister, Anette: Die Pariser Haute Couture. 1996 S. 33

[11] Hellmeister, Anette: Die Pariser Haute Couture. 1996 S. 34

[12] Winkler, B. R. In: Hellmeister, Anette: Die Pariser Haute Couture. 1996. S. 36

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Modebranche. Vom Schneider bis zur Haute Couture
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg  (Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar Kulturgeschichte
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V6582
ISBN (eBook)
9783638141208
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modebranche, Schneider, Haute, Couture, Hauptseminar, Kulturgeschichte
Arbeit zitieren
Christine Schröder (Autor), 2001, Die Modebranche. Vom Schneider bis zur Haute Couture, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6582

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