Am 22.02.2002 wurde die Hartz-Kommission von der Bundesregierung beauftragt, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, wie die Arbeitslosigkeit in Deutschland wirksam bekämpft werden könnte. Die Tatsache, dass seit Mitte der Achtziger Jahre von einer Rechtsverschiebung der Beveridge-Kurve und somit von einer verschärften mismatch Problematik auszugehen ist haben dazu beigetragen, dass der Aspekt einer verbesserten Vermittlung zu einem wesentlichen Bestandteil des Hartz-Konzepts geworden ist.
Eine Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitslosigkeitsdauer von sechs Monaten um einen Monat hätte zur Folge, dass der durchschnittliche Bestand an Arbeitslosen pro Jahr um ca. 300.000 reduziert würde. Durch eine Verkürzung um eine Woche könnte die Zahl der Arbeitslosen um 115.000 gesenkt und eine Milliarde Euro gespart werden. Wenn es möglich wäre, durch eine effizientere Vorgehensweise mehr Arbeitslose schneller in offene Stellen zu vermitteln und dadurch die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit zu verringern, könnte somit ein bedeutender Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geleistet werden.
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die wesentlichen Vorschläge aus der Wissenschaft in Bezug auf eine effizientere Arbeitsvermittlung zu erläutern und auf dieser Grundlage zu überprüfen, inwieweit die Vorschläge der Hartz-Kommission geeignet sind, die Vermittlungseffizienz zu verbessern. Zu diesem Zweck werden im Anschluss an diese Einführung im zweiten Kapitel verschiedene Arten von Hemmnissen dargestellt, die einer effizienten Vermittlung der Arbeitslosen entgegenstehen. Im dritten Kapitel werden wesentliche Vorschläge der Wissenschaft dargestellt und erörtert, wie Vermittlungshemmnisse auf der Arbeitsangebots- und auf der Arbeitsnachfrageseite reduziert werden können, um Arbeitslose erfolgreicher in offene Stellen zu vermitteln. Im vierten Kapitel wird zunächst ein Überblick über die nachfolgenden Kapitel gegeben. Auf der Grundlage der ersten drei Kapitel werden im fünften und sechsten Kapitel dann die Vorschläge der Hartz-Kommission kurz vorgestellt und analysiert, die eine Verbesserung der Vermittlungseffizienz zum Zweck haben. Das siebte Kapitel untersucht weitere wesentliche Module unabhängig von ihrer Bedeutung für eine verbesserte Vermittlungseffizienz auf ihre Wirksamkeit zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Das letzte Kapitel fasst die wesentlichen Aussagen dieser Arbeit zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Definitionen und Arten von Vermittlungshemmnissen
2.1. Überblick
2.2. Begriffliche Abgrenzungen: Vermittlungseffizienz und offene Stellen
2.3. Kategorisierung der Vermittlungshemmnisse
2.3.1. Vermittlungshemmnisse auf beiden Marktseiten
2.3.2. Vermittlungshemmnisse der Arbeitsnachfrageseite
2.3.3. Vermittlungshemmnisse der Arbeitsangebotsseite
2.3.4. Gegenseitige Beeinflussung der Vermittlungshemmnisse
3. Mögliche Maßnahmen zur Reduzierung der Vermittlungshemmnisse
3.1. Überblick
3.2. Maßnahmen zur Reduzierung der Vermittlungshemmnisse auf beiden Marktseiten
3.2.1. Verstärkter Einsatz moderner Informationstechnologien
3.2.2. Ausweitung der Zeitarbeit
3.2.3. Qualifizierungs- und Vermittlungsgutscheine zur Verbesserung der Wettbewerbssituation
3.3. Maßnahmen zur Reduzierung der Vermittlungshemmnisse auf der Arbeitsangebotsseite
3.3.1. Verschärfung der Zumutbarkeitskriterien
3.3.2. Kürzungen der Lohnersatzleistungen
3.3.3. Einteilung nach Vermittlungshemmnissen
4. Würdigung der Hartz-Vorschläge: Überblick über die nachfolgenden Kapitel
5. Hartz-Vorschläge zur Reduzierung der Vermittlungshemmnisse auf beiden Marktseiten
5.1. Job-Centren (1), KompetenzCentren (11), IT-Unterstützung (10)
5.2. PersonalServiceAgenturen (8)
6. Hartz-Vorschläge zur Reduzierung der Vermittlungshemmnisse auf der Arbeitsangebotsseite
6.1. Jugendliche Arbeitslose - AusbildungsZeitWertpapier (4)
6.2. Neue Zumutbarkeit und Freiwilligkeit (3)
6.3. Quick Vermittlung (2)
6.4. Zusammenführung von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe (6)
7. Würdigung weiterer wesentlicher Vorschläge der Hartz-Kommission
7.1. Ich-AG und FamilienAG (9)
7.2. MiniJobs (9)
7.3. Der JobFloater (12)
8. Gesamtbeurteilung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, die wesentlichen Vorschläge der Hartz-Kommission unter dem Aspekt einer verbesserten Vermittlungseffizienz am deutschen Arbeitsmarkt zu analysieren und zu würdigen. Es wird untersucht, inwieweit die vorgeschlagenen Konzepte geeignet sind, bestehende Vermittlungshemmnisse auf der Arbeitsangebots- und Arbeitsnachfrageseite abzubauen und damit die Dauer der Arbeitslosigkeit zu verringern.
- Analyse von Vermittlungshemmnissen (Marktintransparenz, Qualifikationsdefizite, mangelnde Suchintensität)
- Bewertung der Hartz-Reformvorschläge zur organisatorischen und prozessualen Neuordnung (JobCentren, IT-Einsatz)
- Diskussion arbeitsmarktpolitischer Instrumente wie Zeitarbeit (PSA) und Ich-AG
- Kritische Würdigung der Anpassungen bei Zumutbarkeitskriterien und Lohnersatzleistungen
- Untersuchung der Zielgruppenfokussierung und Vermittlungsgeschwindigkeit
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Verstärkter Einsatz moderner Informationstechnologien
Wenn Informationsdefizite und Marktintransparenzen kostengünstig verringert und dadurch die Suchprozesse auf Seiten des Arbeitsangebots und der Arbeitsnachfrage beschleunigt würden, könnte die Vermittlungseffizienz verbessert und die mismatch-Arbeitslosigkeit reduziert werden (vgl. Berthold, 2002, S. 551). Eine geeignete Möglichkeit zur Erhöhung der Markttransparenz ist der verstärkte Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien. Das Internet bietet z.B. als Matching - Instrument gegenüber anderen Medien zahlreiche Vorteile (vgl. Berthold/Fricke, 2002, S. 551, zit. n. Autor, D., 2001, S. 21). Aufgrund der schnellen Entwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK Sektor) und der damit einhergehenden Erweiterung der Speicherkapazitäten kann nämlich in einer Datenbank eine deutlich größere Anzahl an Arbeitslosen und an offenen Stellen erfasst werden als in anderen Medien. Die Auswahlmöglichkeiten sind dadurch für beide Marktseiten größer. Mit gleichem Aufwand lassen sich mehr Bewerber auf ihre Eignung für eine zu besetzende Stelle überprüfen, sodass sich die Wahrscheinlichkeit für ein erfolgreiches matching erhöht (vgl. Berthold/Fricke, 2002, S. 551).
Für eine effiziente Vermittlung ist die Anzahl der erfassten Arbeitslosen und der offenen Stellen allein jedoch nicht entscheidend. Vielmehr ist es auch von Bedeutung, „möglichst detaillierte Kenntnisse über Fähigkeiten und Neigungen des Arbeitsuchenden sowie über die zukünftige Entwicklung der Nachfrage nach verschiedenen Qualifikationen“ (Schneider, 2000, S. 94) zu ermitteln und ein genaues Profil des Arbeitslosen bzw. des zu besetzenden Arbeitsplatzes zu erstellen (vgl. Abschnitt 2.3.1 dieser Ausführungen). Die Arbeitsämter könnten zu diesem Zweck mit den Zeitarbeitsfirmen kooperieren und sich bei der Erstellung der Profile die Methoden zu eigen machen, die von den privaten Vermittlern bereits erfolgreich eingesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Problematik steigender Arbeitslosigkeit und die Bedeutung effizienter Vermittlungsprozesse als Zielsetzung der Hartz-Kommission.
2. Definitionen und Arten von Vermittlungshemmnissen: Theoretische Abgrenzung der Vermittlungseffizienz und Kategorisierung der verschiedenen Hemmnisse auf Angebots- und Nachfrageseite.
3. Mögliche Maßnahmen zur Reduzierung der Vermittlungshemmnisse: Erörterung theoretischer Ansätze zur Verbesserung des Matchings, insbesondere durch IT-Einsatz, Zeitarbeit und Gutscheinsysteme.
4. Würdigung der Hartz-Vorschläge: Überblick über die nachfolgenden Kapitel: Einleitung in die Analyse der dreizehn Innovationsmodule des Hartz-Konzepts.
5. Hartz-Vorschläge zur Reduzierung der Vermittlungshemmnisse auf beiden Marktseiten: Analyse von JobCentren, KompetenzCentren und der Rolle der Informationstechnologie.
6. Hartz-Vorschläge zur Reduzierung der Vermittlungshemmnisse auf der Arbeitsangebotsseite: Untersuchung von Maßnahmen wie dem AusbildungsZeit-Wertpapier, Zumutbarkeitsregeln und der Quick-Vermittlung.
7. Würdigung weiterer wesentlicher Vorschläge der Hartz-Kommission: Kritische Betrachtung der Ich-AG, MiniJobs und des JobFloater-Instruments.
8. Gesamtbeurteilung: Zusammenfassendes Fazit zur Wirksamkeit der Hartz-Module hinsichtlich einer verbesserten Arbeitsmarktvermittlung.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, Hartz-Kommission, Vermittlungseffizienz, Arbeitsvermittlung, Matching, Vermittlungshemmnisse, Arbeitsmarktpolitik, Zeitarbeit, PersonalServiceAgentur, Zumutbarkeit, JobCenter, Qualifizierung, Arbeitsnachfrage, Arbeitsangebot, Markttransparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Wirksamkeit der Vorschläge der Hartz-Kommission zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Deutschland, wobei der Schwerpunkt auf der Verbesserung der sogenannten Vermittlungseffizienz liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kategorisierung von Vermittlungshemmnissen, der Einsatz moderner Informationstechnologien, die Rolle der Zeitarbeit sowie die Anpassung von Zumutbarkeitskriterien und Lohnersatzleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu überprüfen, ob die Hartz-Vorschläge geeignet sind, Arbeitslose schneller und passgenauer in offene Stellen zu vermitteln, um damit die Dauer der Arbeitslosigkeit zu senken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse und Würdigung der Hartz-Reformvorschläge auf Basis wirtschaftswissenschaftlicher Theorien und aktueller arbeitsmarktpolitischer Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Darstellung von Vermittlungshemmnissen, die Analyse von Lösungsansätzen aus der Wissenschaft sowie die konkrete Würdigung spezifischer Module der Hartz-Kommission wie JobCentren, PSA und Ich-AGs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Vermittlungseffizienz, Arbeitsvermittlung, Matching, Hartz-Reform, Zeitarbeit und Arbeitsmarkttransparenz.
Warum wird die Einteilung von Arbeitslosen nach Vermittlungshemmnissen kritisch diskutiert?
Es besteht die Gefahr von Effizienzverlusten, wenn Vermittler und Arbeitsuchende um die gleichen wenigen Stellen konkurrieren oder wenn die Priorisierung der Kunden (Informations-, Beratungs- oder Betreuungskunden) bei der Vermittlung nicht optimal gestaltet ist.
Warum wird das Bonuspunktesystem für Vermittler skeptisch gesehen?
Kritiker befürchten, dass das System falsche Anreize setzt, indem Vermittler bevorzugt Arbeitslose mit hohen Hemmnissen betreuen könnten, um mehr Punkte zu erhalten, anstatt die Passgenauigkeit der Vermittlung in den Vordergrund zu stellen.
- Arbeit zitieren
- Thorsten Gabbert (Autor:in), 2003, Würdigung wesentlicher Vorschläge der Hartz-Kommission unter besonderer Berücksichtigung einer Verbesserung der Vermittlungseffizienz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66013