Unterrichtseinheit: Heinrich Heine: Die schlesischen Weber


Unterrichtsentwurf, 2006

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Didaktik der Ballade

3. Die schlesischen Weber im Unterricht
3.1 Unterrichtsverlauf
3.2 Im Fokus: Stationenarbeit

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang und Materialien

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit erfasst theoretisch-didaktisch eine Möglichkeit Heinrich Heines ‚Die schlesischen Weber’ im Unterricht zu bearbeiten.

Im ersten Kapitel wird die Ballade als solche beschrieben und die mit ihr verbundenen didaktischen Möglichkeiten aufgezeigt.

Im zweiten Kapitel wird ein Unterrichtsverlauf vorgestellt und theoretische Überlegungen zu der Ballade ‚Die schlesischen Weber’ und zum Autor, Heinrich Heine, dargestellt.

Das dritte Kapitel fokussiert den Blick auf die Methode der Stationenarbeit. Eine abschließende Schlussbetrachtung fasst die gewonnen Erkenntnisse zusammen.

2. Didaktik der Ballade

„Die ursprüngliche Form der europäischen Ballade ist vermutlich die italienisch-provenzalisch Ballata oder Balada, ein Tanzlied mit Refrain, gesungen zum Reihen- und Kettentanz.“[1]

Eine sehr weite und offene Bedeutung hat das Wort ‚Ballade’ im heutigen Sprachgebrauch, es ist Sammelbezeichnung für sehr viele Spielarten, wie sie sich in der langen Geschichte herausgebildet haben. Diese stehen heute nebeneinander. ‚Ballade’ umfasst verschiedene Erscheinungsformen. Die Volksballade des späten Mittelalters, das Zeitungslied und der historische Bänkelsang sind die ältesten Formen. Die Kunstballade seit der Mitte des 17. Jahrhunderts und die ‚Kabarett-Ballade’ des frühen 20. Jahrhunderts fallen ebenfalls unter den Begriff ‚Ballade’. Ferner können die modernen Erzählgedichte, welche die moderne Form des Bänkelsangs sind, der Protestsong und die Texte der heutigen Liedermacher dazu gezählt werden.[2] Die Rezeption von Balladen musste nach dem zweiten Weltkrieg, damit sie auch in der Schule wieder den ihr angemessenen Stellenwert bekommt, aufgearbeitet werden, da eine ideologische Belastung aus der NS-Zeit auf ihr gelastet hat.[3]

Um 1770 wird in Deutschland die Volksballade von der Kunstdichtung adaptiert und zu einer neuen Gedichtform gemacht. Vor allem im ‚Sturm und Drang’ und in der Romantik hat diese Form ihre Blütezeit erlebt, weil sie diesen Epochen besonders entspricht.[4] Die neuen ‚Kunstballaden’ übernehmen die Merkmale der Volksballade „ihren liedhaften rezitativen Grundton, Reim, Lautmalerei, refrainartige Wiederholung, dialogischen Erzählablauf, dramatische Handlungszuspitzung.“[5] Hinzu kommen die neuen Elemente, welche der Volkballade fremd sind, „Zeitnähe, Individualisierung und symbolische Durchdringung der einzelnen Vorgänge.“[6]

„Eine eindeutige Definition zu geben, wäre nicht nur sehr schwierig, sondern auch gefährlich, weil damit wiederum der Blick verstellt werden könnte für Texte, die anders sind.“[7] Jedenfalls bleiben, beim heutigen Diskussionsstand, einige Eigenschaften der Ballade unentbehrlich und konstitutiv: ihre „Aktionsbestimmtheit [,ihre] dominant epische Grundhaltung“[8], ferner der „narrative [Grundzug, die] Wiedergabe eines als objektiv vorgestellten Geschehens in Versform, inszeniert von einem Erzähler, dessen in der Regel auktionale Vermittlerfunktion immer spürbar bleibt“[9], und die „spezifische Art der Zeitdarbietung [, nämlich die Vorliebe für] große Raffungsintensitäten, und der Charakter des Komprimierten und Spannungsvollen“[10] Außerdem tendiert die Ballade durch die Jahrhunderte immer wieder dazu, mit Musik unterlegt und von eine Sänger vorgetragen zu werden.[11]

„[Man kann davon ausgehen], dass Balladen, wenn man den Begriff weit genug versteht, für alle Stufen (von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II) geeignete Lesestoffe sind.“[12] Die Unterrichtspraxis kann verschiedene Ansatzpunkte für den Umgang mit Balladen finden. Die Einbeziehung des Lesers und das Lesen als Kommunikationsvorgang lassen sich zum Beispiel unter literatursoziologische Kategorien fassen. Im Weiteren lassen sich sozialkritische Themen in den Texten und sozialkritische Kategorien bei der Deutung und Bewertung der Texte erarbeiten. Außerdem lassen sich die Wirkungsgeschichte und die literarischen Gegenstände in Bezüge auch außerhalb der Literatur stärker einbinden.[13]

„Die Textsorte Ballade ist in vieler Hinsicht ein Glücksfall für den Literaturunterricht, denn es gibt eine Reihe von allgemeinen Lernzielen, die sich besonders gut am Beispiel von Balladentexten erarbeiten lassen. [...] Wenn im Unterricht Balladen gelesen werden, dann kann der Unterricht anknüpfen an das, was die Schülerinnen und Schüler außerhalb der Schule lesen, hören und selbst nachspielen. [...] Der Lehrer hat hier Aussicht, die Schülerinnen und Schüler leichter und besser zu motivieren als bei vielen anderen Textsorten.“[14]

„Das balladeske Lied, die einfache Geschichte, die jemand erzählt, drückt aus und macht mittelbar, was den Sänger und den Hörer beschäftigt. Wenn der Literaturunterricht hier ergänzend eingreift, hat er die Chance, das Artikulationsvermögen zu steigern, zu erweitern und zu differenzieren. [...] Schülerinnen und Schüler lernen, Texte in ihre historischen und sozialen Bedingungen einzuordnen, auch den eigenen Standpunkt als dergestalt bedingt zu sehen, und sie gewinnen aus Reflexion über Kontinuität und Verschiedenheit eine konkrete Anschauung dessen, was man Geschichtlichkeit, Historizität nennt. [...] Balladen bieten aus mehreren Gründen eine besonders gute Möglichkeit, das Verstehen und Analysieren zu üben: sie sind meist kurz, überschaubar, sie bieten zunächst für das nur stoffliche inhaltliche Lesen einen großen Anreiz, und sie motivieren Schüler.“[15]

Lesen ist nicht nur stoffliches Lesen, sondern die symbolisch mitgesagte Schicht, den durch Stil bewirkten Gehalt, mit einbezieht. Das gilt nicht nur für die Ballade, sondern für sehr viele Textarten. Aber an der Ballade kann es besonders gut geübt werden. Sie haben den Vorteil, zunächst eine spannende Handlung oder Situation anzubieten, die man für sich lesen kann und die man dann unter Anleitung des Lehrers ergänzt durch andere Schichten.[16] Freund wirft der bisherigen Literaturdidaktik vor, sie betreibe die „Verinnerlichung bürgerlicher Wertsetzung [, den Missbrauch der Ballade] zu einem ständig verfügbaren Repertoire an Lebensweisheiten und Orientierungsmustern.“[17]

„Einigen könnte man sich wohl schell darin, dass die Ballade nicht nur individuelle Verhaltensmöglichkeiten anbieten soll, sondern auch gesellschaftliche, politische; und dass die bürgerliche Balladenproduktion und Balladeninterpretation hier ein Defizit gelassen hat, das nun aufzuarbeiten ist. [...] Literaturunterricht hat auch das schlichtere, mehr handwerkliche Ziel, Lesetechniken und Lesehaltungen zu trainieren. Dazu gehört ein kleiner, wohl erwogener Vorrat an Kenntnissen der Mittel, die in der Literatur wichtig sind, und ihrer Funktion. Die Mittel, die man am Beispiel der Ballade kennen lernen kann, sind zahlreich: Vers und Strophe, Leitmotiv, Anapher, Parallelismen, Metaphern und andere.“[18]

3. Die schlesischen Weber im Unterricht

Die Ballade ‚Die schlesischen Weber’ von Heinrich Heine soll Inhalt einer Doppelstunde in der Jahrgangsstufe 12 sein. Das Halbjahresthema könnte „Emanzipation des Individuums – Emanzipation der Gesellschaft“[19] lauten. Ein möglicher Titel für das Unterrichtsvorhaben wäre „kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Missständen und utopische Gegenentwürfe“[20].

Pielow stellt Heines Weberlied in ein dialektisch gespanntes Motivfeld, „das die Situation des Arbeiters aufgreift.“[21] Nicht nur weil die Weber Angehörige eines bestimmten Berufsstandes sind, gehört Heines Gedicht in das genannte Motivfeld. Seine Besonderheit und seine innere Spannung liegen in dem politisch-sozialen Aspekt des Dichters, für den das spezifisch Berufliche nicht ausschlaggebend ist. Das Schicksal der Weber scheint für Heine repräsentativ für das Gesamtschicksal aller Wehrlosen und sozial Benachteiligten zu sein. Wenn der Sinnakzent des Weberliedes, also des politischen Gedichtes, herausgehoben wird, muss in den Motivzusammenhang „Die soziale Frage in dichterischer Gestaltung“[22] gestellt werden.[23] „Heinrich Heine ist der einzige Dichter, dessen Werk aus der umfangreichen politischen Dichtung des 19. Jahrhunderts über die Zeiten hinweg bekannt geblieben ist. Wenn im Laufe der Geschichte aus verschiedenen Lagern die heftigsten Angriffe gegen ihn geführt wurden, so spricht das nicht gegen ihn, im Gegenteil. Eine vielseitige politische Gegnerschaft, die in der Zeit des Nationalsozialismus ihren Höhepunkt fand, ist der beste Beweis für die Bedeutsamkeit eines politischen Dichters, der mit seinem Werk offensichtlich auch für nachfolgende Generationen genügend Zündstoff geliefert hatte.“[24]

[...]


[1] Metzler 1990, S.37

[2] vgl.: Hegele 1999, S.300f

[3] vgl.: Hegele 1999, S.301

[4] vgl.: Hegele 1999, S.303

[5] Pinkerneil 1978, IX

[6] Pinkerneil 1978, IX

[7] Hegele 1999, S.309

[8] Freund 1978, S.9

[9] Freund 1978, S.10

[10] Freund 1978, S.10

[11] vgl.: Hegele, 1999 S.310

[12] Hegele 1999, S.311

[13] vgl.: Hegele 1999, S.311

[14] Hegele 1999, S.312

[15] Hegele 1999, S.313f

[16] vgl.: Hegele 1999, S.314

[17] Freund 1978, S.164

[18] Hegele 1999, S.315

[19] Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW (Hrsg.) 2004, S.58

[20] Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW (Hrsg.) 2004, S.58

[21] Pielow 1965, S.110

[22] Skorna 1972, S.143

[23] vgl.: Skorna 1972, S.143

[24] Skorna 1972, S.132

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Unterrichtseinheit: Heinrich Heine: Die schlesischen Weber
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Balladen
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V66015
ISBN (eBook)
9783638588034
ISBN (Buch)
9783638922432
Dateigröße
931 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtseinheit, Heinrich, Heine, Weber, Balladen
Arbeit zitieren
Benny Alze (Autor), 2006, Unterrichtseinheit: Heinrich Heine: Die schlesischen Weber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66015

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