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Die Entstehung der Verbalsysteme in den iberoromanischen Sprachen

Title: Die Entstehung der Verbalsysteme in den iberoromanischen Sprachen

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Rafael Sánchez Nitzl (Author)

Romance Studies - Comparative Studies
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Die iberoromanischen Sprachen verfügen im Vergleich etwa zum Französischen über ein äußerst ausdifferenziertes Verbalsystem. Der im allgemeinen eher konservative Charakter der Westromania, was die Bewahrung von vulgärlateinischen Sprachzuständen anbelangt, zeigt sich nicht zuletzt in der Tatsache, daß sich hier einige auf lateinische Tempora zurückgehende Verbformen wie das Plusquamperfekt länger als anderswo in der Romania halten konnten.
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, zunächst die morphologische Entwicklung der einzelnen Tempusformen vom Vulgärlatein über die mittelalterlichen Sprachstufen bis zum Zustand in den heutigen iberoromanischen Sprachen nachzuvollziehen. Darauf aufbauend sollen die Verbalsysteme auf der Grundlage des Modells von E. Coseriu in ihrem semantisch-funktionalen Aufbau beschrieben und einander gegenübergestellt werden, wobei ich der Frage nachgehen werde, welche grundlegenden, das System als solches betreffende Neuerungen es beim Übergang vom lateinischen zum romanischen Verbalsystem zu verzeichnen gibt. Ferner gilt es, die Unterschiede zwischen den einzelnen iberoromanischen Verbalsystemen (falls hier von verschiedenen Systemen gesprochen werden kann) herauszustellen.
Untersucht werden das Katalanische, das Spanische oder Kastilische, das Portugiesische und, soweit Unterschiede zum Portugiesischen bestehen, das Galicische. Die Auswahl der Sprachen ist zunächst rein geographisch bedingt und impliziert kein vorschnelles Urteil über eine mögliche Ähnlichkeit der Verbalsysteme untereinander. Bei den behandelten Tempusformen mußte ich allein schon aus praktischen Gründen eine Auswahl treffen. So habe ich auf die Behandlung von Konjunktivformen weitgehend verzichten, da diese eher dem modalen als dem temporalen Bereich zuzuordnen sind. Allerdings werden im letzten Kapitel auch aspektuelle Verbalperiphrasen behandelt, da diese gerade für die iberoromanischen Sprachen von Bedeutung sind.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vulgärlateinische Grundlagen

2.1. Herausbildung des periphrastischen Perfekts

2.2. Substituierung des synthetischen Futurs durch ein analytisches

2.3. Weitere Entwicklungen

3. Morphologische Entwicklungstendenzen im Spanischen, Galicisch-Portugiesischen und Katalanischen von der frühromanischen Phase an

3.1. Weiterentwicklung von bereits im Lateinischen vorhandenen Tempusformen

3.1.1. Verschiebungen innerhalb der Konjugationsklassen

3.1.2. Entwicklungen im Präsens

3.1.3. Entwicklungen im Imperfekt

3.1.4. Synthetisches Perfekt

3.1.5. Synthetisches Plusquamperfekt

3.2. Herausbildung neuer Tempusformen

3.2.1. Analytisches Perfekt / Plusquamperfekt

3.2.2. Futur / Konditional

3.2.3. Konjunktiv Futur

4. Vergleich der heutigen Verbalsysteme mit dem des Lateinischen

5. Verbalperiphrasen in den iberoromanischen Sprachen und ihre Rolle im Verbalsystem

6. Schlußfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die morphologische Entwicklung der Tempusformen vom Vulgärlatein bis zu den heutigen iberoromanischen Sprachen (Katalanisch, Spanisch, Portugiesisch, Galicisch). Ziel ist es, die Verbalsysteme auf Basis des Modells von E. Coseriu semantisch-funktional zu analysieren und grundlegende Neuerungen beim Übergang vom lateinischen zum romanischen System aufzuzeigen.

  • Morphologische Evolution der Verbformen in der Iberoromania
  • Grammatikalisierungsprozesse periphrastischer Konstruktionen
  • Vergleich der Verbalsysteme anhand des Coseriu-Modells
  • Rolle und Funktion aspektueller Verbalperiphrasen
  • Unterschiede zwischen westlicher und östlicher Iberoromania

Auszug aus dem Buch

2.1. Herausbildung des periphrastischen Perfekts:

Will man die morphologische Entwicklung der Verbformen in den einzelnen Sprachen der Iberoromania untersuchen, so muß man sich zunächst dem Vulgärlatein, also der gesprochenen Variante des Lateins, zuwenden, denn dort haben zahlreiche der späteren Tendenzen ihren Ursprung (insbesondere was die Entstehung neuer, im klassischen Latein nicht vorhandenen Tempusformen anbelangt).

Die für die Herausbildung der romanischen Verbalsysteme wohl bedeutendste Neuerung ist die Entstehung einer periphrastischen Konstruktion bestehend aus dem Verb HABERE und einem Partizip Passiv, welche die Funktion hatte, das Resultat einer vergangenen Handlung in Bezug auf die Gegenwart auszudrücken. Damit wurde eine Lücke im Tempussystem des klassischen Lateins geschlossen, welches für diese Funktion keine eigene Form besaß. Dazu muß man sich vor Augen halten, daß die synthetische Form des lateinischen Perfekts (CANTAVI) ursprünglich zwei Bedeutungen in sich vereinte, nämlich einerseits die eines Aorists, um abgeschlossene Handlungen ohne einen Bezug zur Gegenwart auszudrücken, und andererseits die eines eigentlichen Perfekts, für das Resultat einer vergangenen Handlung in der Gegenwart. Im Vulgärlateinischen beschränkte sich das synthetische Perfekt zunehmend auf erstere Funktion, während für die zweite Bedeutung die neue periphrastische Form HABEO + Partitizip Passiv bzw. Part. Pass. + HABEO herangezogen wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die morphologische Entwicklung und den semantisch-funktionalen Aufbau der iberoromanischen Verbalsysteme im Vergleich zum Lateinischen zu analysieren.

2. Vulgärlateinische Grundlagen: Erläutert die Entstehung der periphrastischen Perfekt- und Futurkonstruktionen sowie weitere Entwicklungen im Vulgärlatein als Ausgangspunkt für die romanischen Systeme.

3. Morphologische Entwicklungstendenzen im Spanischen, Galicisch-Portugiesischen und Katalanischen von der frühromanischen Phase an: Untersucht detailliert die Weiterentwicklung ererbter Tempusformen und die Herausbildung neuer, insbesondere analytischer Formen in den drei Sprachgebieten.

4. Vergleich der heutigen Verbalsysteme mit dem des Lateinischen: Stellt die modernen Systeme mithilfe des Modells von E. Coseriu dem lateinischen System gegenüber, um funktionale Verschiebungen zu verdeutlichen.

5. Verbalperiphrasen in den iberoromanischen Sprachen und ihre Rolle im Verbalsystem: Analysiert die komplexen aspektuellen Verbalperiphrasen und ihre Einordnung in das tertiäre System der romanischen Verbalsysteme.

6. Schlußfolgerungen: Fasst zusammen, dass trotz morphologischer Änderungen die Grundstruktur der Zeitperspektiven erhalten blieb und dass die Gemeinsamkeiten die Unterschiede zwischen den iberoromanischen Sprachen überwiegen.

Schlüsselwörter

Iberoromanische Sprachen, Verbalsystem, Vulgärlatein, Morphologie, Tempusformen, Periphrase, Grammatikalisierung, Coseriu, Spanisch, Portugiesisch, Katalanisch, Galicisch, Aspekt, Perfekt, Futur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung und der morphologischen Struktur der Verbalsysteme in den iberoromanischen Sprachen im Vergleich zum Lateinischen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Tempusformen vom Vulgärlatein bis heute, die Entstehung analytischer Verbalkonstruktionen und der funktionale Vergleich der Systeme mittels des Coseriu-Modells.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die morphologische Entwicklung nachzuvollziehen, die semantisch-funktionalen Unterschiede herauszustellen und zu bewerten, wie sich die Verbalsysteme vom Lateinischen weg differenziert haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen diachronen linguistischen Ansatz und stützt sich für den strukturellen Vergleich maßgeblich auf das Modell von E. Coseriu.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung vulgärlateinischer Grundlagen, die spezifischen morphologischen Entwicklungen in den Einzelsprachen und eine detaillierte Analyse der Verbalperiphrasen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind iberoromanische Sprachen, Grammatikalisierung, Perfektbildung, Verbalsysteme und Aspekt.

Wie unterscheidet sich das galicische Verbalsystem von den anderen iberoromanischen Systemen?

Das Galicische nimmt eine Sonderstellung ein, da es kaum zusammengesetzte Tempusformen grammatikalisiert hat und damit dem ursprünglichen lateinischen System am nächsten steht.

Welche Rolle spielen Verbalperiphrasen in den untersuchten Sprachen?

Verbalperiphrasen bilden ein komplexes sekundäres und tertiäres System, das aspektuelle Kategorien ausdrückt und einen festen Bestandteil der modernen iberoromanischen Verbalsysteme darstellt.

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Details

Title
Die Entstehung der Verbalsysteme in den iberoromanischen Sprachen
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Romanistik)
Grade
1,0
Author
Rafael Sánchez Nitzl (Author)
Publication Year
1999
Pages
26
Catalog Number
V6619
ISBN (eBook)
9783638141543
ISBN (Book)
9783638716987
Language
German
Tags
Entstehung Verbalsysteme Sprachen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rafael Sánchez Nitzl (Author), 1999, Die Entstehung der Verbalsysteme in den iberoromanischen Sprachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6619
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