Albert Speer: Architekt - Günstling Hitlers - Rüstungsminister - Hauptkriegsverbrecher


Hausarbeit, 2006
32 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der Kindheit zu den ersten Karrierestationen Albert Speers- Biographie bis 1934
2.1. Die familiären Hintergründe
2.2. Die Anfänge des Albert Speer
2.3. Erste Aufträge der NSDAP

3. Karriere Albert Speers im Nationalsozialismus
3.1. Speer als „Hitlers Erster Architekt“
3.2. Speers Ministerzeit
3.3. Speers Verantwortung

4. Biographie Albert Speers ab 1945
4.1. Festnahme und Nürnberger Prozesse
4.2. Zwanzig Jahre Spandau, Freilassung und Tod

5. Schluss

Literaturverzeichnis

Internetressourcen

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[1]

Albert Speer (1905- 1981) war Architekt, Günstling Hitlers und Rüstungsminister. Aber war er auch, wie die Anklage bei den Nürnberger Prozessen es verlauten ließ, Hauptkriegsverbrecher?

Albert Speer zählt bis heute zu den umstrittensten Figuren des NS-Regimes. Trotz seines enormen Aufstiegs im Dritten Reich gelang es ihm, die Richter in Nürnberg zur Milde zu bewegen.

Wer war dieser Mann und wie war es um die Voraussetzungen zu einer solchen Karriere beschaffen? Wie avancierte er zum Vertrauten Hitlers und zum Minister in dessen Regime? Warum arbeitete er für die Nationalsozialisten und wie war es um seine Einstellung und seine Verantwortung beschaffen? Diese und weitere Fragen sollen in der vorliegenden Hausarbeit beantwortet werden.

Als Einstieg in das Thema werden die familiären Hintergründe, die Kindheit und Jugend sowie die ersten Stationen Speers Karriere näher betrachtet. Der Hauptteil erstreckt sich über das dritte und vierte Kapitel. Hier wird auf Speers Arbeit als Architekt und seine Funktion als Reichsminister für Bewaffnung und Munition (ab 1943 für Bewaffnung und Kriegsproduktion) eingegangen. Ebenso wird die Frage bezüglich seiner Verantwortung kritisch untersucht. Des Weiteren wird das Leben Speers nach 1945 skizziert. Dies umfasst die Nürnberger Prozesse, die Haft in Berlin-Spandau und sein Leben nach der Entlassung. Zum Schluss soll resümiert werden, inwiefern die Selbstdarstellung Speers zur Zeit der Nürnberger Prozesse und insbesondere in der Zeit nach seiner Haft Bestand hatte.

Als grundlegende Literatur wurde für diese Hausarbeit das aktuelle Werk Heinrich Breloers[2] benutzt. Aber auch die Werke des Speer-Biographen Joachim Fest[3] wurden mit einbezogen, wobei diese unter Vorbehalt benutzt wurden, da dieser Speer ähnlich dargestellt hat wie Speer es selbst tat. Des Weiteren wurden auch die Werke Speers zur Bearbeitung heran gezogen[4].

2. Von der Kindheit zu den ersten Karrierestationen Albert Speers- Biographie bis 1934

2.1. Die familiären Hintergründe

Über die Kindheit und Jugend Albert Speers ist relativ wenig bekannt. Prinzipiell stammen die bekannt gewordenen Informationen aus Speers Autobiographie. Ich möchte in diesem Teil meiner Hausarbeit nicht versuchen, wie es von verschiedenen Speer-Biographen getan wurde, die Charakterzüge der Eltern übertrieben auf Speers spätere Entwicklung zu deuten. Denn dadurch wird die Frage, wie Speer in die Kreise der Nationalsozialisten avancieren konnte, nicht beantwortet.

Albert Speer wurde am 19. März 1905 in Mannheim als zweiter Sohn der Familie Albert Friederich Speer geboren. Seine Brüder waren Herman, geboren 1902 und Ernst, geboren 1906. Er entstammte aus einer für die Zeit normalen, großbürgerlichen Familie.

Sein Vater Albert Friederich Speer, geboren 1863, war einer der meistbeschäftigten Architekten Mannheims, der sich politisch den Liberalen zurechnete. Für Albert Speer wirkte sein Vater unnahbar, besonders da dieser spürbar seinem dritten Sohn Ernst zugeneigt war.

1900 heiratete er Luise Mathilde Wilhelmine Hommel, welche 1879 geboren wurde. Sie war die Tochter eines wohlhabenden Mainzer Handelsherrn und galt als gesellschaftlich sehr ehrgeizig. Albert erlebte sie als sehr hochmütig und kühl, begründet auch dadurch, dass sie ihren ersten Sohn Hermann bevorzugte. Luise Speer trat 1931, ohne Wissen ihres Mannes, der NSDAP bei. Später sagte Albert Speer von sich, dass er stets einen Hang zum Einfachen gehabt habe, was auch ein Grund für dessen Mutter gewesen sein dürfte, Alberts Bruder zu bevorzugen[5].

Die Vorfahren der Familie Speer waren unauffällige Durchschnittsbürger. Allerdings erwähnt Albert Speer in seiner Autobiographie den Reichserbmarschall Graf Friederich Ferdinand zu Pappenheim, der von 1702-1793 lebte und eine Beziehung zu einer Urahnin Speers pflegte.

Albert Speers Großvater väterlicherseits, Berthold Speer, war ein wohlhabender Architekt aus Dortmund. Sein Großvater mütterlicherseits, Hermann Hommel, war Besitzer eines der größten Handelshäuser der Zeit und besaß außerdem eine Fabrik zur Herstellung von Präzisionswerkzeugen.

Zeit seiner Kindheit, sagt Speer, habe er ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern und Brüdern gehabt. Außerdem litt er an Ohnmachtsanfällen, durch die er sich seinen Freunden und besonders seinen Brüdern unterlegen fühlte. In seiner Biographie sah Speer in dem Unbehagen, das er zu Hause erlebte, einen Grund für seine emotionale Gehemmtheit.[6]

Albert Speer und seine Brüder erhielten zu Anfang Privatunterricht, was dem Gesellschaftsverständnis der Mutter entsprach. 1918 zog die Familie Speer aufgrund der zunehmenden Bombenangriffe auf Mannheim nach Heidelberg. Hier besuchte Albert eine öffentliche Schule[7].

1922 lernt Albert Speer seine spätere Frau Margarete, genannt Gretel, Weber kennen. Sie war die Tochter eines Schreinermeisters aus Heidelberg, dessen Familie ähnlich gut situiert war wie die der Speers. Allerdings waren die Speers von Anfang an gegen die Beziehung ihres Sohnes mit der „Schreinertochter“, aber auch Margaretes Eltern waren nicht mit der Beziehung einverstanden. Am 28. August 1928 kommt es trotz der Einwände beider Familien zur Hochzeit zwischen Albert und Margarete- mit bürgerlichem Bedacht das Datum Goethes Geburtstag. Es dauert aber noch mehrere Jahre bis Margarete von Alberts Eltern zu ihnen nach Hause eingeladen wird. Aus der Ehe zwischen Albert und Margarete Speer gingen sechs Kinder hervor. Als erster wird Albert jun. 1934 geboren. Ihm folgten Tochter Hilde (verheiratete Schramm) 1936, Friederich 1937, Tochter Margret (verheiratete Nissen) 1938, Arnold 1940 und Ernst 1943[8].

1923, nach seinem bestandenen Abitur, äußert Albert den Wunsch Mathematik zu studieren, was aber nicht den Vorstellungen des Vaters entspricht, der ihn daraufhin zum Studium der Architektur überredet.

2.2. Die Anfänge des Albert Speer

Zu Beginn des Jahres 1923 begann Albert Speer ein Architekturstudium, aus finanziellen Gründen an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Zu dieser Zeit war die Inflation soweit vorangeschritten, dass Speer das Studium an einer anderen Hochschule nicht möglich war. Finanzielle Erleichterung verschaffte Familie Speer sich durch den Verkauf des geerbten Handelshauses und der Fabrik des Großvaters.

Nach Beendigung der Inflation wechselte Speer an die Technische Hochschule München, von wo er ein Jahr später an die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg wechselte. In Berlin lernte Speer Professor Heinrich Tessnow kennen. Speer war von Tessnow tief beeindruckt, und dieser entwickelte sich zu Speers Lehrmeister. Tessnows architekto­nischen Prinzipien sahen die Reduktion des architektonischen Ausdrucks auf das Sparsamste vor. Unter anderem war es dieses Leitbild Tessnows, das Speer begeisterte. Er sah viele Parallelen zwischen sich und seinem Professor. Beispielsweise sagte Speer in seiner Autobiographie: „Er ist nach außen genauso phantasielos und nüchtern wie ich, aber trotzdem haben seine Bauten etwas tief Erlebtes“[9]. 1928 wird Speer zum Assistenten Tessnows ernannt, wodurch er die Hochzeit mit Margarete finanzieren kann. In Heinrich Tessnow hatte Speer seinen ersten Katalysator gefunden.[10]

Auch zu dieser Zeit zeigte Speer nach eigenen Angaben noch kein politisches Interesse. Als Datum seiner Initiation gibt Speer den vierten Dezember 1930 an, den Tag, an dem Adolf Hitler in der Gaststätte „Neue Welt“ in der Berliner Hasenheide einen Vortrag hielt. Studenten Speers hatten ihn zum Besuch des Vortrags überredet. Er war tief beeindruckt von Hitlers Persönlichkeit und dessen Vision von der Zukunft Deutschlands, besonders da er bis zu diesem Zeitpunkt nur Negatives über Hitler gehört hatte.

Allerdings ist davon auszugehen, dass Speer bereits früher im Jahr 1930 mit den Nationalsozialisten zu tun hatte. Denn als einziger Kraftfahrzeugbesitzer in der Sektion Berlin-Wannsee muss Speer schon zu Beginn des Jahres 1930 mit dem nationalsozialistischen Automobil-Korps (NSAK) in Kontakt getreten sein[11]. In seiner Autobiographie aber erwähnt Speer, dass er erst im Jahr 1931 Mitglied des NSKK geworden sei. Aus dem NSAK war durch Zusammenlegung mit der Motor-SA das nationalsozialistische Kraftfahrerkorps (NSKK) geworden[12].

Nachdem Speer eine Kundgebung Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast besucht hatte, war er von dessen Eindruck, den er auf ihn gemacht hatte, angewidert. Dennoch trat er im Januar 1931 der NSDAP bei, aber nicht der politischen Partei, sondern der Person Hitler (Mitgliedsnummer: 474481). Des Weiteren wird Speer Mitglied der Sturmabteilung (SA) und Leiter des NSKK Berlin-Wannsee[13].

Als Leiter des NSKK Berlin-Wannsee lernt er bei einem Besuch der Kreisleitung Berlin- West den Kreisleiter Karl Hanke kennen. Hanke hatte zu diesem Zeitpunkt eine Villa gemietet, die renoviert werden und als Quartier der Kreisleitung dienen sollte. Hanke schlägt Speer vor, die Leitung der Renovierungsarbeiten des neuen Parteigebäudes zu übernehmen, allerdings unentgeltlich. Speer nimmt den Auftrag an. Zum einen, um sich zu beweisen, zum anderen, um in der auftragsschwachen Zeit überhaupt aktiv zu werden.

Nachdem Speer 1932 seine Assistentenstelle bei Professor Tessnow aufgrund finanzieller Kürzungen der Hochschule aufgab, lässt er sich als selbstständiger Architekt in Mannheim nieder. Diese Selbstständigkeit war allerdings nicht von Erfolg gekrönt.

2.3. Erste Aufträge der NSDAP

Am 28. Juli 1932 erreicht Speer ein Anruf von Karl Hanke, der mittlerweile zum Organisationsleiter des Gaus Berlin aufgestiegen war. Hanke bot Speer die Möglichkeit, das neue Gauhaus in Berlin zu renovieren. Speer nahm den Auftrag an und sagte eine geplante Reise mit seiner Frau, deren Begin für den Abend desselben Tages geplant war, ab. Wenige Stunden später hätte der Anruf Hankes Speer verfehlt, und er wäre für Wochen unauffindbar in der Abgeschiedenheit der ostpreußischen Wälder gewesen. Unter großem Zeit- und Kostendruck stellte Speer die Umbaumaßnahmen fertig und bewies dabei erstmals seine enorme Organisationsfähigkeit. Das Resultat fand Goebbels und Hitlers Beifall.

[...]


[1] < http://www.bredalsparken.dk/~soren-kretzschmer/Albert_Speer_02.jpg >, Zugriff: 02. 04. 2006

[2] Breloer, Heinrich: Speer und Er. Hitlers Architekt und Rüstungsminister, Berlin 2005.

[3] Fest, Joachim: Speer. Eine Biographie, Berlin 1999.

Fest, Joachim: Die unbeantworteten Fragen, Hamburg 2005.

[4] Speer, Albert: Erinnerungen, Frankfurt a. M./ Berlin 1970.

Sperr, Albert: Der Sklavenstaat. Meine Auseinandersetzungen mit der SS, Stuttgart 1981.

Speer, Albert: Spandauer Tagebücher, Frankfurt a. M. 1975.

[5] Fest, Joachim: Speer (s. Anm. 3), S. 21- 25.

[6] Speer, Albert: Erinnerungen (s. Anm. 4), S. 19- 24.

[7] Fest Joachim: Speer (s. Anm. 3), S. 19- 25.

[8] Breloer, Heinrich: Speer und Er (s. Anm. 2), S. 41- 45.

[9] Speer, Albert: Erinnerungen (s. Anm. 4), S. 27.

[10] Speer, Albert: Erinnerungen (s. Anm. 4), S. 26- 29.

[11] Breloer, Heinrich: Speer und Er (s. Anm. 2), S. 46- 52.

[12] Breloer, Heinrich: Speer und Er (s. Anm. 2), S. 47.

[13] Fest, Joachim: Die unbeantworteten Fragen (s. Anm. 3), S. 262.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Albert Speer: Architekt - Günstling Hitlers - Rüstungsminister - Hauptkriegsverbrecher
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Karrieren im Nationalsozialismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
32
Katalognummer
V66457
ISBN (eBook)
9783638590471
ISBN (Buch)
9783656620891
Dateigröße
697 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Albert, Speer, Architekt, Günstling, Hitlers, Rüstungsminister, Hauptkriegsverbrecher, Karrieren, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Philipp Schubert (Autor), 2006, Albert Speer: Architekt - Günstling Hitlers - Rüstungsminister - Hauptkriegsverbrecher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66457

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