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Feldforschung im Internet aus ethnologischer Perspektive

Titel: Feldforschung im Internet aus ethnologischer Perspektive

Seminararbeit , 2006 , 24 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Philipp Einhäuser (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Internetforschung hat sich in den letzten zehn Jahren im Fächerkanon der ethnologischen Disziplinen weitgehend etabliert. Mit der Öffnung des Internets für private und gewerbliche Zwecke Mitte der 90er Jahre sind auch in kultureller und sozialer Hinsicht eine Vielzahl an neuen Phänomenen im Cyberspace entstanden, welche die Ethnologie heute vor neue Herausforderungen stellen. Konzepte und Methoden sollten daher überprüft, verändert und an die sich beständig in Bewegung befindlichen Strukturen des Internets angepasst werden, der Ethnograph muss sich ein völlig neues Feld zu Eigen machen, und neue ethische Leitlinien müssen erarbeitet werden.
Die vorliegende Seminararbeit setzt sich mit dem gegenwärtigen methodischen und methodologischen Stand der ethnologischen Internetforschung auseinander.
Zunächst wird der Begriff der Feldforschung geklärt, damit eine sinnvolle Differenzierung zur Feldforschung im Netz erfolgen kann. Im Anschluss daran folgt ein historischer Überblick über die Entwicklung des Internets sowie ferner ein kurzer Abriss über die frühe Internetforschung. Im Hauptteil des Textes wird eine Annäherung an die neuere und gegenwärtige Methodik der Online-Feldforschung versucht, die sich im Wesentlichen an den theoretischen Teilen der Ethnographien "Cyberidentities at War. Der Molukkenkonflikt im Internet" von Birgit Bräuchler und Virtual Ethnography von Christine Hine orientiert. Den Abschluss werden einige Betrachtungen zur ethischen Dimension der Internetforschung bilden. Fragen der Repräsentation von ethnographischem Material werden bewusst außen vor gelassen da dies den Rahmen sprengen würde.
Ausgangspunkt des Textes bildet die These, dass der Cyberspace einiger spezifischer Methoden bedarf, um sinnvoll untersucht zu werden, und eine unreflektierte Übertragung von gängigen Theorien und Methoden aus der so genannten Offline-Feldforschung nicht erfolgen kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsklärung „Feldforschung“

2. Historischer Abriss zur Entwicklung des Internets

3. Entwicklung der Internetforschung

4. Methodik der ethnologischen Internetforschung

4.1 Theoretische Grundlagen zur Feldforschung im Internet

4.2 Das Feld

4.3 Forschungsquellen

4.4 Die Person des Ethnographen

Ethische Aspekte

Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und methodischen Anpassungen der ethnologischen Feldforschung im Kontext des Internets, um zu klären, wie der Cyberspace als Forschungsfeld sinnvoll erschlossen werden kann, ohne unreflektierte Methoden der Offline-Ethnographie anzuwenden.

  • Grundlagen der ethnologischen Feldforschung und ihre Übertragbarkeit.
  • Historische Entwicklung des Internets und der Internetforschung.
  • Herausforderungen bei der Feldbestimmung im virtuellen Raum.
  • Analyse spezifischer Forschungsquellen wie Webseiten und Newsgroups.
  • Die reflexive Rolle des Ethnographen und ethische Fragestellungen.

Auszug aus dem Buch

4.2 Das Feld

Christine Hine hat eine ebenso einfache wie aussagekräftige Beobachtung über soziale Beziehungen im Internet gemacht, die vielleicht grundsätzlich eine Herangehensweise an das Netz als Feld skizziert: medialisierte Interaktion sei nicht multilokal, sondern mobil. Es müsse deshalb eine neue Vorstellung von Raum, und damit auch von unserem Konzept, was das Feld sein könne, entwickelt werden. Wenn Kultur nicht mehr lokalisierbar sei, dann könne es auch die Ethnographie nicht mehr sein. Der Fluss (orig. „flow“) und die Vernetzung müssten deshalb zum Organisationsprinzip einer Feldforschung erhoben werden (Hine 2000: 64).

Diese Vorstellung hat weit reichende Konsequenzen: zunächst kann der Ethnograph sein Feld nicht mehr abstecken. Er wird an einem Punkt im Internet ansetzen müssen um möglicherweise an eine ganz andere Stelle zu gelangen. Die Grenzen des Feldes, so Hine, seien nicht abzusehen. Der Ethnograph werde immer wieder mit der Frage konfrontiert sein, ob das gegenwärtig untersuchte Phänomen noch zum Feld gehöre, bzw. in die Ethnographie einzubetten sei oder nicht (ebd.: 60).

Auch erkenntnistheoretisch erfolgt damit eine Transformation: an Stelle der holistischen Prämisse tritt das Vernetzungsprinzip. Das Eintauchen des Ethnologen in einen bestimmten Ort oder Kontext werde durch dessen sensible, auch intuitive Mobilität ersetzt (ebd.). Die Grundlage für diesen Ansatz bildet zu großen Teilen die Kritik Hammersleys und Stanleys, der Holismus erkenne die Partikularität und Selektivität einer jeden Ethnographie wie auch die Implikation der Vernetzung – die unscharfe Grenze - nicht an (zit. n. Hine 2000: 59). Manuel Castells hatte schon früh formuliert: nicht mehr der „space of spaces“, sondern der „space of flows“ sei in einer Ethnographie zu untersuchen (zit. n. Hine 2000: 61). Der Ethnologe müsse sich also vom Netzwerk seines Untersuchungsgegenstandes leiten lassen, oder bewusst durch verschiedene Kontexte „wandern“ (ebd.: 35).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung etabliert die Relevanz der Internetforschung für die moderne Ethnologie und formuliert die These, dass eine bloße Übertragung traditioneller Methoden auf den Cyberspace unzureichend ist.

1. Begriffsklärung „Feldforschung“: Dieses Kapitel erläutert den klassischen ethnologischen Feldforschungsbegriff, insbesondere die teilnehmende Beobachtung, und diskutiert deren kontinuierliche wissenschaftliche Weiterentwicklung.

2. Historischer Abriss zur Entwicklung des Internets: Der Autor skizziert die technische Evolution des Internets vom militärischen ARPANET bis hin zur globalen Kommerzialisierung und massenhaften Verbreitung ab den 90er Jahren.

3. Entwicklung der Internetforschung: Hier werden drei Phasen der Cyberculture Studies identifiziert, die den Wandel von rein deskriptiven Ansätzen hin zu kritischen Analysen des Cyberspace als kulturellem Raum beschreiben.

4. Methodik der ethnologischen Internetforschung: Dieser Hauptteil befasst sich mit der Anpassung ethnographischer Methoden an den Online-Kontext, basierend auf den Theorien von Bräuchler und Hine.

4.1 Theoretische Grundlagen zur Feldforschung im Internet: Das Kapitel diskutiert die Relevanz der teilnehmenden Beobachtung sowie die Frage, ob Offline-Forschung als Ergänzung zur Online-Studie notwendig ist.

4.2 Das Feld: Hier wird die Notwendigkeit einer Abkehr vom territorialen Feldbegriff hin zu einem mobilen Vernetzungsprinzip (Space of flows) begründet.

4.3 Forschungsquellen: Der Autor bewertet verschiedene Quellen wie Webseiten, Newsgroups und Mailinglisten hinsichtlich ihres Potenzials für die ethnographische Analyse.

4.4 Die Person des Ethnographen: Dieses Kapitel analysiert die ambivalente Rolle des Forschers, der sich zwischen notwendiger Distanz und Involviertheit bewegen muss, um Authentizität zu erfassen.

Ethische Aspekte: Abschließend werden die moralischen Herausforderungen der Internetforschung erörtert, insbesondere im Hinblick auf Anonymität, Privatsphäre und die geltenden Verhaltenskodices.

Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Notwendigkeit einer neuen Sensibilität für sich ständig transformierende, digitale Empirie.

Schlüsselwörter

Ethnologie, Internetforschung, Feldforschung, Teilnehmende Beobachtung, Cyberspace, Cyberanthropology, Online-Gemeinschaften, Virtuelle Ethnographie, Identitätskonstruktion, Vernetzung, Space of flows, Methodik, Digitale Kultur, CMC, Ethische Aspekte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anpassung klassischer ethnologischer Forschungsmethoden an den digitalen Raum, insbesondere im Hinblick auf die Besonderheiten des Cyberspace.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zu den Schwerpunkten zählen die Feldforschung im Internet, die Konstituierung von Online-Forschungsfeldern sowie die reflexiven und ethischen Anforderungen an den Feldforscher.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel besteht darin aufzuzeigen, dass eine unreflektierte Übertragung von Offline-Methoden nicht möglich ist und der Cyberspace spezifische neue methodische Ansätze erfordert.

Welche wissenschaftlichen Quellen werden primär herangezogen?

Der Autor stützt sich maßgeblich auf die Werke von Birgit Bräuchler (Cyberidentities at War) und Christine Hine (Virtual Ethnography).

Wie wird der Hauptteil der Arbeit gegliedert?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Grundlegung, die spezifische Bestimmung des Forschungsfeldes, die Analyse unterschiedlicher Online-Quellen und die Reflexion der Forscherpersönlichkeit.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben der ethnologischen Internetforschung vor allem die Teilnehmende Beobachtung, der Forschungsfeld-Begriff und die reflexive Rolle des Ethnographen.

Warum ist der Begriff „Feld“ im Internet problematisch?

Im Internet fehlt die physische Lokalisierbarkeit. Das Feld ist nicht mehr räumlich abgrenzbar, sondern als mobil und vernetzt zu verstehen, was klassische territoriale Konzepte der Ethnologie in Frage stellt.

Wie verhält es sich mit der Authentizität bei Online-Identitäten?

Die Arbeit verdeutlicht, dass die Verifizierung von Authentizität zweitrangig ist; vielmehr kommt es darauf an zu analysieren, wie Informanten ihre Identität konstruieren und bewerten.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Feldforschung im Internet aus ethnologischer Perspektive
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Veranstaltung
Cyberanthropology
Note
1,0
Autor
Philipp Einhäuser (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V66846
ISBN (eBook)
9783638592345
ISBN (Buch)
9783638665537
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feldforschung Internet Perspektive Cyberanthropology
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Philipp Einhäuser (Autor:in), 2006, Feldforschung im Internet aus ethnologischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66846
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Leseprobe aus  24  Seiten
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