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Der historische Vergleich - Beschreibung und Einordnung der Methode am Beispiel des Vergleichs von Stalinismus und deutschem Faschismus/ Nationalsozialismus

Titel: Der historische Vergleich - Beschreibung und Einordnung der Methode am Beispiel des Vergleichs von Stalinismus und deutschem Faschismus/ Nationalsozialismus

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2005 , 26 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Imke Duis (Autor:in)

Geschichte - Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit soll die Methode des historischen Vergleichs beschrieben werden. Laut Hartmut Kaelble dient der Vergleich in erster Linie der Ursachenanalyse. „Niemand wird bestreiten wollen, daß kaum eine andere […] Methode so präzise gute und schlechte Erklärungen voneinander trennt wie der historische Vergleich.“ Tatsächlich können aber durch einen Vergleich auch sehr schlechte Erklärungen für historische Prozesse konstruiert werden – der Historikerstreit, der 1986 die Feuilletons durchzog, ist dafür ein prominentes Beispiel. Auch die umstrittene Totalitarismusthese, die ein allgemeines Erklärungsmodell, das für möglichst viele diktatorische Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart dienen soll, fällt unter die Sparte der vergleichenden Ursachenanalyse. Es können aber natürlich auch gleiche Ursachen zu verschiedene Ergebnissen führen, oder verschiedene Ursachen zu gleichen Ergebnissen. Die seriöse Variante des Vergleichs zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus hat vor allem in dieser Hinsicht viele gute Erklärungen gefunden.
Es ist also immer fraglich, zu welchem Erkenntniszweck und zu welchem politischen Zweck ein Vergleich historischer Ursachen dient. In den folgenden Kapiteln wird zunächst nach den Ansprüchen der Methode gefragt. Dabei werden, der Argumentation Kaelbles kritisch folgend, zwei grundlegend verschiedene Ansätze der vergleichenden Geschichtsschreibung beschrieben, der generalisierende und der individualisierende Ansatz. Ein Vergleich von NS und Stalinismus steht in Deutschland schnell in dem Verdacht einer Relativierung - oder wie im Fall der Thesen des Historikers Ernst Noltes, die zum Historikerstreit führten, sogar für die Rechtfertigung des Holocaust. Um diesem Vorwurf zu entgehen, ist jeweils eine klare Zweckbestimmung des Vergleichs, eine Eingrenzung des Gegenstandes und eine Darstellung nötig, die nicht gleich macht, sondern Gleiches und Spezifisches sorgfältig im Blick behält.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der historische Vergleich als Methode

2.1 Marc Bloch

2.2 Hartmut Kaelble

2.2.1 Generalisierender und individualisierender Vergleich

2.2.2 Was leistet ein historischer Vergleich?

2.3 Alan Bullock

2.4 Helmut Mommsen

2.4.1 Gemeinsamkeiten

2.4.2 Unterschiede

3. Der Vergleich als Methode der Geschichtspolitik

3.1 Die Singularitätsthese nach Ian Kershaw

3.2 Die Totalitarismusthese

3.3 Ernst Nolte und der Historikerstreit

4. Zusammenfassung der Ergebnisse

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die methodischen Grundlagen und die geschichtspolitische Dimension des historischen Vergleichs, wobei der Fokus insbesondere auf dem Vergleich zwischen dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus liegt. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt, wie der Vergleich historischer Ursachen zu Erkenntnisgewinnen führt, welche methodischen Ansätze dabei unterschieden werden müssen und inwieweit solche Vergleiche zur Instrumentalisierung oder Relativierung historischer Verbrechen führen können.

  • Grundlagen und Typologie des historischen Vergleichs nach Marc Bloch und Hartmut Kaelble
  • Differenzierung zwischen generalisierenden und individualisierenden Vergleichsansätzen
  • Die Rolle des Vergleichs als Instrument der Geschichtspolitik
  • Kritische Analyse prominenter Fallbeispiele: Singularitätsthese, Totalitarismusthese und der Historikerstreit

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Generalisierender und individualisierender Vergleich

Um zu verstehen, warum es für die Geschichtsschreibung und das Selbstverständnis der Deutschen wichtig ist, NS und Stalinismus als Systeme zu vergleichen, sollen zunächst die Vergleichsansätze beschrieben werden, die Kaelble beschreibt:

„Zu den Zielen eines vollständigen Vergleichs gehört entweder die Erklärung der vorgefundenen Unterschiede und Gemeinsamkeiten oder ihre Typisierung. Erklärung und Typisierung haben zwei verschiedenen Ziele: Die Erklärung sucht im Untersuchungsthema normalerweise nach Ursachen für Unterschiede und Gemeinsamkeiten aus einem größeren gemeinsamen Zusammenhang heraus.“

Haupt und Kocka definieren dasselbe Gegensatzpaar, bezeichnen es aber mit den Begriffen „Verallgemeinerung“ und „Kontrast“. Der generalisierende Vergleich versucht also, Gemeinsamkeiten zwischen den Systemen festzustellen und allgemeine Regelen für historische Prozesse herzustellen. Nolte versucht eben dies, wenn er behauptet, Stalins Gulag sei nur ein zeitlicher und ursächlicher Vorläufer der NS-Konzentrationslager gewesen, und auch die Totalitarismusthese fällt in diesen Bereich. Haupt und Kocka merken an, dass Vergleichen immer Abstrahieren bedeutet:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Methodik des historischen Vergleichs ein und thematisiert das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Erkenntnissuche und politischer Instrumentalisierung am Beispiel des NS und des Stalinismus.

2. Der historische Vergleich als Methode: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen von Marc Bloch und Hartmut Kaelble erläutert, um die Typologie und den Nutzen von Vergleichen in der Geschichtswissenschaft zu definieren.

3. Der Vergleich als Methode der Geschichtspolitik: Hier wird untersucht, wie historische Vergleiche gezielt eingesetzt werden, um Identitäten zu stiften oder politische Diskurse zu beeinflussen, insbesondere anhand der Singularitäts- und Totalitarismusthese sowie des Historikerstreits.

4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Fazit resümiert die methodischen Erkenntnisse und plädiert für einen differenzierenden Vergleich, der komplexe Zusammenhänge wahrt, anstatt durch Gleichsetzungen zu relativieren.

Schlüsselwörter

Historischer Vergleich, Nationalsozialismus, Stalinismus, Geschichtspolitik, Totalitarismusthese, Singularitätsthese, Historikerstreit, Ernst Nolte, Marc Bloch, Hartmut Kaelble, Ursachenanalyse, Verallgemeinerung, Typisierung, Identitätsstiftung, Geschichtsrevisionismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Methode des historischen Vergleichs und beleuchtet kritisch, wie dieser als Werkzeug der Ursachenanalyse sowie der politischen Instrumentalisierung am Beispiel von Nationalsozialismus und Stalinismus verwendet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die theoretischen Grundlagen des vergleichenden Arbeitens, die Unterscheidung zwischen generalisierenden und individualisierenden Ansätzen sowie die geschichtspolitische Debatte um die Einzigartigkeit des Holocaust.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historische Vergleiche methodisch korrekt durchgeführt werden können und welche Risiken der geschichtspolitischen Relativierung bei Vergleichen totalitärer Systeme bestehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine methodenkritische Analyse, die auf den theoretischen Modellen von Historikern wie Marc Bloch und Hartmut Kaelble aufbaut und diese an Fallbeispielen anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Fundierung (Bloch, Kaelble, Bullock, Mommsen) und die geschichtspolitische Anwendung an Beispielen wie der Singularitätsthese, der Totalitarismusthese und dem Historikerstreit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Historischer Vergleich, Totalitarismusthese, Singularität, Geschichtspolitik, Holocaust und Historikerstreit.

Warum lehnen viele Historiker die Totalitarismusthese laut der Autorin ab?

Die Ablehnung resultiert methodisch aus der notwendigen Abstraktion, die die Einzigartigkeit und interne Logik der Einzelerscheinungen verwischt, sowie politisch aus der Gefahr, durch eine Gleichsetzung der Systeme die NS-Verbrechen zu relativieren.

Welche Rolle spielt der Historikerstreit in dieser Untersuchung?

Der Historikerstreit dient als prominentes Beispiel für eine politische Auseinandersetzung, in der generalisierende Vergleichsansätze (insbesondere durch Ernst Nolte) zur Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen instrumentalisiert wurden.

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Details

Titel
Der historische Vergleich - Beschreibung und Einordnung der Methode am Beispiel des Vergleichs von Stalinismus und deutschem Faschismus/ Nationalsozialismus
Hochschule
Universität Münster
Note
1,3
Autor
Imke Duis (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V67369
ISBN (eBook)
9783638603508
ISBN (Buch)
9783638671972
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich Beschreibung Einordnung Methode Beispiel Vergleichs Stalinismus Faschismus/ Nationalsozialismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Imke Duis (Autor:in), 2005, Der historische Vergleich - Beschreibung und Einordnung der Methode am Beispiel des Vergleichs von Stalinismus und deutschem Faschismus/ Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67369
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Leseprobe aus  26  Seiten
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