Verfilmung literarischer Werke - Bedeutung und Verfahren zur filmischen Adaption von Romanen am Beispiel von Volker Schlöndorffs Literaturverfilmung Homo faber


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Literarisierung des Film
2.1 Bedeutung filmischer Adaptionen
2.2 Literatur als Vorbild des Films

3. Von der Literatur zum Film
3.1 Möglichkeiten und Grenzen bei der Verfilmung von Literatur
3.2 Transformationsmodell
3.3 Kinematografischer Code
3.4 Übertragung der literarischen Erzählsituation auf den Film

4. Homo faber
4.1 Der Roman Homo faber von Max Frisch
4.3 Filmische Umsetzung des Romans

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wird ein literarisches Werk als Grundlage für einen Film verwendet, bedeutet dies nicht selten eine Enttäuschung für das Publikum. Kürzungen, Veränderungen und falsche Besetzungen sind in den Augen der Zuschauer oft Zeichen für schlecht gelungene Adaptionen. Doch bei der Umwandlung von Schrift ins Bild gibt es keine festgelegten Regeln und so bedienen sich Filmemacher verschiedener Verfahren bei der filmischen Umsetzung einer literarischen Vorlage.

Schon seit den Anfängen des Films am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Filme auf der Grundlage von Literatur, aber auch anderen Künsten, wie beispielsweise dem Theater produziert. Bereits etablierte Genres wurden so mit dem neuen Medium verbunden.

Zunächst sollen in dieser Arbeit die Bedeutung und damit verbundenen Motive filmischer Adaptionen herausgestellt werden.

Durch unterschiedliche Voraussetzungen beider Medien ergeben sich neben Möglichkeiten auch Grenzen, bei der Transformation eines literarischen Werkes in einen Film. Der Film bedient sich bestimmter Codes, die er zum Teil auch mit anderen Künsten teilt, um schließlich ein Gesamtwerk zu bilden.

Als Vermittler zwischen einem Autor und der Leserschaft literarischer Werke dient meist ein fiktiver Erzähler, durch welchen die Erzählsituation des Werkes bestimmt wird. Um diese filmisch darzustellen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Matthias Hurst in seiner Arbeit Erzählsituationen in Literatur und Film sehr anschaulich beschreibt und die ich deshalb als Grundlage nutzen möchte.

Schließlich sollen die Erkenntnisse mit dem Hauptaugenmerk auf der Erzählsituation auf ein filmisches Beispiel angewandt werden. Volker Schlöndorffs Verfilmung (1990) von Max Frischs Roman Homo faber bietet sich vor allem aufgrund der, von der literarischen Vorlage abweichenden Erzählsituation, zur Analyse an. Denn der in Ich-Perspektive erzählte Roman, der ausschließlich die Wahrnehmungen des Protagonisten darstellt, wurde von Schlöndorff in abweichender Weise verfilmt.

2. Literarisierung des Films

2.1 Bedeutung filmischer Adaptionen

Bereits seit den Anfängen des Films wird immer wieder auf existierendes Material bzw. Grundideen zurückgegriffen. Aufgrund der narrativen Elemente, die ein Film enthält, liegt eine Anlehnung an literarische Werke nahe, wobei vorwiegend Romane als Grundlage für Verfilmungen verwendet werden.

James Monaco ist der Ansicht, dass nahezu alles Geschriebene filmisch dargestellt werden kann: „Was immer gedruckt im Roman erzählt werden kann, kann im Film annährend verbildlicht oder erzählt werden (obwohl die wildesten Phantasien eines Jorge Luis Borges oder eines Lewis Carroll eine Menge Spezialeffekte erfordern mögen).“[1]

Zwischen 1906 und 1908 vollzog sich ein allmählicher Wandel vom nicht-kontinuierlichen zum kontinuierlichen filmischen Erzählen. Im Vergleich mit zuvor produzierten Filmen verstärkte sich die Komplexität besonders in Bezug auf Syntax und Schnittverfahren. So wurden etwa ab diesem Zeitpunkt bedeutend mehr Unterhaltungs- und fiktional narrative Filme produziert. Die Anzahl der Komödien und Trickfilme überwog bald die der dokumentarischen Filme. Weiterhin fand eine Veränderung der Filmproduktion auch als Folge der zunehmenden Ökonomisierung statt, die mit dem entstehenden Studiosystem einherging. Der Film etablierte sich daraufhin als Industrie.

Ab 1905 entstanden Ladenkinos und das bisherige Verkaufs- wurde auf das Verleihsystem umgestellt, sodass Filme in verschiedenen Kinos gezeigt und zu neuen Programmen zusammengestellt werden konnten. Folglich stieg der Bedarf an Filmen, was zu einer Standardisierung der Filmproduktion führte. Mit der Institutionalisierung waren auch verschiedene Versuche, die Filmindustrie zu monopolisieren gekoppelt. Auch die Art der Filme änderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Filmemacher versuchten ein breiteres Publikum anzusprechen, das auch das Bürgertum mit einschloss. Um dies zu erreichen stützten sie sich auf die Erzähltraditionen der bürgerlichen Schicht stützen und nutzten bekannte Theaterstücke, Romane oder Gedichte als Grundlage für ihre Filme. Die Institutionalisierung umfasst somit auch die „Einschreibung des Films in die Institutionen der bürgerlichen Kultur und Kunst“[2].

Als Grund für Adaptionen führt Rudolf Rach[3] zwei Motive an. Zunächst bewege Filmemacher ein Mangel an geeigneten Stoffen, die filmisch umzusetzen sind, zu einem Rückgriff auf bereits vorhandenes Material. Ein Drehbuch dient als Vorlage für die Umsetzung filmischer Ideen. Indem man sich auf einen Roman oder ein Drama stützt, kann dessen Anfertigung erheblich vereinfacht und beschleunigt werden. Ein komplett neues Konzept anzufertigen stellt einen weitaus größeren Arbeitsaufwand dar, als das einer Vorlage zu übernehmen. Beim Schreiben eines Drehbuchs nach einer literarischen Vorlage beschränkt sich die Arbeit meist auf Umschreiben von Schauplätzen, was auch durch die verschiedenen Drehorte bedingt ist. Dialoge müssen oft umkonstruiert werden. Weitere Veränderungen beinhalten Kürzungen und Erweiterungen der Vorlage. Da diese Vorgänge den Produktionsprozess eines Filmes beschleunigen können, bewegen nicht zuletzt wirtschaftliche Gründe zum Verwenden einer literarischen Vorlage.

Als zweites Motiv, einen literarisch vorgeformten Stoff zu verfilmen, spricht Rach die Popularität der Vorlage an. Durch teure Produktionskosten geht mit der Filmproduktion auch immer ein wirtschaftliches Risiko einher. So bietet ein Stoff, der bereits in einem anderen Medium außerordentlich erfolgreich war, eine gewisse Garantie, sich als Film ähnlich profitabel verwirklichen zu lassen. Rach spricht dabei von einer „Rentabilitätswahrscheinlichkeit“[4]. Besonders in den USA, wo durch die Filmkosten extrem hohe Kosten entstehen, stützen sich Produzenten gerne auf Material, dass bereits Erfolge zu verzeichnen hatte, um das Risiko möglichst gering zu halten. So kämpfen Filmproduzenten ständig um die Autorenrechte aktueller Bestseller. Eigens dafür eingerichtete Abteilungen überprüfen Neuerscheinungen des Buchmarktes auf ihre Eignung zur Adaption. Auch Monaco bemerkt, dass erfolgreiche Romane in den letzten Jahren ein „riesiges Reservoir an Material für kommerzielle Filme gewesen“[5] sind.

Des Weiteren beschäftigte sich Rudolf Rach mit verschiedenen Statistiken, die belegen, dass ein großer Teil von Filmen auf der Grundlage eines literarischen Werks produziert wurde. Aus seiner Arbeit sind allerdings nur Angaben bis zum Anfang der 60er Jahre zu entnehmen. So stellte er heraus, dass sich unter den zehn erfolgreichsten Filmen, die der Neujahrsausgabe von 1961/62 der Liste All-Time Top Film Grossers zu entnehmen waren, insgesamt sechs Titel auf eine Romanvorlage zurückgingen. Im darauf folgenden Jahr bezog sich die gleiche Anzahl der Filme auf literarische Grundlagen. Außerdem erwähnte Rach eine Statistik des Deutschen Instituts für Filmkunde, die zwischen 1946 und 1956 erhoben wurde. Ihr zufolge basierten 40 Prozent der Filme, die während dieser zehn Jahre produziert wurden auf einem literarischen Werk. Von den insgesamt 315 Adaptionen gingen 40 Prozent auf Romane zurück, 28 auf Dramen, elf Prozent hatten Novellen als Vorlage und neun Prozent waren Verfilmungen von Märchen. Die restlichen Adaptionen entstanden auf der Grundlage von Erzählungen, Hörspielen u.a.[6]

2.2 Literatur als Vorbild des Films

Bei einem Roman nimmt ein Leser zunächst den Umweg über die Schrift, bevor er seine Fantasie gebraucht, um die beschriebenen Bilder und Ereignisse vor seinem inneren Auge erscheinen und geschehen zu lassen. Wird ein Roman allerdings verfilmt, so stellen die Bilder und Szenen bereits eine Interpretation des zu Grunde liegenden Werks dar. Für die Art, wie sie umgesetzt werden, gibt es keine allgemein gültigen Regeln. Die Verfilmung wird vielmehr durch die Blickrichtung eines Regisseurs gesteuert und daher allein nach seinen Vorstellungen wiedergegeben.

Die Originalität und Qualität der Literatur entsteht durch ihre verschiedenen kreativen Bestandteile. So bedienen sich Schriftsteller an unterschiedlichen Erzählsituationen und stilistischen Mitteln. Für den Film gilt es, eigene Verfahren zu entwickeln, mit welchen narrative Strukturen dargestellt werden können. „Tatsächlich strebte der Film seit seiner Erfindung danach, der Literatur in ihrer erzählerischen Kraft und Kompetenz ebenbürtig zu werden.“[7]

Meist wird davon ausgegangen, dass in der Beziehung zwischen Literatur und Film, allein der Film sich an der Literatur anlehnt und sie als Vorbild für seine Strukturen betrachtet.

[...]


[1] Monaco, James: Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der neuen Medien. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002. S. 45.

[2] Paech, Joachim: Literatur und Film. Stuttgart: Metzler, 1997. S. 28.

[3] Vgl.: Rach, Rudolf: Literatur und Film. Möglichkeiten und Grenzen der filmischen Adaption. Köln: Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1964. S. 27f.

[4] Ebd. S. 27.

[5] Monaco, James: Film verstehen. 2002. S. 45.

[6] Vgl.: Rach, Rudolf: Literatur und Film. Möglichkeiten und Grenzen der filmischen Adaption. 1964. S. 26.

[7] Hurst, Matthias: Erzählsituationen in Literatur und Film. Ein Modell zur vergleichenden Analyse von literarischen Texten und filmischen Adaptionen. Tübingen: Niemeyer, 1996. S. 85.

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Details

Titel
Verfilmung literarischer Werke - Bedeutung und Verfahren zur filmischen Adaption von Romanen am Beispiel von Volker Schlöndorffs Literaturverfilmung Homo faber
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Literatur-Fotografie-Film
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V67520
ISBN (eBook)
9783638587341
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verfilmung, Werke, Bedeutung, Verfahren, Adaption, Romanen, Beispiel, Volker, Schlöndorffs, Literaturverfilmung, Homo, Literatur-Fotografie-Film
Arbeit zitieren
Stefanie Neues (Autor), 2006, Verfilmung literarischer Werke - Bedeutung und Verfahren zur filmischen Adaption von Romanen am Beispiel von Volker Schlöndorffs Literaturverfilmung Homo faber , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67520

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