Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Romance Studies - Italian and Sardinian Studies

Venedig als Sinnbild des Verfalls

Title: Venedig als Sinnbild des Verfalls

Term Paper , 2004 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Laura Krämer (Author)

Romance Studies - Italian and Sardinian Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Venedig gehört zu den gefragtesten Reisezielen weltweit. Fast zu jeder Jahreszeit ist die Stadt angefüllt mit Touristen, die das architektonische Wunderwerk der Wasserstadt und die überreichen Kunstschätze, die sie beherbergt, besichtigen wollen. Viele ziehen auch die allgemeinen Verlockungen eines italienischen Ferienaufenthalts an, gutes Essen, Eis, Sonne, Meer, Entspannung im Café, die in Venedig vor einer einzigartigen Kulisse eine besondere Romantik erhalten. Dies mag für die häufige Wahl Venedigs als Ziel von Hochzeitsreisen eine Rolle spielen. Besondere kulturelle Veranstaltungen wie die Filmbiennale, Opern- und Theateraufführungen haben wiederum ihr eigenes Publikum, und auch ausländische Geisteswissenschaftler finden hier lohnende Beschäftigung, zum Beispiel an der Universität, am Deutschen Institut für venezianische Studien oder dem Archivio Luigi Nono auf der Giudecca. Auf der klassischen italienischen Bildungsreise, die auch heute noch unternommen wird, darf Venedig auf keinen Fall fehlen. Dieses nicht abreißende oder auch nur nachlassende internationale Interesse an der Hafenstadt ist nicht etwa ein Phänomen der neuesten Zeit, es ist vielmehr eine Konstante in der europäischen Geschichte seit dem Mittelalter, freilich aus den unterschiedlichsten, historisch wechselnden Gründen. So fragt es sich, wie es geschehen konnte, daß dieser Ort der Bildung, Kultur, des Reichtums und Wohllebens in der europäischen Literatur des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zu einem beliebten Topos für Verfall und Tod werden konnte. Es ist davon auszugehen, daß eine solche literarische Tendenz eine allgemeine Sichtweise der Zeit spiegelt und das Phänomen nicht nur in Schriftstellerkreisen relevant war. Wie kam La Serenissima in diesen ihrem Beinamen so konträren Ruf? Wann fing man an, in Venedig vor allem das Vergangene im Sinne des Heruntergekommenen, Abgestiegenen zu sehen? Was führte zu diesem Wandel der Sichtweise? Welche tatsächlichen Dekadenzprozesse spielten sich in der politischen und sozialen Geschichte der Seerepublik ab? Auf welche Weise bedienen sich Autoren des Venedig-Topos? Wird er auch in jüngster Zeit noch bemüht? Diesen Fragen will die vorliegende Arbeit auf den Grund gehen. Dies ist eine kulturwissenschaftliche und keine literaturwissenschaftliche Arbeit. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2. BEGRIFFSKLÄRUNG TOPOS

3. DEKADENZPROZESSE IN DER VENEZIANISCHEN GESCHICHTE

3.1. AUFSTIEG

3.2. VERLUST DER VORMACHTSTELLUNG IM WELTHANDEL

3.3. POLITISCHE UNTÄTIGKEIT, UNSELBSTÄNDIGKEIT

3.4. 17./18. JAHRHUNDERT: KULTURELLE BLÜTE UND FRAGWÜRDIGE VERGNÜGUNGSKULTUR

3.5. NIEDERGANG DER OBERSCHICHT

4. THOMAS MANN: DER TOD IN VENEDIG

4.1. LOB VENEDIGS

4.2. VENEDIG ALS VERFÜHRERIN

4.3. MORALISCH VERKOMMENE EINWOHNER

4.4. EKEL

4.5. WETTER

5. DIE OBJEKTIVE SICHTWEISE: KARL SCHEFFLERS REISEBERICHT

5.1. DEUTSCHE ITALIEN-BEWUNDERUNG UND ITALIEN-SEHNSUCHT

5.2. VENEDIG ALS VERFÜHRERIN

5.3. ENTTÄUSCHUNG BEI DER ANREISE PER BAHN

5.4. SINGEN DIE GONDOLIERI?

5.5. EKEL

5.6. PROLETARISCHE EINWOHNER

5.7. DIRNENSCHÖNHEIT

6. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den literarischen Topos Venedigs als Sinnbild des Verfalls und analysiert, welche historischen und sozialen Dekadenzprozesse der Stadt dieses Bild in der europäischen Literatur des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts prägten. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie aus einem Zentrum des Reichtums und der Kultur ein solch konträres, mit Tod und Abstieg assoziiertes Bild entstehen konnte.

  • Historische Dekadenzprozesse der venezianischen Seerepublik.
  • Die literarische Verarbeitung von Venedig bei Thomas Mann.
  • Die dokumentarische Reiseschilderung bei Karl Scheffler.
  • Die Ambivalenz zwischen ästhetischer Faszination und moralischer Abstoßung.
  • Der Einfluss von Klima, Hygiene und sozialer Verwahrlosung auf die Wahrnehmung.

Auszug aus dem Buch

4.2. Venedig als Verführerin

Schließlich muß die Stadt einiges für sich haben, um so anziehend sein zu können, daß sie – in der Literatur ein Aspekt des Dekadenz-Themas – gefährlich verführerisch sein kann. In Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig ist das verführerische Potential der Stadt als todbringende Gefahr unverkennbar. Aschenbach kann sich nicht von Venedig losreißen und fällt deshalb, obgleich er rechtzeitig gewarnt wird, der Cholera zum Opfer. Dabei wird er gar nicht zu irgendeiner unziemlichen Handlung verführt, sondern einzig und allein zum Verweilen in Venedig. Die Unfähigkeit, Venedig zu verlassen, ist dabei gleichbedeutend mit der Unfähigkeit, den Jungen Tadzio zu verlassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Die Einleitung etabliert die Forschungsfrage nach der Entstehung des literarischen Venedig-Topos als Sinnbild für Verfall und Tod im Vergleich zu seinem historischen Ruf.

2. BEGRIFFSKLÄRUNG TOPOS: Dieses Kapitel definiert den literaturwissenschaftlichen Topos-Begriff und diskutiert dessen Anwendungsmöglichkeiten sowie die Grenzen der Forschung.

3. DEKADENZPROZESSE IN DER VENEZIANISCHEN GESCHICHTE: Eine historische Analyse von Venedigs wirtschaftlichem, politischem und sozialem Abstieg, die als reale Grundlage für das spätere literarische Verfalls-Klischee dient.

4. THOMAS MANN: DER TOD IN VENEDIG: Eine literarische Untersuchung, wie Thomas Mann Venedig als Metapher für den moralischen und körperlichen Verfall des Protagonisten Aschenbach nutzt.

5. DIE OBJEKTIVE SICHTWEISE: KARL SCHEFFLERS REISEBERICHT: Die Analyse des Reisetagebuchs von 1911 zeigt, dass auch außerhalb der Belletristik eine ähnliche Wahrnehmung Venedigs als verfallende Stadt existierte.

6. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Venedig sowohl in der Literatur als auch in Reiseberichten dieser Zeit als verführerisches, aber gefährliches Sinnbild des Niedergangs konstruiert wurde.

Schlüsselwörter

Venedig, Topos, Dekadenz, Verfall, Literatur, Thomas Mann, Karl Scheffler, Seerepublik, Reisebericht, Tod in Venedig, Verführerin, Geschichte, Kultur, Wahrnehmung, Fin de Siècle

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den literarischen Topos Venedigs als Symbol für Verfall und Tod im frühen 20. Jahrhundert.

Welche Themenfelder stehen dabei im Vordergrund?

Im Zentrum stehen die historische Geschichte der Stadt, die literarische Verarbeitung bei Thomas Mann und der dokumentarische Reisebericht von Karl Scheffler.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gründe für den Wandel der Venedig-Wahrnehmung vom kulturellen Glanz hin zum Ort des Verfalls zu ergründen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Arbeit, die historische Ereignisse mit literarischen und dokumentarischen Textanalysen vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Dekadenz, eine Interpretation von Thomas Manns Erzählung sowie eine Untersuchung der objektiven Reiseberichte Karl Schefflers.

Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Dekadenz-Topos, Kulturgeschichte, Venedig-Wahrnehmung und literarische Symbolik definieren.

Wie spielt das Wetter eine Rolle für den Verfalls-Topos?

Das Wetter, insbesondere die schwüle Hitze und der Scirocco, wird als verstärkender Faktor für das Unbehagen und die düstere Atmosphäre wahrgenommen, die den Verfall Venedigs in der Literatur unterstreicht.

Warum wird Venedig als "Dirnenschönheit" bezeichnet?

Der Begriff beschreibt die Ambivalenz Venedigs: Die Stadt ist zwar wunderschön und verführerisch, wirkt aber gleichzeitig abstoßend durch ihre moralische Verkommenheit und historische Erschlaffung.

Excerpt out of 32 pages  - scroll top

Details

Title
Venedig als Sinnbild des Verfalls
College
Humboldt-University of Berlin
Course
Proseminararbeit im Rahmen der Veranstaltung Byron, Ruskin und Turner über Venedig
Grade
1,0
Author
Laura Krämer (Author)
Publication Year
2004
Pages
32
Catalog Number
V68247
ISBN (eBook)
9783638609104
Language
German
Tags
Venedig Sinnbild Verfalls Proseminararbeit Rahmen Veranstaltung Byron Ruskin Turner Venedig
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Krämer (Author), 2004, Venedig als Sinnbild des Verfalls, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68247
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  32  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint