Verschiedene Faktoren erschweren ausländischen Familien, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.1.Ausländische Familien haben von vornherein mit Schwierigkeiten zu kämpfen, man begegnet ihnen in Deutschland oft mit einer bestimmten Haltung. Sie haben hier meist einen sozialen Status, der dem sozialen Status der deutschen Unterschicht gleicht. Es wird ihnen hier nicht neutral begegnet, sondern in einer vorurteilsbeladenen Haltung. 2.Viele Deutsche haben ein vorgefertigtes Bild von ausländischen Mitbürgern im Kopf, was wohl zum Teil durch einen geringen Prozentsatz der Migranten hervorgerufen wird, die tatsächlich dem Bild entsprechen, dass Deutsche haben. Aber es ist eben nur ein Prozentsatz, der nicht mit der Gesamtheit der Migranten gleichgesetzt werden darf. Es mag stimmen, dass ein Teil der Migranten nach Deutschland kommt, weil sie auch in ihrem Herkunftsland Integrationsprobleme hatten oder/und kriminell geworden sind. Aber genauso gibt es diesen Teil der MigrantInnen, der sich aus legalen Gründen in Deutschland eine Existenz aufbauen möchte. 3.Es läßt sich nicht bestreiten, dass in deutschen Köpfen eine Fremdenfeindlichkeit latent vorhanden ist. Das mag verschiedene Gründe haben. Möglicherweise ist es hervorgerufen durch einseitige Berichterstattung, wie wir es im Seminar schon anhand von Zeitungsausschnitten festgestellt haben. Wird in der Berichterstattung von einer kriminellen Handlung geschrieben, so können wir uns fast sicher sein, dass bei MigrantInnen die Herkunft hervorgehoben wird („...ein 25jähriger Türke...“). Auch wenn wir uns dessen vielleicht nicht bewußt sind, werden wir davon beeinflusst. Und selbst wenn wir uns dessen bewußt sind, so können wir uns gegen diese Manipulation nur in begrenztem Maße schützen. Ein anderer nicht zu verachtender Faktor, den ich bei mir selbst auch feststellen muss, ist die persönlich gemachte Erfahrung. Die Erfahrung, dass ausländische Männer besonders aus südlichen Ländern oft sehr viel offensiver in Annäherungsversuchen vorgehen, kann auf jeden Fall zu einer Abwehrhaltung führen. Ein „Nein“ wird von ihnen weniger akzeptiert, so scheint es mir auf jeden Fall. Das mag durch die Berichterstattung über deutsche Frauen in den Herkunftsländern geschehen oder auch über ein anderes Verhalten unsererseits, dass zum Beispiel durch die unterschiedlichen Religionen geprägt ist. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Integrationsproblematik ausländischer Familien in Deutschland
a) Die kulturelle Gespaltenheit ausländischer Kinder
2. Welche Konflikte ergeben sich aus der veränderten Lebenssituation der Kinder von MigrantInnen für sie? (hier beziehe ich mich vor allem auf türkische Kinder)
a) Geschlechtsspezifische Probleme bei Mädchen
b) Die Erziehung der Söhne
c) Identitätsprobleme
d) Sprachprobleme
e) Türkische SchülerInnen in deutschen Schulen
3. Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Problemfelder und Konflikte, mit denen Kinder ausländischer Arbeitsmigranten in der Bundesrepublik Deutschland konfrontiert sind, wobei ein besonderer Fokus auf der Lebenssituation türkischer Kinder liegt. Ziel ist es, die soziokulturellen Spannungsfelder zwischen Herkunftsfamilie und deutscher Gesellschaft sowie die daraus resultierenden Herausforderungen für die Identitätsentwicklung und Schullaufbahn aufzuzeigen.
- Integrationsproblematik und gesellschaftliche Haltungen gegenüber Migrantenfamilien
- Geschlechtsspezifische Erziehungsmuster und Rollenerwartungen
- Identitätsentwicklung im Spannungsfeld zweier Kulturen
- Spracherwerb und die Problematik der "doppelten Halbsprachigkeit"
- Konfliktpotenziale und Integrationsansätze in deutschen Schulen
Auszug aus dem Buch
a) Geschlechtsspezifische Probleme bei Mädchen
Ab Beginn der Pubertät bzw. ab dem Zeitpunkt der ersten Regel erfahren türkische Mädchen oftmals eine Art Kontrollzustand.
Ab diesem Zeitpunkt sehen sie sich oft mit Beschränkungen konfrontiert, die ihre deutschen Freundinnen nicht kennen.
Beispielsweise ist ihnen verboten, mit gleichaltrigen Jungs, teilweise sogar gleichaltrigen Mädchen, Umgang zu pflegen. Discobesuche sind teils nur mit männlichen Verwandten erlaubt.
Dies ist auf den hohen Stellenwert der Ehre, also ihrer Jungfräulichkeit, in muslimischen Familien zurückzuführen. Eine „Beflecktheit“, also der Verlust der Jungfräulichkeit, könnte einen Ehrverlust für die gesamte Familie bedeuten.
Da die deutsche Umwelt von Migranten teilweise als zu offen und unmoralisch bewertet wird, sehen sich die Mädchen dann mit der Tatsache konfrontiert, in noch stärkerem Maße eingeschränkt zu sein.(Riesner: 1990 28ff)
Die Kontrolle und Einschränkung sind unabhängig vom Alter. Auch wenn sie nach deutschem Recht volljährig und damit für sich selbst verantwortlich ist, bleibt nach islamischer Sicht die Familie der Tochter für die verantwortlich. Wichtig ist, ob die Tochter verheiratet ist. Nach der Heirat ist der Ehemann und dessen Familie für die Tochter verantwortlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Integrationsproblematik ausländischer Familien in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die strukturellen Hürden und vorurteilsbeladenen gesellschaftlichen Einstellungen, die den Integrationsprozess ausländischer Familien in Deutschland erschweren.
2. Welche Konflikte ergeben sich aus der veränderten Lebenssituation der Kinder von MigrantInnen für sie? (hier beziehe ich mich vor allem auf türkische Kinder): Der Hauptteil analysiert spezifische Konfliktbereiche wie geschlechtsspezifische Erziehung, Identitätsbildung, Sprachbarrieren sowie schulische Herausforderungen im Kontext türkischer Familien.
3. Ausblick: Der Ausblick relativiert die dargestellten Problemlagen und betont, dass trotz der schwierigen Ausgangslage auch Chancen auf eine bikulturelle Identität und Selbstbestimmung bestehen.
Schlüsselwörter
Migrationshintergrund, türkische Familien, Interkulturalität, Integration, Geschlechterrollen, Identitätsprobleme, Zweisprachigkeit, doppelte Halbsprachigkeit, Schulalltag, Migrantenkinder, Kulturdilemma, soziale Kontrolle, Ehre, Erziehung, Bikulturalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit den sozialen und kulturellen Konfliktfeldern von Kindern ausländischer Arbeitsmigranten in der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf Integrationsprobleme, die Erziehungssituation von Mädchen und Jungen, Fragen der Identitätsbildung sowie sprachliche und schulische Hürden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder aus Migrantenfamilien zwischen den Kulturen leben und welche spezifischen Konflikte sich aus dieser Lebensrealität ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf Literaturrecherche und der Verknüpfung soziologischer Erkenntnisse mit praktischen Beobachtungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der familiären Integrationsproblematik sowie eine detaillierte Betrachtung von Rollenbildern, Sprachdefiziten und schulischen Konflikten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Integration, kulturelle Gespaltenheit, Identitätsentwicklung, Geschlechterrollen und die Problematik der Zweisprachigkeit.
Warum ist das Thema der "doppelten Halbsprachigkeit" für die Kinder problematisch?
Sie führt dazu, dass Kinder weder ihre Herkunftssprache noch Deutsch auf einem fachlich hinreichenden Niveau beherrschen, was ihre schulischen Leistungen und Persönlichkeitsentwicklung negativ beeinflussen kann.
Welche Rolle spielt das Konzept der "Ehre" bei der Erziehung türkischer Mädchen?
Das Konzept der Ehre führt häufig zu einer strengen Kontrolle und Einschränkung der Freiheiten junger Frauen, da ihre "Beflecktheit" als Ehrverlust für die gesamte Familie wahrgenommen würde.
Wie unterscheidet sich die Erziehung der Söhne von der der Töchter laut der Arbeit?
Türkische Jungen erfahren in der Familienhierarchie meist mehr Freiheiten und einen größeren Handlungsspielraum als Mädchen, was dazu führen kann, dass sie sich in der deutschen Umwelt weniger stark als "zwischen den Kulturen" stehend wahrnehmen.
- Quote paper
- Heidi Christina Kohlstock (Author), 2001, Problemfelder und Konflikte von Kindern ausländischer Migranten in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68309