Mit dieser Arbeit soll die Neugründung der drei zähringischen Städte Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üchtland und Bern beleuchtet werden. Dabei wird einerseits ihre bauliche Entstehung und deren historischer Hintergrund dargelegt. Zum Anderen werden die ersten Rechtsbewidmungen durch die zähringischen Stadtherrn untersucht. Als Ergebnis wird deutlich werden, dass die Zähringer bei ihren Städte-Neugründungen ähnlich vorgegangen sind. Von einem „zähringischen Stadtanlagentypus“ kann jedoch nicht die Rede sein, die Gemeinsamkeiten sind wesentlich komplexer und subtiler als in ihrer rein architektonischen Erscheinung.
Die ältere Forschung schrieb den Zähringern ein eigenes Stadtgründungsmodell zu. Sie zählte alle Siedlungen in ihrem Herrschaftsbereich zu ihren Gründungen, die bestimmte Merkmale aufwiesen, wie das sogenannte „Zähringerkreuz“ oder ein den Freiburger Rechtssätzen verwandtes Stadtrecht. Zudem war davon ausgegangen worden, dass die Zähringer ihre Städte an bisher unbesiedelten Plätzen anlegen ließen. Die neuere Forschung ist allerdings inzwischen - auch unter Einbeziehung von archäologischen Untersuchungen - zu vollkommen anderen Ergebnissen gekommen. Nachweislich schlossen auch die Zähringer-Städte an Vorgängersiedlungen an. Das sogenannte „Zähringerkreuz“ war seit dem 12. Jh. unabhängig vom Gründer häufig anzutreffen. Ein in der Freiburger Tradition stehendes Recht erhielten auch Siedlungen, die nicht unter zähringischer Herrschaft standen, viele davon sogar erst nach dem Aussterben des Hauses 1218.1Die Städte der Zähringer wurden von der neueren Forschung in drei Gruppen eingeteilt. Die erste bilden die nachweislichen Gründungsstädte Freiburg i. Br., Freiburg i. Ü. und Bern, die in dieser Arbeit im Folgenden näher betrachtet werden sollen. Diese Städte verdanken ihre Entstehung einem geplanten Zugriff der Zähringer. Die Ausbildung ihrer inneren Struktur war bereits bei ihrem Aussterben 1218 abgeschlossen. Eine zweite Gruppe bilden einerseits Orte, die als Burg- oder Dorfsiedlungen an die Zähringer gelangt sind und teilweise von ihnen ausgebaut wurden. Sie erhielten ihre städtische Struktur aber wohl erst nach 1218. Dazu gehören Villingen, Offenburg, Neuenburg am Rhein, Rheinfelden, Burgdorf, Murten und Thun.
Gliederung
I. Einleitung
II. Freiburg im Breisgau
1. Vorstädtische Siedlungsphasen
2. Die Marktgründung von 1120 und deren historischer Hintergrund
3. Das Freiburger Gründungsprivileg
4. Zur weiteren Entwicklung des Freiburger Rechts
III. Freiburg im Üchtland
1. Stadtgründung
2. Historischer Hintergrund der Gründung Freiburgs i. Ü.
3. Erstes Stadtrecht
IV. Bern
1. Stadtgründung
2. Stadtrecht
V. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die bauliche Entstehung sowie den historischen Hintergrund der drei zähringischen Städte Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üchtland und Bern, wobei insbesondere die ersten Rechtsbewidmungen durch die zähringischen Stadtherrn analysiert werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Stadtgründungspolitik der Zähringer herauszuarbeiten.
- Historische Einordnung und politischer Hintergrund der zähringischen Stadtgründungen
- Analyse der vorstädtischen Siedlungsstrukturen vor der offiziellen Stadtwerdung
- Untersuchung des Freiburger Gründungsprivilegs als rechtliches Vorbild
- Vergleich der städtebaulichen und rechtlichen Entwicklung in Freiburg i. Br., Freiburg i. Ü. und Bern
- Darstellung der Bedeutung zähringischer Herrschaftsstrategien für den Landesausbau
Auszug aus dem Buch
Die Marktgründung von 1120 und deren historischer Hintergrund
Nach dem Tod Bertolds II. 1111 übernahm dessen Sohn als Bertold III. die Herzogswürde. Aber nicht er, sondern sein jüngerer Bruder Konrad von Zähringen schuf den Auftakt der zähringischen Städtepolitik, indem er 1120 einen Markt auf seinem Eigengut gründete. Dabei siedelte er Kaufleute an, denen er am abgesteckten Markt Hofstätten zuwies, auf denen sie eigene Häuser errichten sollten. Angelockt wurden die Kaufleute durch Privilegien, welche Konrad ihnen zusicherte. Der Marktbereich wurde westlich an den bestehenden locus Friburg angefügt, da sich hier die Möglichkeit einer großzügigen Ausdehnung ergab. Die Größe der Hofstätten wurde später mit 50 x 100 Fuß ausgegeben. Auf diesen relativ großen Grundstücken standen ursprünglich von der Straße zurückgesetzt frei innerhalb eines Hofes sogenannte „Kernbauten“, zweigeschossige, quadratische turmartige Häuser. Der Straßenmarkt, aus dem die heutige Kaiserstraße wurde, dehnte sich in der Folgezeit nach Norden aus und war Ausgangspunkt der weiteren städtischen Entwicklung, die sich zunächst mehr längs der heutigen Bertoldstraße vollzog. In der nordöstlichen Stadthälfte legte man die Pfarrkirche und den Friedhof an. Schriftliche Informationen über die weitere Stadtentwicklung bis zum Aussterben der Zähringer 1218 gibt es nur in Form des Berichtes über den Besuch Bernhards von Clairvaux in Freiburg. Er predigte am 3. Dezember 1146 hier den Kreuzzug. In der Darstellung wird von vicus gesprochen. Freiburg erschien als ausgedehnter Handelsort mit eigener Kirche und einer wohlhabenden bürgerlichen Oberschicht, war aber zu dieser Zeit wohl noch unbefestigt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einführung erläutert das Ziel der Arbeit, die Entstehung der drei zähringischen Städte sowie deren rechtliche Grundlagen zu beleuchten und dabei das Konzept eines einheitlichen "zähringischen Stadtanlagentypus" kritisch zu hinterfragen.
II. Freiburg im Breisgau: Das Kapitel analysiert die vorstädtische Tradition, die Marktgründung von 1120, das Gründungsprivileg sowie die rechtliche Weiterentwicklung der Stadt unter den Zähringern.
III. Freiburg im Üchtland: Es wird die Gründung dieser Stadt im 12. Jahrhundert, ihr historischer Kontext als Folge der zähringischen Politik im Ostburgund sowie die Übernahme des Freiburger Stadtrechts behandelt.
IV. Bern: Dieses Kapitel widmet sich der Gründungsgeschichte Berns unter den Zähringern, den archäologischen Befunden zum Stadtgrundriss und der Bedeutung der Berner Handfeste von 1218.
V. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, welche die Zähringer Städtepolitik als gezieltes, auf Tradition und aktueller politischer Lage basierendes Mittel zur Herrschaftsfestigung definiert.
Schlüsselwörter
Zähringer, Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üchtland, Bern, Stadtgründung, Gründungsprivileg, Stadtrecht, Marktgründung, Landesausbau, Herrschaftssicherung, Ostburgund, Siedlungsphasen, Rechtsbewidmung, burgenses, Handelsort
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Gründungsgeschichte und den rechtlichen Fundamenten der drei zähringischen Städte Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üchtland und Bern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die bauliche Entstehung, die historische Motivation der Zähringer sowie die Entwicklung und Übertragung ihrer spezifischen Stadtrechte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Stadtgründungspolitik der Zähringer aufzuzeigen und zu prüfen, ob von einem einheitlichen "zähringischen Stadtanlagentypus" gesprochen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Urkunden, Stadtrechten, chronikalischen Berichten sowie der Einbeziehung archäologischer Forschungsergebnisse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach den Städten Freiburg i. Br., Freiburg i. Ü. und Bern. Für jede Stadt werden die Siedlungsgeschichte, der historische Hintergrund der Gründung und die rechtliche Ausgestaltung (Stadtrechte) detailliert analysiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Zähringer, Stadtrechtsfamilie, Marktgründung, Siedlungsphasen und Herrschaftsfestigung geprägt.
Warum ist die "Freiburger Rechtsfamilie" für die Untersuchung so wichtig?
Die Freiburger Rechtsfamilie verdeutlicht die Ausstrahlungskraft des liberalen Rechts aus Freiburg im Breisgau, das als Modell für die anderen zähringischen Gründungen sowie zahlreiche weitere Städte diente.
Welche Rolle spielt die Archäologie für die Erkenntnisse über die Stadtgründungen?
Archäologische Untersuchungen haben dazu beigetragen, die ältere Forschung zu korrigieren, die von Neugründungen auf "unbesiedeltem Gebiet" ausging; heute ist belegt, dass die Zähringer meist an bestehende vorstädtische Siedlungsstrukturen anknüpften.
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- Martin Petsch (Author), 2004, Die zähringischen Städte-Neugründungen: Freiburg i. Br., Freiburg i. Ü. und Bern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68702