Die EU gewährt jedem Bürger eines seiner Mitgliedstaaten das Recht auf Freizügigkeit, d.h., daß es allen Bürgern der Europäischen Union freisteht den Ort selbst zu bestimmen an dem sie arbeiten, wohnen oder studieren, ohne dabei Rücksicht auf Visa oder Einreisebestimmungen nehmen zu müssen1. Das Recht auf Freizügigkeit ist dabei zunächst bei der Schaffung des Binnenmarktes geschaffen worden um Arbeitnehmern die freie Bewegung innerhalb des EU-Arbeitsmarktes zu ermöglichen, und war bis 1993 auch nur dieser Personengruppe vorbehalten2. (Arbeits-) Migration war also nicht nur in Kauf genommen sondern sogar gewünscht. Seit dem 1. Mai 2004 gehören der EU 10 neue Mitgliedstaaten, deren durchschnittliches BIP im Schnitt weniger als 50 % des durchschnittlichen BIP der restlichen Mitgliedstaaten liegt3. Auch liegt die Arbeitslosenquote in den neuen Mitgliedstaaten im Schnitt über dem der alten Mitgliedstaaten und ist mit durchschnittlich ca. 10 % hoch4. Angesichts dieser Tatsachen ist es sehr wahrscheinlich, daß es zu größeren arbeitsmotivierten Migrationsbewegungen innerhalb der Europäischen Union kommen wird5. Schließlich hat die EU eine Übergangsregelung von 2 Jahren geschaffen, in denen die neuen EU-Bürger noch nicht dieselbe Freizügigkeit genießen wie die Bürger der alten EU Staaten6. Des weiteren gibt es auch keinen Automatismus, der den neuen EU-Bürgern die gleichen Rechte einräumt, nach Ablauf dieser Frist. Es kann also eine Einschränkung der Freizügigkeit bis maximal 2009 ausgeweitet werden, es sei denn, ein Mitgliedstaat hat im nationalen Arbeitsmarkt mit besonderen Problemen zu kämpfen, was diesem wiederum erlauben würde, die Einschränkung der Freizügigkeit bis maximal 2011 auszuweiten, wobei ab dann keine weitere Ausweitungen dieser Restriktionen mehr möglich sind. Ich werde versuchen eine kleine Skizzierung der eventuell zu erwartenden Probleme sowie Herausforderungen, die nach der Ablauf dieser Fristen entstehen könnten, zu geben.
Inhaltsverzeichnis
I Vorwort
II Migration als Ökonomischer Faktor
III Migrationsbewegungen innerhalb der EU bis 2004
VI Policies der Immigrationssteuerung
VI. 1 Migrationspolitik in Deutschland
IV. 2 Migrationspolitik in Europa
V Migrationsdruck in Osteuropa
VI Nachwort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen Auswirkungen von Migration auf den Arbeitsmarkt und die Sozialstruktur innerhalb der Europäischen Union, insbesondere im Kontext der EU-Osterweiterung. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der politischen Herausforderung, Migration einerseits als ökonomischen Faktor zu nutzen und andererseits soziale Spannungen zu vermeiden.
- Ökonomische Faktoren von Migration und Humankapital
- Analyse der Migrationsbewegungen innerhalb der EU
- Mechanismen der Immigrationssteuerung
- Gegenüberstellung von Migrationspolitik in Deutschland und Europa
- Migrationsdruck in den osteuropäischen Staaten
Auszug aus dem Buch
II Migration als Ökonomischer Faktor
Migration stellt, gerade in den Ländern, die durch Migration einen Zuwachs der Bevölkerung erreichen, einen beachtlichen Ökonomischen Faktor dar. Laut Felderer ist ein Bevölkerungszuwachs durch Migration ein bedeutenderer Wirtschaftlicher Zuwachs als der Bevölkerungszuwachs durch Geburt. Er argumentiert, daß im Gegensatz zu in einem Land geborenen Kinder, Migranten nicht erst eine lange Entwicklungsphase durchmachen müssen, sondern samt eigenem Kapital (zum einen das Humankapital, also einer Arbeitskraft, die sofort einsatzbereit ist, sowie einem Geldvermögen) das Land bereichern, wobei jedoch die Gefahr besteht, daß der Faktor Arbeit in dem aufnehmenden Land überflüssig wird und damit das „Humankapital“ nicht mehr benötigt wird.
Generell läßt sich beobachten, daß durch ein Bevölkerungswachstum, sei es durch Immigration oder durch höhere Geburtenraten entstanden, ein Ungleichgewicht entsteht und das BSP pro Einwohner sinkt, also der allgemeine Wohlstand sinkt. Nach einer Studie, die von Felderer angeführt werden, sinkt durch Immigration vor allem der Wohlstand (=es steigt die Arbeitslosigkeit) bei den in Deutschland geborenen niedrig qualifizierten Arbeitskräften, die durch niedrig qualifizierte Immigranten ersetzt werden, die deren Komplementärposition zu den Hochqualifizierten in Deutschland geborenen Arbeitskräften einnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
I Vorwort: Einleitung in die Thematik der Freizügigkeit in der EU und Darstellung der Herausforderungen durch die EU-Osterweiterung 2004.
II Migration als Ökonomischer Faktor: Untersuchung des ökonomischen Nutzens von Migration, insbesondere des Humankapitalansatzes und dessen Auswirkungen auf das BSP und Arbeitslöhne.
III Migrationsbewegungen innerhalb der EU bis 2004: Analyse der intra-europäischen Migrationsströme und der Schwierigkeiten bei deren statistischer Erfassung.
VI Policies der Immigrationssteuerung: Erörterung verschiedener politischer Steuerungsinstrumente von Einwanderung, unterschieden in ökonomische und außerökonomische Erwägungen.
VI. 1 Migrationspolitik in Deutschland: Kritische Betrachtung der deutschen Migrationspolitik und des Mangels an effektiven Einwanderungsgesetzen.
IV. 2 Migrationspolitik in Europa: Bewertung der europäischen Ansätze zur Steuerung der Migration aus Drittstaaten und der Herausforderungen supranationaler Regelungen.
V Migrationsdruck in Osteuropa: Einschätzung der Migrationsdynamik aus osteuropäischen Staaten im Kontext der EU-Angleichung.
VI Nachwort: Fazit zur ökonomischen Bedeutung von Migration und Empfehlungen für eine qualifikationsbasierte Steuerung.
Schlüsselwörter
Migration, EU-Osterweiterung, Arbeitsmarkt, Humankapital, Freizügigkeit, Migrationspolitik, Einwanderung, ökonomischer Faktor, Beschäftigung, Wohlstand, Migrationsdruck, Arbeitslosigkeit, Sozialstruktur, Transformationsprozesse, Qualifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen Migration, Arbeitsmarkt und europäischer Politik unter besonderer Berücksichtigung der EU-Osterweiterung von 2004.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören der ökonomische Mehrwert von Einwanderung, die Steuerung der Migrationsströme, sowie der Vergleich zwischen nationalen deutschen Politiken und europäischen Rahmenbedingungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, wie Migration als ökonomischer Faktor sinnvoll in der EU integriert werden kann, ohne dabei soziale Spannungen zu provozieren oder die Lebensverhältnisse in den Zielländern negativ zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse ökonomischer Studien und politischer Dokumente, um Trends und Herausforderungen der europäischen Migrationspolitik zu skizzieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Aspekte des Humankapitalansatzes, Analysen der Binnenmigration in der EU, Mechanismen der Steuerung und spezifische Länderbetrachtungen für Deutschland und Osteuropa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Migration, ökonomischer Faktor, EU-Binnenmarkt, Humankapital, Arbeitsmarktflexibilität und politische Steuerung.
Wie bewertet der Autor die Effektivität von Restriktionen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass sich Migration aufgrund der starken Anziehungskraft von Wohlstandsregionen nur schwer durch restriktive Maßnahmen steuern lässt und diese oft nur zu einem Anstieg illegaler Einwanderung führen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur EU-Osterweiterung?
Der Autor argumentiert, dass die EU-Osterweiterung keine übermäßigen Risiken birgt und plädiert dafür, die Intra-EU-Migration weitgehend unreguliert zu lassen, während die Zuwanderung aus Drittstaaten stärker nach Qualifikationskriterien gesteuert werden sollte.
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- Timm Gehrmann (Author), 2005, (Im-)Migration und Arbeitsmarkt in der EU - eine politische Herausforderung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68988