Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den Jahren 1995 bis 1998 am Beispiel des Arbeitsamtes Luckau


Hausarbeit, 1999
31 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort

2. Erklärungsansätze für das Zustandekommen von Arbeitslosigkeit
2.1. Der traditionelle Ansatz: Die Phillipskurve und die Kritik von Friedman
2.2. Die wirtschaftliche Entwicklung der Arbeitsmarktkrise seit Beginn der 90er Jahre

3. Die Arbeitsmarktpolitik in den neuen Bundesländern

4. Definition des Begriffes Arbeit

5. Arbeitslosigkeit-Deutschlands Wirtschaftsproblem Nr. 1
5.1. Formen und Arten der Arbeitslosigkeit
5.2. Arbeitsmarktgleichgewicht und Vollbeschäftigung
5.3. Erklärung für die Ursachen der Arbeitslosigkeit
5.4. Massnahmen zur Milderung von materiellen Folgen von AL
5.5. Arbeitszeitverkürzung

6. Die Situation des Arbeitsmarktes im Amt Luckau
6.1. Die Struktur des Arbeitsamtes
6.2. Lenkungs- und Steuerungsorgane des Arbeitsamtes Luckau
6.2.1. Fortbildung und Umschulung
6.2.2. Finanzierung der Fortbildung und Umschulung
6.2.3. Arbeitsbeschaffungsmassnahmen
6.2.4. Strukturanpassungsmassnahmen
6.2.5. Ostdeutsche Wirtschaftsförderung
6.2.6. Der Lohnkostenzuschlag für Arbeitgeber

7. Die Arbeitslosigkeit im Gebiet des Amtes Luckau ausgedrückt in Zahlen

8. Mögliche Auswirkungen des Euro‘s auf den Arbeitsmarkt

9. Selbstständigkeitserklärung

10. Quellen

1. Vorwort

Wir haben in dem Fach Makroökonomie 2 die Aufgabe bekommen eine Belegarbeit über das Thema: „Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den Jahren 1995 bis 1998 am Beispiel des Arbeitsamtes Luckau“ zu schreiben.

Neben der Literatur die und zur Verfügung stand, war uns Herr Lappe, Geschäftsleiter des Arbeitsamtes Luckau, eine grosse Hilfe. Er zeigte uns die aktuelle Arbeitsmarktlage sowie die Instrumente zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf.

2. Erklärungsansätze für das Zustandekommen von Arbeitslosigkeit

2.1. Der traditionelle Ansatz: Die Philipskurve und die Kritik von Friedman

Nach Keynes „General Theory“ ist die Veränderung der Beschäftigung abhängig von Schwankungen in der Investitions- und Exportgüternachfrage. Der Staat hatte die Aufgabe diese Schwankungen durch Nachfragesteuerungen auszugleichen um so ein stabiles Beschäftigungsniveau zu bekommen.

Keynes stellte den Zusammenhang zwischen Güternachfrage und Beschäftigung dar, unter der Annahme, dass der Lohn gleichbleibend ist. Kommt es nun zu einer Situation der Unterbeschäftigung, so müsste der Staat versuchen die Güternachfrage zu erhöhen, was wiederum einen Anstieg der Güterpreise zur Folge hätte. Dies war nur möglich durch eine Ausdehnung der Staatsausgaben und eine Steuersenkung. Nur so konnte man laut Keynes das Ziel der Vollbeschäftigung erreichen. Mit diesem Modell sah man sich jedoch nicht in der Lage das Phänomen der Lohninflation zu erklären.

Dies gelang jedoch dem Engländer Phillips (1958), der eine stabile, inverse und nichtlineare Beziehung zwischen Loninflation und Arbeitslosenquote entdeckte. Lipsey (1960) wiederum stellte ausgehend von der Phillipskurve die Hypothese auf, dass sich das Ausmass der Lohninflation proportional verhält zur Arbeitslosenquote, wobei die Arbeitslosenquote nur eine Ersatzgrösse darstellt, die in eindeutiger Beziehung zur Übernachfrage auf dem Arbeitsmarkt stehen soll.

Die Beziehung zu der die beiden größen stehen ist die, dass die Arbeitslosenquote mit zunehmender Übernachfrage sinkt und umgekehrt mit abnehmender Übernachfrage steigt.

Selbst nach zahlreichen immer wieder unterschiedlichen Erklärungsversuchen der Philipskurve stiess man immer wieder auf ein Problem: Es wird von der These ausgegangen, dass die Wirtschaftspolitik den trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit dauerhaft ausnutzen könnte. Dies konnte aber insofern nicht funktionieren, als das die Erhöhungen von Güternachfragen nur zum Anstieg der Beschäftigung führen, wenn Reallohnsenkungen damit verbunden sind.

Jedoch ist sicher kein Arbeitnehmer freiwillig bereit Reallohnsenkungen hinzunehmen gelassen wurde.

Aufgrund dessen stellten Friedman (1968) und Phelps (1967) das Phillipskurvenmodell in Frage. Nach Friedman musste berücksichtigt werden, dass Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage vom Reallohnniveau abhängig sind. Daraus folgt die Übernachfrage auf dem Arbeitsmarkt kommt zustande durch die Wachstumsrate der Reallöhne.[1]

2.2. Die Wirtschaftliche Entwicklung der Arbeitsmarktkrise seit Beginn der 90er Jahre

Als Vorbemerkung sei noch erwähnt, dass wir mehrere unserer Ausführungen in dem nachfolgenden Abschnitt leider hauptsächlich nur auf Westdeutschland beziehen konnten. DAnhand er uns zur Verfügung stehenden Literaturkönnen wir dies dies so begründen, dass die wirtschaftlichen Probleme in der ehemaligen DDR, somit auch die Arbeitslosigkeit, auf die Anpassungsschwierigkeiten Ostdeutschlands auf ein marktwirtschaftliches System zurückzuführen sind und deshalb nicht in ein übliches Konjunkturmuster eingeordnet werden können.

In späteren Kapiteln wird aber konkret auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland, speziell am Beispiel Luckaus, eingegangen, da dies ja die Aufgabe unserer Belegarbeit darstellt. Wir waren der Meinung, dass man, um auf die Ursachen, Folgen und Bekämpfungen der Arbeitslosigkeit in einer so kleinen Region wie Luckau schliessen zu können, sich erst einmal einen Überblick über allgemeine Entwicklungen und Ursachen in Deutschland verschaffen müsse. Diese waren, wie schon erwähnt, in der uns zur Verfügung stehenden Literatur hauptsächlich auf Westdeutschland bezogen.

Während es in Deutschland 1990 zu einem ausgeprägten Nachfrageboom kam, wie er seit Beginn der siebziger Jahre nicht mehr aufgetreten war, kühlte in den meisten Ländern die Weltkonjunktur spürbar ab. Besonders in Großbritannien, Schweden, sowie den USA und Kanada setzen sich sogar rezessive Tendenzen durch. Die Wirtschaft Großbritanniens litt sicher an der Geldpolitik, welche zu einem Konjunktureinbruch führte. Dies nahm seinen Anfang mit dem Beitritt Großbritanniens 1990 in das EWS.

Blickt man zurück auf Deutschland, so kann man als Grund für die wirtschaftliche Ausnahme die Wiedervereinigung 1990 nennen. Nachdem am 1. Juli 1990 der Staatsvertrag über eine Wirtschafts- und Währungsunion zwischen der BRD und der DDR in Kraft trat, wodurch die D-Mark alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel wurde, kam es am 3. Oktober 1990 zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik.

Aufgrund der Anpassungsschwierigkeiten, die aus der Umstellung eines sozialistischen auf ein marktwirtschaftliches System resultierten, wurden massive Finanztransfers erforderlich. Dadurch kam es wiederum zu einem Anstieg der Güternachfrage nach westdeutschen Produkten, was den schon genannten Boom verursachte.

In den alten Bundesländer stieg die Zahl der Erwerbstätigen auf 28,5 Millionen an, da viele Unternehmer in den Ausbau neuer Produktionsanlagen investierten. Das Bruttosozialprodukt wuchs im Vergleich zum Vorjahr mit einer Rate von 5,7 Prozent. Es liegt nun die Annahme nahe, daß die Gesamtzahl der Arbeitslosen rapide abnahm, dies ist jedoch ein Fehlschluss. In der DDR wurden aufgrund des Zusammenbruchs der volkseigenen Betriebe viele Menschen arbeitslos. Einige sahen in Westdeutschland eine bessere Perspektive Arbeit zu finden, so dass sie aus der ehemaligen DDR übersiedelten. In Zahlen gesprochen wurden 300000 Arbeitsplätze in Westdeutschland mit Erwerbspersonen aus der ehemaligen DDR besetzt, dadurch sank die Gesamtzahl der Arbeitslosen nicht wie vermutet auf 260000 Personen (gegenüber 1989), sondern nur auf 155000 Personen, bezogen auf Westdeutschland.

Ein Abfall der Inflationsrate blieb trotz der Hochkonjunktur aus, das heisst die Verbraucherpreise stiegen nur um etwa 2,5 Prozent. Zum einen resultierte dies sicherlich aus den niedrigen Lohnerhöhungssätzen, welche in den Vorjahren tarifvertraglich längerfristig festgelegt wurden. Zum anderen nahmen die Lohnstückkosten nur in weit geringerem Masse zu, da es zu einer Kompensierung der Lohnsteigerung (1990 in Lohnrunde ausgehandelt) durch die hohe Produktivität kam. Weiterhin seien noch die niedrigen Importpreise, welche aufgrund der Aufwertung der D-Mark zustande kamen. Zur Aufwertung der D -Mark kam folgendermassen zustande: starke Zinssenkungen vor allem in den USA und Kanada führten dort zu einem Konjunktureinbruch. Worauf die Bundesbank mit Erfolg versuchte einen restriktiven Kurs in Sachen Geldpolitik zu fahren und so einer drohenden Inflation aus dem Weg ging Im Gegensatz zur USA die einen expansiven Kurs steuerten. Die Zinsen drifteten auseinander und für einige Zeit wurde das Zinsgefälle zwischen den USA und der BRD sogar umgekehrt.

Im Jahr 1991 riss der Anstieg des Bruttoinlandproduktsprodukt der BRD (auf 5 Prozent) nicht ab. In diesem Jahr setzten die Gewerkschaften Lohnsteigerungen von durchschnittlich 7 Prozent auf Stundenbasis durch.

Dies geschah aufgrund der Beschäftigungszunahme um fast 500000 Personen und als nachträglicher Ausgleich für den geringen Lohnanstieg in den Vorjahren. Das Reallohnwachstum belief sich jedoch nur auf die Hälfte, da die Inflationsrate, trotz all dieser Fakten, auf 3,5 Prozent anstieg, ausserdem eine Erhebung des Solidarzuschlages, sowie eine Anhebung der indirekten Steuern und Gebühren den Zuwachs des verfügbaren Einkommens schmälerten.

Besonders erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass die Unterschiede in der Geldpolitik der USA und der Bundesbank noch weiter ausgeprägt wurden, indem die Bundesrepublik Deutschland in Form der Bundesbank ihren restriktiven Kurs beibehielt um nicht zu sagen sogar noch verstärkte: sie legte den Diskont- und Lombardsatz bis Juli 1992 auf Werte von 8,75 und 9,75 Prozent in mehreren Schritten fest, so hoch wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Nicht nur die Unterschiede zwischen USA und Bundesrepublik Deutschland wurden somit noch ausgeprägter, auch die gesamten internationalen Beziehungen wurden so beeinflusst.

Die enormen Aufwertungen der D-Mark hatten durchaus nicht nur positive Auswirkungen. Man musste beachten, Deutschland ist Mitgliedsland der Europäischen Union mit dem Europäischen Währungssystem, so dass die Bundesrepublik Deutschland gezwungen war aufgrund der Verordnungen die innerhalb des Europäischen Währungssystems festgelegt waren, sich wirtschaftlich erneut anzupassen.

Das verarbeitende Gewerbe bekam die Auswirkungen als erstes zu spüren, insofern dass die Wettbewerbsfähigeit, aufgrund des Rückgangs der Exportlieferungen (um 4 Prozent), zurückging. Daraufhin kam es im verarbeitenden Gewerbe 1992 verstärkt zu Entlassungen. Gerettet wurde Westdeutschland wieder von der großen Nachfrage nach Westprodukten und einer hohen Bautätigkeit aus Richtung Ostdeutschland, denn aufgrund dieser Nachfrage blieb die Konjunktur auf diesem Niveau einigermassen stabil. Dies galt jedoch nicht für die Beschäftigung.

Die Lohnstückkosten stiegen infolge der Lohnerhöhungen rapide an und die Aufwertung der D-Mark verhinderte, dass Lohnerhöhungen an die Preise weitergegeben werden konnten, dadurch vielen wiederum die Gewinne und die Investitionen blieben aus. Folge dieser Fakten war eine Anstieg der Arbeitslosenzahlen: 1992 um 119000 Erwerbspersonen, 1993 nochmals um 462000 Personen. Nun ging natürlich auch das Bruttoinlandprodukt zurück, und zwar gleich um 1,84 Prozent.

Nachdem 1993 die Tariflohnerhöhungen und die Effektivlöhne nur wenig anstiegen, bei den Reallöhnen demzufolge ein Rückgang verzeichnet werden musste, folgte in dieser Beziehung auch ein sehr schlechtes Jahr 1994, das heisst die Zahl der Arbeitslosen lag bei 2,5 Millionen Erwerbspersonen, dies entspricht einer Quote von 9,3 Prozent, unter Berücksichtigung der verdeckten Arbeitslosigkeit kam eine Quote von 11,3 Prozent zustande. Im Jahr 1995 belief sich die Arbeitslosen quote auf 10,3 Prozent und unter Einschluss der verdeckten Arbeitslosigkeit etwa 14,3 Prozent. Ein bedenklicher Anstieg, so dass die Vermutung nahe liegt, dass Deutschlands Wirtschaft durch die Wiedervereinigung 1990 nur einem kurzen Aufschwung unterlag.

Wie aus vielen Büchern der uns zur Verfügung stehenden Literatur zu entnehmen war, sind die meisten, um nicht zu sagen alle Autoren zu dem Fazit gekommen, dass dies unter anderem auf die praktizierte Geldpolitik der Bundesbank zurückzuführen ist. sie sind der Meinungdas es kurzfristig gesehen eine gut Politik war, längerfristig jedoch nicht zum Erfolg führen konnte. Die Arbeitslosigkeit dagegen ist, nach Meinung der Kritiker, hauptsächlich zurückzuführen auf die Lohnpolitik der Gewerkschaften. Es wurden auch Massnahmen aufgezeigt, die (längerfristig gesehen) vorteilhafter für die deutsche Wirtschaft gewesen wären, wie unter anderem die Kompensierung der Aufwertung der D-Mark durch, zum Beispiel, eine Absenkung der Zinsen. Darauf und die Auswirkungen dieser Massnahmen auf die Arbeitslosigkeit soll hier jedoch nicht weiter eingegangen werden.[2]

3. Die Arbeitsmarktpolitik in den neuen Bundesländern

Die Wirtschaft der damaligen Deutschen Demokratischen Republik war dadurch gekennzeichenet, daß die Betriebe im eigenen Land keinem Wettbewerb unterlagen. Vom Staat verordnete Spezialisierungen prägten sich ganz besonders in einigen Wirtschaftszweigen wieder. Denn dadurch erlangten einige Unternehmen in der DDR zu einer Art Monopolisierung, wie zum Beispiel in der Mikroelektronik. Aber nicht nur im Inland hatten die Betriebe keinen Konkurrenzdruck, sondern auch im Ausland, denn da arbeitete die Republik mit den Staaten des “Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW)“zusammen.

Um so größer war dann der Schock als sich die Einigung Deutschlands ab1989 vollzog. Denn mit der Öffnung zu den Weltmärkten war die interne Spezialisierung der DDR – Wirtschaft nur noch Utopie. Ab jetzt begann der wahre Wettbewerb, der damals die ostdeutsche Wirtschaft zu erdrücken drohte. Die Währungsunion verstärkte diesen Aspekt zunehmest. Die Folgen waren in der damaligen Zeit noch nicht so heftig abzusehen. Für Wirtschaftskritiker vielleicht aber die wahrscheinlichste Folge. Rückgang in der Produktion, insbesondere in den Bereichen der Industrie und der Landwirtschaft.

[...]


[1] Inflation und Arbeitslosigkeit in der BRD Metropolis-Verlag für Ökonomie, Gesellschaft und Politik GmbH Marburg 1996

[2] Inflation und Arbeitslosigkeit in der BRD Metropolis-Verlag Marburg 1996

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den Jahren 1995 bis 1998 am Beispiel des Arbeitsamtes Luckau
Hochschule
Technische Hochschule Wildau, ehem. Technische Fachhochschule Wildau  (FB Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Makroökonomie II
Note
1,7
Autor
Jahr
1999
Seiten
31
Katalognummer
V691
ISBN (eBook)
9783638104548
ISBN (Buch)
9783656899426
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsmarkt Entwicklung
Arbeit zitieren
Anke Große (Autor), 1999, Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den Jahren 1995 bis 1998 am Beispiel des Arbeitsamtes Luckau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/691

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