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Eine vergleichende Analyse des Herrschaftsbegriffs bei Max Weber und Hannah Arendt

Title: Eine vergleichende Analyse des Herrschaftsbegriffs bei Max Weber und Hannah Arendt

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Christoph Müller (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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In dem umfangreichen Werk Max Webers nimmt seine Herrschaftssoziologie eine bis heute zentrale Stellung ein. Die Begriffsbildungen sind prägend für die sozialwissenschaftliche Terminologie. Mit ihrer Philosophie der totalen Herrschaft legt Hannah Arendt einen ganz anderen Fokus auf die Herrschaftsproblematik. Ziel dieser Arbeit ist es, wesentliche Aspekte beider Ansätze einander gegenüberzustellen. Glaube und Hingabe bilden bei Max Weber das Fundament jeder legitimen Herrschaft. Demgegenüber beschäftigt sich Hannah Arendt mit der totalen Herrschaft. Was ist unter diesem Begriff zu verstehen? Wie grenzt sich totale Herrschaft von traditionellen Herrschaftskategorien wie Diktatur und Tyrannis ab? Wie entsteht totale Herrschaft und wie wird sie erhalten? Anhand dieser Fragen werden zum Verständnis des politiktheoretischen Denkens Hannah Arendts notwendige Grundlagen erarbeitet. Woher stammt der Charisma-Begriff? Wie wird er bei Max Weber verwendet? Welche Probleme ergeben sich aus der Verwendung des Charisma-Begriffs für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Webers Herrschaftssoziologie? Die Vielschichtigkeit des Charisma-Begriffs und die daraus resultierende mangelnde terminologische Trennschärfe zu verdeutlichen, ist das Ziel dieser Überlegungen. Das Spannungsfeld von Macht und Gewalt ist ein zentraler Gegenstand der Philosophie Hannah Arendts. Von welchem Verhältnis dieser beiden Begriffe geht sie dabei aus, wie grenzt sie sie voneinander ab? Wie unterscheidet sich ihre Verwendung der Begriffe von der Verwendung durch Max Weber und worauf basiert ihre Kritik an Webers Terminologie? Da sich Hannah Arendt hier explizit mit Max Weber auseinandersetzt, scheint dieser Themenbereich besonders geeignet, um Unterschiede des Denkens zwischen beiden Theoretikern zu verdeutlichen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Herrschaftsphilosophie bei Max Weber und Hannah Arendt

2.1 Glaube und Hingabe versus Totalität

2.2 Charisma und Führerkult

2.3 Staatsmacht gleich Staatsgewalt?

3. Kontextuierung und kritische Reflexion

3.1 Charisma als philosophische Kategorie?

3.2 Rationalisierung und Freiheit

3.3 Legitimität zwischen Offenbarungsglauben und Sinnkrise

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die grundlegend unterschiedlichen Herrschaftskonzepte von Max Weber und Hannah Arendt ideengeschichtlich gegenüberzustellen und kritisch zu analysieren. Dabei steht insbesondere die Untersuchung der Begriffe Macht, Gewalt, Legitimität und Charisma im Fokus, um die verschiedenen theoretischen Ansätze zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Herrschaft zu erörtern.

  • Vergleich der Herrschaftssoziologie Max Webers mit Arendts Philosophie totaler Herrschaft
  • Analyse des Charisma-Begriffs und dessen Problematik in der wissenschaftlichen Anwendung
  • Untersuchung des Spannungsfeldes von Macht und Gewalt
  • Diskussion der Rationalisierungsthese Webers im Kontext von Freiheit und Legitimität
  • Gegenüberstellung von Politik als Herrschaftsausübung (Weber) versus Politik als freies Handeln (Arendt)

Auszug aus dem Buch

2.1 Glaube und Hingabe versus Totalität

Max Weber definiert Macht und Herrschaft folgendermaßen: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht. […] Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angegebenen Personen Gehorsam zu finden“. Den Begriff „Macht“ hält Max Weber für „soziologisch amorph“, da jeder Mensch in jeder denkbaren Situation unter bestimmten Voraussetzungen Macht ausüben kann. Er schlägt vor, Macht präziser als „für einen Befehl Fügsamkeit finden“ zu definieren. Noch deutlicher formuliert Hannah Arendt eine Abhängigkeitsbeziehung der Mitglieder einer Gruppe als Voraussetzung für Macht, wenn sie Macht als „menschliche[…] Fähigkeit, […] sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen zu handeln“ definiert. Über Macht kann somit niemals ein Einzelner für sich allein verfügen, sondern lediglich eine Gruppe. Selbst wenn einer Einzelperson Macht zugeschrieben ist, ist damit die Tatsache gemeint, dass diese Person von einer Gruppe ermächtigt ist, in ihrem Namen zu handeln.

Max Weber nennt drei „reine Typen legitimer Herrschaft“: 1. die rationale beziehungsweise legale Herrschaft, die auf dem Glauben an die Legalität gesetzter Ordnungen beruht, 2. die traditionale Herrschaft, deren Grundlage der Alltagsglaube an die Heiligkeit von jeher geltenden Traditionen gilt und 3. die charismatische Herrschaft, die auf der außeralltäglichen „Hingabe an die Heiligkeit oder Heldenkraft“ oder allgemein auf der Vorbildlichkeit einer Person basiert. Als konkrete Formen rationaler beziehungsweise legaler Herrschaft nennt Weber: mit Verwaltung verbundene Herrschaft, Herrschaft durch ökonomische Differenzierung, Herrschaft durch Parteien. Formen traditionaler Herrschaft sind Herrschaft der Honoratioren und Ältestenherrschaft. Unter charismatischer Herrschaft ist die Herrschaft durch einen Führer zu verstehen. Als weitere Form der Herrschaft, die sich keiner der drei Gruppen eindeutig zuordnen lässt, benennt Max Weber die Herrschaft durch Geheimhaltung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die theoretische Ausgangslage der Herrschaftssoziologie von Max Weber und der Philosophie der totalen Herrschaft von Hannah Arendt und definiert das Ziel des Vergleichs.

2. Grundlagen der Herrschaftsphilosophie bei Max Weber und Hannah Arendt: Dieses Kapitel stellt die Definitionen von Macht, Herrschaft und den drei legitimen Typen bei Weber den Ansätzen Arendts gegenüber, insbesondere im Hinblick auf totale Herrschaft und das Führerprinzip.

3. Kontextuierung und kritische Reflexion: Hier erfolgt eine Einordnung der Theorien in politikwissenschaftliche Grundperspektiven sowie eine tiefergehende kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen Charisma, Rationalisierung und Legitimität.

4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zusammen und betont den Einfluss der historischen Kontexte auf die jeweiligen Denker.

Schlüsselwörter

Max Weber, Hannah Arendt, Herrschaftssoziologie, totale Herrschaft, Macht, Gewalt, Charisma, Legitimität, Rationalisierung, Politikverständnis, Führerprinzip, Gehorsam, Staatsgewalt, Freiheit, Totalitarismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht vergleichend die Herrschaftsbegriffe von Max Weber und Hannah Arendt, um zu ergründen, wie diese Theoretiker Macht, Gewalt und Legitimität definieren und voneinander abgrenzen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Soziologie der Herrschaft, die Analyse totalitärer Systeme, die Rolle des Charisma, das Spannungsverhältnis zwischen Politik und Gewalt sowie die Bedeutung von Freiheit in der Moderne.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die ideengeschichtliche Einordnung beider Theoretiker vorzunehmen und ihre unterschiedlichen Ansätze zur Entstehung und Erhaltung von Herrschaftsverhältnissen einander gegenüberzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der politiktheoretische Texte und herrschaftssoziologische Definitionen gegenübergestellt und durch eine kritische Reflexion im Kontext aktueller Politikwissenschaft kontextualisiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der grundlegenden Herrschaftsmodelle, eine Auseinandersetzung mit der Rolle von Charisma und Rationalisierung sowie eine Untersuchung zur Legitimität unter Bedingungen von Sinnkrisen und totaler Herrschaft.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Untersuchung?

Wichtige Begriffe, die die Arbeit charakterisieren, sind insbesondere das staatliche Gewaltmonopol bei Weber, die Pluralität und das Handeln bei Arendt sowie der problematische Begriff des Charismas.

Inwiefern unterscheidet sich Arendts Politikverständnis von dem Webers?

Während Weber Politik maßgeblich über Herrschaft und das staatliche Gewaltmonopol definiert, versteht Arendt Politik als ein Handeln von freien Subjekten in einem öffentlichen Raum, was das Machtpotenzial von Gewalt trennt.

Welche Rolle spielt die „Entzauberung“ für das Verständnis Webers?

Die Entzauberung des Lebens ist bei Weber zentral für den Prozess der Rationalisierung, der die Grundlage für eine kapitalistische Gesellschaftsordnung bildet, aber gleichzeitig zu einer Sinnentlehrung führen kann.

Wie bewertet die Arbeit das Führerprinzip in totalitären Systemen?

Die Arbeit analysiert das Führerprinzip bei Arendt als Mittel zur Eliminierung von Strukturen und Freiheit, was im direkten Widerspruch zu dem von Weber beschriebenen Charisma steht, da es keinen Raum für Hierarchien oder Normalität lässt.

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Details

Title
Eine vergleichende Analyse des Herrschaftsbegriffs bei Max Weber und Hannah Arendt
College
University of Tubingen
Grade
1,0
Author
M.A. Christoph Müller (Author)
Publication Year
2007
Pages
25
Catalog Number
V69500
ISBN (eBook)
9783638613545
ISBN (Book)
9783638673594
Language
German
Tags
Eine Analyse Herrschaftsbegriffs Weber Hannah Arendt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Christoph Müller (Author), 2007, Eine vergleichende Analyse des Herrschaftsbegriffs bei Max Weber und Hannah Arendt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69500
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