Entstehung des ersten demokratischen Systems im klassischen Athen - Ursachen und auslösende Gründe


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Solonische Reformen

3. Die Tyrannis des Peisistratos

4. Die Reformen des Kleisthenes
4.1 Die politische Bedeutung der Reformen
4.2 Der Ostrakismos

5. Flottenbaupolitik des Themistokles

6. Die Neuerungen unter Perikles

7. Fazit

8. Anhang

9. Literaturverzeichnis
9.1 Internetliteratur

1. Einleitung

Die ersten demokratischen politischen Systeme, innerhalb menschlicher Gesellschaftsformen, entstanden im antiken Griechenland. Griechenland, wie es heute bekannt ist, existierte damals noch nicht. Der Peloponnes bzw. die attische Halbinsel bestand vielmehr aus zahlreichen Städten, so genannten Polis, die jede für sich autonom, aber in Konkurrenz zu den anderen Städten existierte und mit ihnen im Wettstreit lag. Einige, aber längst nicht alle griechischen Polis, durchliefen eine Entwicklung, die eine demokratische Herrschaftsstruktur zur Folge hatte. Athen ist die bekannteste griechische Stadt Attikas, die diese Entwicklung durchlaufen hat und gilt heutzutage als Geburtsort der Demokratie. Vielfach wird die Entstehung der Demokratie dem athenischen Staatsmann Solon[1], der zu Beginn des 6. Jahrhunderts vor Christus tätig war,

zugesprochen. Auch wenn Solon einige Reformen auf den Weg brachte und neue politische Strukturen ins Leben rief, so muss der Beginn der Demokratie vielmehr in Bezug auf den späteren Reformer Kleisthenes[2] gesehen werden. In der folgenden Arbeit sollen die Entstehungsumstände und - Charakteristika der athenische Demokratie beleuchtet werden, denn diese demokratischen Strukturen, wenn sie auch mit den heutigen nicht mehr allzu viel gemein zu haben scheinen, sind nichtsdestotrotz der Ideengeber für unsere heutige moderne Demokratie. Im Folgenden widme ich mich den Entstehungsumständen, sowohl im innerstaatlichen Entwicklungsprozess, als auch mit Bezug auf die außenpolitischen Zwänge, denen sich die Athener ausgesetzt sahen. Interessant ist die Beschäftigung mit diesem Thema, da, aus heutiger Sicht betrachtet, unsere eigenen demokratischen Ideen auf den gelebten und interpretierten Demokratischen Gegebenheiten der Antiken Athener aufbauen. Die Athener hatten aber keine Vorbilder auf dessen Erfahrungen man aufbauen konnte. Für mich ist es insofern interessant wie es zu einer demokratischen Bewegung kommen konnte, da Athen in der Geschichte ein Einzelfall darstellt und andere demokratischen Strömungen, in anderen griechischen Polis überwiegend von Athen und seiner Hegemonialstellung ausgingen. Um dieser Frage nachzugehen, widme ich mich den Reformen des Solon, der Tyrannis der Peisistratiden, sowie den Werken des Kleisthenes und des Perikles.

2. Solonische Reformen

Als Solon im Jahre 594 v. Chr. zum Archon gewählt wurde, lag seine dringlichste Aufgabe darin, das Konfliktpotenzial zwischen dem Athener Adel und der größtenteils verarmten und hoch verschuldeten Bauernschaft abzubauen. Wie in vielen anderen griechischen Städten, war er zu dieser Zeit zu einem Schiedsrichter und Versöhner zwischen den zwei obig erwähnten Gruppierungen ernannt worden und mit uneingeschränkten Machtpotenzial ausgestattet worden, um die als aussichtslos angesehene Situation zu bewältigen. In damaliger Zeit waren viele Bauern finanziell vom Athener Adel abhängig. Viele hatten sogar ihr Land verloren, ja waren sogar in Schuldknechtschaft geraten. Der Begriff Schuldknechtschaft spiegelt das System der körperlichen Haftung des Einzelnen wieder. Verschuldete sich ein Bauer, so bürgte er in letzter Instanz mit sich selbst. Das bedeutete in vielen Fällen, dass ein Schuldner mitunter seine Bürgerrechte verlieren konnte und fortan ein Sklave seines Gläubigers wurde.[3]

Die erste Amtshandlung Solons war die Beseitigung der auf den Ländereien liegenden Lasten. Diese Reform bildete die Vorraussetzung dafür, dass die Menschen Attikas wieder zu einer Gemeinschaft zusammenkommen konnten. Im Zuge dieser Reform wurden verkaufte Sklaven (ehemaligen Athener Bauern) zurückgekauft, versklavte erhielten die verlorene Verfügbarkeit über die eigene Person zurück und tausende vor der Sklaverei geflohene Athener kehrten zurück.[4]

Diese so genannte Lastenabschüttlung war ein schwerwiegender, wenn auch nicht zu vermeidender, Eingriff in die Wirtschaft Athens, um eben jener neuen Schwung zu geben. Auch wenn der Eingriff für den Adel schmerzlich war, so konnte der Umsturz aller bestehender politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse verhindert werden, da der geknechteten Gruppierung geholfen wurden, ohne dabei die andere Gruppe zu vernichten, wie es z.B. eine Neuverteilung des Landes zur Folge hätte haben können.[5]

Die wichtigste und wohl auch einschneidenste Neuerung des politischen Systems durch Solon war allerdings eine andere. Solon verknüpfte in einer Reform die politischen Rechte mit dem Vermögen. Durch die Einführung von Vermögensklassen, gelang es politische Rechte in einer vertikalen Linie für die Bevölkerung zugänglich zu machen.[6] Dies bedeutet eine Löslösung der politischen Macht von der Herkunft, in diesem Falle dem Adelsstand. Den zwei schon institutionalisierten Gesellschaftsklassen, den Reiter (Adel) auf der einen und den Zeugiten (große und mittlere Bauern) auf der anderen, fügte er eine dritte Klasse hinzu. Dies waren die „Fünfhundertscheffler“, die, wie der Name schon sagt, 500 Scheffel pro Jahr an festen und flüssigen Produkten herstellen konnten. Darunter fielen hauptsächlich die reichen Grundbesitzer. Eine weitere Darstellung, welche Rechte von welchen gesellschaftlichen Klassen in Anspruch genommen werden konnte, ist hier nicht weiter von Belang, denn die Bindung der politischen Rechte an das Vermögen bildet die Basis für die Reformen des Kleisthenes und ermöglichte die Einrichtung demokratischer Strukturen gegen Ende des 6. Jahrhundert v. Christus.

3. Die Tyrannis des Peisistratos

Bevor auf die Reformen des Kleisthenes eingegangen werden kann, muss zwingend erwähnt werden, dass Kleisthenes nicht direkt auf Solons Reformen aufbauen konnte und auch aus einem anderen Zeitgeist, vor allem aus einer völlig anderen politischen Epoche heraus, mit seinen Reformen begann. Solon war mit seinen schlichtenden Reformen angetreten, um die zerstrittenen Gruppierungen der Polis auszusöhnen und in eine so genannte Eunomie[7] zurückzuführen. Festzustellen ist, dass die Konsequenzen, die sich langfristig aus Solons Reformen ergaben, nicht sofort greifbar waren. Die Neugewonnene politische Verantwortung des einzelnen, als auch der Gedanke der Verfügbarkeit von Ordnung durch die neue Gesetzgebung, hatte nicht auf Anhieb Wurzeln gefasst. Zahlreiche, der in ihren Rechten beschnittenen, Adeligen begehrten gegen die neue Ordnung auf. Viele versuchten ihre Privilegien zurückzuerlangen, mussten aber feststellen, dass ihnen nunmehr nicht nur andere Adelige gegenüberstanden, sondern auch die von Solon politisch aufgewerteten Gruppierungen der Bauern und reichen Handwerker. Unfähig sich gegen diese plötzlich politisch aktiv gewordenen Gruppen durchzusetzen, sahen einige Adelige eine Möglichkeit ihren Status und ihre Stellung dadurch zu erhöhen, dass sie versuchten ihren Einfluss eben in jenen Gruppen des Demos[8], wie er allgemeinhin genannt wird zu, erhöhen. Dies mag auch in der Vorsolonischen Zeit schon so gewesen sein, gewinnt aber durch die Reformen Solons einen gänzlich anderen Stellenwert. Sollte es also einem Adeligen bei diesem Wettstreit gelingen, den Demos hinter sich zu bringen und somit zum Vollzugsorgan eben diesen zu werden, so ermöglichte dies ebenso die adeligen Gegner zu überflügeln.

Diese Entwicklungsphase, in der sich ein Adeliger zum Herrn über das Volk macht, ist die Entwicklung hin zur Tyrannis. In Athen war es Peisistratos, der auf diesem Wege die Herrschaft über die Polis erlangte und zumindest für ein halbes Jahrhundert behaupten konnte.[9] Zu präzisieren bleibt, dass die obige Darstellung durch die Fakt ergänzt werden muss, dass Adlige sich häufig durch Hilfe von außen, wie z.B. Söldnertruppen und dem Einsatz von Gewalt gegen andere Adelige durchsetzten. Die Hauptlast, so geben es die Quellen über die Tyrannis der Peisistratiden wieder, bei der Einführung der Alleinherrschaft wurde durch den Einsatz von Söldnertruppen getragen und nicht durch den Demos.[10]

Das bemerkenswerte an der Tyrannis des Peisistratos ist vielmehr, dass er sich im Vergleich zu anderen Tyrannen sehr lange halten, die Führung sogar auf seine Söhne übergeben konnte. Charakteristisch für die Herrschaft des Peisistratos ist, dass die Berichte kaum von einer Gewaltherrschaft sprechen, sondern dass man das Ende der Grabenkämpfe zwischen den Adeligen Familien, sowie einen politischen als auch wirtschaftlichen Aufschwung, erlebte.[11]

[...]


[1] Solon lebte von 640 v. Chr. bis 561 v. Chr. in Athen und brachte zahlreiche auf Ausgleich (zwischen der Adelsschicht und der verarmten Bauernschaft) bedachte Gesetze zustande. So verfügte er eine allgemeine Schuldentilgung und schaffte die Schuldknechtschaft ab und schlichtete somit den Konflikt zwischen dem Athener Adel und den in Schuldknechtschaft geratenen Bauern. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Band 20, Mannheim 199319, S. 437, Spalte 1.

[2] Der athenische Staatsmann Kleisthenes lebte im 6 Jahrhundert vor Christus und führte 506/507 eine neue Verfassung ein, die die Grundlagen für die Ausbildung der Athenischen Demokratie bildete. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Band 12, ebd. , S. 74, Spalte 1.

[3] Raaflaub, Kurt, Die Anfänge des politischen Denkens bei den Griechen, in: Pipers Handbuch der politischen Ideen; Fetcher, Iring und Munkler, Herfried (Hrsg.), Band 1, München 1988, S. 234.

[4] Bleicken, Jochen, Die athenische Demokratie, Paderborn 19954, S. 25.

[5] Bleicken, ebd. S. 25.

[6] Dies bedeutete schlichtweg, dass je größer das Vermögen, desto größer auch die politischen Mitbestimmungsrechte waren.

[7] Eunomie bedeutet Wohlordnung.

[8] Mit Demos ist die durch Solon aktivierte breite politische Masse gemeint.

[9] Bleicken, ebd., S. 32.

[10] Bleicken, ebd., S. 33.

[11] Bleicken, ebd., S. 34-35. Peisistratos führte eine zentrale Finanzverwaltung ein und ließ erstmalig Einkommenssteuern eintreiben. Jeder Grundbesitzende Athener wurde verpflichtet den zwanzigsten oder den zehnten an die Verwaltungsstellen abzuführen. Somit füllte Peisistratos einerseits die Staatskasse und konnte nebenher auch die Ausgaben für Söldner, Hofhaltung und die von ihm und seinen Söhnen ehrgeizig betriebene Baupolitik decken.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Entstehung des ersten demokratischen Systems im klassischen Athen - Ursachen und auslösende Gründe
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Vergleichende Demokratieforschung: Theorien, Methoden, Befunde
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V69621
ISBN (eBook)
9783638613750
ISBN (Buch)
9783638754477
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Systems, Athen, Ursachen, Gründe, Vergleichende, Demokratieforschung, Theorien, Methoden, Befunde
Arbeit zitieren
Magister Axel Klausing (Autor), 2005, Entstehung des ersten demokratischen Systems im klassischen Athen - Ursachen und auslösende Gründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69621

Kommentare

  • Martin Hackethal am 26.1.2010

    Habe mir diese Arbeit gekauft, und musste zu meiner Enttäuschung feststellen, dass diese nichts Weiter als eine stark gekürzte Fassung des Bleicken-Werkes ist. So etwas hätte an meiner Uni nie eine 1,3 bekommen!

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