Möglichkeiten und Grenzen der Gestaltung sozialökologischer Übergänge von der Berufsvorbereitung in eine Berufsausbildung bei Jugendlichen mit Lernbehinderungen


Diplomarbeit, 2006

71 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Jugendliche mit Lernbehinderungen beim Übergang in eine Ausbildung - ein möglicher krisenanfälliger Lebensabschnitt

3.1 Konkretisierung des Begriffs Lernbehinderung

3.2 Die Lebenssituation von Jugendlichen mit Lernbehinderungen im lokalen Kontext

3.2.1 Der Bezugsrahmen von lernbehinderten Jugendlichen zum System Familie und zu Peergruppen

3.2.2 Der Bezugsrahmen von lernbehinderten Jugendlichen zur Teilhabe durch gesetzliche Grundlagen

3.2.3 Der Bezugsrahmen von lernbehinderten Jugendlichen zum berufsschulischen Kontext

3.2.4 „Robuste Materialisten“ und „zögerliche Unauffällige“ Verhaltensweisen von Jugendlichen mit Lernbehinderungen innerhalb der Bezugsrahmen

3.3 Entwicklungstheoretische Ansätze nach der ökologischen Orientierung von Bronfenbrenner und dem sozialökologischen Ansatz nach Baacke

3.4 Fazit – Lebensweltorientierung ein Thema der Jugendlichen

4. Möglichkeit einer Übergangsgestaltung Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) - die neue Förderstruktur für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf (BvB-Neu) im Vergleich mit dem Förderlehrgang (BvB-Alt)

4.1 Eine Praxisüberprüfung durch Interviews mit Jugendlichen aus BvB-Alt und BvB-Neu in Form eines Satz-Ergänzungs-Modells nach Anregungen von Baacke

4.2 Eigene Erfahrungen bei der Umsetzung des neuen Fachkonzeptes

5. Die Rolle der Heilpädagogik bei Jugendlichen mit Lernbehinderungen in krisenanfälligen Lebenssituationen während der BvB

5.1 Förderung der persönlichen Entwicklung von Jugendlichen mit Lernbehinderungen unter Beachtung des ökologischen Ansatzes

5.2 Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Förderung einer realistischen Berufswahlentscheidung bei Jugendlichen mit Lernbehinderungen

5.3 Die berufliche Eingliederung während der BvB – Beschreibung eines Fallbeispiels für eine gelungene und erfolgreiche heilpädagogische Begleitung einer Jugendlichen aus der Zielgruppe

5.4 Resümee der eigenen heilpädagogischen Integrationsbemühungen und Integrationserfolge

6. Schlussbetrachtungen

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Vorwort

Die folgende Diplomarbeit orientiert sich in Darstellungsform und Regeln an der Publikation von Grunwald und Spitta „Wissenschaftliches Arbeiten“.

Die Namen der interviewten Jugendlichen in dieser Arbeit wurden geändert, um eine mögliche Erkennung auszuschließen.

In der Diplomarbeit werden wegen der Wiederholung nachfolgender Begriffe, die dargestellten Abkürzungen verwendet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung

Die wissenschaftliche Untersuchung heilpädagogischer Methoden bei Jugendlichen mit Lernbehinderungen und deren Einordnung in Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen ist ein wichtiger Beitrag für die (heil)pädagogische Praxis. Durch meine praktische berufliche Tätigkeit in der Ausbildung von jungen Menschen mit Lernbehinderungen und die hier auftretenden Fragen, Problemstellungen und pädagogischen Anforderungen bin ich bei meiner wissenschaftlicher Arbeit bestätigt worden.

Dabei konnte ich nicht auf alle Faktoren der gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen eingehen und diese bei meinen Untersuchungen berücksichtigen. Ich betrachte die Beziehungen der lernbehinderten Jugendlichen und der vielfältigen gesellschaftlichen und (heil)pädagogischen Beziehungen in dieser Arbeit aus sozialökologischen Aspekten, weil hier die Beziehungen von Umwelt und sozialem Verhalten deutlich benannt und abgebildet werden.

„In der (heil)pädagogischen Praxis scheinen die bisherigen Grundmuster, nach denen etwa Lern- und Verhaltensstörungen diagnostiziert und kategorisiert werden, um sie dann einer entsprechenden Behandlung (Intervention, Therapie) zuzuführen, zu versagen.“ (SPECK 2002, S.38)

Speck zitierte weiterhin einen Jugendlichen wie folgt:

„Ihr könnt uns untersuchen, befragen, interviewen, Statistiken über uns aufstellen, ... Theorien entwickeln ..., Vermutungen anstellen, Schlüsse ziehen, ... Ergebnisse verkünden, sogar daran glauben. Unseretwegen! Aber ihr werdet uns nicht verstehen. Wir sind anders als ihr. Wir funktionieren anders, wir sind anders konstruiert, sozialisiert, domestiziert, angeschmiert ...“. (ebd.)

Die Grenze der Belastbarkeit ist nicht bei allen Menschen gleich, so dass vor allem Jugendliche, besonders die mit Lern- und Verhaltensstörungen, immer wieder anders reagieren. Sie lassen sich in keine Schublade packen. Sie orientieren sich immer wieder neu, wollen Veränderung aber nicht wie wir es wollen, sondern wie sie es wollen. Sie wollen ihre Lebenswelt miteinbezogen wissen und nicht aus ihr herausgerissen werden, denn es gibt ihr ja doch kein Entkommen.

Finden die persönlichen Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen beim Übergang der ersten Schwelle in der Berufsvorbereitung Platz und befinden sich die Voraussetzungen mit den Anforderungen im Beruf im Einklang, tritt der Idealfall für den Jugendlichen ein. Seine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme wird voraussichtlich positiv verlaufen.

Bei der Betrachtung dieses Prozesses setzt eine Wechselwirkung des gesellschaftlichen Menschen mit der Natur ein.

Diese sozialökologische Sichtweite tritt dabei immer weiter in den Mittelpunkt der Gesellschaft. Die Sozialökologie „untersucht analog die Wechselbeziehung zwischen sozialer Umwelt und sozialem Verhalten des Menschen.“ (BAACKE 2003, S. 70)

Dabei verstehe ich die Frage des Umgangs mit der Natur als zutiefst gesellschaftliche Frage. Hier ist eine Methode der wissenschaftlichen Arbeit entstanden, wo konzeptionelle Forschungen im Spannungsfeld von Natur und Gesellschaft zur Lösung gesellschaftlicher Nachhaltigkeitsprobleme entwickelt werden können. Die sozialökologische Forschung bietet die Möglichkeit, Formen und Gestaltungsmöglichkeiten der Beziehung von Menschen zur jeweiligen gesellschaftlichen und natürlichen Umwelt disziplinübergreifend zu untersuchen. Hier werden durchaus Probleme und Themen aufgegriffen, zu denen auch in anderen Wissenschaften intensiv gesprochen wird.

In der vorliegenden Arbeit geht es um die sozialökologische Betrachtung des Überganges junger Menschen mit LB von der Berufsvorbereitung auf ihrem Weg in die berufliche Zukunft. Die Chancen für eine Ausbildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt stehen für Jugendliche mit LB nicht sehr gut. Die BvB kann einen Beitrag leisten, damit ihre Integrationschancen erhöht werden.

„Aus ökologischer Perspektive umfasst die Umwelt mehr als die augenblickliche, direkt auf die sich entwickelnde Person einwirkende Situation mit Objekten, auf die sie reagiert, und Leuten, mit denen sie interagiert.“ (BRONFENBRENNER 1993, S. 23)

Den Jugendlichen fehlen oft die notwendigen Ellenbogen, um Rücksichtslosigkeiten begegnen zu können. Das Behindertenbild wird zunehmend komplexer. Neben der Lernbehinderung ist der Anteil der Verhaltensauffälligkeiten gestiegen. Viele Jugendliche kommen aus Elternhäusern mit sozialen Problemlagen. Die Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen werden von ihrem Lebensstil und den Anforderungen in ihren Lebenswelten beeinflusst, woraus sich folgende Fragen ergeben, denen in dieser Arbeit unter Anderem nachgegangen wird.

Sind (Heil)Pädagogen aus Sicht der Ganzheitlichkeit wichtige pädagogische Fachkräfte in der BvB, um den Jugendlichen mit LB zu helfen, ihre Ungleichheit durch gemeinsames Handeln in unserer leistungsorientierten Gesellschaft zu minimieren?

Welche Bedeutung hat es für den Jugendlichen in seiner Lebensumwelt, den „Stempel des Lernbehinderten“ zu tragen?

Wie ist Integration, bezugnehmend auf die heutigen Gegebenheiten von Jugendlichen mit LB, möglich?

Wie schaffen wir es in der heutigen Zeit, den allgemeinen Arbeitsmarkt als Ort der Berufsintegration zu erobern?

Was bewegt die Jugendlichen mit LB? Wo, wann und warum werden sie aktiv in ihrer neuen Lebenswelt, die sie nach der Förderschule betreten haben?

Das sind nur einige Fragen, die Jugendliche mit LB an ihrem ökologischen Übergang begleiten. Sie haben aber eine große Bedeutung für ihren weiteren Lebensweg.

Die Chancen und Grenzen liegen für Jugendliche mit LB dicht beieinander. Menschen mit LB haben wie alle anderen Menschen das Recht auf eine bestmögliche Förderung, entsprechend ihrer Fähigkeiten.

In dieser Arbeit werden die Lebensbereiche, in denen die Jugendlichen aufwachsen, genauer betrachtet und das erforderliche Unterstützungssystem BvB wird näher untersucht.

Nach dem Vorwort und der Einleitung werden im Kapitel drei, die Begriffe Lernbehinderung und der in der Arbeit angewendete sozialökologische Ansatz die Hauptbezugspunkte darstellen. Dabei werden die vielfältigen Möglichkeiten aber auch die differenzierten Einschränkungen der Lebenswelten der Jugendlichen beschrieben. Ungünstige und günstig verlaufende Lebenswege bilden in diesem Kapitel einen Bezugspunkt.

Um sich auf die Probleme von Jugendlichen mit LB einlassen zu können, hat sich die Autorin dieser Arbeit mit verschiedenen Kontexten befasst. Die Familie, die Peergruppen, die rechtlichen Grundlagen und auch das System Berufsschule werden im dritten Kapitel als mögliche krisenanfällige Lebenswelten untersucht.

Das vierte Kapitel umfasst den Teil der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme, als eine mögliche Übergangsgestaltung für Jugendliche mit LB. Zunächst wird dabei das Fachkonzept der Agentur für Arbeit im Überblick dargestellt und mit einem früheren BvB-Konzept (F-Lehrgang) verglichen. Hier folgt zu gleich eine Interviewauswertung eines selbst entwickelten Satz-Ergänzungs-Modells nach Anregungen von Baacke, um die Unterschiede der BvB-alt und BvB-neu noch deutlicher zu unterstreichen. Die komplette Befragung von vier Jugendlichen mit LB befindet sich im Anhang.

Im Kapitel fünf wird auf die Rolle der Heilpädagogik in der BvB eingegangen. Es wird ein beruflicher Integrationserfolg anhand eines praktischen Fallbeispiels beschrieben, um Chancen und Grenzen der Teilhabe aus praktischer Sicht zu verdeutlichen.

Die Heilpädagogik wird dabei im Verhältnis zur sozialen Ökologie, zu Veränderungen eingeübter Sichtweisen und zur Suche nach intellektuellen Standorten im Kapitel dargestellt. Es wird der Frage nachgegangen, wie wichtig Unterstützungssysteme für Jugendliche mit LB auf ihrem Weg in die Berufsausbildung sind. Zum anderen wird hinterfragt, wie Vorbehalte durch heilpädagogische ganzheitliche Sichtweisen minimiert werden können. Die Vorbehalte bzw. Vorurteile durch Fremde führen die Jugendlichen oft zusätzlich zur krisenbehafteten unmittelbaren Lebensumwelt in eine Sackgasse, die nur mit Sicht auf die gesamte Lebenswelt geöffnet werden kann.

In der Schlussbetrachtung ist eine Zusammenfassung und ein Resümee zu den Ergebnissen und weiteren aufgeworfenen wissenschaftlichen Fragen und Problemen getroffen worden.

3. Jugendliche mit Lernbehinderungen beim Übergang in eine Ausbildung - ein möglicher krisenanfälliger Lebensabschnitt

Die gesellschaftliche Situation auf dem Arbeitsmarkt der Bundesrepublik Deutschland und die Lehrstellensituation bilden eines der Spannungsfelder zwischen der persönlichen Entwicklung des Einzelnen und der gesellschaftlichen Chance der Teilhabe an der Arbeitswelt. Nach wie vor ist die Arbeitslosigkeit das größte soziale Problem der Gesellschaft. Verschiedene Programme der Agentur für Arbeit, von Ländern und Kommunen können hier Benachteiligungen vermindern und besondere Förderungen von Jugendlichen bewirken. Ob ein Jugendlicher mit oder ohne LB eine Chance auf einen Ausbildungsplatz erhält, hängt auch von seinen Voraussetzungen ab. Vorteile haben Jugendliche mit guten Schulabschlüssen, da die Anzahl der qualifizierteren Ausbildungsberufe steigt und die der Werker- bzw. Helferberufe drastisch sinkt. Deutlich benachteiligt sind demzufolge Jugendliche mit LB. Diese Jugendlichen kommen von Förderschulen bzw. von Hauptschulen. Hinzu kommen sehr oft sich nachteilig auswirkende äußere Rahmenbedingungen. An der Schnittstelle BvB werden diese Benachteiligungen sehr deutlich sichtbar. Fehlentwicklungen häufen sich hier. Petermann und Petermann bezeichnen diese Fehlentwicklungen als „scheinbare Handlungskompetenzen“. Sie haben mögliche Entwicklungen von „scheinbaren Handlungskompetenzen“ im Jugendalter beschrieben.

- „Psychische bzw. psychosomatische Krankheiten und die damit einhergehenden familiären Verstrickungen, die neue Aufgaben und Freiräume, aber auch Beschränkungen zur Folge haben“
- „Delinquenz und Aggression“
- „Soziale Unsicherheit und sozialer Rückzug sowie Apathie“
- „Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigkeit“
- „Leben in einer Subkultur (zum Beispiel einer Jugendbande oder Jugendsekte)“
- „Selbstmordversuche“
- „Diffuse Aussteigermentalität (zum Beispiel Null-Bock-Haltung, Schulverweigerung)“
- „Extremes Essverhalten (Adipositas, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa“

(PETERMANN/PETERMANN 1996, S. 14)

Aufgrund von häuslichen Problemen oder individuellen anderen sozialen Problemlagen und dadurch bedingten häufigen schulischen Fehlzeiten, sind Jugendliche mit LB oft nicht ausreichend auf das Berufsleben durch die Förderschule vorbereitet worden. Sie sind durch Vorurteile und Verallgemeinerungen von anderen Menschen bereits in ihrer schulischen Laufbahn stigmatisiert worden. Ihre Einschränkungen und Behinderungen werden bei der Beurteilung in kollektiven Wert- und Normsystemen in Wechselwirkung zu den Leistungsfähigsten gesetzt. Sie nehmen keinen guten sozialen Platz in der Gesellschaft ein, was Bleidick in folgendem Zitat beschreibt. „Von allen Arten der Behinderung ist bei Lernbehinderung der Zusammenhang mit sozialen Faktoren besonders offensichtlich. Lernbehinderte entstammen zum überwiegenden Teil unteren Sozialschichten, sie wachsen unter erschwerten sozialen Bedingungen auf, ihr soziales Ansehen ist besonders gering.“ (BLEIDICK 1998, S. 107)

Pädagogen, Wissenschaftler, Psychologen etc. haben die Problemlagen der Jugendlichen mit LB schon häufig in sich ständig verändernden Verbesserungskonzepten festgeschrieben und auf Fachtagungen diskutiert. Die verschiedenen Strategien und Konzepte müssen aus meiner Sicht in das Spannungsfeld von Natur und Gesellschaft gestellt werden. Um so wichtiger ist es, den sozialökologischen Übergang zwischen BvB und Berufswelt so kontinuierlich wie möglich für Jugendliche mit LB zu gestalten, ohne einen erneuten Bruch zu vollziehen.

Die Jugendlichen die eine BvB durchlaufen sind noch ziemlich jung. Die Zielgruppe ist zwischen 15 bis 20 Jahre alt. Ein Nachteil gegenüber Jugendlichen, die bis zur dreizehnten Klasse weiter „reifen“ können. Das frühzeitige Eintreten in das Berufsleben, die Lernbehinderung, die oft ungünstig verlaufenden sozialökologischen Lebenswege und die hinzukommenden „normalen“ entwicklungsbedingten Umweltbereichsveränderungen können zu Belastungen und Unsicherheiten in der Adoleszenz bei Jugendlichen mit LB führen. Das Erwachsenwerden, die Veränderungen in zwischenmenschlichen Beziehungen, das Erleben von anderer als bisher erlebter Sexualität, die zunehmend durch die gesellschaftlichen Normen verlangte Eigenständigkeit, der Umgang mit der Volljährigkeit, neue Freundschaften, Erfüllung von Klischees und nicht zu letzt die eigentliche Berufsorientierung und schließlich die Berufsfindung, stellen Jugendliche mit LB vor große Herausforderungen.

Können Jugendliche mit LB zu diesen eben beschriebenen schweren Lebensabschnittsbewältigungen nicht an eine rückendeckende soziale Umwelt anknüpfen, dann fällt es ihnen umso schwerer, positive Perspektiven für ihre Zukunft aufzubauen.

Rolf Oerter (Lehrstuhl Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie) beschreibt in dem Buch Entwicklungspsychologie, wie kritisch der Übertritt in einen neuen Lebensabschnitt im Jugendalter ist. Dabei geht er von „normal entwickelten“ Jugendlichen aus. Er beschreibt wie die Entwicklung des Lebensabschnittes Übergang in das Berufsleben positiv verlaufen kann.

„Unter ökologischer Perspektive ist die Position des Menschen in seiner Umwelt durch ein vielfältiges Geflecht von Bindungen an die Umwelt gekennzeichnet. Im Normalfall fühlen sich Jugendliche daher in ihrer Umwelt heimisch, weil sie positive Gefühlsbindungen zu ihrer Umgebung aufgebaut haben, so etwa Familie, Schule, Freizeit.“ (OERTER 1995, S. 361)

Oerter geht hier vom so genannten „Normalfall“ aus. Dabei wird beim „Normalfall“ auf die Grenze zwischen der Norm- und Wertvorstellung der Gesellschaft und den realen Entwicklungen in seiner Individualität zur Umwelt nicht weiter Bezug genommen. Bei Jugendlichen mit LB spielen die Familie, die Peergruppen aber auch eine Berufsausbildung eine noch größere Rolle. Gerade weil die Jugendlichen mit LB nicht der „Normalfall“ sind, ist die Eingliederung in das Berufsleben schwieriger als bei anderen Jugendlichen. Schwieriger in dem Sinne, dass den Jugendlichen mit LB nicht alle Berufe offen stehen. Gewünschte Berufe können und dürfen häufig nicht erlernt werden. Nicht weil die Jugendlichen mit LB keine Vorstellungen haben, sondern weil sich die Möglichkeiten einer gewünschten Ausbildung aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen schwieriger gestalten. Der Wegfall einfacher Tätigkeiten und eine immer weiter fortschreitende und geringere Anzahl an Ausbildungsplätzen lassen es kaum noch zu, dass ein Jugendlicher mit LB auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Ausbildung absolvieren kann. Überbetriebliche Bildungsträger fangen einen Pool von Jugendlichen mit LB auf. Den Jugendlichen bleibt dann nur eine kleine bzw. keine Auswahl der zukünftigen Berufsrichtung.

Die Berufswahl von Jugendlichen mit LB ist aber nicht nur durch die oben genannten Bedingungen unserer Gesellschaft eingeschränkt. Jugendliche mit LB müssen fast immer durch den Filter BvB, um eine Förderungsfähigkeit bescheinigt zu bekommen. Sie sind von einer fremdbestimmten Einschätzung abhängig, ehe sie einen Ausbildungsanspruch mit Kostenübernahme bei einem überbetrieblichen Träger erhalten. Hierfür sind die Agenturen für Arbeit zuständig.

Die bisherige Sichtweise der Bundesagentur für Arbeit, dass fast alle Jugendlichen mit LB eine BvB absolvieren müssen, trägt den realen Erfordernissen an Förderung nicht genügend Rechnung. Die Beziehungen der Jugendlichen mit LB zur Umwelt und die Rückkoppelung aus den sozialen Beziehungen zum Jugendlichen bilden einen wichtigen Kreislauf, der auch die sofortige Aufnahme eines Ausbildungsplatzes beinhalten kann. Hier ist der Sachverstand von Pädagogen und Psychologen und die ganzheitliche Betrachtung der Persönlichkeit noch stärker heranzuziehen.

Jugendliche mit LB sollten keine BvB absolvieren müssen, wenn die Lebenssituation stimmig ist, in der sie sich befinden.

Bedürftig einer BvB ist dagegen derjenige, der sich in einer eher ungünstigen Lebenssituation befindet und die Notwendigkeit eines Hilfebedarfs gegeben ist. Dabei kann sich eine BvB als günstig erweisen. Durch Begleitung und persönliche Unterstützung über einen festgesetzten Zeitraum und unter Einbeziehung des persönlichen Umfeldes kann es möglich sein, die krisenbelastete Lebenswelt als positiv wahrzunehmen und über sie hinweg die Chance zu nutzen für einen realistischen beruflichen Weg, mit Einbeziehung der primären Bezugspersonen.

3.1 Konkretisierung des Begriffs Lernbehinderung

„Ich bin etwas schief ins Leben gebaut!“

Joachim Ringelnatz

Dieses Zitat könnte auf alle Behinderungsarten zutreffen. Gerade bei Jugendlichen mit LB kann man sich bildlich die schief verlaufende Lebenslinie vorstellen. Schief in dem Sinne, dass die meisten Jugendlichen mit LB erst den „normalen“ Weg der Grundschule gegangen sind und dann etwas schiefer als andere Kinder ihre Schullaufbahn absolvierten. Schief ist doch in Ordnung. Etwas schief zu sein, heißt ja nicht „nicht normal“ zu sein.

Da es keine übereinstimmende Bezeichnung für Lernbehinderung gibt, widmen sich die Wissenschaft, verschiedene Pädagogikrichtungen, die Psychologie und Andere immer wieder Grundsatzdiskussionen.

Der Begriff „lernbehindert“ wird in unterschiedlicher Weise verwendet. Aus pädagogischer und soziologischer Sicht gibt es viele verschiedene Definitionsmöglichkeiten. So gibt es uns Bleidick erst einmal einfach zu verstehen, wenn er von Lernbehinderung spricht. Er sagt: „Lernbehindert ist, wer eine Schule für Lernbehinderte besucht.“ (BLEIDICK 1998, S. 106)

Bleidick macht sich die institutionelle Sicht zur Logik. Die Regelschule ist demnach nicht in der Lage, Kinder mit LB ausreichend zu fördern. Aber auch in Regelschulen findet man Kinder und Jugendliche mit LB. Gründe für ihr dortiges Leistungsversagen könnten sein: ständiger Lehrermangel, keine Differenzierungen des Lernstoffes, zu große Klassen oder auch unzulängliche Qualifikationen der Lehrer.

Bleidick benennt drei Umstände die es schwierig machen, Kinder und Jugendliche mit LB frühzeitig zu erkennen.

1.) Es gibt kein spezielles Kriterium zu beachten. Andere Schüler können gleiche Verhaltensweisen zeigen, wie zum Beispiel sprachliche Entwicklungsrückstände.
2.) Lernbehinderte weisen weiterhin keine anderen auftretenden Verhaltensweisen auf. Sie sind aber die „Grenzfälle Extremvarianten schulischen Lern- und Leistungsverhaltens.“
3.) Lernbehinderung ist ein „Zuschreibungsprodukt“ von verschiedenen wissenschaftlichen „Auslesegesichtspunkten“. Diese sind an gesellschaftliche Normvorstellungen gebunden. (vgl. BLEIDICK 1998, S. 106)

Demnach ist es sehr schwer eine eindeutige Definition für Lernbehinderung und eine damit verbundene Abgrenzung, zu anderen möglichen Behinderungsarten zu finden.

Die gesellschaftlichen Normvorstellungen sind ein wesentlicher Faktor bei der Definition der Lernbehinderung. Lernbehinderung bedeutet oft für den Lernbehinderten eine Etikettierung seiner selbst. Es kann für ihn ein Stempel aufsetzen sein, eine Einkategorisierung und letztlich auch eine Zuschreibung bedeuten.

Die eben benannten Erklärungsversuche reichen bei Weitem noch nicht für eine eindeutige Definition des Wortes Lernbehinderung aus.

Einen anderen weiteren Definitionsversuch hat Kanter aufgestellt. Seine These über Lernbehinderung stellt er dar als „einen realantropologischen Sachverhalt: die schwerwiegende, umfängliche und langandauernde Beeinträchtigung der Lernprozesse und des Lernaufbaues eines Menschen.“ (KANTER 1976, S. 34 zit. n. Schramm 1996, S. 118)

Kanter geht von einer „Beeinträchtigung“ aus. Diese „Beeinträchtigungen“ können durch verschiedenartige Ursachen entstehen.

Schmutzler geht dabei noch einen Schritt weiter und bringt in seine Definition von Lernbehinderung auch die medizinisch-organische Sichtweise mit ein. Er geht davon aus, dass bei Menschen mit LB schon im Kindesalter der „gesamte Verhaltens- und Persönlichkeitsaufbau ... beeinträchtigt ist“ und diese Kinder „von ihrer Altersgruppe hinsichtlich der organischen Gesundheit, Intelligenz, Lernfähigkeit und im Sozialverhalten soweit abweichen, daß eine besondere individuelle Förderung ... notwendig ist.“ (SCHMUTZLER 1994, S. 283)

Hinzu kommt die Schwierigkeit der Abgrenzung von Jugendlichen mit LB zu Jugendlichen mit Verhaltensstörungen. Die eben benannten Definitionen von Lernbehinderung, könnten auch auf Verhaltensgestörte zutreffen. Eine eindeutige Abgrenzung ist schwierig. Jugendliche mit LB können ebenso Verhaltensweisen von Verhaltensgestörten annehmen. Wird ihre Lernbehinderung nicht frühzeitig erkannt und können sie dadurch psychosozialen Belastungen nicht standhalten, entwickeln sie zum Teil gleiche Auffälligkeiten wie verhaltensgestörte Jugendliche.

Um eine Lernbehinderung zu erkennen, ist es wichtig verschiedene Sichtweisen zu betrachten. Lernbehinderung ist ein Phänomen, dass es aufgrund physischer, psychischer und sozialer Bedingungsfaktoren schwierig macht zu definieren.

Am einfachsten ist Lernbehinderung anhand eines I-Quotienten zu beschreiben. Der

I-Quotient ist eine Klassifizierung auf der Grundlage von Intelligenztests. Anhand der folgenden Skala lässt sich dann eine Einteilung der Intelligenz vollziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Standardabweichungen und Intelligenzquotienten

(http://entwicklungsdiagnostik.de/a_Standardskalen2.jpg; aus Petermann, F. & Macha, T. (2005). Psychologische Tests für Kinderärzte. Göttingen: Hogrefe.)

Diese Einteilung alleine bescheinigt aber einem Jugendlichen noch keine eindeutige Lernbehinderung. Eine Einteilung nach dem Intelligenzquotienten ist künstlich und ohne Beachtung seiner emotionalen Intelligenz. Auch die Bestimmung des IQ kann nur eine Hilfe bei der Definitionsfindung von Lernbehinderung sein.

Die Bestimmung des IQ spielt bei der psychologischen Definition eine Rolle.

Aus psychologisch-diagnostischer Sicht wird die Lernbehinderung nach den diagnostischen Kriterien nach ICD-10 definiert. Da heißt es: „Eine Lernbehinderung liegt dann vor, wenn schwerwiegende, anhaltende und umfängliche Defizite bei der Bewältigung von intellektuellen Leistungsanforderungen festgestellt werden.“ (GRÜNKE 2004, S. 65) Diese Definition ist fassbarer als zuvor beschriebene Definitionen, weil dabei eindeutig ausgeprägte Lernstörungen definiert sind. Das heißt, dass diese ausgeprägten Lernstörungen zu erkennen sind. Zu erkennen sind diese, wenn Kinder und Jugendliche den Anforderungen im „normalen“ Bildungssystem nicht gewachsen sind. Sie bleiben hinter anderen Kindern und Jugendlichen deutlich zurück. Diese Definition kann aber nicht die einzig entscheidende sein, bei der Diagnoseerstellung der Lernbehinderung. Weitere Bezugspunkte bzw. Kriterien sind ausschlaggebend bei der Diagnose Lernbehinderung.

Grünke stellte dazu weitere Kriterien für Rückstände von Schülern mit LB auf:

- Sie betragen zwei bis drei Schuljahre;
- Sie betreffen mehrere Unterrichtsfächer (v.a. Deutsch und Mathematik);
- Sie persistieren über mehrere Jahre;
- Sie sind nicht Folge eines unzureichenden Lernangebots, sondern stehen im Zusammenhang mit Defiziten in der allgemeinen Intelligenz (der IQ liegt zwischen 55 und 85);
- Sie können nicht auf eine Sinnesschädigung zurückgeführt werden.

(vgl. GRÜNKE 2004, S. 66)

Zusätzlich zu den eben aufgeführten Kriterien von Grünke lassen sich Merkmale benennen, an denen Jugendliche mit LB zu erkennen sind. Im Vergleich zu unauffälligen Schülern lernen Jugendliche mit LB langsamer, vergessen schneller, lernen besser über Gezeigtes, sind ablenkbarer, oft emotional labiler und neigen zu Verhaltensauffälligkeiten. Die Entstehungen von Lernbehinderungen sind mehrfaktoriell begründet.

Grünke zählt weiterhin dazu die unzureichenden neurologischen Voraussetzungen, die ungünstigen Sozialisationsfaktoren und die Folgen in der Ausführungs- und der motivationalen Ebene. (vgl. ebd., S. 67 f)

Daraus erschließt sich, dass viele Faktoren untersucht werden müssen, ehe man eine eindeutige Diagnose Lernbehinderung stellen kann.

Jeder Jugendliche mit LB benötigt unterschiedliche Interventionen für eine positiv verlaufende Lebensentwicklung. Soziale und biologische Voraussetzungen spielen dabei eine große Rolle. Schwächen werden zwar häufig erkannt aber nicht genauer untersucht. Jeder Jugendliche mit LB benötigt unterschiedliche Lernstrategien, um einen erfolgreichen Lebensweg gehen zu können. Seine Lernbeeinträchtigungen werden dauerhaft bestehen. Sie sind aber nur hinderlich, wenn nicht individuell darauf eingegangen wird. Die Lernansprüche an Jugendliche mit LB müssen unterschwelliger verfasst werden, Selbstwertaufbau und Selbstvertrauen müssen geweckt werden, Störungen der Persönlichkeitsentwicklung müssen vermieden werden und gute Ausgangskonstellationen müssen geschaffen werden.

Die neue Beschreibung im Sozialgesetzbuch IX mit Worten der „Teilhabe“ und „Partizipation“ sowie der erstmalig benannten „Lernbehinderung“ im SGB III, bieten gute Voraussetzungen für eine noch zu findende alles umfassende Definition von Lernbehinderung.

Zur individuellen Bestimmung jedes einzelnen Jugendlichen mit LB ist eine Differenzialdiagnostik unumgänglich. Dazu zählt die Anamnese, die Quantifizierung schulrelevanter Leistungen, die Prüfung der Allgemeinintelligenz, die Analyse der unmittelbaren Lebenswelt und die Erfassung von Störungen anhand von Interviews. Des Weiteren dient der näheren Bestimmung von Lernbehinderung, die Prüfung durch eine Förderdiagnostik. Mittels Beobachtungen muss das Lernverhalten analysiert, die motivationalen Faktoren erfasst, die Rahmenbedingungen gesichtet und die Ressourcen erkannt werden.

Nach Abklärung aller Bezugspunkte muss die Lebenswelt Bestandteil der Definition von Lernbehinderung sein. Denn die Intervention, die sich aus der Diagnostik ergibt, „muss sich daher konsequent an den realen Umgebungsbedingungen der Kinder orientieren ... .“ (GRÜNKE 2004, S. 71)

Wissenschaftlich ist bis heute jedenfalls noch nicht exakt bewiesen, was eine Lernbehinderung ist. Bis jetzt sind nur mögliche Bezeichnungen über Lernbehinderung bekannt.

Aus selbst erlebter praktischer Erfahrung der Autorin dieser Arbeit, kann sich eine Lernbehinderung durch Krankheiten, durch mangelnde intellektuelle Fähigkeiten, aber auch bei Jugendlichen mit einem hohen Intelligenzquotienten durch mangelnde soziale Kompetenz und eingeschränkter Beziehungsfähigkeit zur Umwelt ausdrücken.

In einem solchen Fall ist bei Jugendlichen mit LB zu prüfen, wie weit Hilfe bei der beruflichen Eingliederung notwendig ist.

Der Begriff „Lernbehinderung“ weist lediglich darauf hin, dass ein Mensch einer speziellen Förderung bedarf, um sich nach seinen eigenen Fähigkeiten entsprechend entwickeln zu können.

Denn:

„Es ist normal, verschieden zu sein.“

R.F. Dybwad

3.2 Die Lebenssituation von Jugendlichen mit Lernbehinderungen im lokalen Kontext

„Man kann den Menschen – und damit auch die Identität – nicht ohne die Beziehung zur Umwelt, d.h. zu Personen und Gegenständen hinreichend beschreiben. Identität ist also immer Identität im Kontext.“ (OERTER 1995, S. 361)

Daher müssen sich die Interventionen an den realen Umgebungsbedingungen der Jugendlichen mit LB orientieren. Die Eltern, die Berufsschule sowie das unmittelbare private Umfeld müssen positiv miteinbezogen und beteiligt werden.

Auch Cliquen sind für die Jugendlichen heute wichtiger denn je. Gerade bei Jugendlichen mit LB kommt es häufig vor, dass ihre soziale Umwelt viele Risiken birgt. Diese Jugendlichen dürfen nicht aus ihrer sozialen Umwelt herausgerissen werden. Sie müssen lernen, ihre soziale Umwelt auf Chancen zu überprüfen und ihre Ressourcen optimal zu nutzen. Dabei kann das Wissen über wesentliche Inhalte der Rechte des Staates und der Grundwerte der Gesellschaft eine Unterstützung sein.

Jugendliche sind in ihrer Wechselwirkung zu sozialen Beziehungen zur Familie und Freunden, zur Umwelt und zur Natur von den Entwicklungen des Computerzeitalters, den Medien und vielfältigen kulturellen Beziehungen und Prozessen geprägt. Das gilt auch für junge Menschen mit LB.

Jugendliche mit LB lassen sich längst nicht mehr von Anderen sagen, was sie zu machen haben. Sie haben in vielen Fällen gelernt, für sich positive Strategien zur Lösung ihrer Alltagsprobleme zu entwickeln. In vielen Fällen ist ihnen die Schwierigkeit des Überganges von der Schulausbildung zur Berufsvorbereitung bewusst. Sie wissen aber auch sehr oft, wo sie ihre Chancen wahrnehmen können. Jugendliche mit LB sind zum Teil schon lange nicht mehr unbeholfen.

Um den Jugendlichen mit LB ihren Übergang von der Berufsvorbereitung in eine Berufsausbildung, mit ihren positiven Einstellungen aber ebenso mit ihren weitreichenden, komplexen Störungen im kognitiven und auch sozialen Lernen zu vereinfachen, wurden erstmals in den 80er Jahren Modellprojekte entwickelt. Diese sollen den ökologischen Übergang erleichtern. Diese Modellprojekte richten sich nach vier möglichen Phasen, die der Diplom Psychologe Roland Stein wie folgt beschrieben hat.

1.) Durch die Berufshinführung soll in den letzten Schuljahren der Förderschule der betriebliche Teil eine größere Bedeutung erhalten als der theoretische Teil.
2.) Zusätzliche Berufsvorbereitende Maßnahmen sollen Jugendlichen eine Eingliederung ermöglichen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kaum Chancen haben.
3.) Maßnahmeunterstützende Berufsausbildung ist die Unterstützung durch ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), während einer betrieblichen Ausbildung in Form von Stützunterricht oder zusätzlicher sozialpädagogischer Betreuung.
4.) Begleitung beim Berufseinstieg als nachbetreuende Hilfe nach abgeschlossener Berufsausbildung.

(vgl. STEIN In: Grünke 2004, S. 447)

Zu diesen eben benannten Maßnahmen beschreibt Stein weiterhin Interventionen zur Erleichterung eines erfolgreichen ökologischen Übergangs. Dazu zählen:

1.) „ Stütz- und Förderunterricht zur Aufarbeitung von Wissenslücken ..., zur Förderung metakognitiver Fertigkeiten ..., sowie zum Training sozialer Kompetenzen ... .“
2.) Projektorientiertes Lernen zum Zweck des Erlernens von „Selbstständigkeit, Planungsfähigkeit, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit sowie der Lernmotivation“.
3.) Aktive Begleitung von Praxiserfahrungen durch vorherige Akquisition, gemeinsame Aufbereitung und durch Abstimmung individueller Intensität des Praktikums.
4.) Übergangsbegleitung in Form von festen Ansprechpartnern für die Unterstützung in schwierigen Situationen sowie bei der Eingliederung in die Ausbildung oder Arbeit.

(vgl. ebd., S. 448)

Für Jugendliche mit LB ist die institutionelle mit der privaten Vernetzung unabdingbar. Gerade bei zeitnah erkannten Schwierigkeiten äußerer Umstände bzw. bei rechtzeitig festgestellten Lernstörungen, benötigt man eine schnelle Abstimmung zwischen dem beteiligten Netzwerk um den Jugendlichen mit LB herum, ohne lange Wartezeiten bei der Lösung von Problemen zu haben.

Dazu muss das Netzwerk des Jugendlichen gut miteinander verzahnt sein. Dabei ist es wichtig, die persönlichen Lebensumstände bzw. die Lernvoraussetzungen zu kennen, um den beruflichen Einstieg richtig organisieren zu können. Dieses kann aber nur geschehen, wenn der Jugendliche mit LB motiviert ist, Entscheidungen mit treffen darf und dadurch aktiv in seine sozialökologische Lebenswelt miteinbezogen werden kann.

3.2.1 Der Bezugsrahmen von lernbehinderten Jugendlichen zum System Familie und zu Peergruppen

Professor Dr. Klaus Hurrelmann u.a. untersuchten bereits mehrfach anhand von Kernstudien die Ansichten der Jugend in Deutschland, die in der Shell-Jugendstudie abgebildet sind.

In der Deutschen Shell Studie 2002 (14. Studie) geht es vorwiegend um das Politikverständnis von Jugendlichen. Weiterhin beschäftigt sich die Shell Jugendstudie mit den alltäglichen Lebensherausforderungen der Jugendlichen. Dabei fand man heraus, dass die Lebensumstände von Jugendlichen für ihr späteres Leben eine große Rolle spielen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der Gestaltung sozialökologischer Übergänge von der Berufsvorbereitung in eine Berufsausbildung bei Jugendlichen mit Lernbehinderungen
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
71
Katalognummer
V69775
ISBN (eBook)
9783638607599
Dateigröße
1097 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Grenzen, Gestaltung, Berufsvorbereitung, Berufsausbildung, Jugendlichen, Lernbehinderungen
Arbeit zitieren
Diana Feiler (Autor), 2006, Möglichkeiten und Grenzen der Gestaltung sozialökologischer Übergänge von der Berufsvorbereitung in eine Berufsausbildung bei Jugendlichen mit Lernbehinderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69775

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Möglichkeiten und Grenzen der Gestaltung sozialökologischer Übergänge von der Berufsvorbereitung in eine Berufsausbildung bei Jugendlichen mit Lernbehinderungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden