Eine der grundlegendsten Fragen der Filmtheorie stellt seit jeher die nach der Stellung des Films als eigene Kunstform dar.
Der Film- und Kulturkritiker sowie Gestaltpsychologe Rudolf von Arnheim ging dieser Frage im Laufe seines Lebens immer wieder nach.
Mein Hauptaugenmerk lege ich in dieser Arbeit auf sein Werk „Der neue Laokoon“, das im Jahre 1938 veröffentlicht wurde, aber schon zehn Jahre zuvor verfasst worden war. Ich lege den Bezug zur kunsttheoretischen Schrift Lessings dar, beschäftige mich mit Inhalt und Bedeutung des Textes Arnheims, wobei ich vorweg die Frage stelle, was denn unter Kunst in den Augen Lessings und Arnheims zu verstehen sei. Danach zeige ich auf, inwieweit sich Rudolf Arnheims Position zum Sprechfilm im Laufe der Jahre verändert hat. Rudolf Arnheim wurde 1904 in Berlin geboren. Nach seinem Studium der Psychologie und Philosophie legte er sein Hauptinteresse in den Bereich Film und Kino, ein Medium, das gerade einmal genauso alt war wie er. Es faszinierte ihn daran besonders die rein visuelle Möglichkeit des Ausdrucks. Vor diesem Hintergrund scheint auch seine vorerst ablehnende Haltung gegenüber dem Sprechfilm einleuchtend. Er betätigte sich sowohl als Kritiker als auch als Theoretiker, der sich immer wieder kritisch mit den Gesetzen und Möglichkeiten des Mediums Film auseinandersetzte und dazu vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zahlreiche Artikel veröffentlichte, bis sein Interesse abnahm und er sich unter anderem dem Rundfunk zuwandte. Der Film hatte seinen Reiz für Arnheim verloren, da es ihn vor allem interessierte, das Werden einer neuen Kunstform mitzugestalten und zu erleben. Nachdem er 1935 dem Film den „Verfall der filmkünstlerischen Ausdrucksmittel“ attestierte, beschäftigte ihn dieses Medium nur noch selten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kunsttheorie Lessings und Arnheims
2.1 Lessings „Laokoon“
2.2 Zum Kunstverständnis Rudolf Arnheims
3. Rudolf Arnheim „Der Neue Laokoon“
3.1 „Der Neue Laokoon“
3.2 Kritik und Einschätzung des Textes
4. Rudolf Arnheims „späte Einsicht“?
5. Schlussfolgerung
6. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung von Rudolf Arnheim mit der Entwicklung des Sprechfilms und setzt diese in Bezug zu Gotthold Ephraim Lessings kunsttheoretischen Überlegungen, um die Frage nach der künstlerischen Autonomie des Films zu beantworten.
- Vergleichende Analyse von Lessings „Laokoon“ und Arnheims „Der neue Laokoon“.
- Untersuchung des Kunstverständnisses von Rudolf Arnheim vor dem Hintergrund der Gestaltpsychologie.
- Kritische Reflexion von Arnheims Ablehnung des Sprechfilms.
- Nachzeichnung von Arnheims theoretischer Wandlung bezüglich des Tonfilms.
- Debatte über den Stellenwert des Films als Kunstform.
Auszug aus dem Buch
3.1 „Der Neue Laokoon“
Im Mittelpunkt seiner Ausführungen steht der Sprechfilm, in den Bezug auf welchen ihn ein, wie er es beschreibt: „Gefühl des Unbehagens“, beschleicht.
Arnheim stellt sich die Frage, ob und in welcher Art und Weise Kunstwerke möglich seien, für die mehr als nur ein Kunstmittel verwendet wird.
Er stellt die These auf, dass jedes hierbei verwendete Kunstmittel in sich abgeschlossen, das heißt ein eigenes, vollständiges Kunstwerk darstellen müsse, um gleichwertig im Gesamtkunstwerk nebeneinander zu stehen. Als Begründung für die Notwendigkeit dieser Voraussetzung führt er zeitgenössische Regisseure an, die in ihren Filmen den Dialog als Mittel der Vervollständigung des Bildes verwenden, wobei dabei die:
„Dialogbruchstücke lächerlich überraschend aus einer Leere auftauchen, in der sie haltlos schweben.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die filmtheoretische Frage nach dem Film als Kunstform und erläutert das Ziel der Arbeit, Arnheims Werk „Der neue Laokoon“ im Kontext von Lessings Kunsttheorie zu analysieren.
2. Kunsttheorie Lessings und Arnheims: Dieses Kapitel erläutert Lessings Thesen zu den Grenzen der Künste und betrachtet Arnheims kunsttheoretische Position, die stark auf gestaltpsychologischen Grundsätzen basiert.
3. Rudolf Arnheim „Der Neue Laokoon“: Hier wird Arnheims kritische Auseinandersetzung mit dem Sprechfilm analysiert, wobei besonders sein Wunsch nach in sich geschlossenen, autarken Kunstmitteln hervorgehoben wird.
4. Rudolf Arnheims „späte Einsicht“?: Das Kapitel beschreibt den theoretischen Wandel Arnheims, der in späteren Jahren seine rigorose Ablehnung des Sprechfilms revidiert und dessen Potential als Kunstform anerkennt.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit stellt fest, dass Arnheims frühe Theorie zwar überholt ist, aber wesentliche Impulse für die Debatte um die ästhetische Eigenständigkeit des Films geliefert hat.
6. Bibliografie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der herangezogenen Online-Quellen.
Schlüsselwörter
Rudolf Arnheim, Sprechfilm, Filmtheorie, Gestaltpsychologie, Gotthold Ephraim Lessing, Laokoon, Ästhetik, Kunstform, Stummfilm, Gesamtkunstwerk, Filmkritik, Medienwissenschaft, Bildgestaltung, Dialog, Theoriegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert kritisch das Verhältnis von Rudolf Arnheim zum Sprechfilm und seine theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium, basierend auf seinem Werk „Der neue Laokoon“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Filmtheorie des frühen 20. Jahrhunderts, das Kunstverständnis der Gestaltpsychologie sowie die ästhetischen Unterschiede zwischen Stumm- und Sprechfilm.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung von Arnheims Position zum Sprechfilm von einer anfänglichen strikten Ablehnung hin zu einer differenzierteren Anerkennung nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und filmtheoretische Analyse durchgeführt, die Primärtexte von Arnheim und Lessing vergleichend gegenüberstellt.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung von Arnheims „Neuer Laokoon“-Kritik und deren anschließende Revision durch den Autor in seinen späteren Jahren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Film als Kunst, Gestaltpsychologie, die Abgrenzung der Künste, Ästhetik des Tonfilms und der Begriff des Gesamtkunstwerks.
Warum lehnte Arnheim den Sprechfilm anfangs so strikt ab?
Arnheim betrachtete den Stummfilm als rein visuelle Kunstform und befürchtete, dass die Hinzufügung von Sprache die künstlerische Bildgestaltung einschränken und den Film zu einem bloßen Abbildungsinstrument der Realität degradieren würde.
Wie vollzog Arnheim den Wandel in seiner Einstellung?
Durch die Erkenntnis der Gestaltpsychologie, dass unterschiedliche Medien durchaus ein stimmiges Gesamtwerk bilden können, erkannte er später die Vorzüge der technischen Erweiterungen wie Ton und Farbe an.
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- Katrin Nowka (Author), 2006, Rudolf Arnheims 'Neuer Laokoon', ist der Sprechfilm Kunst?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69784