Soziale Kompetenz gewinnt seit einigen Jahren nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Berufswelt zunehmend an Bedeutung. Dies liegt nicht zuletzt an der kontinuierlich steigenden Verbreitung von Teamarbeit, die verschiedene soziale Kompetenzen zwingend voraussetzt. Das Funktionieren des Wissenstransfers innerhalb und zwischen Gruppen ist vor allem für mittlere und große Unternehmen von existentieller Bedeutung. Dennoch ist das Konstrukt der sozialen Kompetenz weder normiert, d.h., es gibt kein allgemeingültiges Verständnis über deren Wesen und Bestandteile, noch existieren allgemein anerkannte und fachübergreifend anwendbare diagnostische Verfahren. Wie sich im Verlaufe dieser Arbeit zeigen wird, gibt es eine Vielzahl sehr spezifisch konstruierter Methoden und Verfahren, die Teilaspekte sozialer Kompetenz adäquat erfassen. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick der definitorischen Versuche verschiedener Autoren zu geben und darauf aufbauend diagnostische Verfahren vorzustellen. Neben der allgemeinen Klassifizierung werden einige ausgewählte Verfahren im Detail dargestellt. Hierzu erfolgt zu Beginn eines jeden Kapitels eine kurze Einleitung und Hinführung auf den Aufbau und den jeweiligen Inhalt. Am Ende eines jeden Kapitels erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte und Erkenntnisse. Anhand dieser Arbeit soll der Leser ein eigenes Verständnis von sozialer Kompetenz erlangen und grundlegende Methoden und Verfahren zur Sozialkompetenzdiagnostik kennen lernen. Es folgen einige Schlüsselbegriffe, die im weiteren Verlauf thematisiert werden.
Sozialkompetenz, soziale Intelligenz, Teamfähigkeit, Kompetenzdiagnostik
Inhaltsverzeichnis
1. Soziale Kompetenz – Begriffsbestimmungen, Definitionen und Abgrenzung gegen verwandte Konzepte
1.1. Begriffsbestimmungen und Definitionen
1.2. Abgrenzung gegen verwandte Konzepte
1.3. Zusammenfassung
2. Soziale Kompetenz – Diagnostik
2.1. Ansätze und Arten diagnostischer Methoden
2.2. Die kognitiven Leistungstests
2.2.1. Tests zur sozialen Intelligenz
2.2.2. Die Messung normbezogenen Wissens
2.2.3. Zusammenfassung
2.3. Die Verhaltensbeobachtung
2.3.1. Die Selbstbeobachtung
2.3.2. Exkurs: Der Beurteilungsbogen smk
2.3.3. Die Fremdbeobachtung
2.3.4. Zusammenfassung
2.4. Die Verhaltensbeschreibung
2.4.1. Die Selbstbeschreibung
2.4.2. Die Fremdbeschreibung
2.4.3. Zusammenfassung
2.5. Die Messung komplexer Kompetenzindikatoren
2.5.1. Die Selbsteinschätzung
2.5.2. Die Fremdeinschätzung
2.5.3. Zusammenfassung
2.6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über die vielfältigen definitorischen Ansätze zum Begriff der sozialen Kompetenz zu geben und darauf aufbauend verschiedene wissenschaftliche Methoden zu deren Diagnostik vorzustellen, um ein praktikables Verständnis zu vermitteln.
- Grundlagen und theoretische Definitionen von sozialer Kompetenz
- Abgrenzung von verwandten Konstrukten wie sozialer Intelligenz und Teamfähigkeit
- Methodische Klassifizierung diagnostischer Verfahren (direkt vs. indirekt)
- Detaildarstellung und Analyse spezifischer Messinstrumente wie CAB, smk und Assessment Center
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Die Selbstbeobachtung
Vor allem im Bereich der klinischen Psychologie wird dieses Verfahren angewendet. Da dies jedoch nicht Gegenstand dieser Arbeit ist, werden die Selbstbeobachtungen nur kurz skizziert. Die Selbstbeobachtung findet sich indirekt in anderen Methoden der Personalauswahl wieder, u.a. in der Selbstbeschreibung. Eine treffende Selbstbeschreibung, bspw. im Rahmen eines Persönlichkeitsfragebogens, setzt schließlich die Fähigkeit voraus, das eigene Verhalten richtig bewerten und generelle Aussagen dazu formulieren zu können.
Die Selbstbeobachtung wird erst dann zur Methode im eigentlichen Sinne, wenn systematisch mit Hilfe von Indikatoren das eigene Verhalten dokumentiert und anschließend analysiert wird. Selbstbeobachtungen können in natürlichen und in künstlichen Settings erfolgen. Letztere werden vor allem in therapeutischen Rollenspielen eingesetzt, um das Sozialverhalten eines Probanden zu verbessern.
Selbstbeobachtungen in natürlichen Settings erfolgen meist durch die Tagebuchmethode (bspw. Wilz & Brähler, 1997). Die Notwendigkeit dafür ergibt sich aus dem Umstand, dass ein oder mehrere Beobachter aus verschiedenen Gründen nicht dauerhaft eine andere Person begleiten können, ohne durch ihre Anwesenheit das Sozialverhalten des Probanden zu verfälschen. Zudem spielen rein praktische Überlegungen eine Rolle. Der Proband beschreibt sein Sozialverhalten unter verschiedensten Vorgaben. Lässt sich eine überdauernde Verhaltensdisposition feststellen, so wird diese den sozialen Kompetenzen der Person zugeschrieben. Die zahlreichen Auswertungsmethoden findet man bspw. bei Schmitz & Bretz (1997). Die Anwendung der Tagebuchmethode erfordert eine Schulung des Probanden, um auswertbare und systematisierte Ergebnisse zu erhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Soziale Kompetenz – Begriffsbestimmungen, Definitionen und Abgrenzung gegen verwandte Konzepte: Dieses Kapitel erarbeitet ein praktikables Verständnis sozialer Kompetenz, indem es verschiedene Definitionsansätze analysiert und das Konstrukt von verwandten Begriffen abgrenzt.
2. Soziale Kompetenz – Diagnostik: Dieser Teil systematisiert diagnostische Verfahren in kognitive Leistungstests, Verhaltensbeobachtungen, Verhaltensbeschreibungen sowie komplexe Kompetenzindikatoren und diskutiert deren Vor- und Nachteile in der Praxis.
Schlüsselwörter
Sozialkompetenz, soziale Intelligenz, Teamfähigkeit, Kompetenzdiagnostik, Verhaltensbeobachtung, Verhaltensbeschreibung, Assessment Center, Persönlichkeitsdiagnostik, Selbstbeobachtung, Fremdbeobachtung, Leistungstests, Indikatoren, Personalauswahl, Situationsspezifität, Sozialverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die definitorische Vielschichtigkeit des Begriffs soziale Kompetenz und stellt verschiedene wissenschaftlich fundierte Verfahren zu deren Messung und Diagnostik vor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Bestimmung des Kompetenzbegriffs, der Abgrenzung zu ähnlichen Konstrukten wie emotionaler Intelligenz sowie der methodischen Differenzierung zwischen direkten und indirekten diagnostischen Messverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, dem Leser ein eigenes Verständnis von sozialer Kompetenz zu ermöglichen und grundlegende Methoden und Verfahren der Sozialkompetenzdiagnostik praxisnah zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt einen Literaturüberblick und eine analytische Systematisierung, um bestehende Forschungsansätze und Diagnoseinstrumente (wie AC, CAB oder Fragebögen) in eine übersichtliche Kategorisierung zu bringen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden diagnostische Methoden anhand einer vierstufigen Kategorisierung analysiert: kognitive Leistungstests, Verhaltensbeobachtungen, Verhaltensbeschreibungen und komplexe Kompetenzindikatoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Sozialkompetenz, Kompetenzdiagnostik, Verhaltensbeobachtung, Assessment Center, soziale Intelligenz und Teamfähigkeit.
Was macht den Einsatz von Assessment Centern (ACs) laut Autor so besonders?
Assessment Center ermöglichen durch den Einsatz mehrerer, aufeinander abgestimmter Übungen (Multitrait-Multimethod-Prinzip) eine fundierte Messung komplexer sozialer Kompetenzen, die durch einfache Tests nicht erfassbar sind.
Warum betont der Autor die Bedeutung von "Kontextspezifität"?
Sozial kompetentes Verhalten ist stets von der jeweiligen Situation und den dort herrschenden Werten und Normen abhängig; eine universelle Verhaltensnorm existiert daher nicht, was die Entwicklung standardisierter Diagnoseinstrumente erschwert.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Schäfer (Autor:in), 2006, Sozialkompetenz - Begriffsbestimmungen und diagnostische Verfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69788