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Politische Willensbildung am Beispiel des Zollgesetzes aus dem Jahr 1902

Title: Politische Willensbildung am Beispiel des Zollgesetzes aus dem Jahr 1902

Seminar Paper , 2006 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Nico Schmidt (Author)

Business economics - Economic and Social History
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Summary Excerpt Details

Der Zollgesetzgebung kam im Deutschen Reich aus verschiedenen Gründen eine große Bedeutung zu. Zum einen stellten Zolleinnahmen zu dieser Zeit die größte Einnahmequelle des Staates dar. Zum anderen wurden sie aber auch zu einem wichtigen Finanzinstrument, da sie im Vergleich zu Steuern einfacher zu erheben waren. Da es dem Staat durch Zolleinnahmen möglich wurde staatliche Dienstleistungen für die Bürger zu finanzieren, wurden Zölle im gesamtwirtschaftlichen Interesse erhoben. Die Zollpolitik war aber auch aufgrund der Unzulänglichkeiten von Geld- und Fiskalpolitik, sowohl theoretisch, als auch institutionell, die einzige potentielle Möglichkeit des Staates zur Konjunkturbeeinflussung und Wiedererlangung von Wachstumsstabilität, und wurde aus diesem Grund systematisch eingesetzt: Mit Hilfe von Importzöllen wurden ausländische Anbieter diskriminiert und die heimische Ökonomie so gegen Einflüsse von außen abgeschottet. Auf Grund ihrer Bedeutung, wurden zollpolitische Fragestellungen im Kaiserreich zu Fragen der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gestaltung der Zukunft hochstilisiert. Verbunden war mit ihnen die Frage nach dem Wandel Deutschlands von Agrar- zum Industriestaat, gegen den sich insbesondere die Landwirtschaft werte und ihre politische Tätigkeit ausweitete, um den Verlust ihrer dominierenden Stellung zu kompensieren.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Überblick über historische Epochen der Zollgesetzgebung im Deutschen Reich

2. Das politische System im Deutschen Reich

2.1.Die vier Säulen des politischen Herrschaftssystems

2.2.Die Parteien und Interessenverbände

3. Das Zollgesetz von 1902

3.1.Der Gesetzgebungsprozess

3.2.Konsequenzen des Bülow-Tarifes

4. Schlussfolgerungen und Fazit

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die politische Willensbildung und den Einfluss von Interessenverbänden im Deutschen Kaiserreich am konkreten Fall des Zollgesetzes von 1902, um die Dynamik zwischen staatlicher Entscheidungsgewalt und partikularen Gruppeninteressen zu analysieren.

  • Historische Entwicklung der Zollpolitik im Deutschen Reich
  • Struktur und Funktionsweise des politischen Systems im Kaiserreich
  • Rolle und Einflussnahme organisierter Interessenverbände auf die Gesetzgebung
  • Der Gesetzgebungsprozess zum "Bülow-Tarif" von 1902
  • Ökonomische und soziale Konsequenzen der Zollgesetzgebung

Auszug aus dem Buch

3.1.Der Gesetzgebungsprozess

Bernhard von Bülow, der im Oktober 1900 Reichskanzler wurde, galt als geschmeidiger Manipulator und gewiefter Taktiker und versuchte – so wie es Bismarck vorexerziert hatte - die streitenden Interessenlager der konservativen Sammlung zusammenzuhalten, um ein Bollwerk gegen die weiter aufstrebende Sozialdemokratie zu errichten. Als er das Kanzleramt übernahm, setzte er es sich zum Ziel, der „Landwirtschaft durch die Gesetzgebung einen Ausgleich für die Ungunst der Zeitverhältnisse zu schaffen (...) um diese lebensfähig neben der Industrie zu erhalten“, da er eine starke Landwirtschaft in Zeiten der Industrialisierung sowohl wirtschaftlich, als auch national und sozial, als notwendig ansah.

Während seiner Amtszeit bekam die politische Einflussnahme der Verbände eine ganz neue Qualität, denn im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses zum Zollgesetz von 1902, versuchten die Interessenverbände erstmals direkten Einfluss auf ein Gesetz zu nehmen. Die Debatten über das Zollgesetz arteten zu einer Grundsatzdiskussion zwischen Freihandelsvertretern und Protektionisten aus, die auch in der Öffentlichkeit Fortsetzung fand, so dass die Dogmatisierung der unterschiedlichen Meinungen – die seit jeher bestand – tendenziell noch verstärkt wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Überblick über historische Epochen der Zollgesetzgebung im Deutschen Reich: Einführung in die Bedeutung der Zollpolitik im Kaiserreich als Finanzinstrument und Mittel der Konjunktursteuerung sowie historische Einordnung der Entwicklung vom Freihandel zum Protektionismus.

2. Das politische System im Deutschen Reich: Analyse der vier Säulen des Herrschaftssystems sowie Untersuchung der Rolle und Organisationsstruktur von Parteien und Interessenverbänden im wilhelminischen Deutschland.

3. Das Zollgesetz von 1902: Detaillierte Betrachtung der Entstehung des "Bülow-Tarifs", der Einflussnahme der Verbände auf den Gesetzgebungsprozess und die daraus resultierenden ökonomischen und sozialen Auswirkungen.

4. Schlussfolgerungen und Fazit: Kritische Würdigung der Bedeutung der Zollgesetzgebung, Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Interessenverbände und Einordnung der Wirtschaftspolitik im Kaiserreich als Ergebnis komplexer Interessenausgleichsprozesse.

Schlüsselwörter

Deutsches Kaiserreich, Zollgesetz 1902, Interessenverbände, Protektionismus, Sammlungspolitik, Bernhard von Bülow, Agrarpolitik, Industriepolitik, Handelsverträge, Gesetzgebungsprozess, Wirtschaftsgeschichte, Sozialpolitik, Bülow-Tarif, Freihandel, politische Willensbildung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Prozesse der politischen Willensbildung und Interessenpolitik im Deutschen Kaiserreich, fokussiert auf die Entstehung und Umsetzung des Zollgesetzes von 1902.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Rolle von Interessenverbänden, die Struktur des politischen Systems im Kaiserreich sowie die Auswirkungen der Zoll- und Handelspolitik auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu hinterfragen, wie wirtschaftliche Interessenverbände den Gesetzgebungsprozess beeinflussten und ob das Zollgesetz von 1902 als direkter Erfolg dieser Lobbygruppen oder als Ergebnis der staatlichen Regierungsstrategie zu werten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Methode unter Auswertung wirtschaftsgeschichtlicher Quellen und zeitgenössischer Literatur zur politischen Ökonomie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der politischen Struktur des Kaiserreichs, die Rolle der Verbände, den spezifischen Gesetzgebungsprozess zum Bülow-Tarif und die Untersuchung der ökonomischen Konsequenzen dieses Gesetzes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen das Deutsche Kaiserreich, Interessenverbände, Zollgesetz 1902, Protektionismus, Sammlungspolitik und wirtschaftspolitische Steuerung.

Wie veränderte das Zollgesetz von 1902 das politische Klima?

Es verschärfte die Konflikte zwischen den Interessenlagern (Agrarier vs. Industrie) und verdeutlichte das Scheitern der angestrebten "Sammlungspolitik", da die unterschiedlichen wirtschaftlichen Gruppen kaum noch auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen waren.

Welche Rolle spielte Bernhard von Bülow bei der Gesetzgebung?

Bülow agierte als taktisch versierter Reichskanzler, der versuchte, das Zollgesetz gegen den Widerstand verschiedener Gruppen durchzusetzen, wobei er Medien geschickt für seine Ziele instrumentalisierte, um eine mehrheitsfähige Lösung zu erreichen.

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Details

Title
Politische Willensbildung am Beispiel des Zollgesetzes aus dem Jahr 1902
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Hentschel))
Course
Hauptseminar zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Grade
2,0
Author
Nico Schmidt (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V69798
ISBN (eBook)
9783638614023
Language
German
Tags
Politische Willensbildung Beispiel Zollgesetzes Jahr Hauptseminar Wirtschafts- Sozialgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nico Schmidt (Author), 2006, Politische Willensbildung am Beispiel des Zollgesetzes aus dem Jahr 1902, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69798
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