Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die verschiedenen Möglichkeiten alternativer Streitbeilegung darzustellen. Dabei soll der Schwerpunkt auf die zur Verfügung stehenden oder evtl. zu schaffenden Institutionen und Verfahren in Deutschland, den Niederlanden und den USA gelegt werden. Wo bei der Beschreibung Hinweise auf ein bestimmtes (Bundes-) Land fehlen, ist die Situation in D gemeint.
Dazu sollen zunächst die Gründe für außergerichtliche Streitbeilegung herausgestellt werden, die im Wesentlichen mit den Nachteilen gerichtlicher Konfliktbefassung korrespondieren.
Im Anschluss werden die einzelnen Institutionen und Verfahren vorgestellt und auf ihre Tauglichkeit zur Erreichung der zu beschreibenden Ziele und auf eventuelle unerwünschte Nebeneffekte überprüft.
Inhaltsverzeichnis
I. GEGENSTAND UND GANG DER ARBEIT
II. NACHTEILE GERICHTLICHER VERFAHREN
III. ADR IN DEUTSCHLAND
1. SCHIEDSVERFAHREN
2. SCHLICHTUNGSVERFAHREN
a. Freiwillige Streitschlichtung
b. Obligatorische Streitschlichtung
IV. BESONDERHEITEN IN DEN USA
1. AUSGANGSLAGE
2. INSTITUTIONEN
3. VERFAHREN
a. Mediation
b. Arbitration
c. Mini-Trial
d. Early Neutral Evaluation
4. DAS „MULTI-DOOR-COURTHOUSE“
V. BESONDERHEITEN IN DEN NIEDERLANDEN
1. AUSGANGSLAGE
2. INSTITUTIONEN
a. Mietkommissionen
b. Bauschiedsgerichte
c. Konfliktkommissionen
VI. AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Möglichkeiten der alternativen Streitbeilegung (ADR) systematisch darzustellen, wobei der Fokus auf den Institutionen und Verfahren in Deutschland, den Niederlanden und den USA liegt, um deren Tauglichkeit zur Konfliktlösung zu bewerten.
- Analyse der Nachteile klassischer gerichtlicher Verfahren
- Vergleich von Schieds- und Schlichtungsverfahren in Deutschland
- Untersuchung von ADR-Institutionen und innovativen Ansätzen wie dem "Multi-Door-Courthouse" in den USA
- Evaluation der Konfliktbehandlung in den Niederlanden unter staatlichem Einfluss
- Diskussion der Übertragbarkeit ausländischer ADR-Modelle auf deutsche Verhältnisse
Auszug aus dem Buch
II. Nachteile gerichtlicher Verfahren
Je nach Interessenlage der jeweiligen Partei können sich Eigenschaften gerichtlicher Verfahren sowohl als Vorteil, als auch als Nachteil erweisen.
Als unbefriedigend werden im Allgemeinen die lange Verfahrensdauer, unkalkulierbare Kostenrisiken (v.a., wenn Sachverständigengutachten erforderlich sind) und die Öffentlichkeit des Verfahrens angesehen. Außerdem wird der Konflikt von einem Dritten, nicht von den Parteien selbst entschieden. Damit kommt es auf dessen Vorstellungen, nicht aber auf die Interessen der Parteien an.
Typisch für ein Gerichtsverfahren ist es, dass eine Partei obsiegt, die andere dagegen unterliegt. Dies führt besonders dann zu Problemen, wenn die Parteien auch nach dem Urteil noch miteinander auskommen können sollten. Wenn beide Parteien teils obsiegen, teils unterliegen, wird der Wert des Zugesprochenen oft von den Verfahrenskosten übertroffen.
Völlig ungeeignet sind Gerichte schließlich in den häufigen Fällen, in denen der Konflikt nur vordergründig rechtlicher, in Wirklichkeit aber zwischenmenschlicher Natur ist. Hier wird ein Urteil den Konflikt nicht nur nicht lösen, sondern ihn oft sogar verschärfen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. GEGENSTAND UND GANG DER ARBEIT: Einführung in das Ziel der Arbeit, alternative Streitbeilegungsmethoden im internationalen Vergleich zu analysieren.
II. NACHTEILE GERICHTLICHER VERFAHREN: Darstellung der Defizite klassischer Gerichtsverfahren, wie lange Dauer, Kostenrisiken und mangelnde Eignung bei zwischenmenschlichen Konflikten.
III. ADR IN DEUTSCHLAND: Überblick über den Stand der alternativen Konfliktlösung in Deutschland, unterteilt in Schieds- und Schlichtungsverfahren.
IV. BESONDERHEITEN IN DEN USA: Analyse der vielfältigen US-amerikanischen ADR-Landschaft, inklusive spezieller Verfahren und des Multi-Door-Courthouse-Modells.
V. BESONDERHEITEN IN DEN NIEDERLANDEN: Untersuchung der niederländischen Praxis, bei der ADR, insbesondere in regulierten Sektoren, eine zentrale Rolle einnimmt.
VI. AUSBLICK: Reflexion über die Übertragbarkeit ausländischer Erfolgsmodelle auf den deutschen Rechtsraum.
Schlüsselwörter
Alternative Dispute Resolution, ADR, Schlichtung, Schiedsverfahren, Mediation, Multi-Door-Courthouse, Konfliktkommissionen, Mietkommissionen, Zivilprozessordnung, Streitbeilegung, Rechtshilfe, Konfliktmanagement, obligatorische Schlichtung, Rechtssystem, außergerichtliche Streitbeilegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt alternative Möglichkeiten zur Streitbeilegung außerhalb staatlicher Gerichte, um Konflikte effizienter und interessengerechter zu lösen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Nachteile gerichtlicher Verfahren sowie die Analyse von ADR-Systemen (Alternative Dispute Resolution) in Deutschland, den USA und den Niederlanden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, bestehende Institutionen zu bewerten und zu prüfen, inwieweit ausländische Modelle der alternativen Streitbeilegung auf Deutschland übertragbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsvergleichende Methode, indem sie Institutionen und Verfahren in verschiedenen Jurisdiktionen gegenüberstellt und deren Tauglichkeit prüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Nachteile staatlicher Verfahren, die konkrete Ausgestaltung von Schieds- und Schlichtungsmodellen sowie die institutionellen Besonderheiten in den USA und den Niederlanden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind ADR, Mediation, Schlichtung, Schiedsgerichtsbarkeit, Multi-Door-Courthouse und Konfliktlösung.
Was zeichnet das US-amerikanische „Multi-Door-Courthouse“ aus?
Es handelt sich um eine zentrale Anlaufstelle, die Ratsuchende analysiert und sie an die für ihren spezifischen Konflikttyp am besten geeignete Stelle weiterleitet.
Warum sind die niederländischen Konfliktkommissionen besonders erfolgreich?
Sie werden staatlich gefördert, sind unabhängig und bieten eine paritätisch besetzte Lösung, die von Verbrauchern bei Streitigkeiten mit Unternehmen stark nachgefragt wird.
Wie bewertet der Autor die Situation in Deutschland?
Der Autor stellt fest, dass ADR-Verfahren in Deutschland bisher nur eine untergeordnete Rolle spielen und bei weitem nicht das Potenzial ausschöpfen, das in ausländischen Modellen erkennbar ist.
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- Wolfgang Ziebarth (Author), 2006, Neue Schlichtungsstellen und alternative Gestaltung von Gerichtsverfahren. Außergerichtliche Schlichtungsverfahren in Deutschland, Niederlanden und USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70380