Über Mutterschaft im Genre der feministischen Dystopie. Reproduktion in totalitären Systemen


Masterarbeit, 2019

87 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wenn die Hoffnung schwindet - Die Entwicklung literarischer Utopien und Dystopien
2.1. Was ist Utopie?
2.1.1. Thomas Mores Utopia als Grundlage utopischer Denkfiguren
2.1.2. Literarische Utopien und ihr Bezug zu Raum, Zeit und Gesellschaft
2.1.3. Feministische Utopien als Ausdruck weiblicher Hoffnung
2.2. Dystopie als Gegenentwurf zur Utopie
2.2.1. Anti-Utopie oder Dystopie - Gibt es einen Unterschied?
2.2.2. Merkmale literarischer Dystopien
2.2.3. Die literarische Dystopie als Grundlage einer feministischen Kritik

3. Totalitarismus als Grundlage politischer Systeme in literarischen Dystopien
3.2. Was ist Totalitarismus?
3.3. DerZusammenhang von Totalitarismus und Dystopie

4. Wichtige feministische Theorien fur die Auslegungen der gewahlten Werke

5. Reproduktion und Mutterschaft - Aufhebung und Neuordnung von Rollenzuschreibungen in feministischen Dystopien
5.2. Reproduktion als Daseinsberechtigung und Unterdriickungsmechanismus der Frau
5.3. Die Bedeutung der Mutterschaft fur das Rollenverstandnis der Frau

6. The Handmaid's Tale - Religioses Rollenverstandnis als Grundlage eines totalitaren Systems
6.2. Religion und strikte Hierarchie als Grundlage totalitarer Ordnung
6.3. Die „Handmaid" und ihre Rolle als Gebarende

7. DasuberlebendeNS-Regimein^astf*aMg/if
7.2. Geschichtliche Grundlagen des Nationalsozialismus und dessen Funktionsweise in dem totalitaren Regime in Swastika Night
7.3. Die Frau und ihr Verlust der Menschlichkeit und Mutterlichkeit in einem radikal misogynen, patriarchalen System

8. Fazit

Literaturliste

Danksagung

Mein Dank gilt Sascha Schmidt, der hin und wieder mit gutem Essen dafur sorgte, dass ich gut gestarkt diese Arbeit schreiben konnte AuBerdem danke ich Aline Widerspahn, Tina Holzel, Carina Diefenbach und Eva Kutter dafur, dass sie mir ihre Zeit schenkten und mich bei der Korrektur der Arbeit unterstutzen Besonderer Dank geht an meine Mutter, Kathrein Merkel, die mich lehrte Bucher zu lieben und mir im Studium die notwendige Unterstutzung entgegenbrachte Und meinem Vater, Thomas Conrad, der immer auf mein Wohlbefinden achtet Und naturlich alien Freunden, die mit ihrer Fuhrsorge fur mich da sind II faut que la femme s'ecrive de la femme et fasse venir les femmes a l'ecriture, dont elles ete eloigners aussi violemment qu'elles l'ont ete de leurs corps; pour les memes raisons, par la meme loi, dans le meme but mortel. II faut que la femme se mette au texte - comme auf monde, et a l'histoire - de son propre mouvement.

(Helene Cixous, La Eire de laMeduse)

1. Einleitung

Literansche Dystopien im Allgemeinen und feministische Dystopien im Besonderen fuhren haufig ein Schattendasein in literaturtheoretischen Betrachtungen. Dabei bietet das Genre der Dystopie eine Vielzahl an Moghchkeiten, mit bestimmten Themen und Problematiken, auch in Bezug auf soziopolitische Zusammenhange, umzugehen und durch einen gewissen Unterhaltungswert eine Vielzahl an Leser zu erreichen. Sie schaffen einen Rahmen, der Spielraum und Freiheiten lasst, Kntik zu iiben. Dariiber hinaus konnen hier viele unterschiedliche Genres miteinander verwoben werden. Kurzum, bei der Dystopie handelt es sich urn eine literansche Gattung mit einem groBen Potenzial. Daher ist es naheliegend, dass sie fur die Sichtbarmachung bestimmter Missstande ge-nutzt werden kann und sich in dieser Hinsicht in einem feministischen Kontext als Genre anbietet. Immer wieder spielt die feministische Dystopie daher eine mehr oder weniger wichtige Rolle, ab-hangig von jeweihgen histonschen Ereigmssen und dem gesellschafthchen Wandel. Im Laufe der Arbeit wird sich zeigen, dass seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts diese literansche Gattung immer wieder einen Wandel durchlauft und mal mehr, mal weniger groBe Populantat gemeBt. Da­bei durchlauft sie einen bestandigen Wechsel mit Utopien, deren Eigenschaften ebenfalls ermogh-chen, feministische Themen aufzugreifen und aufzuarbeiten. Hierbei lassen sich, hauptsachhch in den feministischen Dystopien, aber auch in einigen Utopien, Punkte finden, die immer wieder und iiber langere Zeitraume hinweg, regelmaBig als Motiv dienen. Einige dieser Punkte sollen hier ab-gearbeitet werden. So ist es fast kanomsch, dass literansche Dystopien sich in ihrer Darstellung gesellschaftlicher Strukturen an den Merkmalen totahtarer Regime bedienen, sodass es scheint, dass sie diesen zwangslaufig inharent seien. Daher soil, nach Klarung des Begnffs „Totahtansmus", an einigen Beispielen iiberpruft werden, inwiefern sich diese in den feministischen Dystopien finden lassen. Doch ist eine totale Staatsform mcht alleimges Merkmal dieses Genres. Viel starker soil der These nachgegangen werden, ob in diesen Dystopien hauptsachhch bestimmte feministische The­men wiederholt und auch iiber einen langeren Zeitraum hinweg mit deutlicher RegelmaBigkeit auf-gegnffen werden. So steht in dieser Arbeit die Rolle der Frau, in Bezug auf lhre biologische Fahig-keit der Reproduktion und die lhr zugedachte Funktion als Mutter, im Vordergrund. Denn die bio-logischen Voraussetzungen, die es lhr ermoghchen Kinder zu gebaren, sind mcht nur der gravie-rende Unterschied zum Mann, sondern auch Teil der Begriindung patnarchaler Unterdriickung. Da­her ist die Frau und lhr Bezug zur Mutterschaft innerhalb femimstischer Dystopien zentraler Punkt innerhalb dieser Arbeit. Dazu werden zunachst die einzelnen Begnffe geklart, spnch, neben Tota-litansmus auch Dystopie und Mutterschaft sowie auf einzelne feministische Theonen eingegangen, urn anschheBend zwei Werke einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Bei diesen Werken han­delt es sich zum einen urn The Handmaid's Tale von Margaret Atwood und zu anderen Swastika Night von Katharine Burdekin. Swastika Night ist deshalb ein wichtiges Werk, da es einer der ersten Romane ist, welcher in das Genre feministischer Dystopien eingeordnet werden kann. Dunja M. Mohr schreibt in ihrer Abhandlung Worlds Apart? dazu: „The earliest female dystopias are Katha­rine Burdekin's Swastika Night (1937), dealing with a future where Nazi Germany rules Europe and Hitler is apotheosized from political ruler to deity [...]"1 Burdekin fiihre damit Themen ein, von denen sich sagen lasse: „female writers of dystopia in the 1960s explored more extensively from a feminist perspective."2 Themen also, die in den 1960er Jahren wieder aufgegnffen und neu bearbeitet wurden. The Handmaid's Tale ist vor allem deshalb interessant, da es sich urn ein Werk von groBer Populantat und erstaunlicher Zeitlosigkeit handelt und einige interessante Aspekte be-ziighch feministischer Theonen aufweist. Dariiber hinaus soil Marge Piercys Woman on the Edge of Time als Vergleich einer femimstischen Utopie dienen und Sarah Halls The Carhullan Army sowie Christina Dalchers Vox in den Betrachtungen der unterschiedhchen Theonen Anwendung finden. Die letzteren Romane sind sehr aktuell und daher geeignet, aus heutiger Sicht zu beobach-ten, inwiefern sich Veranderungen in der Entwicklung des Genres finden lassen. Am Ende dieser Arbeit soil es gehngen, einen Uberbhck dariiber zu erhalten, inwiefern Mutterschaft und Reproduk-tion in einen Zusammenhang mit den totalitaren Regimen der femimstischen Dystopien gebracht werden konnen und welche Unterdruckungsmechamsmen hier greifen.

2. Wenn die Hoffnung schwindet - Die Entwicklung literarischer Utopien und Dystopien

Die Entwicklung ernes Genres kann nur dann in seiner Bedeutung und seiner Einordnung im Gan-zen betrachtet werden, wenn die Urspriinge beriicksichtigt werden. Fiir die Arbeit ist es notwendig, die Dystopie in ihren Anfangen zu erlautern, urn anschheBend festzulegen, was unter einer femi­mstischen Dystopie - ein Terminus, welcher in der Sekundarhteratur haufig Verwendung findet -zu verstehen ist, welchen Zweck sie erfiillen soil, mit welchen Motiven sie arbeitet. Fiir ein Ver-standms des Nachfolgenden wird in diesem ersten Teil darauf eingegangen, auf welche Ausgangs-punkte die hteransche Dystopie zuriickgeht, ob eine klare Definition moglich ist, anhand derer sie sich einordnen lasst, und warum sie im Rahmen feministischer Literatur eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Es wird sich zeigen, dass es sich hierbei urn ein umfangreiches hteransches Genre handelt, welches trotz seiner Komplexitat im hteranschen Kanon nur wemg Aufmerksamkeit erhalt. Dabei bietet es iiber semen popkulturellen Zuspruch hinaus viele Moghchkeiten gesellschaftsknti-scher Gedankenspiele.

2.1. Was ist Utopie?

Einer Klarung dessen, was als Dystopie zu verstehen ist, geht einer Erlauterung des Begnffes Uto­pie voraus. Die Dystopie ist aus der Utopie hervorgegangen, als eine Art „utopia's devilish generic sibling and antonym",3 wie Dunja Mohr in Worlds Apart? schreibt. Es wird sich zeigen, dass dies unter anderem mit dem geschichtlichen sowie sozialpolitischen Umfeld in einen Kontext gesetzt werden kann. Im Gegensatz zu anderen literanschen Werken besteht bei Utopien und Dystopien ein starker Zusammenhang zwischen der histonschen Entwicklung in den gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Gerade diese Zusammenhange erschweren die Moglichkeit, eine feste De­finition fur literansche Utopien auszumachen, denn die Utopie zieht einen groBen Teil lhrer Bedeu-tungskraft aus lhrem Bezug zur Geschichte, wodurch ihre Bilder und Formen varneren. Knshan Kumar halt in Utopia and Anti-Utopia in Modern Times fest: „A strict definition of Utopia would serve no useful purpose; as Nietzsche says, .only that which has no history can be defined.'"4 In-wiefern die Moglichkeit besteht, dass sich dennoch ein Rahmen festlegen lasst, der eine Bestim-mung literarischer Utopien ermoglicht, soil im Folgenden erarbeitet werden. Das Werk Woman on the Edge of Time von Marge Piercy soil an dieser Stelle dazu genutzt werden, urn die ersten litera­nschen Werke, welche sich als femimstische Utopie einordnen lassen, genauer zu betrachten, da dieser Roman mcht nur eine utopische Welt aufzeigt, sondern Bezug mmmt auf die gegenwartige Welt, in welcher Frauen sich bewegen.

2.1.1. Thomas Mores Utopia als Grundlage utopischer Denkfiguren

Recht simpel lasst sich zusammenfassen, dass der Topos „Utopie" auf das Werk Utopia von Thomas More, bzw. Thomas Moms, zuriickgeht. Veroffentlicht unter dem latimsierten Namen, wird in dieser Arbeit der englische Name Thomes Mores verwendet, da er in dieser Form vor allem in der enghschsprachigen Sekundarhteratur Verwendung findet. Mores Werk ist mcht nur Grund­lage fur den Begnff „Utopie", sondern auch pragend fur die Vorstellung, die damit einhergeht. So schreibt Kumar: „Thomas More did not just invent the word ,utopia' [...]: he invented the thing. Part of that new thing was a new literary form or genre; the other, more important, part was a novel and far-reaching conception of the possibilities of social and human transformation."5. More wird zum Begriinder ernes neuen Genres, das es ermoglicht, zu zeigen, welche Welten und Konzepte der menschhche Geist zu erschaffen vermag. Der gewahlte Titel Utopia zeichnet sich durch Komple-xitat und Doppeldeutigkeit aus, die erahnen lassen, wie schwieng eine klare Bedeutungszuschrei-bung ist. Gregory Claeys schreibt in Ideale Welten: „Der eigenthche Titel des Werks war ein Wort-spiel aus zwei Wortern: eutopia (guter Ort) und outopia (kein Ort), die erste italienische Auflage trug den Titel Eutopia."6 Es wird impliziert, dass die Erzahlung von einem guten Ort handelt, wel-cher in gleicher Weise nicht existent ist, nicht sein kann, nicht ist. Oder wie Chris Ferns es in Nar­rating Utopia zusammenfasst: „Utopia then, may be defined as both a good place, an ideal (or at any rate, more perfect) society, yet at the same time one that does not exist - desireable, perhaps, but at the same time unattainable"7 Das Wort selbst ist eine Negierung dessen, was es beschreibt. In der Verwendung des einen Terminus - je nachdem, ob von eutopia oder outopia die Rede ist -wird die Bedeutung des anderen unterschlagen. Andererseits kann es zugleich beides sein, ein „gu-ter Ort" und ein „Nicht-Ort, ein Nirgendwo",8 urn es mit den Worten Willi Erzgrabers in Utopie undAnti-Utopie in der englischen Literatur zu sagen.

More benchtet in Utopia von einer Insel, die memand zu Gesicht bekommen hat, auBer der bench-tende Hythloday- laut Claeys impliziert der Name so viel wie „Unsinnerzahler"9: „[Dieser] ist ge-rade von Reisen aus der Neuen Welt zuriickgekehrt, wo er den itahemschen Forschungsreisenden Amerigo Vespucci begleitete, der funf Jahre auf der Insel Utopia verbrachte"10. Veroffenthcht im Jahr 1516, wurde Utopia zu einer Zeit geschneben, in welcher sich die geografische Vorstellungen iiber die Erde wandelten und neue Kontinente erschlossen wurden. Hier reiht sich Amerigo Vespucci in die Riege der Entdecker ein, welche die neuen Welten erschlossen. Durch die Form des damals iiblichen Reisebenchts schafft das Werk ein gewisses MaB an Authentizitat. Ferns schreibt zu der hteranschen Form: „In form, then, Utopia takes as its model a narrative of travel and discovery - it is a fiction which begins by describing an actual voyage, and goes on to imagine a further one"11 Als Fiktion konstruiert, bedient More in Utopia reale Elemente. Stets bleibt uner-wahnt, wo genau die Insel Utopia sich befindet, sodass der urspriinghche Sinn des Wortes erhalten bleibt. Bekannt ist lediglich, dass sie in der siidhchen Hemisphare zu finden 1st.12: „Its location is the one piece of information conspicuously absent from an account which Hythloday's listeners beg him to make as thorough and exhaustive as possible"13. Deuthch detaillierter wird stattdessen das Leben auf Utopia wiedergegeben. Die Form seiner Beschreibung ermoghchen ihm Gedankenspiele und Ahnliches. Dabei nutzte er die Benchte iiber neu entdeckte Volker der neuen Kontinente, die zu dieser Zeit popular waren. Die empfundene Fremdheit, gegeniiber den unbekannten Kulturen, lieferte die Moglichkeit einer Distanz, wie sie in literanschen Utopien nicht selten genutzt wird. Kumar gibt dieser Fremdheit daher eine wichtige Bedeutung:

„It was the very strangeness of these cultures that made them such a perfect material for Utopia. Utopias have always aspired to be both critical and constructive. The alien forms of distant cultures enabled the Utopian writer to establish the crucial critical distance' from his own society, while often suggesting something of the constructive alternative that his Utopia aimed to present."14

Diese Fremde ermoglicht eine Distanz von der eigenen gesellschaftlichen Ordnung, urn eine soziale Gemeinschaft zu schaffen, die Ahnlichkeiten aufweisen kann, ohne diese aber ernsthaft als gewollt zu festigen. Das Gedankenspiel neuer Strukturen kann sich auf diese Weise entfalten. Sisk verwen-det hierfur den Begnff „planned society"15. Diese wurde von More und spater von anderen Utopis-ten genutzt, urn ihr Verstandnis der perfekten Gesellschaft wiederzugeben. Dies ist insofern inte-ressant, da Sisk in dieser „planned society", wie sie Thomas More in Utopia, aber auch Platon in noXiTsia erschafft, ebenfalls den Ausgangspunkt fur Dystopien und lhre gesellschaftlichen Darstel-lungen sieht: „[...] it is the planned society depicted in Plato's Republic (circa 400 B.C.) and More's Utopia that is most important for the development of anti-utopia and dystopia."16 Die geplante Ge­sellschaft ist in ihrer Eigenschaft zwar als eine perfektere Form des Zusammenlebens gedacht, ent-spncht dennoch einem aufgezwungenen System, welchem jedes Mitglied sich fiigen muss, damit das Konstrukt aufgeht. Individuality als solche wird hierbei zuriickgehalten oder ist unerwiinscht. Die Grundlage von Utopia und seiner Bevolkerung sei allerdings die Kontrolle, so Sisk: „The cul­ture's most important task is to control its citizen's baser individual impulses and keep them focused on the greater public good."17 In den Gesellschaften, wie More sie konstruiert, werden medere menschhche Impulse zuriickgehalten, bestandig mit Bhck auf die Allgemeinheit. Hinweise dafiir liefert More in vielen Passagen von Utopia:

„Uno quodam colore vestmntur et omnes et soli capillo non abraso, verum paulo supra auriculas at-tonso, e quarum altera paululum praescmditur. Cibum cuique ab amicis dan potumque ac sui colores vestem licet; pecuniam datam esse danti panter atque accipienti capitale, neque minus penculosum etiam homim libera quacumque de causa nummum a damnato recepisse et servos item (sic emm dam-natos vocant) arma contmgere."18

In diesem Abschmtt lasst More seine Figur Raphael Hythlodaeus benchten, wie es in Utopia den Sklaven, ergeht. Wobei allein das Bestehen von Sklavenarbeitern, hier meist Verbrecher, bereits eine Diskussion dariiber wert ist, inwiefern sich Utopia als Grundlage einer utopischen Gesellschaft eignen konnte. Im Text heiBt es, dass alle Sklaven gleich gekleidet und lhre Haare gestutzt seien. Es diirften Speise und Getranke sowie Kleidung in der zugeschnebenen Farbe angenommen wer-den, Geldgeschenke zogen allerdings die Todesstrafe nach sich, fur den Gebenden und den Neh-menden. Stark wird hier deutlich, was Sisk mit dem Motiv der Kontrolle meint, indem Menschen durch Kleidung und Fnsuren von den „Anderen" abgesondert werden. Diese festgelegte Form der Gesellschaft, wie More sie in Utopia konzipiert und die jedwede Individualitat unterdriickt, sieht Sisk daher nicht nur als Ausgangspunkt fiir alle spateren Texte literanscher Utopien, sondern dar-iiber hinaus als Quelle der sich deutlich spater entwickelnden Dystopien: „Finally, More created the basic plot structure of the Utopian novel, which has remained fundamentally unchanged to this day and against which dystopian fiction still reacts."19 Ein geplante, strikt durchkonzipierte Gesellschaft wird in dystopischen Texten haufig aufgegnffen und in diesem Aufgreifen angegnffen. Inwiefern More die von ihm geschaffene Gesellschaftsform tatsachhch ernst nahm oder ob er dann selbst die Unmoglichkeit einer perfekten Gesellschaft auf eine satinsche Art wiedergab, lasst sich nur vermu-ten. Sisk geht davon aus, dass sich Utopia durchaus satinsch lesen lasst: „Utopia itself may be read as a satire, and it loses nothing through such an interpretation"20

Bereits in diesem ersten Text zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass diese perfekten Gesell-schaften in Utopien nicht fiir all lhre Mtgheder funktiomeren konnen, denn auch hier gibt es Skla­ven und somit keine Gleichheit unter alien Menschen. Dieser Gruppe wird ein GroBteil der Privile­ge der anderen Bewohner entzogen. Deutlich wird eine Aquivalenz zwischen den beiden hteran-schen Formen Utopie und Dystopie, die sich durch ihre kontrolherten Gesellschaftsordnung stark ahneln und dieses Konzept fiir eine Kritik nutzen. Bereits Mores Utopia verdeuthcht, dass keine Gesellschaft ohne Kontrolle auskommt und hinterfragt in der Dialogform der Erzahlung gesell-schafthche Ideale und Reglements. Ferns fasst diese Fiihrung durch Kontrolle der Burger passend zusammen: „educated to do right, restrained from doing wrong"21 Was falsch und nchtig ist, hegt dabei in dem Konzept, welchem die pohtische Struktur von Utopia unterliegt. Dariiber hinaus ist die Gleichberechtigung in den anfanghchen Utopien wemg nennenswert, beziehungsweise wird weiterhin in den utopischen Volkern eine Aufgabentrennung nach Geschlechtern praktiziert. Dies lasst sich mitunter darauf zuriickfiihren, dass die Texte ausschlieBhch von Mannern verfasst wurden und diese in ihrer Position in den patriarchal gepragten Gesellschaften keinen Anderungsbedarf sahen. Die Probleme und Lebenssituation der weibhchen Bevolkerung, mit lhren Regeln und lhnen entgegengebrachten Ressentiments, waren fur sie wenig relevant. Auch More zeichnet weiterhin stnkte Rollenzuschreibungen:

„Cum lgitur ex familiis constet civitas, familias, ut plunmum, cognationes efficiunt. Nam femmae, ubi maturuermt, conlocatae mantis in ipsorum dimicilia concedunt; at masculi filn ac deinceps ne-potes in familia permanent et parentum antiquissimo parent, nisi prae senecta mente parum valuent: tunc emm aetate proximus ei sufficitur."22

Die Frau, sobald sie „korperlich ausgereift"23 ist, wird verheiratet und zieht in den Haushalt ihres Mannes, wahrend die Manner weiterhin in ihrer Familie leben, „unter der Gewalt des altesten Fa-milienoberhauptes"24, bis dieses stirbt und der Nachstalteste an diese Stelle tritt. Die patnarchalen Strukturen bestehen im familiaren Rahmen, in welchem es einer Frau nicht moglich ist, die Rolle des Familienoberhauptes einzunehmen. An anderer Stelle heiBt es: „[M]inistn sunt uxores mantis et liben parentibus atque in summo minores natu maionbus."25 Die Frau ist ihrem Mann unterstellt, so wie die Kinder ihren Eltern. Ihr wirdjede Miindigkeit abgesprochen und die Heirat sowie das Fiihren des Haushalts bleiben ihre einzige Option. An weiteren Stellen lassen sich Ausfiihrungen finden, dass Manner und Frauen getrennt voneinander essen und sich stillende Frauen in einem eigens dafur eingenchtetem Zimmer aufhalten miissen.26 Das Geschlecht ist bestandig, auch in Mo­res Utopia, Machtwerkzeug und wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

Die Konzeption utopischer Welten besteht aus einer Ordnung, in welcher den Bewohnern das Leben durch viele Reglements vorgegeben wird. Ferns spncht von einem regressive element",27 welches vielen utopischen Geschichten zu eigen sei. Utopien erschaffen eine Welt, die nur durch diese strik-ten Regeln und Fiihrung bestehen kann und damit fur ihre Bewohner gleichzeitig eine Einfachheit, schafft, die an das Leben als Kind ennnert, in welchem Verbote vorherrschen, doch zugleich wem-ger Sorgen. Ferns stellt die Theone auf, dass Mores Utopia, mit seiner geografischen Lage und seinem Aufbau, dem Mutterleib ahnle: „More to the point, surely, is the frequently drawn parallel between the actual geography of Utopia and the womb."28 Utopia hegt abgeschmtten von der rest-lichen Welt, geschiitzt wie das Kind im Leib der Mutter. Viele utopische Welten und Paradiese, auch der Garten Eden, weisen Parallelen zu dem Leib der Mutter auf. So werden die Bewohner vor der Andersartigkeit und den Gefahren der resthchen Welt bewahrt. Benchtet wird von einer Welt, „where the individual was innocent, happy, idle, and plentifully supplied with food."29 Auch wenn in Mores Utopia die Menschen offensichtlich nicht als unschuldig angesehen werden, denn sonst gabe es nicht das Konzept der Sklavenarbeit als Strafe, so ist es dennoch eine miitterliche und be-schiitzte Welt, in welcher die Bewohner frei von Furcht und Sorgen sind. Eine Utopie reproduziert eine miitterliche und beschiitzte Welt, ahnlich dem Mutterleib. Dennoch, darauf verweist Ferns ebenfalls, ist die pohtische und gesellschafthche Organisation Utopias stnkt patriarchal. Eventuell starker, als es das damahge Tudor-England war, in welchem More lebte und Utopia verfasste: „Uto-pia is a society in which patriarchy is, one might say, raised to a higher power."30 So treffen in Utopia das Miitterliche auf das lhn beherrschende Patnarchat, welches von Claeys simpel auch in der Schicht der Burger zusammengefasst wird: „Die Frauen sind, unterstiitzt von Sklaven, fur das Kochen verantwortlich und bedienen ihre Manner."31 Eine Utopie ist, daraus folgend und Utopia als Grundlage weiterer hteranscher Utopien vorrausetzend, haufig ein Gegensatz und ein Zusam-menspiel unterschiedlicher, entgegengesetzter Konzepte.

2.1.2. Literarische Utopien und ihr Bezug zu Raum, Zeit und Gesellschaft

Bereits die Betrachtung von Mores Utopia zeigt die Verbindung zwischen dem histonschen Kon-text in der Entstehung und den Verweisen im hteranschen Werk. Dies ist ein Faktor, welcher hte-ranschen Utopien im Allgemeinen zu eigen ist. Marge Piercy verweist in ihrem Vorwort zu Woman on the Edge of Time auf diese Eigenschaft: „Utopia is born of the hunger for something better, but it relies on hope as the engine for imagining such a future."32 Fur Piercy ist der Ausgangspunkt utopischer Texte die Hoffnung auf eine bessere Welt, auf eine Gesellschaft, die sich besser entwi-ckeln konnte als diejemge, die besteht oder das ngendwo eine perfektere Gemeinschaft zu finden sein konnte. Diese verleiht den Utopist*innen die Moghchkeit ihre Vorstellungen einer besseren Welt zum Ausdruck zu bnngen. Literarische Utopien sind haufig Antworten auf jeweils aktuelle, meist pohtische, aber auch soziale Mssstande, sodass histonsche Zusammenhange erkannt und hergestellt werden konnen. In Worlds Apart? schreibt Mohr zu dieser Beziehung von Reahtat und Fiction:

„Politics are generally seen as a distinct factor of a literary Utopia. [...] A second important defining characteristic of literary Utopia is its historically criticism of the sociopolitical status quo of the author's (in some cases also of the reader's) society, a criticism that is grounded in speculation and hypothesis as well as in the existing reality."33

So konnen literansche Utopien, im Gegensatz zu anderen literanschen Werken, starker in ihrem histonschen Kontext gesehen und ausgelegt werden. In der utopischen Erzahlung wird ein Raum konstruiert, der offensichtliche Unterschiede zur Gegenwart von Autor*innen aufweist, aber auch Paralleled welche letztendlich die Beziehung erkennbar hervorheben. Denn eine perfektere Gesell-schaft kann nur in Beziehung zu einer unperfekten gesehen werden und diese unperfekte Gesell-schaft ist diejemge, durch die Utopist*innen sich bewegen. Ferns rekonstruiert diese Zusammen-hange in der Einleitung zu Narrating Utopia:

„Yet this seperation of Utopia from the all-too-imperfect real world can never wholly obscure the links between the two. In theorizing a more perfect world, the writer remains governed by the reali­ties of his or her own society, extrapolating from its more positive aspects, reacting against its more negative ones, recasting it in the light of social and political theories generated by the imperfect reality from which Utopia seperates itself."34

Durch die Umkehrung, aber auch die iibertnebene Darstellung aktueller Lebensumstande der Au-tor*innen kann das Gegenwartige erkennbar und in seiner Unvollkommenheit aufgezeigt werden. Dabei sollten die Unterschiede ahnhch gewichtet werden wie die Ubereinstimmungen. Literansche Utopien dienen als Blick auf ein Besseres oder wie David W. Sisk in Transformations of Language in Modern Dystopias schreibt: „Utopian fiction explores the perfectibility of human society through hypothetical advancements in technology, philosophy, and social structures, resulting in perfect or near-perfect communities located in distant lands or in the future."35 Literansche Utopien brauchen einen Abstand, raumhch oder zeithch, zu den aktuellen Ereigmssen. Dieser Abstand ist ein wichti-ges Element der Erzahlungen, dadurch gewinnen sie an Glaubhaftigkeit und suggeneren gleichwohl die Unmoglichkeit der perfekten Gesellschaft. Sie ist nur als Hypothese geeignet, ein besseres, wel­ches zu erreichen versucht werden sollte. So schreibt Ferns, dass eine utopische Geschichte immer beides sein miisse, exotisch und plausibel zugleich.36 Sie kann letztendlich nur fernab von der ei-genthchen Reahtat existieren und deren Fehlerhaftigkeit dadurch hervorheben, dass sie aufzeigt, welche idealen Konstruktionen das Leben der Bewohner verbessern wurden. Dennoch, oder gerade deshalb, existierten Utopien in einer „eternal, ahistonc present"37, in einer Gegenwart, die keiner histonsch bestimmbaren Welt zuzuordnen ist. Sie kann jederzeit und zugleich memals stattfinden, sie ist erwiinscht und uneneichbar.

Zunachst fanden die literanschen Utopien an fernen, schwer auffindbaren Orten statt. Erzgraber bezeichnet sie daher als „Raum-Utopie"38 bzw. bei Mohr „space Utopias":

„These „space Utopias" set in dislocated geographical space such as removed islands, lost continents, the inside of the earth or on other planets, are typical of the Renaissance era with its urge for the exploration of unknown parts of the earth and the discovery of previously unknown continents such as America."39

Neue Welten schienen greifbar, neue Gesellschaften moglich und dennoch weit genug weg, urn sich anders entwickelt zu haben als die bekannten Volker. Erzgraber nennt, neben Utopia, New from Nowhere von William Morris und New Atlantis von Bacon40 als Beispiele solcher „Raum-Utopien". Haufiger Gegenstand dieser Utopien waren zu dieser Zeit vor allem die Gleichheit der Menschen: „From More's Utopia on and up to the end of the eighteenth century, Utopian literature expressed the desire for, but also the fictionahty of, equality for (hu)mankind."41 Diese stihstische Hervorhe-bung Mohrs zeigt, dass es damals hauptsachhch urn die Gleichheit aller Manner ging und Frauen in der Regel von diesen neuen pohtischen Systemen ausgeschlossen wurden. Dies wiederum besta-tigt Ferns Theone einer patnarchalen Ordnung in den eigenthch als mutterlich angesehenen para-diesischen Welten. Frauen in ihrer pohtischen und sozialen Rolle wurden zu diesem Zeitpunkt in der Vorstellung der Gleichheit und bei den Versuchen, fiktional eine solche zu schaffen, vernach-lassigt. Dies anderte sich nicht, als die Moghchkeiten der „Raum-Utopien" ausgeschopft und alle zu entdeckenden Welten erkundet waren. Oder wie Margaret Atwood schreibt: „We filled the unk­nown spaces with us - with ourselves, and our names and roads and maps. We tidied up, we gen-tnfied, we put in streetlights; so the rowdy and uncrontollable bohamians of the imagination - al­ways dwellers in the penumbras - had to move on"42 Daraus ergab sich die Notwendigkeit Distanz durch ein neues Mittel zu schaffen, in Form von „Zeit-Utopie[n]"43. Diesen Ubergang von Raum zu Zeit in der literanschen Utopie begriindet Mohr folgendermaBen:

„When the actual mapping of the earth has come to an end with the discovery of the last continent, the unknown future became the preferred setting at the end of the eighteenth century. This crucial shift from space to time as the locus of the Utopian desire comprises a shift from the comparison between the better place and the author's actual society to the extrapolation into the future of the author's own reformed society."44

Die Gesellschaft selbst, in welcher die Utopist*innen leben, muss sich andern, da nun die Moghch-keit erschopft ist, neue soziale Strukturen zu entdecken. Dies kann nur durch eine zeitliche Ent-wicklung vonstattengehen. Das solche Veranderungen innerhalb einer Gesellschaft moglich sind, zeigten histonsche Entwicklungen zur Zeit des achtzehnten Jahrhunderts, wie die Franzosische Re­volution oder die Unabhangigkeit der Vereinigten Staaten von Amenka.45 Dieser Wandel starkt die Hoffnungen auf ein besseres politisches und gesellschaftliches System. Somit besteht keine Not-wendigkeit mehr, sie an abgelegenen Orten zu suchen, sondern von Entwicklungen zu fantasieren. Mohr wie auch Erzgraber nennen als erstes Werk, das als „Zeit-Utopie" einzuordnen ist, L An 2440 (bzw. L 'an deux mille quatre cent quarante. Reve s 'il en Jut jamais) von Louis Sebastien Mercier, erschienen 1770. Hier wacht der Erzahler nach einem langem Schlaf lm Pans des Jahres 2440 auf und findet vollig veranderte Verhaltmsse vor. „Dieser Zukunftsbesucher hat die Moglichkeit das Pans von 1771 mit dem des Jahres 2440 direkt zu vergleichen und entdeckt, dass fur so gut wie alle Missstande der Vergangenheit in der Zukunft eine Losung gefunden wurde"46, heiBt es bei Erzgra­ber zusammengefasst zu der Handlung von L 'An 2440. „Here, time in the form of human history is foregrounded as the tool for progress."47 So wird, Mohrs Argument folgend, die Tatsache, dass der Mensch in seiner Entwicklung geschichthche Ablaufe produziert, beziehungsweise beeinflusst, zum ersten Mai zu einem wichtigen Werkzeug utopischen Erzahlens. Gleichzeitig geht damit die Hoffnung einher, es miisse nur genug Zeit vergehen, dann wurde sich die Welt zum positiven an­dern. Laut Atwood steht vor allem ernes in diesen literanschen Utopien im Vordergrund: „The real hero is the future society"48 Auch hier verhalt es sich wie in Mores Utopia. Es gibt keine Einzel-personen, keine Individuen, die soziopohtische Gemeinschaft wird bestandig als ein Ganzes be-trachtet.

Doch wie passen diese „Zeit-Utopien" noch zu Mohr AuBerung, hteransche Utopien fanden in einer „eternal, ahistonc present" start? Denn eine Verbindung zur realen Welt ist ein wichtiger Bestand-teil von literanschen Utopien und vor allem bei „Zeit-Utopien" ist das Denken histonscher Verlaufe ein wichtiger Bestandteil. Mohr verweist in diesem Zusammenhang in einer FuBnote auf Ferns' Narrating Utopia. Dieser widmet sich ausgiebig im ersten Kapitel der Entstehung, der Bedeutung und der literanschen Struktur von Utopien. Die literansche Utopie ist in ihrer Gesamtheit schwer zu defmieren, doch deutlich wurde lhr Zusammenhang mit histonschen Ereigmssen im Umfeld der Autor*innen. Ferns schreibt dazu: „In critical terms, perhaps the most radical strategy takes the form of what is in itself the highly Utopian gesture of drawing a line between past and present, and starting again - acknowledging the failure as traditionally conceived, and charting a new path alto­gether."49 Dieser Argumentation folgend, lasst sich Utopie als eine literansche Form verstehen, welche traditionelle, vergangene Ansichten aufgreift und sie mit aktuellem Wissen kombimert und so einem neuen Pfad folgt. Demnach treffen bei literanschen Utopien mehrere Zeiten aufeinander, indem eine vergangene Gesellschaft und eine dem entgegenwirkende Weltanschauung, die des Au-tors, auf eine aktuelle, die des Lesenden, tnfft. AuBerdem konnen diese utopischen Gesellschaften letztendlich zu jeder Zeit und an jedem Ort und in gleicher Weise menials stattfinden. Sie sind Gedankenspiele, ausgelegt auf personliche, philosophische oder soziale Prmzipien, welche sich in-dividuell wandeln. Die literanschen Utopie mmmt in diesen Gedankenspielen einen gesonderten Platz ein und wird zu deren Austragungsort. Derjemge, der von der fremden Gesellschaft benchtet, benennt in seiner Erzahlung den aktuellen Zustand einer Gesellschaft, welche in den Augen des Autors als ideal oder nahe dem Ideal anzusehen ist, ohne dabei darauf einzugehen, wie diese Ge­sellschaft zustande kam. Die literansche Utopie kann somit kaum eine Losung anbieten, sondern nur ein Bild dessen malen, was durch einen gesellschafthchen Wandel, durch eine Revolution oder durch die Arbeit an den Veranderungen zustande kommen konnte. Ein Utopie kann, daraus folgend, jederzeit existent und doch memals auffindbar sein, denn sie prasentiert eine Gesellschaft, die an sich statisch ist, denn wie Ferns schreibt:

„The very presence of the traveller before his audience indicates his separation from the experience he is about to relate. For him (as has been observed, the traveller in such narratives is almost invari­ably male), the experience of Utopia lies in the past, elsewhere in time, as well as in space. And because that experience has been completed, it can be presented as a whole, a static entirety."50

Einer Geschichte iiber eine utopische Gesellschaft zu folgen ist gleichbedeutend damit, einem Aus-zug aus einer Begegnung zu folgen, die in der Vergangenheit hegt. Der Erzahler kann nur von semen Erlebmssen benchten, weil diese abgeschlossen sind. Das, was er gesehen hat, hegt in einer friiheren, weshalb kein Einfluss mehr darauf genommen werden kann. Und das ist es, was Mohr meint, wenn sie schreibt, Utopien existierten in einer ahistonschen Gegenwart. Denn sie sind von keinen histonsch bedeutenden Ereigmssen per se betroffen, nur ihre Autoren und lhre Rezipienten sind aufgrund ihrer Geschichthchkeit und ihrer Teilhabe an einer sich bestandig verandernden Ge­sellschaft, welche jeder existierende, reale Mensch aufweist, einem Wandel unterlegen.

2.1.3. Feministische Utopien als Ausdruck weiblicher Hoffnung

Wie bereits erwahnt, blieben Frauen in der Regel aus den Konzepten der Gleichheit und den von Mannern dominierten literanschen Utopien in den ihnen zugedachten Geschlechterrollen. 1st die utopische Welt gleichzusetzen mit dem Paradies, in welchem der Mensch ein sorgenloses Leben fuhren kann, so ist die Frau wie die Siindenn, welche von der Frucht des Baumes der Erkenntnis afi und dadurch verantwortlich wurde, dass der Mensch aus dem Paradies vertneben wurde. Dagegen scheint lhr verbergen durch verschweigen als einzig mogliche Losung der Verdammung zu ent-kommen. Es wird keine Gleichheit der Geschlechter angestrebt, bei More sind Frauen sogar „von der Teilhabe an pohtischer Macht weitgehend ausgeschlossen."51 In Finstere neue Welten schafft Susanna Layh einen allgemeinen Uberbhck iiber die Rolle der Frau in den von Manner verfassten literanschen Utopien und findet dabei ein weitreichend statisches Frauenbild vor, in dem die Frau kaum einen Anteil am offenthchen und pohtischen Leben hat.52 Sie verweist auf das Werk Christi-anopolis von Johann Valentin Andreae, eine religiose Utopie, in welcher Frauen vollstandig aus dem gesellschafthchen Leben verbannt werden und ihnen die Verfugungsgewalt ledighch auf den Hausrat zugesprochen und sie „letzthch auf ihre Gebarfahigkeit reduziert wird"53. Die Frau findet hier und in anderen patnarchalen Theonen und Gesellschaftsentwiirfen ihre einzige Bestimmung lm Gebaren urn den Fortbestand der Bevolkerung zu sichern. Der Unterschied zwischen den Ge-schlechtern wird me infrage gestellt und somit bleibt Layhs Fazit: „Sie [die Frauen] bleiben in letz-ter Konsequenz auf ihre angestammte Rolle als Mutter, Hausfrau und ergebene Partnenn an der Seite des Mannes reduziert und sind zudem als hteransche Figuren kaum gestaltet."54

Frauen fanden erst deutlich spater ihren Weg zu der literanschen Utopie. Laut Susanna Layh findet „[d]urch die geschlechterspezifische Perspektive [...] eine inhaltlich-thematische Fokusverschie-bung start"55, was bedeutet, dass sich die Themen literanscher Utopien mit dem Eintreten weiblicher Autonnnen in das Genre andert. Der weibhche Bhck wird sozusagen ausschlaggeben fur die the-matischen Schwerpunkte und weicht dementsprechend vom mannhchen ab. Das Frauen sich der Form der literanschen Utopie bedienten, begann erst lm neunzehnten Jahrhundert, wie Mohr schreibt:

„In the nineteenth century, women writers investigated exactly this sexual status quo and pushed women's position into the center of Utopian literature, questioned gender roles, and created futures and Utopian visions of non-patriarchal societies with free women. Often they contrast the actual male-dominated world with a matriarchal or all-female Utopia."56

Die Ungleichheit der Frauen, ihre Unterdriickung durch patriarchate Systeme, fand in dieser Lite-raturform eine Moglichkeit des Ausdrucks. Utopie und ihre Moglichkeit, auf gesellschaftliche und politische Problematiken hinzuweisen, konnte von weiblichen Schnftstellennnen genutzt werden, urn das herrschende System zu kntisieren, indem Welten geschaffen wurden, in denen Frauen frei und unabhangig von der mannerdominierten Gesellschaft sind oder es mitunter gar keine Manner gibt. Die hier produzierten Gedankenspiele geben die Hoffnung auf eine Welt der Gleichberechti-gung und frei von patnarchaler Unterdriickung wieder. Die Themen sogenannter feministischer Utopien weichen von denen ab, welche die Manner fur ihre Werke wahlten. „Thematically, feminist Utopias shift the focus to female reality and to everyday life; they restructure the distribution of power within society and family and reject sex-segregated labor."57 Macht, Familie, Arbeitsteilung sind diejemgen Themen, die in der weiblichen Reahtat bis heute verankert und ein wichtiger Teil von ihr sind. Uber sie werden die Geschlechterrollen defimert, weshalb es gilt, sie aufzulosen, urn eine Gleichheit zu schaffen. Mt dem Kampf urn Frauenrechte kamen die ersten von Frauen ver-fassten Utopien auf und verdeuthchten, was in der Gesellschaft es zu verandern gait. Mizora: A Prophecy (1880/81) von Mary E. Bradley Lane oder Herland (1915) von Charlotte Perkins Gil-man58 waren die ersten nennenswerten Romane. Doch es gab zu diesem Zeitpunkt nur wemge fe-mimstische Utopien. Erst mit der zweiten Frauenbewegung in den 1960er und 70er Jahren erhielt diese Literaturform neuen Aufschwung. Vor allem in Nordamenka waren und sind sie noch heute popular. Gemein haben viele Utopien, die erst genannten wie auch die spater folgenden, dass sie der Mutterschaft unter anderem eine zentrale Rolle zuschneben. Allgemein erhalten als typisch weiblich geltende Charaktenstika eine Aufwertung59, wo sie in den patnarchalen Gesellschaften mannhch formulierter Utopien nur den Zweck ernes Erhalts der sozialen Strukturen hatten. Der Schwerpunkt liegt in diesen femimstischen Utopien unter an der in der „Kritik an einer phallogo-zentnschen Weltanschauung und Geisteshaltung sowie an darauf basierenden patnarchal-kapitalis-tischen Macht- und Herrschaftsstrukturen und den daraus resultierenden oppressiven sozialen Be-dingungen"60 Neben einer „pohtische[n] und 6konomische[n] Gleichstellung von Mannern und Frauen"61, stehen „neuartige Moghchkeiten der Reproduktion"62 im Vordergrund. Diese befreien Frauen von der Aufgabe, einzig und allein Mutter sein zu miissen und bieten damit den Ausgangs-punkt fur eine mogliche Gleichberechtigung. Was urspriinglich im literaturhistonschen Kontext oft als „Ausdruck mannlicher Hybns in dem Wunsch, sich zur gottesahnlichen Schopferfigur erheben zu konnen und Macht iiber das Leben und iiber dieses hinaus zu gewinnen"63 verstanden wird, wird hier zum wichtigsten Ansatz weiblicher Befreiung und Freiheit. Die Tatsache, dass Manner sich unnatiirlicher, zusatzlicher Mttel bedienen miissen, urn Leben auf die Welt zu bnngen, wahrend Frauen biologisch selbst dazu in der Lage sind, scheint ein schwerwiegender Punkt fur die ge-schlechtliche Ungleichheit zu sein. An sich absolute Notwendigkeit, urn den Bestand der Bevolke-rung zu gewahrleisten, ist die Gebarfahigkeit gleichermaBen Begriindung fur die Unterdriickung der Frau und die Motivation sie an Heim und Herd zu binden. Auf diese Weise Hauslichkeit mcht nur zugeschreiben, sondern ein ganzer Unterdriickungsmechamsmus konstruiert, welcher es Frauen schwer, nahezu unmoglich macht, am offenthchen, gesellschafthchen Leben teilzuhaben, da als lhre Aufgabe die Arbeit im Haus defimert wird. Fast schon zwangslaufig ist dementsprechend die L6-sung, welche Marge Piercy in Woman on the Edge of Time bietet. Gegeniibergestellt wird hier die fatale Situation mittelloser Frauen aus der amenkanischen Unterschicht, die aufgrund lhrer finan-ziellen und sozialen Situation von Mannern abhangig sind und zusatzhch aufgrund lhrer Herkunft und Hautfarbe Diskrimimerung erfahren. Damit werden mcht mehr nur geschlechtsspezifische Un-terschiede aufgegnffen, sondern auch ethmsche. Deuthch werden, durch den Bezug zur Gegenwart, die Polantaten, welche die zukiinftige Gesellschaft dieser „Zeit-Utopie" bietet. Pierce schafft mit Luciente, eine Besuchenn aus der Zukunft, einen Gegenpol zu dem patnarchalen System. Sie wurde in eine Welt hineingeboren, in der es diese Ungleichheit und Abhangigkeit mcht mehr gibt. femi­nist Utopias were created out of a hunger for what we didn't have at a time when change felt not only possible but probable. Utopias came from the desire to imagine a better society when we dared to do so."64 Dies schneb Pierce in einer Einleitung zu der Ausgabe von 2016 ihres Buches, also vierzig Jahre nach der ersten Veroffenthchung von Woman on the Edge of Time. Die Verbindung der Utopie mit der Vorstellung nach einer besseren Gesellschaft und einer besseren pohtischen und sozialen Situation ist auch in den femimstischen Utopien tief verankert. Einher ging sie mit dem Erreichen von Zielen, fur die Frauen in den siebziger Jahren kampften: „At the time I wrote this novel, women were making huge gains in control of their bodies and their lives."65 Anhand dieser Hoffnungen, Veranderungen und Moghchkeiten der Selbstbestimmungen schafft Pierce eine zu­kiinftige Gesellschaft, die Ideen einer Gleichberechtigung reproducer! Die Hauptfigur, Connie, wird ein Weg geboten, in die Zukunft zu reisen. Dort begegnet lhr eine vollkommen veranderte Gesellschaft, in welcher selbst die Form der Reproduktion eine andere ist. So werden Kinder mcht mehr von den Frauen geboren, sondern auf kiinstliche Weise gezeugt. Der Grund dafiir wird von Luciente erlautert:

„It was part of women's long revolution. When we were breaking all the old hierarchies. Finally there was that one thing we had to give up too, the only power we ever had, in return for no more power for anyone. The original production: the power to give birth. Cause as long as we were bio­logically enchained, we'd never be equal. And males never would be humanized to be loving and tender. So we all became mothers. Every child has three. To break the nuclear bonding."66

Sprache und Rollenbilder verandern sich in dieser Welt, sind gepragt von Aufgabe, aber auch Ge-winn. Mutter sind nicht mehr nur weiblich, jeder kann eine Mutter sein, Geschlechterrollen werden negiert und fur ungiiltig erklart. Auf diese Weise konstruieren sich neue, egalitare Rollenverhalt-nisse. Im Gegenzug dazu, dass Frauen ihre Gebarfahigkeit einbiiBen, geben Manner ihre Macht ab. In Mother Without Child schreibt Elaine Turtle Hansen dazu: „No longer linked in any essential way to the reproductive function, motherhood in the future of this novel is imagined as a powerful position or set of behaviors available to everyone."67 Die Mutterschaft wird gleichermaBen als Pri-vileg und Last verstanden, welche notwendigerweise aufgegeben werden muss, urn eine biologische Gleichheit zu schaffen zwischen Mann und Frau und somit den Grundstein zu schaffen fur eine soziale Gleichheit. Sie ist der biologische Vorteil, welchen Frauen iiber Manner haben, wahrend diese samthche weitere Formen der Macht in patnarchalen und phallogozentnschen Strukturen ver-einen. Mutterschaft ist nicht mehr Biirde, Zwang oder Verpflichtung, sondern sie ist freiwilhg, kann frei gewahlt werden und erhalt somit eine besondere Position, die jedem offen steht. Biologische Mutterschaft ist nun unmoghch, eine soziale aber fur jeden zuganghch, egal ob Mann oder Frau. Das biologische Geschlecht wird somit unwichtig. Die schlagt sich auch in der Sprache meder, in welcher es weder „sie" noch „er" gibt, sondern immer nur von „person", kurz „per" gesprochen wird. Keine geschlechthchen Unterschiede bedeuten die Freiheit ernes jeden.

„Woman on the Edge of Time is a Utopia", schreibt Margaret Atwood in einem kurzen Text zum Roman, „with all the virtues and shortcomings of the form, and many of the things reviewers found irksome are indigenous to the genre rather than the author."68 Zwar ist es nicht nachzuvollziehen, ob Connie tatsachhch in die Zukunft bhcken kann oder die Bilder, die sich ihr offenbaren, die Ge-sellschaft, welche ihr begegnet, nur ein Resultat der Medikamente sind, welche ihr in der Psychiatne verabreicht werden, doch ist dies letztendlich wemg von Bedeutung. Das Gedankenspiel und die Visionen einer Zukunft, in der es keine geschlechthchen und sozialen Unterschiede gibt, nahrt sich dennoch aus der Hoffnung auf die Veranderung, auf welche femimstische Denkennnen hofften. Piercys Roman wird deshalb zu einer Utopie, da sich die Autonn hier der klassischen Elemente utopischen Erzahlens bedient. Sie erschafft Gedankenbilder und Gesellschaftsentwiirfe, welcher nach einer besseren, da gleichberechtigten Welt streben. Connie wird zu einer Beobachterm einer Welt, welche sie selbst me erfahren durfte. Was bleibt ist die Gewissheit, dass diese Veranderung nur mit dem Verlust von Pnvilegien einhergehen kann, aber gleichzeitig dem Gewinn von einer Macht, wie sie Frauen in der Gegenwart me besitzen konnten.

2.2. Dystopie als Gegenentwurf zur Utopie

Die Realitat in einer literanschen Dystopie scheint greifbarer, wahrer, wahrscheinlicher als die einer literanschen Utopie. Ist die utopische Gesellschaft mehr mit einem Gedankenspiel gleichzusetzen, dessen nahezu perfekte Wirklichkeit memals eintreffen kann, da es der mcht erreichbare gute Ort ist, entwickeln sich in Dystopien Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens, die zunachst iiber-zogen und unwahrscheinlich scheinen, in gleicher Weise aber eine erschreckende Ahnlichkeit mit realen Ereigmssen haben. Wie sich im folgenden Abschmtt zeigen wird, zeichnen sich hteransche Dystopien durch Welten aus, die nahe an der Realitat sind. Gleichzeitig verleihen sie dadurch einem literanschen Text aber auch eine Kraft, welche sich Autor*innen zunutze machen konnen.

2.2.1. Anti-Utopie oder Dystopie - Gibt es einen Unterschied?

Ist der Begnff der Utopie noch relativ eindeutig einzuordnen, zeigen sich in den abgewandelten Formen bzw. Genres einige Unterschiede. Die Begnfflichkeiten und Zugehongkeiten bilden einen wichtigen Faktor in den nachfolgenden Beschreibungen, denn hier wird herausgearbeitet, warum die Texte, welche spater einer genaueren Betrachtung unterzogen werden sollen, als Dystopien ein­zuordnen sind. Erst deuthch spater entwickeln sich aus der Utopie heraus andere hteransche For­men, welche sich als eine Art Antwort auf die vermeinthch perfekten Gesellschaften utopischer Ideenwelten verstehen lassen. Dazu gehoren mcht nur die Dystopie, sondern auch andere Formen wie Anti-Utopie - bzw. bei Hans Ulrich Seeber in Die Selbstkritik der Utopie in der angloamerika-nischen Literatur auch als „Gegenutopie"69 bezeichnet - sowie die Frage, ob und welche Unter­schiede hier zu finden sind und weshalb sich der Terminus „Dystopie" am besten fur diese Arbeit eignet. Haufig ist von Anti-Utopien zu lesen. Dieser Begnff ist allerdings mcht gleichzusetzen mit dem der Dystopie, da es durchaus Unterschiede gibt. Ist Utopie der „gute Ort" bzw. „good place", bedeutet Dystopie das Gegenteil, und beschreibt einen schlechten Ort, somit einen „bad place".70 Der Begnff „Anti-Utopie", oder „Gegenutopie", findet hauptsachhch in der deutschsprachigen Li­teratur Verwendung, wahrend in enghschsprachigen Abhandlungen die „Dystopie" gelaufiger ist.

Lediglich Knshan Kumar, auf den sich u. a. Mohr und Sisk vielseitig beziehen, bedient sich in seinem Werk Utopia and Anti-Utopia in Modern Times des Begnffs „Anti-Utopie". Nicht in alien Texten wird genau auf die Terminologie eingegangen, sondern bestimmte Begnffe als gesetzt ge-sehen. So wahlt z.B. Willi Erzgraber in Utopie und Anti-Utopie in der englischen Literatur die Bezeichnung „Anti-Utopie" ohne die Wahl zu erlautern. David W. Sisk geht wiederum sehr genau auf die Begnfflichkeiten ein und erlautert, weshalb er sich fur „Dystopie" entschieden hat:

„Though dystopian fictions paint grim views, their political and moral missions are altruistic. Anti-utopias may suceed merely by criticizing utiopian ideals: dystopias, however, alsways reveal (usu­ally by ironic contrast) attitudes and suggest actions that can prevent the horrors they depict."71

Die Anti-Utopie ist in ihrer Begriffhchkeit als eine Reaktion auf die Utopie zu verstehen. Der Uto­pie gegeniibergestellt, produziert sie ein erschreckendes Bild einer Gesellschaft, die sich nicht zum Positiven, sondern zum Negativen verandert hat. Dabei malt die hteransche Dystopie Schreckens-szenanen, die keine Hoffnung, sondern eine Warnung darstellen. „Anti-utopia misleadingly implies that its primary aim is solely to attack the concept of Utopia; it connotes a mere negation of Utopia. Anti-utopia thus exclusively thrives in relation to Utopia"72, schreibt Mohr in Bezug auf den Termi­nus der Anti-Utopie. Diese enthalt eine wemger starke Abgrenzung zur Utopie und legt eher knti-sche Reaktion nahe, wahrend die Dystopie viel weiter gefasst ist und sich auch unabhangig von der Utopie als eigene hteransche Gattungsform verstehen lasst. Ganz lapidar lasst es sich wohl am besten mit Sisk zusammenfassen: „In a nutshell, all dystopias are anti-utopias, but not all anti-uto-pias are dystopias."73 Eher fungiert die Anti-Utopie als eine Art Zwischenkategone, die Telle der Utopie und Telle der Dystopie ineinander vereint, ohne dabei fur sich allein als Genre zu stehen. Dystopien kntisieren die Welt des Lesers und nicht die Welt der Utopie. Atwood bnngt es in Wri­ting Utopia auf den Punkt: „The Dystopian bad design is the Utopian good design in reverse - that is, we the readers are supposed to deduce what a good society is by seeing, in detail, what it isn't"74 Indem sie ein alptraumhaftes, schlechtes soziopohtisches System entwerfen, einen „Worst Case" sozusagen, zeigen sie daraus folgend, wie eine Gesellschaft sein sollte, damit sie besser, also „gut" ist. Es gibt Theonen beziiglich des Unterschiedes zwischen Utopie, Dystopie und Anti-Utopie so-wie lhren Beziigen zueinander. Wird von Mohr und Sisk die Anti-Utopie als eine direkte Antwort und Umkehrung auf die Utopie artikuliert, heiBt es bei Artur Blaim in Utopian Visions and Revisi­ons: „Amencan anti-utopia was neither a response to, nor a parody of a mode of discourse, but an attack, satirical or otherwise, not so much on utopiamsm as a project or theory as on its practical manifestations."75 Nicht nur Blaims Theone, sondern auch die Aussagen anderer Autoren, enthalten die Kernaussage, dass die Anti-Utopie vor allem ernes ist: Eine Antwort, Kritik, Parodie auf die literanschen Utopien. Sie ist somit kein vollstandig unabhangiges literansches Genre, sondern be-zieht sich immer auf den Ursprung utopischer Welten und die Problematik, welche diese mit sich bnngen. Laut Blaim konnten Anti-Utopien menials in die Praxis umgesetzt werden, nicht einmal theoretisch.76 Damit haben sie keinen Bezug zu aktuellen Ereigmssen, sondern nur zu anderen Tex-ten. Es lasst sich am ehesten so verstehen, dass Anti-Utopien ausschlieBlich im literanschen Kon-text existieren und passieren. Dystopien wiederum konnen als ein eigenstandiges Genre verstanden werden. Auch sie enthalten die Aufarbeitung aktueller Ereigmsse, spiegeln in gleicher Weise An-sichten und Gedanken des Autors wider. Bei Mohr heiBt es: „Dystopia represents gloomy prognos­tications, as seen by the author, the negative extrapolation of and the logical conclusion or the out­come of current trends, of the flaws ailing contemporary society"77 Damit wird auf einen gesell-schaftskntischen Standpunkt der Dystopie verwiesen, da diese eine Zukunftsvision zeichnet, die duster prognostiziert, in welcher Weise sich bestimmte Ereigmsse und Aspekte sich entwickeln konnten und welch negative Folgen diese haben konnten. Autor*innen folgen dabei meist einer logischen Schlussfolgerung, wodurch die erwarteten Veranderungen deuthch glaubwiirdiger er-scheinen.

Wie komplex es zum Teil ist, klare Grenzen schon allein zwischen literanschen Utopien und Dys­topien zu Ziehen, macht Margaret Atwood in einem anderen Essay deuthch. Sie fiihrt hier den Be-gnff Ustopia ein, ein Hybnd aus Dystopie und Utopie. Bereits die Betrachtungen zu Thomas Mores Utopia machten deuthch, dass Utopien fur das einzelne Individuum negative Aspekte in den ge-planten Gesellschaften haben kann. So wurde Sisk angebracht, welcher die Theone aufstellte, dass bestimmte Punkte dieser „planned society" Ausgangspunkt fur hteransche Dystopien sind. Diese Ambivalenz wird in Atwoods Neologismus deuthch. Hauptsachhch wird dieser Begnff fur Gesell­schaften und Gedankenexpenmente angewendet, die sich zunachst als hteransche Utopien begrei-fen heBen. So heiBt es: „As ustopia is by definition elsewhere, it is almost always bracketed by two journeys: the one that transports the tale-teller to the other place and the one that transports him (or her) back so he can deliver his report to us."78 Die Geschichten, welche Hteransche Dystopie oder Utopie den Leser*innen naher bnngen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie abgeschlossen sind, dass das Erlebte in irgendeiner Form zu dem Lesenden gelangt. Inwiefern sich dies pauschahsieren lasst, darauf soil innerhalb der einzelnen Texte noch einmal genauer eingegangen werden. Auf Mores Utopia ist Atwoods Aussage zutreffend, denn hier wird die Geschichte von Hythloday vorgetragen, welcher von der Insel Utopia zuriickkehrte. Woman on the Edge of Time von Marge Piercy wird von einem Erzahler in der dntten Person benchtet, der sich auf Connies Sicht konzentnert. Hier ist die Wiederkehr nicht zwangslaufig, doch es ist ersichtlich, dass der Erzahler nicht allwissend ist. Dennoch erlebt Connie eine Reise, welche sie in die Zukunft bnngt und es dem Erzahler auf diese Weise ermoglicht, zu benchten, was lhr begegnet. Die Riickkehr ist hierfiir nicht zwangslaufig not-wendig, doch sie ist Teil einer Reise, welche den Leser*innen schwieng macht, bestandig zu deuten, ob die Dinge wirklich so vor sich gehen oder Teil von Connies labiler Psyche sind und sie sich Luciente und die zukiinftige Welt nur einbildet. Jedoch erkennt Atwood eine Dialogform, wie sie in Utopia zwischen Hythloday und semen Zuhorern stattfindet: „Woman on the Edge of Time is like a long inner dialogue in which Piercy answers her own questions about how a revised American society would work"79 Somit erfullt sich in gewisser Weise auch dieser Aspekt aus Atwoods Defi­nition und Woman on the Edge of Time wird zu einer Geschichte aus Piercys innerer Gedankenwelt, deren Reise dann besteht, diese aufzuschreiben und fur den Lesenden zur Verfiigung zu stellen. Connie wie auch Luciente werden hierbei zu einem Mittel, dem Leser zu vermitteln, wie eine Zu­kunft aussehen konnte, in welcher es Gleichberechtigung gibt, unabhangig von Geschlecht oder ethmscher Herkunft. Der Begnff Ustopie kann durchaus dazu dienen, herauszuheben, dass eine Dystopie nicht ausschlieBlich eine ausweglose, schlechte Gesellschaft ist und eine Utopie nicht zwangslaufig nur einem Paradies gleicht, sondern die Ubergange durchaus flieBend sein konnen, denn es handelt sich hier urn „not-exactly places, which are anywhere but nowhere, and which are both mappable locations and states of mind".80 Ustopias konnen alles sein, sie sind flexibel in ihrem Ort und lhrer Darstellung. Daher ist dieser Begnff zwar interessant, zumal Atwood lhn in Bezug auf The Handmaid's Tale verwendet, soil aber im Verlauf dieser Arbeit nur beilaufig Erwahnung finden urn herauszuheben, wie aquivalent die gewahlten Texte und die Genres sind. Fur die Be-schreibung der Romane ist dennoch der kanomsche Terminus „Dystopie" angebracht, der in der Sekundarhteratur Verwendung findet.

2.2.2. Merkmale literarischer Dystopien

„[Utopia is] denoting a vision of an ideal, a „perfect" society, whereas Utopia's alter ego dystopia connotes a much worse, bad society".81 Mohr spncht hier von Dystopie als ein „alter ego" der Utopie, was nahe legt, dass beiden einen gemeinsamen Ursprung haben. Beide beschreiben entwe-der „gute" oder „schlechte" Gesellschaftsformen. Literansche Dystopien sind kntisch im Heraus-arbeiten und Aufzeigen von aktuellen Problematiken, indem sie diese formulieren und mitunter auf eine zugespitzte Art darstellen. Sisk sieht sie auch deshalb als einen Gegenentwurf zur Utopie und eine Kritik an derselben und lhrer Flucht vor soziopolitischen Problemen: „The dystopian polemic punctures Utopian fiction's escapism."82 Dariiber hinaus stellt er sie in einen Gegensatz zu der von Mohr als „ahistonsch" bezeichneten Utopie, da sie eine Histonzitat erzeugen, die zwar in Zusam-menhang mit der aktuellen Situation des Umfelds der Schreibenden zu sehen ist, aber Faktoren aufzeigt, deren Risiko dann besteht, dass sie sich wiederholen beziehungsweise real eintreten konn-ten: „Dystopia, by contrast, embraces history, affirms it, proclaims it, arguing that the same horrors that have gone before can, and will, come again, unless we learn to understand and prevent them."83 Literansche Dystopien nutzen die Wahrscheinhchkeit histonscher Ereigmsse. Sie nutzen Erkennt-nisse aus dem, was Geschichte schreibt und Ziehen Lehren daraus. Dies ist einer der Griinde, wes-halb literansche Dystopien erst im zwanzigsten Jahrhundert vermehrt bzw. iiberhaupt erst auftraten. Der Grund wird bei vielen Theoretikern dann gesehen, dass zu Beginn dieses Jahrhunderts einige Ereigmsse aufeinandertrafen, die radikalen Einfluss auf die modernen Gesellschaften hatten. Laut Mohr waren, neben der Entwicklung techmscher Neuerungen, die Polansierung der Welt in zwei politisch entgegengesetzte Systeme, dem Kapitahsmus und dem Kommumsmus, wichtiger Aus-gangspunkt fur die Entwicklung hteranscher Dystopien.84 Einer der wichtigsten Einschmtte in der Wahrnehmung dessen, welche Grausamkeiten pohtische Systeme einsetzen konnen, scheint dar­iiber hinaus jedoch der Zweite Weltkneg und die Ideologie und Taten des Dntten Reichs zu sein.85 Hier wurde das erste mal deuthch, welches AusmaB Diktaturen und staatliche Verfolgung eneichen konnen. Rassenwahn und Menschenhass, Verfolgung und Ausloschung werden zu einer Reahtat, die sich kaum eine Autonn oder ein Autor hatte ausmalen konnen. Umso mehr bieten sie den Stoff fur dystopische Welten, die nun fast moghcher erscheinen, als die utopischen Gesellschaften vo-rangegangener Werke und heferten auf die Weise Stoff fur dystopische Welten:

„Ponkmg at the ugly unterside of human civilization and scaring up its truths, dystopian novels feature the stock topics of nationalism, militarism, slavery, exploitation, class antagonism racism, barabansm, enforced and controlled gender relations, rape, overpopulation, drug dependence, sexual perversion, pogroms, degeneration, nuclear devastation, and increasingly also catastrophes such as (terminal) ecological pollution, and authoritarian/totalitarian regimes that oppress the masses."86

[...]


1 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Trangression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S. 34.

2 Ebd.

3 Ebd. S. 27.

4 Knshan Kumar: Utopia and Anti-Utopia in Modern Times. Oxford, 1987, S. 32.

5 Ebd. S. 23f.

6 Gregory Claeys: Ideale Welten. Die Geschichte der Utopie. Darmstadt, 2011, S. 59.

7 Chris Ferns: Narrating Utopia. Ideology, Gender, Form in the Utopian Literature. Liverpool, 1999, S. 2.

8 Willi Erzgraber: Utopie und Anti-Utopie in der englischen Literatur. Hrsg.: Herbert Mamusch, Milnchen, 1980, S.13.

9 Gregory Claeys: Ideale Welten. Die Geschichte der Utopie. Darmstadt, 2011, S. 59.

10 Ebd.

11 Chris Ferns: Narrating Utopia. Ideology, Gender, Form in the Utopian Literature. Liverpool, 1999, S. 38.

12 Vgl. Ebd.

13 Ebd. S. 39.

14 Knshan Kumar: Utopia and Anti-Utopia in Modern Times. Oxford, 1987, S. 23.

15 David W. Sisk: Transformations of Language in Modern Dystopias. Westport, 1997, S. 3.

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Thomas Morus: Utopia. Stuttgart, 2012, S. 68.

19 David W. Sisk: Transforations of Language in Modern Dystopias. Westport, 1997, S. 3.

20 Ebd. S. 4.

21 Chris Ferns: Narrating Utopia. Ideology, Gender, Form in the Utopian Literature. Liverpool, 1999, S. 42.

22 Thomas Morus: Utopia. Stuttgart, 2012, S. 156.

23 Ebd. S. 157,

24 Ebd.

25 Ebd. S. 160.

26 Vgl.Ebd. S. 166f.

27 Chris Ferns: Narrating Utopia. Ideology, Gender, Form in the Utopian Literature. Liverpool, 1999, S. 40.

28 Ebd.

29 Ebd. S. 41.

30 Ebd. S. 46.

31 Gregory Claeys: Ideale Welten. Die Geschichte der Utopie. Darmstadt, 2011, S. 62.

32 Marge Piercy: Woman on the Edge of Time. London, 2016, S. xi.

33 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Trangression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S. 14f.

34 Chris Ferns: Narrating Utopia. Ideology, Gender, Form in the Utopian Literature. Liverpool, 1999, S. 2.

35 David W. Sisk: Lransformations of Language in Modern Dystopias. Westport, 1997, S. 2.

36 Vgl. Chris Ferns: Narrating Utopia. Ideology, Gender, Form in the Utopian Literature. Liverpool, 1999, S. 19.

37 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Lrangression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S. 17.

38 Willi Erzgraber: Utopie und Anti-Utopie in der enghschen Literatur. Hrsg.: Herbert Mamusch, Milnchen, 1980, S. 14.

39 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Trangression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S.18.

40 Vgl. Willi Erzgraber: Utopie und Anti-Utopie in der englischen Literatur. Hrsg.: Herbert Mamusch, Milnchen, 1980, S. 14.

41 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Transgression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S. 19.

42 Margaret Atwood: Dire Cartographies: The Roads to Ustopia. In: In Other Worlds. Science Fiction and the Hu­man Imagination. London, 2011, S. 66-96, hier S. 70.

43 Willi Erzgraber: Utopie und Anti-Utopie in der englischen Literatur. Hrsg.: Herbert Mamusch, Milnchen, 1980, S. 20.

44 Ebd.

45 Vgl. Ebd.

46 Willi Erzgraber: Utopie und Anti-Utopie in der enghschen Literatur. Hrsg.: Herbert Mamusch, Miinchen, 1980, S. 21.

47 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Transgression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S. 19.

48 Margaret Atwood: Woman on the Edge of Time by Marge Piercy. In: In Other Worlds. Science Fiction and the Human Imagination. Toronto, 2011, S. 101-105, hier S. 103.

49 Chris Ferns: Narrating Utopia. Ideology, Gender, Form in the Utopian Literature. Liverpool, 1999, S. 8.

50 Ebd. S. 20.

51 Susanna Layh: Finstere neue Welten. Gattungsparadigmatische Transformation der literanschen Utopie und Dystopie. Hrsg.: Martin Middeke, Hubert Zapf, Wilrzburg, 2014, S. 67.

52 Vgl. Ebd. S. 67ff.

53 Ebd. S. 68.

54 Ebd. S. 70.

55 Ebd. S. 27.

56 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Transgression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S. 23.

57 Ebd. S. 24.

58 Vgl. Susanna Layh: Fmstere neue Welten. Gattungsparadigmatische Transformation der literanschen Utopie und Dystopie. Hrsg.: Martin Middeke, Hubert Zapf, Wilrzburg, 2014, S. 27.

59 Vgl. Ebd. S. 77.

60 Ebd. S. 94.

61 Ebd. S. 95.

62 Ebd.

63 Ebd. S. 96.

64 Marge Piercy: Woman on the Edge of Time. London, 2016, S. viii.

65 Ebd.

66 Ebd. S.110.

67 Elaine Tuttle Hansen: Mother Without Child. Contemporary Fiction and the Crisis of Motherhood. Berkely, 1997, S. 166.

68 Margaret Atwood: Woman on the Edge of Time by Marge Piercy. In: In Other Worlds. Science Fiction and the Human Imagination. London, 2011, S. 101-105, hier S. 102.

69 Hans Ulrich Seeber: Die Selbstkritik der Utopie in der angloamenkamschen Literatur. Minister, 2003, S. 223.

70 David W. Sisk: Transformation of Language in Modern Dystopias. Westport, 1997, S. 5.

71 Ebd. S. 6.

72 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Transgression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S. 28.

73 David W. Sisk: Transformation of Language in Modern Dystopias. Westport, 1997, S. 6.

74 Margaret Atwood: Writing Utopia. In Writing with Intent. Essays, Reviews, Personal Prose: 1983-2005. New York, 2005, S. 92-100, hier S. 93.

75 Artur Blaim: Utopian Visions and Revisions. Or the Uses of Ideal Worlds. Frankfurt, 2017, S. 18.

76 Vgl. Ebd. S. 20.

77 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Transgression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005, S. 28.

78 Margaret Atwood: Dire Cartographies: The Roads to Ustopia. In: In Other Worlds. Science Fiction and the Human Imagination. London, 2011, S. 66-96, hier S. 71.

79 Margaret Atwood: Woman on the Edge of Time by Marge Piercy. In: In Other Worlds. Science Fiction and the Human Imagination. London, 2011, S. 101-105, hier S. 105.

80 Margaret Atwood: Dire Cartographies: The Roads to Ustopia. In: In Other Worlds. Science Fiction and the Human Imagination. London, 2011, S. 66-96, hier S. 75.

81 Dunja M. Mohr: Worlds Apart? Dualism and Transgression in Contemporary Female Dystopias. Hrsg.: Donald Palumbo, C.W. Sullivan III, Jefferson, 2005 S. 12.

82 Ebd. S. 11.

83 Ebd.

84 Vgl.Ebd. S. 31.

85 Vgl. Ebd.

86 Ebd. S. 33.

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Über Mutterschaft im Genre der feministischen Dystopie. Reproduktion in totalitären Systemen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Allgemeine und Vergeichende Literaturwissenschaft)
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
87
Katalognummer
V704353
ISBN (eBook)
9783346218926
ISBN (Buch)
9783346218933
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, dystopie, genre, mutterschaft, reproduktion, systeme
Arbeit zitieren
Rebekka Merkel (Autor), 2019, Über Mutterschaft im Genre der feministischen Dystopie. Reproduktion in totalitären Systemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704353

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