Der Raum, in dem sich das heutige deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen befindet, tritt in den Geschichtsschreibungen um das Jahr 800 n. Chr. zum ersten Mal als Einheit auf. Zu dieser Zeit war Karl der Große (* 02.04.747, 28.01.814 in Aachen) Kaiser des Römischen Reiches. Das Territorium Sachsen wurde unterworfen und in Karls Herrschaftsbereich eingegliedert. In dem Volksstamm der Sachsen wurde zwischen drei Gruppierungen unterschieden: „Westfali“, „Ostfali“ und „Engern“. „Die Westfali („Westleute“) gaben dem späteren Westfalen seinen Namen.“
Im 9. Jahrhundert kam es infolge von schwachen Königsgewalten zur Bildung von so genannten Stammesherzogtümern. Innerhalb des 10. Jahrhunderts bildete sich das sächsische (ottonische) Königtum, das zur Festigung der Herrschaft im heutigen westfälischen Gebiet verantwortlich war. König Otto übertrug der geistlichen Gewalt politische und somit weltliche Funktionen. Infolgedessen bildeten sich einflussreiche Machtzentren im westfälischen Raum, u. a. auch in Köln, das noch heute - wenn auch in wesentlich geringerem Ausmaß an Einflussnahme - ein geistliches Antlitz ausstrahlt. Die Machtstellung der Erzbischöfe von Köln war für die Nachfolger Ottos I. immer wieder Anlass für Konfliktsituationen. Als Höhepunkt dieser
Auseinandersetzungen ist insbesondere die Ermordung des Erzbischofs Engelberts durch weltliche Gegner im Jahre 1225 zu werten. Jedoch versuchten die Erzbischöfe ihre weltliche Vormachtsstellung im westfälischen Raum zu sichern und auszubauen. Dieser Versuch wurde durch die Schlacht bei Worringen im Jahre 1288, in der eine Koalition weltlicher Herrscher als Sieger über den Erzbischof hervorging, zerschlagen. Den Erzbischöfen von Köln blieb seitdem nur noch ein kleiner Landstrich links des Rheins über den sie ihre weltliche Macht ausüben konnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Gebiet Nordrhein-Westfalens vor der Gründung 1946
1.1. Mittelalterliche Grundlagen
1.2. Rheinland-Westfalen
1.3. 16. und 17. Jahrhundert
1.3.1. Reformationszeit
1.3.2. Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Friede
1.4. Französischer Einfluss
1.5. 19. Jahrhundert
1.5.1. Säkularisierung und preußische Herrschaft
1.5.1.1. Stein- und Hardenbergsche Reformen
1.5.1.1.1. Anlass, Ursachen und Ziele
1.5.1.1.2. Maßnahmen
1.5.1.1.3. Bedeutung und Erfolg
1.5.2. Industrialisierung
1.6. Anfang des 20. Jahrhundert
1.6.1. Erster Weltkrieg (1914-1918)
1.6.2. Zeitalter der Weimarer Republik
1.6.3. Nationalsozialistische Herrschaft
1.6.4. Zerstörung und beginnender Wiederaufbau
2. Die Gründung Nordrhein-Westfalens (1946)
2.1. Kriegsende
2.2. Das Leben nach dem Krieg
2.3. Ein neues Land soll entstehen
2.3.1. Pläne und Ziele der Siegermächte
2.3.2. Operation „Marriage“: Die Gründung des Landes NRW
2.4. Die Anfänge der Landespolitik
2.4.1. Das Land im Überblick
2.4.2. Die ersten Landtagswahlen 1947
2.4.3. Nordrhein-Westfalen wird Teil der BRD
2.4.3.1. Eine eigene Landesverfassung
2.4.3.2. Grundzüge der Landesverfassung
3. NRW – Wirtschaft und Gesellschaft
3.1. Die Industrie im Ruhrgebiet als Motor der Nachkriegswirtschaft
3.1.1. Der Bergbau
3.1.2. Die Stahlindustrie
3.1.3. Die Montanunion
3.2. Das Wirtschaftswunder
3.2.1. Heimatvertriebe und Gastarbeiter – das Herz der Industrie
3.2.2. Die Flüchtlingsstädte
3.3. Leben und Arbeiten in NRW
3.3.1. Die Familie
3.3.2. Lebensstandards der neuen Wohlstandsgesellschaft
3.3.3. Problempunkte
3.4. Der Einbruch der Wirtschaft durch Rohstoffkrisen
3.4.1. Die Kohlekrise
3.4.2. Die Ölkrise
3.4.3. Der Strukturwandel als Chance für die Zukunft?
4. Die Landespolitik
4.1. Die Landtagswahlen von 1947 - 2005
4.2. Die Schul- / Hochschulreform
4.3. Die kommunale Neugliederung / Gebietsreform
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die historische Entwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen seit seinen Ursprüngen bis zur heutigen wirtschaftlichen und politischen Struktur, wobei der Fokus insbesondere auf der Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden industriellen Strukturwandel liegt.
- Historische Grundlagen des Gebiets (Mittelalter bis 20. Jahrhundert)
- Die Entstehung des Landes NRW durch die "Operation Marriage" (1946)
- Aufbau der Nachkriegswirtschaft und das Wirtschaftswunder
- Gesellschaftlicher Wandel, Integration und Problempunkte
- Politischer Werdegang und Gebietsreformen
Auszug aus dem Buch
1.1. Mittelalterliche Grundlagen
Der Raum, in dem sich das heutige deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen befindet, tritt in den Geschichtsschreibungen um das Jahr 800 n. Chr. zum ersten Mal als Einheit auf. Zu dieser Zeit war Karl der Große (* 02.04.747, † 28.01.814 in Aachen) Kaiser des Römischen Reiches. Das Territorium Sachsen wurde unterworfen und in Karls Herrschaftsbereich eingegliedert. In dem Volksstamm der Sachsen wurde zwischen drei Gruppierungen unterschieden: „Westfali“, „Ostfali“ und „Engern“. „Die Westfali („Westleute“) gaben dem späteren Westfalen seinen Namen.“ 1
Im 9. Jahrhundert kam es infolge von schwachen Königsgewalten zur Bildung von so genannten Stammesherzogtümern. Innerhalb des 10. Jahrhunderts bildete sich das sächsische (ottonische2) Königtum, das zur Festigung der Herrschaft im heutigen westfälischen Gebiet verantwortlich war. König Otto übertrug der geistlichen Gewalt politische und somit weltliche Funktionen. Infolgedessen bildeten sich einflussreiche Machtzentren im westfälischen Raum, u. a. auch in Köln, das noch heute – wenn auch in wesentlich geringerem Ausmaß an Einflussnahme – ein geistliches Antlitz ausstrahlt3. Die Machtstellung der Erzbischöfe von Köln war für die Nachfolger Ottos I. immer wieder Anlass für Konfliktsituationen. Als Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen ist insbesondere die Ermordung des Erzbischofs Engelberts durch weltliche Gegner im Jahre 1225 zu werten. Jedoch versuchten die Erzbischöfe ihre weltliche Vormachtsstellung im westfälischen Raum zu sichern und auszubauen. Dieser Versuch wurde durch die Schlacht bei Worringen im Jahre 1288, in der eine Koalition weltlicher Herrscher als Sieger über den Erzbischof hervorging, zerschlagen. Den Erzbischöfen von Köln blieb seitdem nur noch ein kleiner Landstrich links des Rheins über den sie ihre weltliche Macht ausüben konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Gebiet Nordrhein-Westfalens vor der Gründung 1946: Dieses Kapitel zeichnet die historischen Wurzeln des Landes vom Mittelalter bis zur Zeit des Nationalsozialismus nach.
2. Die Gründung Nordrhein-Westfalens (1946): Hier wird der Prozess der Landgründung, die Rolle der Siegermächte sowie die Etablierung einer ersten Landesverfassung beschrieben.
3. NRW – Wirtschaft und Gesellschaft: Dieses Kapitel befasst sich mit dem industriellen Wiederaufbau, dem Wirtschaftswunder und dem späteren Strukturwandel im Ruhrgebiet.
4. Die Landespolitik: Die Entwicklung der Landtagswahlen seit 1947, bildungspolitische Reformen sowie die kommunale Neugliederung stehen hier im Mittelpunkt.
Schlüsselwörter
Nordrhein-Westfalen, Geschichte, Gründung 1946, Operation Marriage, Ruhrgebiet, Industrialisierung, Wirtschaftswunder, Kohlekrise, Strukturwandel, Landtagswahlen, Gebietsreform, Kommunalpolitik, Bundesrepublik Deutschland, Nachkriegszeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende historische Analyse des Landes Nordrhein-Westfalen, von den mittelalterlichen Wurzeln bis zu den wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen der Gegenwart.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Gebietsgeschichte, die Gründung des Landes 1946, die wirtschaftliche Entwicklung inklusive der Montanindustrie sowie politische Reformprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die historische Genese des Landes Nordrhein-Westfalen darzustellen und aufzuzeigen, wie sich politische Entscheidungen und wirtschaftliche Gegebenheiten gegenseitig beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse historischer Quellen, Dokumente und Statistiken zur wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des Landes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Gründung des Landes, die wirtschaftliche Entwicklung des Ruhrgebiets sowie gesellschaftliche Aspekte und den Wandel der Landespolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie NRW-Gründung, Ruhrgebiet, Strukturwandel, Landtagswahlen und kommunale Selbstverwaltung geprägt.
Warum war die "Operation Marriage" für die Landesgründung so bedeutend?
Die Operation Marriage beschreibt den strategischen Zusammenschluss der preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen unter britischer Besatzung, um den Kern der deutschen Industrieregion unter einer gemeinsamen Verwaltung zu festigen.
Welchen Einfluss hatte die Kohlekrise auf das Land?
Die Kohlekrise ab 1957 markierte den Beginn eines tiefgreifenden wirtschaftlichen Strukturwandels, der den Verlust von Arbeitsplätzen in der traditionellen Montanindustrie und die Notwendigkeit zur Neuausrichtung der Wirtschaft in NRW zur Folge hatte.
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- Daniel Schmale (Autor:in), 2007, Die historische Entwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70835