Die Symbolik in Theodor Storms "Viola Tricolor"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Einführung: Viola Tricolor

3. Interpretation der einzelnen Symbole
3.1. Der Garten
3.2. Das Bild(nis)
3.3. Die Fenster
3.4. Die Türen
3.5. Das Wasser

4. Zusammenführung / Vergleich

5. Zusammenfassung

6. Quellennachweis

Interpretationshypothese:

Die Symbolik in Viola Tricolor bestimmt das Handlungsgeschehen und wird durch die Figuren gelebt!

1. Einleitung

Das Symbol ist ein Sinnbild – ein Bild, das für einen Sinn steht.

Das Unsichtbare und Unsagbare des Sinnes bekommt einen

Ausdruck im Bild.

Hans Egli

Dieses Zitat macht deutlich, wie schwierig es ist, ein Symbol zu definieren. Bei jedem Versuch merkt man, dass mit dem Begriff ‚Symbol’ eigentlich fast alles gemeint sein kann. In bestimmten Zusammenhängen hat fast jedes ‚Ding’ einen Symbolwert, der sich aber mit dem Zusammenhang auch ändern kann. Trotzdem ist der Sinn eines Symbols nicht beliebig, denn sie sind meist allgemeingültig und werden überall auf der Welt verstanden.

Bei einem Symbol geht es also darum, dass eine bestimmte Botschaft vermittelt werden soll, die sich jeder entschlüsseln kann, ohne dass der Sender seine Absichten lange erklären muss. Oftmals ist das durch die richtige Verwendung eines Symbols nicht notwendig und vor allen Dingen kann man manchmal in einem Bild viel besser ausdrücken, was man meint. Frei nach dem Sprichwort: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hier erkennt man auch deutlich die Ökonomieansprüche eines Symbols. Der Mensch kürzt und verkürzt wo er kann und gerade bei Symbolen handelt es sich um Abkürzungen eines ansonsten komplexen Sachverhalts.

Oftmals kann ein Symbol mehrere Intensionen haben und die Aufgabe des Empfängers des Symbols ist es dann, den richtigen Sinn aus dem Zusammenhang herauszufiltern. Dabei ist es natürlich notwendig die verschiedenen Bedeutungen der einzelnen Symbole zu kennen. Was nicht bekannt ist, kann auch nicht gedeutet werden. Es gibt aber auch keine objektive oder einzig richtige Deutung, vielmehr hängt es davon ab, wie der Einzelne das Symbol wahrnimmt und interpretiert.

Gerade in der Literatur spielen Symbole eine große Rolle, da meistens für ein breites Publikum geschrieben wird und man sich bestimmter Bilder bedienen muss, die eine breite Masse auch versteht. Dass auch Storm sich bevorzugt Bildern mit hohem symbolischen Charakter widmete, macht folgendes Zitat deutlich: „Yet few interpretations of Storm’s Novellen could pass muster without reference to his use of symbols, for in the overwhelming preponderance of his fiction symbolism plays a central role”. (Artiss 1978, 15)

2. Einführung: Viola Tricolor

Viola Tricolor scheint auf den ersten Blick eine relativ einfach strukturierte Novelle zu sein. Sie handelt von dem 40 jährigen Rudolf, der nach dem Tod seiner Frau ein zweites Mal heiratet. Mit seiner ersten Frau, Marie, hat er ein gemeinsames Kind, Nesi. Der beste Freund von Nesi ist ihr Hund Nero und die Amme Anne kümmert sich um sie. Die zweite Frau, Ines, hat es schwer in die bestehende Familie integriert zu werden, da Rudolf immer noch an seiner ersten Frau hängt und Nesi sie nicht als Mutter akzeptieren will. Erst nachdem Ines ein eigenes Kind bekommt und den darauf folgenden Kampf mit dem Tod überlebt, ändern sich die Verhältnisse und sie werden eine Familie.

Nach der Beschäftigung mit der Biographie Storms wird deutlich, dass Storm so gut wie alles, was ihm im Leben widerfährt in seiner Literatur verarbeitet. So ist es auch bei Viola Tricolor. Die angesprochenen Stiefmutterprobleme hatte Storm auch im wirklichen Leben nach dem Tod seiner ersten Frau. Er heiratete seine frühere Geliebte Dorothea Jensen, wobei es dabei zu Schwierigkeiten kam, wie das folgende Zitat deutlich macht:

Hinzu kamen die hohen Ansprüche Storms: Dorothea sollte wie

Constanze [seine erste Frau] Geliebte, Gefährtin, Wirtschafterin

und das poetische Gewissen des Dichters sein, sie sollte wie eine

Mutter für seine Kinder sorgen und doch nicht ‚Mutter’ von ihnen

genannt werden: „wenn…ich hörte, dass sie (die Kinder) ‚Mutter’

zu dir sagten, so klänge mir das wie eine Beraubung der Toten“.

(Laage 1999, 55)

Wie in Viola Tricolor lösten sich die Stiefmutterprobleme auch in Storms wirklichem Leben erst nach der Geburt eines eigenen Kindes der zweiten Frau. Interessant ist, das Storm auch gerade die Frau in den Mittelpunkt seiner Erzählung rückt und nicht Nesi oder Rudolf. Aber es handelt sich um eine imaginäre Erzählinstanz, die die Nähe zu allen Figuren herstellt. Es handelt sich um eine objektive Erzählweise, denn es werden mehrere Figuren beobachtend wiedergegeben. Die Figuren äußern sich dabei in der indirekten Rede.

Der Leser erfährt dabei zwar nicht, ob Ines auch einen Beruf ausgeübt oder gelernt hat, aber sie wird als dem Hausherrn ebenbürtige Frau dargestellt (Storm 1873, 12). Da Rudolf durch seinen Beruf als Altertumsforscher gelehrt ist, kann man davon ausgehen, dass auch Ines eine intelligente Frau ist. Trotzdem ist es ihr auf der emotionalen Ebene nicht möglich bestimmte Zusammenhänge zu erkennen. Das es Nesi zum Beispiel nicht möglich ist, sie ‚Mutter’ zu nennen, weil sie das immer zu ihrer richtigen Mutter gesagt hat, oder das sie ihr niemals die richtige Mutter ersetzen kann und vor allem auch nicht muss. Diese Erkenntnisse kommen ihr erst, als sie erkennt, dass Nesi sie trotzdem liebt und ihr eigenes Kind auch akzeptiert werden wird und nicht als ein Bastard verstoßen wird (Storm 1873, 40).

Eigenartig ist aber, dass Storm dem neugeborenen Kind bis zum Schluss keinen Namen gibt. Ines und Rudolf diskutieren zwar über den Namen, einigen sich aber auf keinen. Das könnte bedeuten, dass das Familienglück nicht von langer Dauer sein wird, weil das Kind zum Beispiel früh wieder stirbt oder ähnliches. Andererseits könnte es auch einfach heißen, dass das in diesem Moment noch nicht so wichtig ist, sondern erst einmal das neu gefundene Verständnis füreinander.

Nach Irmgard Roebling (aus Firges 2001) gibt es in den Novellen Storms vier Grundstrukturen. Als erstes ist zu erkennen, dass es sich bei der Grundperspektive des Erzählens um das Erinnern handelt. Meistens nutzt Storm die Erinnerung als eine Form der Rahmenerzählung, aber manchmal werden die Erinnerungsepisoden auch in den Hauptstrang der Geschichte integriert. Die letztere Möglichkeit sehe ich bei Viola Tricolor, da es sich bei den Erinnerungen nicht um einen eigenständigen Erzählstrang handelt, sondern um eingeschobene Wiedergaben. Ohne Rudolfs Leben in der Vergangenheit durch seine Fantasien, würde der Leser nichts über die Umstände des Todes seiner ersten Frau erfahren. Die Erinnerungen werden bruchstückhaft in die Novelle eingestreut. So zum Beispiel auch, als Ines verschwunden ist und Rudolf sich daran erinnert, dass sie beim Spazieren gehen an einem Wasser Halt gemacht haben (Storm 1873, 27).

Als zweites ist zu erkennen, dass die Erinnerungen oft bis in die Kindheit zurückreichen. Auch das lässt sich in Viola Tricolor gut nachweisen. Rudolf erinnert sich nämlich an die Zeit als er Marie das erste Mal gesehen hat: „…von seinen Büchern durch das Fenster sehend, hatte er dort zuerst das kaum fünfzehnjährige Mädchen erblickt; und das Kind mit den blonden Flechten…“ Storm 1873, 20). Auch bei Ines reicht die Erinnerung bis in die Kindheit zurück, als sie Rudolf von dem Erlebnis mit dem Christuskind berichtet (Storm 1873, 28/29).

Der dritte Punkt spricht Storms Frauenfiguren an, denn es handelt sich bei ihnen meistens um junge kindhafte Mädchen oder Kindfrauen. Er charakterisiert sie durch typische Merkmale: eine zarte Gestalt, weiße Gewandung, zierliche Füße und ein leichter Schritt. Aus der ersten Begegnung mit Marie ist ersichtlich, dass Rudolf sie schon früh kennen lernte und sie dementsprechend auch sehr jung war, als die beiden geheiratet haben. Marie wird in der Novelle durchgehend als ein engelhaftes Wesen beschrieben, ihre Freunde nannten sie ‚holdselig’ (Storm 1873, 6). Auch Ines heiratet er, als sie sehr jung ist, denn sie ist zu jung, um Nesis Mutter sein zu können, auch wenn sie ihr ähnlicher sieht, als die leibliche Mutter.

Rudolf hat sich hier eine Frau an seiner Seite gesucht, die nicht seiner verstorbenen Frau ähnelt, sondern seiner Tochter. Vielleicht hat er unbewusst gedacht, dass es das leichter machen würde, die beiden zusammenzuführen. Nesi würde Ines vielleicht eher als neue Mutter akzeptieren, wenn sie sich schon äußerlich ähnlich sehen würden.

Als vierten Punkt führt Roebling an, dass die Männerfiguren in Storms Novellen oft mit ihren Aufgaben überfordert sind und scheitern. Direkt ist das in Viola Tricolor nicht zu beobachten, aber durch Rudolfs Passivität, wäre Ines beinahe an ihren nicht zu verarbeitenden Problemen gestorben, da sie Rudolf zwar sagt, dass sie schwanger ist, aber nicht, was für eine Last das für sie bedeutet. Mit seiner Aufgabe also, die neue Familie zusammenzuführen, da er ja das Verbindungsglied zwischen Ines und Nesi darstellt, scheitert er. Erst Nesi ist eigentlich ausschlaggebend, das sich doch noch alles zum Guten wendet, indem sie den Totenkult bricht, der über der Verstorbenen liegt und Ines am Totenbett sagt, dass sie sie auch liebt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Symbolik in Theodor Storms "Viola Tricolor"
Hochschule
Universität Rostock
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V71030
ISBN (eBook)
9783638630733
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Symbolik, Theodor, Storms, Viola, Tricolor
Arbeit zitieren
Franziska Hill (Autor), 2005, Die Symbolik in Theodor Storms "Viola Tricolor", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71030

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