Das Thema „alttestamentliche Prophetie“ stellt nach wie vor einen obligatorischen Bestandteil des evangelischen Religionsunterrichtes in der Sekundarstufe I dar.
Aufgrund der entsprechenden Relevanz für die alltägliche Unterrichtspraxis möchte ich in dieser Arbeit untersuchen, ob die Darstellung von Amos in gängigen Unterrichtswerken in angemessner Weise geschieht und dabei sowohl fachwissenschaftlichen wie auch religionspädagogischen Anforderungen genügt.
Auf diesem Wege komme ich zu dem Fazit, dass die beiden älteren Unterrichtswerke dazu tendieren, Amos als positive Identifikationsfigur für die Schülerinnen und Schüler herauszustellen, allerdings mit der Konsequenz, dass ein einseitiges Prophetenbild vermittelt wird, bei dem das breite Spektrum etablierter, fachwissenschaftlicher Interpretationsansätze nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1) Fachwissenschaftliche Analyse des Propheten und der Überlieferung
1.1) Beginn der klassischen Schriftprophetie
1.2) Biographische Angaben zu Amos
1.3) Historischer Kontext
1.4) Aufbau und Überlieferungsgeschichte des Amosbuches
1.5) Die Botschaft
1.5.1) Inhalt der Strafankündigung
1.5.2) Auslegung nach H.W. Wolff und W.H. Schmidt
1.5.3) Auslegung nach Reimer, Fohrer und Koch
1.5.4) Inhalt der Sozialkritik
1.5.5) Auslegung nach H.W. Wolff und W.H. Schmidt
1.5.6) Auslegung nach Reimer, Fleischer und Koch
2) Fazit aus Kapitel 1) und Formulierung fachwissenschaftlicher Kriterien zur Auswertung der Unterrichtswerke
3) Erarbeitung religionspädagogischer Kriterien: Die Schülersituation in Klasse 7/8
4) Vorstellung und Auswertung der Unterrichtswerke
4.1) Das neue Kursbuch Religion 7/8
4.1.1) Aufbau und inhaltliche Beschreibung
4.1.2) Auswertung anhand der Kriterien
4.1.3) Fazit aus den Kapiteln 4.1.1/2
4.2) LebensZeichen 7/8
4.2.1) Aufbau und inhaltliche Beschreibung
4.2.2) Auswertung anhand der Kriterien
4.2.3) Fazit aus 4.2.1/2
4.3) Religion entdecken-verstehen-gestalten 7/8
4.3.1) Aufbau und inhaltliche Beschreibung
4.3.2) Auswertung anhand der Kriterien
4.3.3) Fazit aus 4.3.1/2
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, ob die Darstellung des Propheten Amos in gängigen Unterrichtswerken für den evangelischen Religionsunterricht der Sekundarstufe I sowohl fachwissenschaftlichen als auch religionspädagogischen Anforderungen gerecht wird. Dabei wird insbesondere geprüft, ob die Lehrmaterialien ein differenziertes Prophetenbild vermitteln oder lediglich einseitige Identifikationsfiguren entwerfen.
- Fachwissenschaftliche Analyse des Amosbuches (Prophetie, Kontext, Überlieferung)
- Differenzierung zwischen authentischen Worten und redaktionellen Ergänzungen
- Kontroverse Forschungspositionen zur Botschaft des Amos (Gerichtsprophet vs. Umkehrprediger)
- Religionspädagogische Eignung und Aktualisierung der Themen für die Klassen 7/8
- Kritische Auswertung von drei ausgewählten Unterrichtswerken
Auszug aus dem Buch
1.1) Beginn der klassischen Schriftprophetie
Das Buch über den Propheten Amos markiert den Beginn der klassischen Schriftprophetie. Erstmals werden Worte und Wirken eines Propheten als eigenständige Sammlung herausgegeben und nicht, wie bisher, in Form einer Erzählung innerhalb eines übergeordneten Werkes. Eine mögliche Erklärung für diesen Wendepunkt innerhalb der Prophetenüberlieferung sieht W.H. Schmidt in der zunehmenden Generalisierung ihres Inhaltes. Die Botschaft der Schriftprophetie bezieht sich nicht mehr auf bestimmte Einzelvergehen und richtet sich dementsprechend an einen breiteren Adressatenkreis. Vor diesem Hintergrund erscheint die Einbettung einer Prophetenerzählung in einen größeren literarischen Rahmen nicht mehr notwendig und wird daher seit Amos als eigenständige Sammlung überliefert.
Neben diesen erheblichen Unterschieden bestehen allerdings auch Abhängigkeiten zur bisherigen Überlieferung. So tritt bereits bei Natan und Elia die charakteristische Struktur der „2-teiligen Sprachform“ auf. Hierbei unterteilt sich die Verkündigung in die prophetische Kritik, die die Vergehen der Schuldigen zum Inhalt hat, und in die daraus resultierende Unheilsankündigung, die meist als Jahwewort autorisiert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Fachwissenschaftliche Analyse des Propheten und der Überlieferung: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund, die biographischen Daten und die Überlieferungsgeschichte des Amosbuches sowie die zentralen kontroversen Interpretationsansätze zur Botschaft des Propheten.
2) Fazit aus Kapitel 1) und Formulierung fachwissenschaftlicher Kriterien zur Auswertung der Unterrichtswerke: Hier werden die gewonnenen Erkenntnisse in vier fachwissenschaftliche Kriterien überführt, die als Maßstab für die Beurteilung der Unterrichtswerke dienen.
3) Erarbeitung religionspädagogischer Kriterien: Die Schülersituation in Klasse 7/8: Dieses Kapitel analysiert den Entwicklungsstand und die Identitätsfindung von Jugendlichen der Klassen 7/8, um zwei weitere religionspädagogische Kriterien für die Lehrmittelanalyse abzuleiten.
4) Vorstellung und Auswertung der Unterrichtswerke: In diesem Hauptteil werden drei spezifische Unterrichtswerke anhand des zuvor erarbeiteten Kriterienkatalogs detailliert analysiert und hinsichtlich ihrer Eignung für den Religionsunterricht bewertet.
Schlüsselwörter
Amos, Altes Testament, Prophetie, Unterrichtswerke, Religionspädagogik, Sozialkritik, Strafankündigung, Exegese, Schülersituation, Identitätsfindung, Jahwewort, Kultkritik, Sekundarstufe I, Fachwissenschaft, Bildungsstandards.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Prophet Amos in gängigen evangelischen Unterrichtswerken für die Sekundarstufe I dargestellt wird und ob diese Darstellung den fachwissenschaftlichen und religionspädagogischen Anforderungen entspricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der fachwissenschaftlichen Einordnung des Amos (Kontext, Überlieferung), der Analyse kontroverser Forschungsmeinungen zu seiner Botschaft sowie der Bewertung schulpraktischer Konzeptionen für die Klassen 7/8.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die Unterrichtswerke ein problematisierendes und differenziertes Prophetenbild vermitteln oder ob sie Amos lediglich als einseitige positive Identifikationsfigur für Schülerinnen und Schüler aufbauen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine fachwissenschaftliche Analyse der alttestamentlichen Forschung zur Prophetie sowie eine erziehungswissenschaftliche Analyse basierend auf Rahmenrichtlinien, um Bewertungskriterien für eine kritische Textanalyse der Unterrichtsbücher zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte fachwissenschaftliche Analyse des Propheten und der Überlieferungsgeschichte, die Entwicklung eines Kriterienkatalogs und die anschließende Anwendung dieser Kriterien auf drei konkrete Schulbuchkapitel.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit umfasst Begriffe wie Prophetie, Sozialkritik, Exegese, Religionspädagogik, Identitätsfindung und kritische Analyse von Unterrichtswerken.
Warum wird die Darstellung des Amos in manchen Büchern als problematisch bewertet?
Die Autorin kritisiert, dass ältere Werke dazu tendieren, Amos als unproblematische Identifikationsfigur darzustellen, wodurch komplexe Themen wie die harte Gerichtsprophetie oder die Rolle Gottes als strafende Instanz ausgeblendet werden.
Welche spezifische Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Aktualisierung?
Die Autorin stellt fest, dass viele Aktualisierungen in den Büchern veraltet oder schülerfern sind. Sie schlägt stattdessen vor, an die reale Lebenserfahrung der Jugendlichen anzuknüpfen, etwa durch die Erörterung von Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Missständen im eigenen Umfeld.
- Arbeit zitieren
- Ricarda Paas (Autor:in), 2006, Der Prophet Amos in Unterrichtswerken für den Evangelischen Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71152