Das Verhältnis zwischen Marcus Tullius Cicero und Caius Iulius Caesar Octavianus zwischen den Iden des März 44 v. Chr. und der Ermordung Ciceros am 7.Dezember 43 v. Chr.


Seminararbeit, 2004
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ausgangsposition nach der Ermordung Caesars
2.1. Antonius
2.2. Octavian
2.3. Cicero
2.4. Woher kommt der gegenseitige Hass von Antonius und Cicero?

3. Motive für die Zusammenarbeit
3.1. Ciceros Motive
3.2. Octavians Motive

4. Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Cicero und Octavian
4.1. erste Begegnungen
4.2. Annäherung und beginnende Zusammenarbeit
4.3. Zusammenarbeit
4.4. Verselbstständigung Octavians
4.5. Bruch

5. Schlussgedanke
Wieso ging Octavian am Ende als vermeintlicher Sieger aus dem Bündnis hervor?

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand dieser Hausarbeit ist das Verhältnis von Marcus Tullius Cicero und Caius Iulius Caesar Octavianus zwischen den Iden des März 44 v. Chr. und dem 7.Dezember 43 v. Chr..

Bei diesem Thema muss man zunächst die Charaktereigenschaften, die Ansichten und das jeweilige Umfeld der beiden Männer betrachten, um daraus auf die von ihnen verfolgten Ziele schließen zu können. Hierbei stellen sich die Fragen, ob erstens eine Entwicklung in ihrer Beziehung zueinander im Laufe der eineinhalb Jahre zu erkennen ist und zweitens, warum das Verhältnis einen derartigen Verlauf nehmen musste und welche Faktoren ihn förderten?

Von diesen Betrachtungen aus kann man dann auf den Zustand der res publica[1] nach dem Tod Caesars schließen. Von diesen Rückschlüssen aus gelangt man außerdem zu den Problemen, mit denen sich die politischen Eliten in den Jahren 44 und 43 v. Chr. konfrontiert sahen.

Das Verhältnis von Cicero und Octavian als eigenständiger Gesamtkomplex scheint noch nicht sehr intensiv erforscht zu sein. Darstellungen zu diesem Thema findet man meist eingebunden in die Biographien der beiden, was an den begrenzten Quellen liegen mag. Auch die moderne Forschung muss ihre Erkenntnisse aus den Darstellungen antiker Historiker wie Plutarch, Appian oder Sueton oder direkt aus den erhaltenen Privatkorrespondenzen und Reden Ciceros gewinnen.

In meiner Hausarbeit erörtere ich zunächst die Ausgangspositionen der Hauptpersonen nach der Ermordung Caesars. Dazu möchte ich herausfinden, wo sie sich aufhielten und ob sie schon vor der Ermordung Caesars in einer definierbaren Beziehung zueinander standen. Zudem werde ich klären, ob ihr Verhalten in den Wochen nach der Tat ihr Vorgehen beeinflusste.

Anschließend betrachte ich noch die Motive, die Cicero und Octavian zur Zusammenarbeit bewegten. Damit möchte ich erschließen, inwieweit man von einem natürlichen Bündnis oder von einer unnatürlichen Zweckallianz sprechen kann, wenn man die Beweggründe der beiden Männer miteinander vergleicht.

Hierauf folgend stelle ich die einzelnen Phasen der Entwicklung des Bündnisses zwischen Octavian und Cicero dar. Wie in jeder menschlichen Beziehung lassen sich auch hier mehrere Stadien des Zusammenwirkens erkennen und voneinander abgrenzen.

Vor die Zusammenfassung dieser Hausarbeit stelle ich noch die Frage, wieso Octavian am Ende als vermeintlicher Sieger aus dem Bündnis hervorgehen konnte und nenne Gründe, die mir in dieser Sache schlüssig erscheinen.

2. Die Ausgangsposition nach der Ermordung Caesars

2.1. Antonius

Marcus Antonius war im Jahre 44 v. Chr. der Mitkonsul Caesars. Vor den Iden des März gab es unter den Verschwörern Pläne, auch ihn zu ermorden. Doch Caius Trebonius hielt ihn vor der Curie auf, sodass letztlich nur Caesar dem Attentat zum Opfer fiel.[2] Nach Caesars Tod verschwand Marcus Antonius zunächst unauffindbar und erst als Lepidus, der magister equitum[3] Caesars, mit caesarischen Truppen das Forum besetzte, tauchte er wieder auf.[4] Er nutzte die Gelegenheit um das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden, indem er das Volk gegen die Caesarmörder aufzuhetzen begann.[5] Zunächst unterschlug er Caesars Vermögen und dessen Papiere. Dann begann er damit Beschlüsse und Erlasse herauszugeben, die er (zwar) Caesar zuschrieb. Diese waren allerdings gefälscht und sollten vielmehr der Sicherung seiner eigenen Stellung dienen.[6] Im Testament Caesars „fungierte er nur unter den heredes secundi, den ‚Nacherben’“ (Bengtson S.79), worauf er durchaus verärgert reagierte. In einer Senatssitzung am 17.März ließ er Caesars Verfügungen für amtlich erklären, eingeschlossen die von ihm gefälschten. Er inspizierte ab Ende April 44 Veteranen in Kampanien und kehrte Ende Mai „an der Spitze einer regelrechten Armee“ (Grimal S.485) nach Rom zurück, um den Senat unter Druck zur Verabschiedung von seiner Stellung dienlichen Gesetzen zu nötigen.[7]

2.2. Octavian

Octavian hieß zunächst Caius Octavius. Er war der Großneffe Caius Iulius Caesars. Der bei der Ermordung Caesars 19jährige Octavius „entstammte einer begüterten, jedoch nicht sonderlich wohlhabenden Familie“ (Fuhrmann: S.262). Noch zu seinen Lebzeiten nahm sich der kinderlose Caesar seines Großneffen an.[8] Er sollte ihn als magister equitum auf seinem Feldzug gegen die Parther begleiten, dessen Beginn für den 18.März 44 terminiert war.[9] In seinem Testament machte Caesar Octavius zu seinem Haupterben und Adoptivsohn.[10] Die Nachricht vom Tod seines Großonkels erhielt Octavius im Heerlager bei Apollonia in Illyrien.[11] Aufgefordert von seiner Familie machte er sich auf den Weg nach Rom und erst nach der Überfahrt erfuhr er den Inhalt des Testaments.[12] In Rom stellte er sich nach der offiziellen Annahme des Erbes und der Adoption der contio als der Erbe Caesars vor.[13] Seitdem hieß er Caius Iulius Caesar Octavianus. Octavian hatte kein Amt und keine Macht, doch zum Erbe gehörten auch die Gefolgschaften und Anhänger seines Großonkels. Durch diese Berater und Freunde Caesars, seine Soldaten und Veteranen und die große Zahl an Anhängern in der plebs urbana konnte Octavian bei geschicktem Taktieren politisches Kapital schlagen.[14]

2.3. Cicero

Cicero glaubte nach der Ermordung Caesars an die Restauration des politischen Lebens der res publica.[15] Die Caesarmörder beriefen sich auf ihn, denn „sein Name stand für Frieden und verfassungsmäßige Verhältnisse“ (Grimal S.477). Er sah die res publica aber nicht wieder hergestellt, als er bemerkte, dass Antonius gefälschte Beschlüsse ausgab, die er Caesar zuschrieb und das Volk gegen die Caesarmörder aufzuhetzen begann.[16] Am 7.April 44 verließ er Rom und kehrte erst nach fünf Monaten zurück. Er besuchte viele Städte, um zu erfahren, wie sich deren Bewohner gegenüber dem Mord an Caesar verhielten.[17] Schließlich blieb er auf seinem Anwesen in Puteoli, wo er sich mit anderen nobiles traf, um mit ihnen über die Zukunft zu diskutieren und sich zu beraten.[18] Er merkte, „daß das Risiko eines neuen Bürgerkrieges zwar gegeben ist, daß man es jedoch mittels einer klugen Politik durchaus noch entschärfen kann“ (Grimal S.484). Als Antonius im April die Veteranen in Kampanien zu inspizieren begann, befürchtete Cicero, dieser könne einen Handstreich vorbereiten.[19] „Auf einmal ist Cicero klar, daß der Kampf gegen Antonius gehen muß“ (Grimal S.485).

2.4. Woher kommt der gegenseitige Hass von Antonius und Cicero?

Das Verhältnis von Marcus Antonius zu Cicero ist bestimmt von einer ausgeprägten gegenseitigen Abneigung. Während der Catilinarischen Verschwörung im Jahre 63 v.Chr. ließ Cicero als Konsul den Stiefvater Antonius’, Publius Cornelius Lentulus Sura, hinrichten.[20] Generell hatte Cicero „für die Antonier nichts übrig“ (Bengtson: Marcus Antonius S.17). Antonius konnte Cicero die Hinrichtung nie verzeihen. Cicero hingegen missfiel Antonius’ laute und prahlerische Art und sein Bestreben, unter den Generälen Caesars als erster anerkannt zu sein.[21] „Seinen Hass auf Antonius haben selbst seine politischen Freunde nicht ganz begriffen, am wenigsten Brutus, der Octavian für viel gefährlicher hielt“ (Bleicken S.90). Cicero warf Antonius vor, er sei verschwenderisch und unverfroren und dass er auf seine Würde keinen Wert lege.[22] Antonius soll sich gerne mit Dirnen umgeben haben, was Cicero unvereinbar mit der in seinen Augen für die res publica wichtigen Moral hielt.[23] Antonius seinerseits war Cicero gegenüber nachtragend, seitdem ihm dieser bei der Wahl zum Augurat den Rang abgelaufen hat.[24] Das zeigt, dass es schon vor den Iden des März Vorbehalte zwischen Cicero und Antonius gab. Aber erst durch den Schlagabtausch im Senat als Reaktion auf das Gebaren Antonius’ nach Caesars Tod wurde aus der Abneigung eine Feindschaft.[25] Cicero sah ihn als die größte Gefahr für die res publica.

3. Motive für die Zusammenarbeit

3.1. Ciceros Motive

Ciceros Ziel war während der gesamten Zeit die Wiederherstellung der res publica libera, wie sie bereits vor Caesar bestanden hatte.[26] Cicero und die Republikaner waren nicht bereit, die Entwicklung der Ordnung, resultierend aus der enormen Größe des römischen Reiches, hin zu einem neuen Konstrukt, in dem die Macht einem einzigen gehören würde, zu akzeptieren.[27] Aus dieser Ansicht ergeben sich die Gründe für die Ermordung Caesars und für die spätere Bekämpfung von Antonius, der sich anschickte eine ähnliche Position im Staat zu erreichen wie sie Caesar innehatte. „Für den Kampf gegen Antonius und die Restauration der res publica fehlte das Instrument. Anfang November, […], glaubte Cicero es gefunden zu haben, denn am Tag der Calenden erhielt er einen Brief von Octavianus.“ (Grimal S.503). Durch die Einbindung des Caesarerben in seine Pläne wollte Cicero eine Einheitsfront gegen seinen Feind Antonius schaffen.[28] Auch Persönliche Abneigungen gegen den Konsul des Jahres 44 schienen für die Entscheidung Ciceros für ein Bündnis mit Octavian eine Rolle gespielt zu haben. Dennoch war es „politisches Kalkül, nicht Überzeugung“ (Ortmann S.164), mit Octavian zusammenzuarbeiten. Allerdings war der Senat auf Octavians Truppen angewiesen, was Cicero sehr wohl bewusst war.[29] Sein Plan war die politische Ausschaltung Octavians nach Erfüllung seiner Aufgaben im Kampf gegen Antonius.[30] Er war die ganze Zeit der Meinung, er könne Octavian nach seinen Wünschen lenken. Dazu trug sicherlich auch dessen schmeichelhaftes Verhalten ihm gegenüber und sein junges Alter bei.

[...]


[1] „Bezeichnung für den gesamten Bereich des öffentlichen Lebens sowie Äquivalent für unseren Begriff des Staates.“ (vgl. Bringmann S.229).

[2] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 478.

[3] dt. Reiterführer

[4] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 478.

[5] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 479.

[6] Ebd.

[7] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 485.

[8] Fuhrmann, Manfred: Cicero und die römische Republik, München / Zürich 1990. Seite 262.

[9] Fuhrmann, Manfred: Cicero und die römische Republik, München / Zürich 1990. Seite 263.

[10] Fuhrmann, Manfred: Cicero und die römische Republik, München / Zürich 1990. Seite 262.

[11] Ortmann, Ursula: Cicero, Brutus und Octavian – Republikaner und Caesarianer, Bonn 1988. Seite 83.

[12] Ebd.

[13] Ortmann, Ursula: Cicero, Brutus und Octavian – Republikaner und Caesarianer, Bonn 1988. Seite 97.

[14] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 491.

[15] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 477.

[16] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 479.

[17] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 480.

[18] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 484.

[19] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 485.

[20] Bleicken, Jochen: Augustus – Eine Biographie, Berlin 1999. Seite 88.

[21] Bleicken, Jochen: Augustus – Eine Biographie, Berlin 1999. Seite 89.

[22] Bengtson, Hermann: Marcus Antonius – Triumvir und Herrscher des Orients, München 1977. Seite 64.

[23] Ebd.

[24] Bengtson, Hermann: Marcus Antonius – Triumvir und Herrscher des Orients, München 1977. Seite 53.

[25] Bleicken, Jochen: Augustus – Eine Biographie, Berlin 1999. Seite 93.

[26] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 486.

[27] Grimal, Pierre: Cicero – Philosoph, Politiker, Rhetor, München 1986. Seite 494.

[28] Ortmann, Ursula: Cicero, Brutus und Octavian – Republikaner und Caesarianer, Bonn 1988. Seite 213.

[29] Ortmann, Ursula: Cicero, Brutus und Octavian – Republikaner und Caesarianer, Bonn 1988. Seite 181.

[30] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis zwischen Marcus Tullius Cicero und Caius Iulius Caesar Octavianus zwischen den Iden des März 44 v. Chr. und der Ermordung Ciceros am 7.Dezember 43 v. Chr.
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut - Seminar für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Die Krise der Römischen Republik
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V71172
ISBN (eBook)
9783638628037
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Seminararbeit beleuchtet die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Marcus Tullius Cicero und Caius Iulius Caesar Octavianus zwischen der Ermordung Caesars an den Iden des März 44 v.Chr. und der Ermordung Ciceros am 7.Dezember 43 v.Chr.
Schlagworte
Verhältnis, Marcus, Tullius, Cicero, Caius, Iulius, Caesar, Octavianus, Iden, März, Ermordung, Ciceros, Dezember, Proseminar, Krise, Römischen, Republik
Arbeit zitieren
Daniel Wimmer (Autor), 2004, Das Verhältnis zwischen Marcus Tullius Cicero und Caius Iulius Caesar Octavianus zwischen den Iden des März 44 v. Chr. und der Ermordung Ciceros am 7.Dezember 43 v. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71172

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