In dieser Arbeit wird die Entwicklung der Syntax der deutschen Sprache vom Althochdeutschen bis zum Frühneuhochdeutschen untersucht und diachron dargestellt. Es handelt sich also nicht um eine separate und synchrone Betrachtung des syntaktischen Systems der jeweiligen Sprachstufen, da vornehmlich die Entwicklung selbst im Vordergrund steht.
Dazu erfolgt eine grundlegende Begriffsklärung der relevanten Termini, um davon ausgehend einzelne Phänomene der Syntax und deren Veränderungen betrachten und gegebenenfalls erklären zu können. Im Zentrum steht hierbei die Entwicklung der Satzformen (einfache Sätze und logisch-grammatische Satztypen sowie komplexe Sätze), der Wortstellung und Stellungsfelder sowie der Negation. Diese werden anhand zahlreichen Textbeispielen belegt und disskutiert.
Die Arbeit zeigt, dass Veränderungen besonders im Bereich der Realisierung der obligatorischen Satzglieder, im Rahmen der Wortstellung in der Positionierung des Verbs im Hauptsatz in Abgrenzung zum Nebensatz und dem Ausbau der verbalen Klammer im Hauptsatz und im Nebensatz sowie im Negationssystem deutlich werden.
Die meisten Veränderungen waren jedoch nicht Resultat einer grundlegenden Erneuerung (eine Ausnahme ist nur die Entwicklung der Negationsformen), sondern bereits im Ahd. mehrere Varianten (z.B. der Wortstellung) vorhanden bzw. möglich waren und eine dieser Möglichkeiten im Laufe der Entwicklung bevorzugt wurde, die sich daher durchsetzte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Arbeitsdefinitionen
3. Die Entwicklung der Syntax vom Ahd. bis zum Frnhd.
3.1 Satzformen
3.1.1 Einfache Sätze und logisch-grammatische Satztypen
3.1.2 Komplexe Sätze
3.2 Wortstellung und Stellungsfelder
3.3 Negation
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht diachron die syntaktische Entwicklung der deutschen Sprache vom Althochdeutschen bis zum Frühneuhochdeutsch. Ziel ist es, den syntaktischen Wandel nicht separat und synchron für jede Sprachstufe zu betrachten, sondern die Entwicklungsprozesse selbst anhand von Bibelübersetzungen als Textkorpus in den Mittelpunkt der Analyse zu stellen.
- Grundlegende Arbeitsdefinitionen von Syntax und Abgrenzung der Sprachperioden
- Analyse der Satzformen: einfache Sätze und komplexe Satzgefüge
- Untersuchung der Wortstellung und der Entwicklung von Stellungsfeldern
- Veränderungen im Bereich der Negation und deren morphologische Einbettung
- Einfluss des Sprachwandels und externer Faktoren auf die Syntax
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Einfache Sätze und logisch-grammatische Satztypen
Die grundlegendste und wichtigste Satzform einer Sprache ist der einfache Satz oder auch „Elementarsatz“. Hauptbestandteil dieses Satzes ist ein Verb, von dem aus „[...] Stellen für weitere Elemente des Satzes [...]“ besetzt werden können. Je nachdem, welche Ergänzungen in einem Satz realisiert werden, kann dieser von anderen Satztypen unterschieden werden.
Generell zählen zu den Elementarsätzen Haupt-, Neben-, Einschubsätze und nebengeordnete Sätze, die als Glieder einer parataktischen Satzreihe fungieren. Der grundlegende Typ des Elementarsatzes, von dem ausgehend weitere Satztypen gebildet werden können, besteht aus mindestens zwei Komponenten: einem Subjekt (im Nominativ) und einem intransitivem Verb. Dieser Grundtyp findet sich bereits im Ahd.:
Tatian: „Her quad [...]“
Dieser Grundtyp findet sich nur sehr selten in dieser reinen Form, da in einem Textzusammenhang in der Regel mehr Informationen mitgeteilt werden müssen. Die Realisierung dieses Satztyps hat sich seit dem Ahd. nicht verändert, mit der Ausnahme, dass im Ahd. das Subjekt fehlen konnte, ohne dass der Satz ungrammatisch erschien. Dies konnte in der Regel Sätze unabhängig vom Verb betreffen, wobei jedoch besonders bei Wetterverben und Verben des Gemütszustandes das Subjekt fehlt. Dass dieses im Laufe der sprachlichen Entwicklung jedoch obligatorisch wurde (mit Ausnahme der Wetterverben und Verben des Gemütszustandes) zeigen folgende Textbeispiele:
Tatian: „Arstantu inti faru zi mînemo fater [...]“
Evangelienbuch: „Ich wil ûf stên und gên zů mînem vatere [...]”
Luther: „ich will mich auff machen und zu meynem vater gehen [...]“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Syntax innerhalb der diachronen Sprachbetrachtung und definiert die methodische Herangehensweise unter Verwendung ausgewählter Bibelübersetzungen als Textkorpus.
2. Grundlegende Arbeitsdefinitionen: In diesem Kapitel werden der Begriff der Syntax für die Arbeit definiert, die untersuchten Sprachperioden zeitlich eingegrenzt und die methodischen Grundlagen der Analyse dargelegt.
3. Die Entwicklung der Syntax vom Ahd. bis zum Frnhd.: Das Hauptkapitel untersucht detailliert die syntaktischen Veränderungen vom Althochdeutschen über das Mittelhochdeutsche bis zum Frühneuhochdeutschen.
3.1 Satzformen: Dieser Abschnitt analysiert die Entwicklung und Differenzierung von einfachen Sätzen sowie komplexen Satzgefügen im diachronen Vergleich.
3.1.1 Einfache Sätze und logisch-grammatische Satztypen: Hier werden die Grundstrukturen des einfachen Satzes und deren Entwicklung hin zur obligatorischen Zweigliedrigkeit mit Subjekt untersucht.
3.1.2 Komplexe Sätze: Dieser Abschnitt befasst sich mit der Entwicklung von Satzreihen und dem Ausbau der hypotaktischen Satzverknüpfung durch Konjunktionen.
3.2 Wortstellung und Stellungsfelder: Das Kapitel widmet sich der Entwicklung der festen Wortstellung und der Ausbildung von Stellungsfeldern im Haupt- und Nebensatz.
3.3 Negation: Hier wird der Wandel der Negationsformen von der Partikel ni hin zu neuen Negationswörtern und der Polynegation analysiert.
4. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Rolle von Sprachwandel und außer-sprachlichen Einflüssen.
Schlüsselwörter
Syntax, Sprachgeschichte, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch, Sprachwandel, Satzformen, Wortstellung, Stellungsfelder, Negation, Diachronie, Hypotaxe, Parataxe, Bibelübersetzungen, Sprachperioden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der diachronen Entwicklung der deutschen Syntax von der althochdeutschen bis zur frühneuhochdeutschen Sprachperiode.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Entwicklung von Satzformen, die Veränderungen in der Wortstellung sowie die Transformation der Negationssysteme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Entwicklung des syntaktischen Systems des Deutschen über die verschiedenen Sprachstufen hinweg darzustellen und den Wandel der zugrunde liegenden Strukturen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen diachronen Ansatz und verwendet übersetzungstechnische Textvergleiche (insbesondere Bibelübersetzungen wie Tatian, Evangelienbuch und Lutherbibel) als Textkorpus, um syntaktische Veränderungen zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Satzformen, die Entwicklung von Wortstellungsregeln und Stellungsfeldern sowie die Analyse der Negationsstrukturen und deren morphologischen Einflüsse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Syntax, Sprachgeschichte, diachroner Sprachwandel, Satzformen, Wortstellung, Stellungsfelder und Negation.
Welche Rolle spielt die Entwicklung der Satzklammer?
Die Entwicklung der Satzklammer ist zentral für die Festlegung der Wortstellung im Haupt- und Nebensatz und stellt einen maßgeblichen Prozess des syntaktischen Wandels in den behandelten Sprachperioden dar.
Warum wird die Negationspartikel "ni" im Laufe der Zeit verdrängt?
Die Partikel "ni" wurde durch neue, intonationsstärkere Negationswörter verdrängt, da diese den Ausdruck der Verneinung im Satz besser realisieren konnten.
Welche Bedeutung hat das lateinische Vorbild für die deutsche Syntax?
Obwohl lateinische Texte als Vorlage für Bibelübersetzungen dienten, zeigt die Arbeit, dass syntaktische Entwicklungen wie die Satzklammer oft nicht ausschließlich auf lateinischen Einfluss zurückzuführen sind, sondern auf internen, heimischen Entwicklungsmöglichkeiten beruhen.
- Arbeit zitieren
- Christine Porath (Autor:in), 2006, Die Entwicklung der Syntax vom Althochdeutschen bis zum Frühneuhochdeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71495