Agenda-Setting - Nur eine Hypothese?


Hausarbeit, 2006
17 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kapitel – Geschichte des Agenda-Settings
1.1. Allgemeine Geschichte
1.2. Die Chapel-Hill-Studie – Grundsteinlegung für eine neue Disziplin

2. Agenda-Setting
2.1. Konstruktion von Realität
2.2. Agenda
2.3. Issue
2.4. Salience
2.5. Intervenierende Variablen

4. Studienvariationen
4.1. Wirkungsmodelle
4.2. Längsschnitt- oder Querschnittstudien

5. Kritik

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des Agenda-Settings. Agenda-Setting meint dabei das Setzen oder Festlegen der Tagesordnung, der Agenda, eine mögliche deutsche Übersetzung ist die „Themenstrukturierungsfunktion der Medien“[1]. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die durch die Medien bestimmte Agenda (media-agenda) maßgeblichen Einfluss auf die Agenda der Öffentlichkeit (public-agenda) hat.

Die Medien haben durch ihre exponierte Stellung in der Massenkommunikation eine tragende Rolle in der Informationsgesellschaft. Sie können die Verbreitung neuer Themen forcieren oder durch Mehrgewichtung, beziehungsweise Nichtbeachtung, ihren Platz in der öffentlichen Diskussion bestimmen. Sie definieren somit den Diskussionsraum, der für Debatten über verschiedene Themen zur Verfügung steht und die Wichtigkeit, welche den Themen zugemessen wird[2]. Durch das Einbringen von neuen Themen und differenzierter Hinterfragung von bereits bestehenden Themen haben sie auch einen wesentlichen Einfluss auf die Politik (policy-agenda).

Beim Erstellen des Untersuchungsdesigns wird von einer Agenda-Setting-Hypothese ausgegangen. Die Wirkung der Medien auf die Öffentlichkeit ist der Agenda-Setting-Effekt, der diagnostiziert wird, wenn im Rahmen der Untersuchung ein maßgeblicher Einfluss der media-agenda auf die public-agenda vorliegt. Es ist zu beachten, dass es sich bei dem Konzept der Agenda-Setting um eine Theorie handelt. Hierbei besteht die Problematik darin, dass es, im Gegensatz zu den Naturwissenschaften und ihren Naturgesetzen, meist nicht möglich ist, allgemeingültige Regeln zu generieren und sich Versuchsreihen nur bedingt oder gar nicht reproduzieren lassen[3].

Gerade wegen dieser Vielfalt ist es nahezu unmöglich, eine alles erfassende Arbeit über dieses Thema zu erstellen. Vielmehr ist diese Arbeit als eine einführende Übersicht über das Thema gedacht, die schlaglichtartig die wesentlichen Aspekte der Agenda-Setting-Forschung vorstellen soll. Während in Kapitel zwei die Geschichte des Agenda-Settings behandelt wird, ist Kapitel drei ein Überblick über die zentralen Inhalte. Kapitel vier beschäftigt sich mit Studienvariationen, bevor im fünften Kapitel eine Kritik am Agenda-Setting folgt.

1. Geschichte des Agenda-Settings

1.1. Allgemeine Agenda-Setting-Geschichte

Die Geschichte der Agenda-Setting-Forschung ist zwar noch ein verhältnismäßig junges Teilgebiet der Kommunikationsforschung, kann sich jedoch auf weit zurückreichende Wurzeln berufen und erfuhr seit seiner Etablierung eine rasche Verbreitung[4].

Bereits 1922 beschäftigte sich der Publizist Walter Lippmann in seinem Werk "Public Opinion" mit dem Zusammenhang zwischen "The World Outside and the Pictures in Our Heads", in dem er den Massenmedien eine Vermittlerrolle zwischen den realen Ereignissen in der Welt und den daraus resultierenden Bildern in den Köpfen der Menschen zugesteht[5] . Ebenfalls 1922 stellte der Soziologe Robert E. Park in seiner Studie “The immigrant press and its control” eine Pförtnerfunktion (gatekeeper[6] ) der Medien fest: "...the editor chooses certain items for publication which he regards as more important or more interesting than others." Die Kommunikatoren, also diejenigen, welche Medien produzieren und kommunizieren, sind somit das direkte Bindeglied zwischen dem, was in der Realität passiert und dem, was die Rezipienten sich als Realität konstruieren[7] . Im Jahr 1938 erfolgte bereits ein Fingerzeig auf das zukünftige Agenda-Setting: Eine Untersuchung über das britische Pressewesen mit dem Titel „The importance of the agenda-making function of the Press“ beschäftigte sich mit den grundsätzlichen Fragen des Agenda-Setting und diagnostizierte die Existenz einer Agenda mit verschiedenen Inhalten, welche von den Medien gesteuert werden und somit die zentrale Aufgabe der Presse ist[8] .

1948 formulierte Harold D. Lasswell dann die Frage zum Verhältnis von Medien und Öffentlichkeit, die heute unter dem Namen Lasswell-Formel bekannt ist[9] . Sie beschreibt den Prozess der Massenkommunikation, bei dem der Journalist (Kommunikator) via Kanal (Medium) mit dem Publikum (Rezipienten) kommuniziert: „Who says what to whom via which channels and with what effect?“ Den nächsten großen Beitrag auf dem Weg zur Agenda-Setting-Forschung leistete 1963 Bernard Cohen[10] . Er beobachtete, dass die Presse "may not be successful much of the time in telling people what to think, but it is stunningly succesful in telling its reader what to think about." Dieser Gedanke von Cohen macht bereits den Paradigmenwechsel der Kommunikationsforschung im 20. Jahrhundert deutlich. Während das Hauptaugenmerk der Kommunikationsforschung noch bis in die 1950´er Jahre hinein von der Erforschung der mächtigen Medien und der damit verbundenen Manipulation der Bevölkerung lag, rückte nun vermehrt das Individuum und seine Rezeption von Nachrichten in den Mittelpunkt des Interesses[11] . Über die Wirkungen der Medien äußerte sich Barbara Nelson folgendermaßen: „…the media can lead the public to water, so to speak, but cannot always make it drink.“[12]

Die Disziplin der Agenda-Setting-Forschung wurde 1972 von Maxwell E. McCombs & Donald L. Shaw mit einem Artikel über ihre Chapel-Hill-Studie initiiert, in der sie auch erstmals den Begriff des Agenda-Setting verwendeten[13]. Ihr Forschungsziel waren nicht länger Verhaltens- oder Einstellungsänderungen der Medienkonsumenten, sondern wie Massenmedien die Einschätzung der Wichtigkeit von einzelnen Themen durch den Rezipienten verändern. In ihrer Studie konnten sie außerdem erstmals den von ihnen benannten Agenda-Setting-Effekt nachweisen und begründeten durch ihr neuartiges Studiendesign maßgeblich die weitere Entwicklung der Agenda-Setting-Forschung. Dearing & Rogers zählten 1995 bereits über 350 Publikationen zum Thema Agenda-Setting, wovon der überwiegende Großteil in den USA veröffentlicht wurde[14] . Obwohl das Thema häufig interdisziplinär untersucht wird, ist seine eigentliche Heimat die politische Kommunikationsforschung.

[...]


[1] Rössler S. 62

[2] Rössler S. 21ff.

[3] Rössler S. 109

[4] Dearing & Rogers X

[5] Dearing & Rogers S.11

[6] Sarcinelli S. 433

[7] Ehmig et al. S. 357

[8] Rössler S. 22

[9] Tonnemacher S. 35

[10] Dearing & Rogers S. 12

[11] Eichhorn S. 22

[12] Nelson, Barbara zitiert nach Rössler S. 72

[13] Rössler S. 16

[14] Dearing & Rogers S. 98

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Agenda-Setting - Nur eine Hypothese?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Politische Wissenschaft)
Note
1,3
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V71633
ISBN (eBook)
9783638683579
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Agenda-Setting, Hypothese
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Agenda-Setting - Nur eine Hypothese?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71633

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