Die Syntax der Han- und Tangzeit


Referat (Ausarbeitung), 2005
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1) Einleitung

2) Methodologie

3) Resultative Construction des modernen Chinesisch
3.1) Syntax
3.2) Transitivität

4) Ursprung der Resultative Construction

5) Zusammenschmelzung von V und R

6) Weitere Aspektmarkierer

7) Genitivpartikel 的

8) 是-Fall

9) Zusammenfassung

1.) Einleitung:

Bei dieser Arbeit stütze ich mich auf die Untersuchungen des Yuzhi Shi: „The Estabhlishment of Modern Chinese Grammar“.

Die erste Schwierigkeit erweist sich darin, eine geeignete zeitliche Einteilung zu finden, da die Veränderungen des Chinesischen nach unterschiedlichen Kriterien untersucht wurden.

Die Periodisierung nach Yuzhi Shi sieht folgendermaßen aus:[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie diese Einteilung erkennen lässt, überschneidet sich das Alt- und Mittelchinesische mit der Han- und Tang-Zeit[2], so dass ich beiden Beachtung zukommen lasse beim Untersuchen der Syntax.

Um die morphosyntaktischen Veränderungen zu untersuchen, eignen sich am besten die Quellen, die die Volkssprache reflektieren. Allerdings ist dies eine weitere Schwierigkeit, da solche Texte zu diesem Zeitpunkt nur schwer zu finden sind und stattdessen häufig einen Mix von Geschriebenem und Gesprochenen vorweisen. Zu vermeiden bei den Untersuchungen sind Poesie und Prosa, weil diese nur das geschriebene Chinesisch repräsentieren, dafür hat man sich an folgende Texte gehalten:

- Aufgezeichnete Dialoge/Reden von wichtigen Personen; das wichtigste ist das berühmte „Lunyu“, das Gespräche zwischen Konfuzius und seine Schüler enthält
- Religiöse Bücher, die meistens vom Buddhismus, da Buddhisten die Umgangssprache benutzten, damit auch ungebildete Menschen die Glaubenslehre verstanden
- Dramen, die bei dem gewöhnlichen Volk (während der Yuan-Dynastie) sehr beliebt wurden und die Umgangssprache widerspiegeln.
- Umgangssprachliche Dichtung (die allerdings erst in der Song-Dynastie auftrat)

In den letzten 2000 Jahren haben sich einige grammatikalische Veränderungen in den folgenden Bereichen ergeben:

- Komplement des Resultats
- 把 – Konstruktion
- Vergleich mit 比
- Verbverdopplung
- Topic-Konstruktion
- Aspektpartikel 了,着, 过
- Verneinung mit 没
- Genitivkonstruktion mit 的

Die Veränderung des Komplements des Resultats war die fundamentalste syntaktische Veränderung, was Konsequenzen für andere grammatikalische Bereiche mit sich zog.

In den nachfolgenden Kapiteln möchte ich detaillierter auf diese Veränderungen eingehen.

2.) Methodologie:

Bei Untersuchungen von sprachlichen Veränderungen, trifft man auf folgende theoretische Begriffe:

1.) Grammatikalisierung (Grammatikalisation)[3]: in der allgemeinen Linguistik gibt es zahlreiche Definitionen, nach Grundlage chinesischer Linguistik ergibt sich folgende Definition: „Prozess, bei dem sich Worte oder Konstruktionen in neue grammatikalische Bausteine entwickeln, was normalerweise Neuerungen der morphosyntaktischen Partikel und syntaktischen Konstruktion nach sich zieht.“
2.) Reanalysis[4] ist einer der Mechanismen der Grammatikalisation, bei deren Definition sich Yuzhi Shi auf den Ansatz von Hopper und Traugott stützt: „Die Kombination von 2 oder mehr Worten in einem, was normalerweise Konsequenzen für die Semantik, Morphologie, Phonologie und auch manchmal die Syntax hat von der Perspektive der neuen ganzen Worten und den vorherigen individuellen Teilen.“
3.) Analogy ist der andere Mechanismus der Grammatikalisation, der normalerweise nach der Reanalysis einsetzt und den Prozess der Generalisierung auslöst und folgendermaßen definiert werden kann: „Optimierunsprozess einer grammatikalischen Struktur, der angibt, dass analoge Veränderungen von der Struktur der Sprache als ganzes umfunktioniert werden können.“[5]

3.) “Resultative Construction” des modernen Chinesisch

In der allgemeinen Linguistik lassen sich „resultative“ folgendermaßen definieren: „Verben, die sich auf ein Ereignis beziehen, welches zu einem Ergebnis führt.“ Die Resultative müssen hier in keiner Konstruktion stehen, sondern können auch alleine stehen.

Dies ist nicht zutreffend auf das Chinesische, da im modernen Chinesisch das Verb aus zwei Elemente (+ evtl. einem Objekt) besteht. Es entsteht eine Verbindung zwischen dem Verb und dem Resultativ: 看完书,吃饱,吃胖,叫醒

3.1.) Syntax

Die Syntax der „resultative construction“ kann aufgeteilt werden in drei Stufen, die von 1-3 eine immer größere Fusion aufweist:

1) Syntactic collocation: Zwei Elemente treten in einem Satzmuster auf und haben eine Beziehung zum Ergebnis. Dieses Satzmuster ist mehr eine „lose“ Anordnung, als ein verbundenes Verb. Hierbei können Objekte normalerweise nicht vorangehen.

Bsp: Wenn eine Person ein Bild an die Wand hängt und eine zweite Person benötigt um zu beurteilen, ob dieses Bild in der richtigen Position hängt, so dass die Person mit der Konstruktion 看歪 = kann wai – „es hängt schief“ antworten würde.

2) Verb + bound resultative: Das Verb tritt mit dem „resultative“ so häufig auf, dass es als eine Einheit angesehen und wie ein eigenständiges Verb gesehen wird. Objekte können in diesem Satzmuster enthalten sein. Die Bedeutung kann vom Bestandteil + „resultative“ abgeleitet werden, z.B. 吃饱,看完,洗净
3) Compound Verb: Diese Verben wirken wie eigenständige Verben und sofern man kein Wissen vom Alt und Mittelchinesisch hat, kann man die VR-Struktur nicht ableiten, stattdessen sind Eintragungen im Wörterbuch zu finden. Die Bedeutung kann nicht vom Bestandteil + dem action result abgeleitet werden, z.b.: 砍开 = verstehen,说明 = erklären

- Alle drei Strukturen haben die Gemeinsamkeit, dass zwischen die VR-Konstruktion eine Einheit ist und keine Elemente zwischen ihnen stehen.[6]

Die in Beziehung stehenden „resultatives“ sind abhängig vom Sinn/Kontext, d.h. es gibt keine lexikalische Limitierung der Verben, die als „resultative“ dienen können.

Von Bedeutung sind auch die grammatikalischen Strukturen, d.h. die grammatikalischen Beziehungen, die das „resultative“ mit anderen Bestandteilen des Satzes haben kann:

[...]


[1] Yuzhi Shi selber hat seine Periodisierung in Anlehnung an C. Sun, S. Lu und L. Wang/F. Chou/Peyraube erstellt, die bei ihren Periodisierungen andere Ansätze berücksichtigt haben.

[2] Han-Dynastie: Western Han Dynastie: 206 v. Chr. – 24 n. Chr., Eastern Han Dynastie: 25 – 220 n. Chr.

Tang-Dynastie: 618 – 907 n. Chr.

[3] Yuzhi Shi hält sich hier an zahlreiche Untersuchungen anderer Gelehrter,

[4] Auch bei dieser Definition hält sich der Autor u.a. an Definitionen von Gelehrten, wie Langacker und Harris Campell

[5] Hier hält sich Yuzhi Shi an Definitionen der allgemeinen Literaturwissenschaft:

a) process of optimization of grammatical structure, which predicts that analogical change can be channeled by the structure of the language as a whole
b) Extension is change in the surface manifestation of a syntactic pattern that does not involve immediate or intrinsic modification of underlying structure, a mechanism that operates to change the syntax of a language by generalizing a rule
c) Analogy refers to the attraction of extant forms to already existing constructions, essentially involving paradigmatic organization and change in surface collocations.

[6] Vgl. 4.) Resultative Construction des Mittelchinesischen.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Syntax der Han- und Tangzeit
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Universität )
Veranstaltung
Einführung in die Sprachwissenschaften des Chinesischen
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V72381
ISBN (eBook)
9783638732765
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Syntax, Han-, Tangzeit, Einführung, Sprachwissenschaften, Chinesischen
Arbeit zitieren
Anja Rusche (Autor), 2005, Die Syntax der Han- und Tangzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72381

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