Die Vegetation der Wutachschlucht


Seminararbeit, 2007

30 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Naturräumliche Gliederung und Entstehungsgeschichte
2.1. Geographische Lage
2.2. Geomorphologie der Wutachschlucht

3.Geologischer Abriss
3.1.Obere Schlucht
3.2. Mittlere Schlucht
3.3.Untere Schlucht

4. Klimatische Einflüsse
4.1. Klima der Gesamtregion
4.2. Das Mikroklima der Schlucht
4.2.1. Temperaturvergleiche innerhalb der Schlucht
4.2.1.1. Temperaturmaxima
4.2.1.2. Temperaturminima
4.2.2. Ergebnisbetrachtung und Schluchtbesonderheiten

5.Vegetationsverbreitung in der Wutachregion
5.1. Untersuchungsmethoden
5.2. Verbreitungsschwerpunkte nach Florenelemente
5.3. Vegetationszonierung in der Wutachschlucht
5.3.1 Die Muschelkalkschlucht
5.3.1.1. Die Südhänge
5.3.1.2. Die Nordhänge
5.3.1.3. Die Felsen
5.3.1.4. Die Talsohle
5.3.1.5. Die Wiesen

6. Naturschutz und Schluchtnutzung

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Was verbindet Donau und Rhein? Zum einen waren es schon immer Wanderstrassen für Völker, Tiere und Pflanzen. Zum anderen haben sie schon immer um die Wasserscheide gekämpft- und sie hatten als Nebenfluss schon beide die Wutach.

Dieser Fluss, der eine tiefe Schlucht geschaffen hat, war und ist für ein gewaltiges Naturphänomen verantwortlich, das Wissenschaftler genauso begeistert wie den Naturliebhaber. Auf den ersten Blick ist es deshalb umso erstaunlicher, dass die Literatur, insbesondere die der Vegetationsgeographie, weniger die Wutachschlucht selbst betrachtet, sondern sich in vielen Arbeiten zuerst mit der „Wutachregion“ beschäftigt. Hintergrund bildet die lange Phase der schweren Zugänglichkeit dieser Schlucht, die 1908 durch den Schwarzwaldverein mit dem „Ludwig-Neumann-Weg“ begehbar und 1939 durch die Bemühungen des Baurats Hermann Schurhammer zum Naturschutzgebiet erhoben wurde.

Meine Betrachtung der Wutachschlucht soll sich neben der Darstellung ihrer Entstehung, den geologisch, klimatischen Vorraussetzungen der heutigen Vegetation und ihrer Zonierung, auch der Frage widmen, ob die Florenvielfalt auch schon im Spätglazial vorhanden war.

2. Naturräumliche Gliederung und Entstehungsgeschichte

2.1. Geographische Lage

Ein Blick auf die Karte Süddeutschlands zeigt, dass sich zwischen der Ostabdachung des Hochschwarzwalds mit seinen dunklen Tannenwäldern und dem buchenbedeckten Steilabfall der Alb und des Randen eine offene Landschaft befindet, die Hochfläche der Baar. Quer durch dieses Gebiet zieht sich eine „flache Mulde und in ihr eine klaffende Wald- und Felsschlucht, mit dem letzten Wildfluß unserer Mittelgebirge, der Wutach“ (Hockenjos 1964:5).

Schaut man sich ein Satellitenphoto an wird deutlich, warum der Fluss, der aus dem Quellgebiet am Seebuck zuerst als Seebach durch den Feldsee bis zum Titisee fließt, diesen dann als Gutach verlässt schließlich ab der Einmündung der Haslach als Wutach bezeichnet wird. Diese „wütende ach“ („ach“ von lat. aqua) schaffte es innerhalb geologisch sehr kurzer Zeit eine 30 km lange und ungefähr 180 m tiefe Schlucht zu bilden und dabei zwei Kubikkilometer Gestein aus der Hochfläche des Schwarzwaldes auszuräumen- eine Masse von der Größenordnung der Pyramide des Matterhorns (Paul 1989:15, Liehl 1971:1). Neben dieser Wutachschlucht, welche die jüngste Schlucht Europas darstellt, erkennt man aber auch, dass der Fluss in früherer Zeit eine flache und wesentlich höher gelegene Talsohle gehabt haben muss. Wie ist das zu erklären?

2.2. Geomorphologie der Wutachschlucht

Bis vor ungefähr 5 Mill. Jahren war die Wutach ein unbedeutendes Nebenflüsschen eines mächtigen Rhone-Aare-Donau-Stromes, der die Hauptader der Entwässerung im westlichen Abschnittes der Alpennordseite darstellte. Sie hatte damals wie auch viele andere Flüsse (Steina, Schwarza, Mettma etc.) einen südost bis ostwärts gerichteten Verlauf, ungefähr 200m über dem heutigen unteren Wutachtal. Nach dem Aufsteigen des Schwarzwaldes vor ungefähr zwei Jahrmillionen kam es in der Nähe der Wutacheinmündung zuerst zu einer Gefällsabschwächung für die Aare und dann zu einer Gefällsumkehr. Zurückgekippt in ihr eigenes Bett lenkte die Aare um und fand am Südfuß des Schwarzwalds, als Vorläufer des heutigen Hochrheins, den Weg nach Westen (Paul 1989:11).

Nachdem die Donau nun ihres Quellflusses beraubt war, trat die Feldberg-Wutach an ihre Stelle und versorgte sie. Gespeist durch die Schmelzwasser der Feldberggletscher, gefangen durch den vorgegebenen Flussverlauf im Bonndorfer Graben (eine Bruchzone zwischen den Vulkanlandschaften des Kaiserstuhls und des Hegaus), strömte die Feldberg-Donau in mehreren Armen über die Hochfläche, um zwischen Eichberg und Buchberg hindurch zur Alb und über das Aitrachtal zur Donau zu fließen.(Hockenjos 1964:5).

Mit den Schmelzwassern mitgeführte Schottermassen wurden dabei kilometerbreit abgelagert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anzapfung der Donau durch die Wutach. (Quelle: http://www.wutachschlucht.de/ wutachschlucht.html)

Durch die riesigen Massen von Abtragungsschutt aus den letzten beiden Kaltzeiten wurde die Talaue gegenüber der vom Hochrheingebiet trennenden Schwelle anhaltend erhöht und auch die Kiesverbauungen vor der Blumbergerpforte erschwerten den Abfluss. Freiwerdende Wassermassen der Feldbergeisstauseen beim letzten Gletscherrückzug, führten dann vor ungefähr 20 000 Jahren zur Katastrophe, zum Überlauf der Schwelle der Donau-Rhein-Wasserscheide. Die Kerbe am damaligen Buchbergfuß wurde zum einen durch das starke Gefälle der Wutach an der Überlaufstelle, aber auch durch die als Schleifmittel wirkenden Kies und Sandmassen und die Kraft der episodisch auftretenden Eis- und Schmelzwasser immer weiter vertieft (Paul 1989:17 und Hockenjos 1964:88). Die endgültige Ablenkung der Feldberg-Donau oder Wutach-Donau zum 400m tiefer gelegen Hochrhein wurde „durch einen vom Buchberg zum Hochrhein fließenden“ (Hockenjos 1964:5), die Feldberg-Donau anzapfenden Bach („Ur-Wutach) unterstützt. Somit wurde die Wutach zu einem Nebenfluss des Rheins. Inzwischen ist die rückschreitende Erosion -70 000 Jahre reichten aus- bis zum Hochfirstdurchbruch bei Neustadt gekommen (Kohlhepp 1971:88).

3.Geologischer Abriss

Verfolgt man den Lauf der Wutach, stellt man fest, dass sie fast alle Gesteinsschichten Südwestdeutschlands durchschneidet. „Hier ist es möglich, mit einem einzigen großen Tagesmarsch 500 Millionen Jahre des geologischen Zeitablaufs zu durchschreiten“ (Liehl 1971:2). Da die Gesteinsschichten der Baar stärker nach Osten abfallen als das Gefälle der Wutach, hat der Fluss in der Schlucht sie alle der Reihe nach angeschnitten und die jüngsten Schichten sind am weitesten östlich gelegen. Je nach Untergrund und damit seiner unterschiedlichen Standfestigkeit dem Wasser gegenüber bilden sich entsprechende Talformen, Hanglagen, Böschungswinkel etc. und beeinflussen natürlich auch die Vegetation.

Abb. 2: Profil zur Geologie der Wutachschlucht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: http://www.weilburg-lahn.info/andernorts/htm_bl/wutach.htm)

3.1.Obere Schlucht

Angefangen bei der engen Grundgebirgsschlucht auf Höhe der Rötenbachmündung tritt die Wutach in Gneis-Anatexit ein. Dieser begleitet sie fast allein bis zur Schattenmühle. Hier taucht das Grundgebirge unter die Talsohle ab. Eine Besonderheit sind die Klippen vom Nägelefelsen (Räuberschlössle), die aus rotem Porphyr bestehen und dem Tal einen steil eingekerbten Felsenklammcharakter geben. Während an den Talflanken der Bundsandstein schon ab der Haslachmündung zutage tritt, erreicht er die Schluchtsohle erst bei der Schattenmühle. Anzeiger für diesen Gesteinswechsel, ist die Kiefer, die sich nun zum Hangwald (Tanne, Fichte, Buche, Eiche) hinzugesellt. Der Bundsandstein hat wegen seiner geringen Mächtigkeit kaum Auswirkung auf die Tallandschaft (Paul 1989:20).

3.2. Mittlere Schlucht (Schattenmühle- Bad- Boll- Gauchachmündung)

Dieser Schluchtabschnitt kann auch als Muschelkalkschlucht bezeichnet werden. Gleich über dem Bundsandstein stehen die bröckeligen Bänke des unteren und die Mergel des mittleren Muschelkalks. Sie wandeln das Tal zu einer mäßigsteilen Mulde. Die im Mergel enthaltenen leicht auswaschbaren Gips- und Salzlager führen zu Hohlräumen, Einstürzen und sich ständig verändernden Talhängen.

Die gelben Felswände am Schluchtrand von Dietfurt sind Zeichen des Oberen- bzw. Hauptmuschelkalks. Hier bekommt die Schlucht einen canonartigen Charakter. In diesem Kalkgestein beginnt ein Laubmischwald und mit ihm eine reiche Bodenflora. Die Schluchtsohle ist geprägt von einem mäandrierenden Fluss, überhängenden Felswänden und als charakteristische Vegetation sind der Auenwald und die Pestwurzfelder zu nennen.

Bei der Gauchachmündung bzw. oberhalb und unterhalb der Wutachmühle versinkt der Muschelkalk und der gipsführende Keuper erscheint, überlagert vom schwarzen und braunen Jura. (Lias/Doggerlandschaft bei Aselfingen). Das Tal wird weit und offen und nur nach Osten bilden die beiden Weißjuraklötze (Buch- und Eichberg) die „Blumberger Pforte“.

Anmerkung: weltberühmter Lias-Aufschluss beim Aubächle (Hockenjos 1964:7).

3.3.Untere Schlucht

Unterhalb von Achdorf muss die Wutach nochmals den Muschelkalk durchbrechen. Hier in den „Flühen“ wiederholt sich auf engsten Raum die Geologie der mittleren Wutachschlucht. Bei Grimmelshofen hat sie sich dann ausgetobt und oberhalb Waldshut mündet sie dann in den Rhein (Hockenjos 1964:8).

4. Klimatische Einflüsse

Eine der wichtigsten Vorraussetzungen für die heutige Vegetation in der Wutachschlucht sind ihre klimatischen Verhältnisse.

Großklimatisch gesehen liegt die Wutachschlucht innerhalb der feucht- temperierten Klimazone Mitteleuropas und unterliegt damit auch dem Zustrom feuchter Meeresluftmassen vom Atlantik. Verändert werden diese klimatischen Grundgegebenheiten durch mindestens 3 Faktoren:

- die vorgelagerten Höhen des Schwarzwaldes, welcher die feuchten, westlichen Strömungen zur Kondensation und zum Ausregnen bringen kann,
- die vom Nordosten über die Hochfläche der Baar freie Zufuhr von Kaltluft und
- einer möglichen Warmluftzufuhr aus dem Hochrheintal.

Inwieweit diese klimatischen Gegebenheiten zu besonderer Kontinentalität führt, oder ob es besondere klimatische Schluchteigenschaften gibt, wurde anhand von Temperaturvergleichen verschiedener Klimastationen untersucht.

4.1. Klima der Gesamtregion

Mit Hilfe der Gradientmethode wurden die Jahresmitteltemperaturen von den Klimahauptstationen (Neustadt, Höchenschwand, Wutöschingen, Lenzkirch und Bonndorf) untersucht und festgestellt, „dass das ganze Gebiet nicht extrem kalt ist“ (Neuwirth 1971:210). Die Zeichnung der Julitemperaturen zeigte, dass auch im Sommer das gesamte Gebiet eher wärmer ist als es der Höhenlage nach zu erwarten wäre. Die Untersuchung der Januarmittelwerte „lässt eine Bevorzugung der Talstationen und größere Kälte auf den freien Flächen erkennen“ (Neuwirth 1971:211).

4.2. Das Mikroklima der Schlucht

Betrachtet man Bad Boll als für die Wutachschlucht repräsentative Station, so fällt auf, dass seine Temperaturwerte erheblich niedriger lagen, als nach der Höhenlage zu erwarten war. Im Vergleich zu Lenzkirch (Bonndorf stand als Vergleichsstation nicht mehr zur Verfügung) zeigte Bad Boll bei der Betrachtung der Monatsmittelwerte eine größere Jahresschwankung und damit eine stärkere Kontinentalität. Genauere Untersuchungen machten jedoch deutlich, dass diese Kontinentalität nicht durch große Schwankungen von Extremtemperaturen zustande kommt, sondern durch gleichmäßig niedrige Mittelwerttemperaturen im Winter (Neuwirth 1971:211).

Die Frage, ob diese Ergebnisse nur für Bad Boll Gültigkeit haben oder auch für die innere Schlucht und ihre Ränder zutreffen, machten weitere Untersuchungen notwendig.

4.2.1. Temperaturvergleiche innerhalb der Schlucht

Eine über 3,5 Jahre dauernde Messreihe (1958 -1961) mit 5 Stationen (Dietfurt I und II, Rappenfelsen, Gipsberg und Immenloch) wurden nach Temperaturminima und -maxima ausgewertet und mit der Basisstation Bad Boll verglichen. Berücksichtigt wurden auch drei Wetterlagen in Abhängigkeit von den Jahreszeiten (Frühling / Herbst, Sommer und Winter) (Neuwirth 1971:217) (Tab.4)“Als besonders markant wurden die Nordwestwetterlagen mit Kaltluftzufuhr aus Nordwesten, die Ostwetterlagen mit Luftzufuhr aus Osten, die im Sommer Wärme und im Winter Kälte zur Folge haben, sowie die Hochdruckwetterlagen, die meist schwachwindige Strahlungstage bringen“ (NEUWIRTH 1971:212) gewichtet.

Tab. 1: Die Wetterlageneinflüsse auf die Temperaturverhältnisse der Wutachschlucht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Differenzen der Maxima und Minima auf Bad Boll bezogen, September 1958 bis Dezember 1961. (Neuwirth 1971:217).

[...]

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Details

Titel
Die Vegetation der Wutachschlucht
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
30
Katalognummer
V72400
ISBN (eBook)
9783638732864
Dateigröße
1614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vegetation, Wutachschlucht, Proseminar
Arbeit zitieren
Desiree Pschorn (Autor:in), 2007, Die Vegetation der Wutachschlucht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72400

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