Ein Vergleich der Darstellung der Mutter in Maya Angelous' "I Know Why The Caged Bird Sings" und Virginia Woolfs "A Sketch of the Past"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
19 Seiten, Note: 1.0
Britta Worbs (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Darstellung der Mutter
2.1 Die Rolle der Mutter in Maya Angelous „I Know Why the Caged Bird Sings“
2.2 Die Rolle der Mutter in Virginia Woolfs „A Sketch of the Past“

3. Vergleich der Mutterdarstellung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Mutter in den Autobiografien “I Know Why the Caged Bird Sings” von Maya Angelou und Virginia Woolfs “A Sketch of the Past”. Auf den ersten Blick erscheint ein Vergleich der Mütter dieser Autorinnen bzw. deren Darstellung weit hergeholt, ein zweiter Blick zeigt jedoch viele Gemeinsamkeiten in den Lebensläufen der Autorinnen.

Woolf wurde am 25. Januar 1882 im viktorianischen London geboren und wuchs in einem „upper-middle-class“ Haushalt auf. Sie lebte zusammen mit ihren Eltern und sieben Geschwistern. Die Mutter, Julia Stephens, verstarb als Virginia Woolf 13 Jahre alt war. Maya Angelou, geboren am 4. April 1928 in St. Louis, Missouri, hingegen verbrachte den Großteil ihrer Kindheit zusammen mit ihrem Bruder Bailey in Stamps, Arkansas, bei der Großmutter väterlicherseits. Bei der Mutter, Vivian Baxter, lebte sie nur bis zu ihrem dritten Lebensjahr und dann wieder eine kurze Zeit, als sie acht Jahre alt war. Erst mit 13 kehrt Maya Angelou zu Vivian Baxter zurück, um bei ihr zu leben.

Beide Autorinnen berichten von der auffallenden Schönheit ihrer Mutter, haben selbst Probleme den eigenen Körper anzunehmen und beide finden großen Halt durch ihre Geschwister, Woolf in Person ihrer Schwester Vanessa, Angelou bei ihrem Bruder Bailey. Außerdem wurden beide als Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch, innerhalb der Familie.

Daher ist ein Vergleich der Mutterdarstellung interessant, denn so verschieden auch die Lebensumstände beider sind, so ähnlich sind doch einzelne Lebensgefühle. Im Laufe der beiden Texte vollzieht sich eine Veränderung in der Darstellung der Mutter. Meine These ist hierbei, dass die Darstellung der Mutter sich gegensätzlich entwickelt. Diese These soll in der Hausarbeit aufgezeigt werden.

2. Die Darstellung der Mutter

Im Folgenden werden beide Autobiografien einzeln auf das Verhältnis von Mutter und Kind, bzw. auf die Mutterdarstellung hin untersucht.

2.1 Die Rolle der Mutter in Maya Angelous „I Know Why the Caged Bird Sings“

In ihrer 1970 veröffentlichen ersten Autobiografie beschreibt Angelou ihr Leben von ihrem dritten Lebensjahr bis zur Geburt ihres Sohnes, den sie mit sechzehn Jahren gebar. Hierbei benutzt sie „[…] two distinct voices[1] […], that of the mature narrator and that of the girlchild whom Angelou calls ‘the Maya character’ [...].”[2]

Der erste Eindruck der Mutter bei Maya Angelou ist sehr zwiespältig. In der vorangestellten Danksagung wird Vivian Baxter, die Mutter Angelous, als erste genannt. Ihr und ihrem Bruder Bailey Johnson dankt Angelou für die Ermutigungen, sich zu erinnern. Der Eindruck ist positiv, die Mutter ist offensichtlich eine Stütze, eine Hilfe im Werdegang der Autorin.

Jedoch schon im ersten Kapitel der Autobiografie verschiebt sich dieses Bild, zumindest bezüglich der ersten Lebensjahre Angelous.

„When I was three and Bailey four, we arrived in the musty little town, wearing tags on our wrist which instructed- “To Whom It May Concern” –that we were Marguerite and Bailey Johnson Jr., from Long Beach California, en route to Stamps, Arkansas, c/o Mrs. Annie Henderson.”[3]

Maya Angelou und ihr Bruder werden ganz allein auf eine Reise durch das Land geschickt, um zukünftig bei der Großmutter zu leben, nachdem die Eltern sich getrennt haben. Diese Situation kann von den Kindern nur als Ablehnung verstanden werden, denn

„Although Maya and Bailey are traveling towards the home of their grandmother, more important, they are traveling away from the ‚home’ of their parents. Such rejection a child internalizes and translates as a rejection of self: ultimately the loss of home occasions the loss of self-worth. ‘I’m being sent away because I’m not lovable.’”[4]

Diese Episode bleibt dem Leser in Erinnerung durch die exponierte Stellung am Anfang. Gerade der Anfang der Autobiographie bleibt bestimmt durch diese Gefühle des Verlassenseins, verlassen von Vater und Mutter. Auch später kann Maya nur schwer eine Beziehung zu ihren Eltern entwickeln und „[erfüllt] in diesem Sinne die Kategorie eines Waisenkindes […].“[5] Die Einsamkeitserfahrung wird auch deutlich in der „What you looking at me for“-Episode, die am Anfang der Autobiografie steht. Hier fühlt Maya sich ausgeschlossen „[…] von der schwarzen Gemeinschaft […], weil sie nicht aussieht `like one of the sweet white girls who were everybody’s dream’, und weil sie zu arm ist, sich nach den herrschenden Modevorstellungen zu kleiden: Sie fühlt sich ausgeschlossen als schwarze Frau und als Arme.“[6] Diese Episode scheint das ganze Ausmaß der Einsamkeit auszudrücken, welches sich möglicherweise aus dem Gefühl, nicht von den Eltern gewollt zu sein entwickelt hat.

Auch im achten Kapitel bleibt die Darstellung der Mutter konstant, Maya beschreibt den Erhalt von Weihnachtsgeschenken der Eltern als weiteres Indiz für ihr Gefühl des Verlassenseins.

„I couldn’t believe that our mother would laugh and eat oranges in the sunshine without her children. Until that Christmas when we received the gifts I had been confident that they were both dead.”[7]

Angelou lässt die Erzählerin Maya ihre Ablehnung gegenüber der Abschiebung ausdrücken.

Für Maya kann sich eine Mutter nicht so distanziert gegenüber ihren Kindern verhalten, als einzige Erklärung für den fehlenden Kontakt bleibt der Tod der Mutter.

„I could cry naytime I wanted by picturing my mother (I didn’t quite know what she looked like) lying in her coffin. [...] The face was brown, like a big O, and since I coulnd’t fill in the features I printed MOTHER across the O, and tears would fall down my cheeks like warm milk.”[8]

Die Geschenke als Beweis der Existenz der Eltern wirken wie ein Schock und werfen kritische Fragen auf. Angelou lässt Maya und Bailey ihre Vergangenheit überdenken und sich die verzweifelten Fragen nach dem „Warum“ stellen:

„Why did they send us away? And What did we do so wrong? So Wrong? Why, at three and four, did we have tags put on our arms to be send by train alone from Long Beach, California, to Stamps, Arkansas, with only the porter to look after us?”[9]

Nach der ersten Verzweiflung nehmen die Kinder die Geschenke als Anlass, um auf ein Vergeben der Mutter zu hoffen: “Maybe she had just been angry at something we had done, but was forgiving us and would send for us soon.”[10] Besonders durch die Vermutung Mayas und Baileys, etwas falsch gemacht zu haben, verstärkt Angelou den Eindruck, dass das Verhalten der Eltern und ganz besonders der Mutter nicht richtig ist. Die Fokussierung auf die Mutter und die Nachsicht oder Unwichtigkeit bezüglich des Vaters ergibt sich vielleicht aus Angelous eigenem Leben; auch sie zieht ihren Sohn ohne dessen Vater auf.

Das im neunten Kapitel stattfindende erste Treffen mit der Mutter in St. Louis empfindet Maya als „fearfull“[11]. Gleichzeitig kann sich das sieben Jahre alte Mädchen nun endlich erklären „[…] why she had send me away. She was too beautiful to have children.“[12] Während Bailey sofort eine enge Bindung zur Mutter aufbaut, fühlt Maya sich als Außenseiterin. Fest macht sie die Distanz an äußerer Erscheinung, denn Bailey

und die wunderschöne Mutter ähneln sich, Maya aber findet sich hässlich. Auch dieses Kapitel endet mit einer negativen Inszenierung der Mutter, es scheint als nehme diese Maya nun auch noch den Bruder weg, da er sich der Mutter so nahe fühlt.

[...]


[1] Diese Einteilung in Erzählerin und Autorin werde ich, Angelou betreffend, beibehalten.

[2] Braxton, Joanne M., “Symbolic Geography and Psychic Landscapes. A conversation with Maya Angelou”, in: Maya Angelou’s I Know Why the Caged Bird Sings. A Casebook, ed. By Joanne Braxton, New York 1999, S. 5

[3] Angelou, Maya, “I Know Why the Caged Bird Sings“, New York 1970, S. 5

[4] Smith, Sidonie Ann, “The Song of a Caged Bird”, S. 7

[5] Mayer, Susanne, „Die Sehnsucht nach den anderen“, Frankfurt am Main 1986, S. 131

[6] Ebd.

[7] Angelou, Maya, “I Know Why the Caged Bird Sings”, S. 52

[8] Angelou, Maya, “I Know Why the Caged Bird Sings”, S. 52

[9] Ebd., S. 53

[10] Ebd.

[11] Ebd., S. 59

[12] Ebd., S. 60

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der Darstellung der Mutter in Maya Angelous' "I Know Why The Caged Bird Sings" und Virginia Woolfs "A Sketch of the Past"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Englisches Seminar)
Veranstaltung
Women and Autobiography
Note
1.0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V72579
ISBN (eBook)
9783638629775
ISBN (Buch)
9783656058007
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es findet ein Vergleich der Autobiographien von Angelous und Woolf statt. Mein Prof. schrieb mir auf die Arbeit folgenden Komentar: "Eine wirklich gelungene (unterstrichen) close reading-Analys der beiden Texte - mit sehr viel Einfühlungsvermögen und unter Auswertung der einschlägigen Sekundärliteratur verfasst. Well done!"
Schlagworte
Vergleich, Darstellung, Mutter, Maya, Angelous, Know, Caged, Bird, Sings, Virginia, Woolf, Sketch, Past, Women, Autobiography
Arbeit zitieren
Britta Worbs (Autor), 2005, Ein Vergleich der Darstellung der Mutter in Maya Angelous' "I Know Why The Caged Bird Sings" und Virginia Woolfs "A Sketch of the Past", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72579

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