Der Informelle Sektor als Lösung des Arbeitsplatzproblems?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
18 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Der Begriff „informeller Sektor“
2.2 Definitionen und Charakteristika des informellen Sektors

3. Der informelle Sektor als Entwicklungsstrategie – eine Bestandsaufnahme
3.1 Der neoliberale Ansatz nach DE SOTO
3.2 Der Ansatz der International Labor Organization
3.3 Unterschiede zwischen beiden Ansätzen

4. Struktur des Informellen Sektors

5. Wechselbeziehungen zwischen Formellem und Informellem Sektor

6. Ursachen des informellen Arbeitens

7. Verteilung des informellen Sektors in der Welt

8. Lösungsansätze und Ausblick

9. Literatur

1. Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Informellen Sektor in Ländern der Dritten Welt.

Mit Hilfe dieser schriftlichen Ausarbeitung sollen sowohl die theoretischen Grundlagen dieses Phänomens beschrieben werden, als auch die Chancen untersucht werden, die dem Informellen Sektor innewohnen eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben oder sogar einzuleiten. Die zentrale Fragestellung lautet dementsprechend, ob der Informelle Sektor in der Lage ist, die Arbeitsplatzproblematik in den Entwicklungsländern zu lösen. Um diese Fragestellung im Laufe dieser Hausarbeit beantworten zu können, werden unter Punkt 3 zentrale Entwicklungsstrategien vorgestellt, die dem informellen Sektor unterschiedliche Entwicklungspotenziale bescheinigen. Um die Thematik in eine stringente und geschlossene Form zu bringen, werden sowohl die Ursachen des informellen Arbeitens in der Stadt und auf dem Land untersucht, als auch die Wechselbeziehungen zwischen dem Informellen und dem Formellen Sektor vorgestellt. Da es sich beim Informellen Sektor um ein globales Phänomen handelt, ist es unerlässlich die Verteilung des Informellen Sektors in der Welt vorzustellen, auch um das schiere Ausmaß zu begreifen. Die vorgestellten Punkte sollen in der Folge dazu beitragen die Fragestellung zu beantworten, mögliche Lösungsansätze zu formulieren und einen Ausblick zu liefern.

2. Theoretische Grundlagen

Um den Einstieg in diese komplexe Thematik zu erleichtern, wird im folgenden Kapitel ein kurzer theoretischer Abriss geliefert und definitorisch erläutert worum es sich beim Informellen Sektor überhaupt handelt.

2.1 Der Begriff „Informeller Sektor“

Erstmals wurde der Bereich des Informellen Sektors zu Beginn der 1970er Jahre in einer Studie der International Labor Organization (ILO) in Kenia untersucht und definiert.[1] Eine genaue Bestimmung von Größe und Umfang des Informellen Sektors ist schwierig, da es sich überwiegend um den nicht offiziellen und statistisch erfassten Bereich der Arbeitsbeziehungen handelt. Man darf den Informellen Sektor nicht als isolierten Wirtschaftskreislauf sehen, sondern er dient oftmals als Ergänzung zu formal organisierten Wirtschaftstätigkeiten (siehe Punkt 5 auf Seite 11). Wichtig ist, dass man Informell nicht automatisch mit illegal gleichsetzt. Wobei der illegale Informelle Sektor (z.B. Drogenhandel, Waffenschmuggel etc.) natürlich auch existiert, hier aber nicht thematisiert wird.

2.2 Definitionen und Charakteristika des informellen Sektors

Der Informelle Sektor umfasst alle Aktivitäten die sich der staatlichen Kontrolle entziehen und über keinen staatlichen Schutz oder Unterstützung verfügen. Der Informelle Sektor umfasst Selbstständige, Klein- und Kleinstunternehmen, aber auch den Bereich der reinen Sicherung des Lebensunterhaltes.[2]

Die ILO hat folgende Charakteristika für den Informellen Sektor herausgearbeitet:

- Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten, meist Familienangehörige
- Hauptaktivitäten sind Einzelhandel, Transport, Reparatur und Instandhaltung, Bauwesen, Personal- und Dienstbotentätigkeiten und Fabrikation
- Ein- und Ausstieg leichter als im Formellen Sektor
- minimaler Kapitalbedarf
- arbeitskräfteintenisve Arbeit mit geringen Vorkenntnissen
- ungeschriebenes und unsicheres Arbeitgeber-Arbeitnehmer Verhältnis[3]

Die Definition des Informellen Sektors durch die International Labor Organization (ILO) lautet wie folgt: The informal sector consists of small-scale, self-employed activities (with or without hired workers), typically at a low level of organization and technology, with the primary objective of generating employment and incomes. The activities are usually conducted without proper recognition from the authorities, and escape the attention of the administrative machinery responsible for enforcing laws and regulations.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiteres Charakteristikum des Informellen Sektors ist der stark beschränkte Zugang zu formellen Bankkrediten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Reguläre Bankkredite werden in den meisten Fällen, aufgrund von fehlenden Sicherheiten, nicht genehmigt oder sind aufgrund der hohen Geldsumme für Informell Tätige nicht zurückzahlbar. Deswegen sind Beschäftigte im Informellen Sektor häufig auf private Kreditgeber bzw. Geldverleiher, mit dementsprechend höheren Zinsen, angewiesen.[5] Auch die beiden Grafiken auf dieser Seite verdeutlichen die unterschiedlichen Ausgangssituationen der beiden Sektoren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Der informelle Sektor als Entwicklungsstrategie – eine Bestandsaufnahme

Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Informellen Sektors nimmt seit den 1980er Jahren stetig zu, was nicht zuletzt auf die Globalisierung zurück geführt wird, aber auch länderspezifische interne Faktoren wie die zunehmende Verstädterung und ein hohes Bevölkerungswachstum spielen eine gewichtige Rolle.

In der wissenschaftlichen Diskussion sind bezüglich des Informellen Sektors als Entwicklungsstrategie ganz klar mehrere unterschiedliche Strömungen festzustellen. Im Folgenden sollen nun der neoliberale Ansatz nach DE SOTO und der Ansatz der ILO vorgestellt und verglichen werden.

3.1 Der neoliberale Ansatz nach DE SOTO

Hernando de Soto beschreibt in seinem Buch „Marktwirtschaft von unten: die unsichtbare Revolution in Entwicklungsländern“ den Informellen Sektor am Beispiel von Peru. Als Ursache für die Entstehung des Informellen Sektors führt er u.a. die Migration in die Stadt, ausgelöst durch Straßenbau, Massenmedien, Ausbau der modernen Kommunikationsmittel, Ausdehnung der öffentlichen Verwaltung und der besseren Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten, an.[6] Die Migranten erfuhren eine starke Ablehnung durch die städtische Bevölkerung und die staatlichen Autoritäten und der einzige Ausweg war das Ausweichen in die Informalität.[7] Die Informellen bedienen sich illegaler Mittel, um zentrale Anliegen jeglicher demokratischer Rechtsordnung zu verwirklichen, z.B. um ein Haus zu bauen, Dienstleistungen zu erbringen, ein Unternehmen zu gründen...[8]

[...]


[1] Vgl. Schneider, Helmut: Soziale Strategien der Risikominimierung im informellen Sektor. Das Beispiel des philippinischen Suki-Systems. In: Geographische Rundschau 51 (1999) H. 12, S. 662.

[2] Vgl. Buchholt, Helmut: Handel, Händler und Märkte im informellen Sektor Indonesiens. In: Geographische Rundschau 51 (1999) H. 12, S. 716.

[3] Vgl. Meyer, Günter: Entwicklungsprobleme des produzierenden Kleingewerbes in Kairo. In: Geographische Rundschau 51 (1999) H. 12, S. 697 f.

[4] ILO 1999 in: Escher, Anton: Der informelle Sektor in der dritten Welt: Plädoyer für eine kritische Sicht. In: Geographische Rundschau 51 (1999) H. 12, S. 658.

[5] Vgl. Meyer, Günter: Entwicklungsprobleme des produzierenden Kleingewerbes in Kairo. S. 698.

[6] Vgl. de Soto, Hernando: Marktwirtschaft von unten: die unsichtbare Revolution in Entwicklungsländern. S. 38 ff.

[7] Vgl. ebd., S. 43 f.

[8] ebd. S. 44.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Informelle Sektor als Lösung des Arbeitsplatzproblems?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar Bevölkerungsprobleme der Dritten Welt
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V72679
ISBN (eBook)
9783638722704
Dateigröße
962 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Informelle, Sektor, Lösung, Arbeitsplatzproblems, Hauptseminar, Bevölkerungsprobleme, Dritten, Welt
Arbeit zitieren
Steffen Becker (Autor), 2006, Der Informelle Sektor als Lösung des Arbeitsplatzproblems?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72679

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