Schon seit Jahren wird von vielen angehenden Lehrerinnen und Lehrern beklagt, dass ihre Ausbildung an den Universitäten viel zu praxisfern orientiert ist. Statt auf den Umgang mit schwierigen Schülern bzw. kritischen Situationen vorzubereiten, steht der wissenschaftliche Aspekt der Unterrichtsfächer im Vordergrund. Die recht kurzen Schulpraktika können nur einen kleinen Einblick in Alltagssituationen eines Lehrers bieten, so dass sie in der Referendariatszeit oft auf eine harte Probe gestellt werden.
An einigen Universitäten wird nunmehr versucht, die Studierenden die Studierenden praxisnah gerade für diese Aufgaben vorzubereiten. In diesen „Lehrertrainings“ wer-den durch Rollenspiele verschiedene Unterrichtssituationen dargestellt, es wird für den Ernstfall geprobt, um in der Realität besser zurechtzukommen.
Das wohl zurzeit bekannteste Trainingsmodell für Lehrer ist das „Konstanzer Trai-ningsmodell (KTM) von Hinsch und Ueberschär. Es wurde zum Thema „Gewalt in der Schule“ konzipiert und dient als Selbsthilfeprogramm. In seinen Grundzügen basiert es auf den Aussagen der kognitiven Verhaltensmodifikation, insbesondere der Handlungs- und Selbstregulation: Voraussetzung hierbei ist die Interaktion mit der Umwelt des Individuums durch seine Kognitionen (Ziele, Wahrnehmungen, Bewertungen, Erwartungen), so dass es sich so von dieser relativ unabhängig machen kann.
Inhaltsverzeichnis
- Lehrertraining - was ist das eigentlich?
- Die Bedeutung von Lehrertraining
- Was und wie können Lehrer durch Lehrertrainings lernen?
- Das Konstanzer Trainingsmodell
- Prozessmodell sozialen Verhaltens
- Ziele des Trainingsprogramms
- Der Aufbau des Lehrertrainings
- Reflexion: Die eigene Umsetzung des KTM im Seminar
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Thema Lehrertraining und beleuchtet dessen Bedeutung und praktische Anwendung in der Lehrerausbildung. Sie soll die Bedeutung von Lehrertraining als eine wichtige Ergänzung der traditionellen Lehrerausbildung aufzeigen, die den Studierenden die Möglichkeit bietet, praxisnah auf die Herausforderungen des Lehrerberufs vorbereitet zu werden. Die Arbeit befasst sich mit den Herausforderungen und Chancen, die Lehrertrainings bieten, sowie mit den verschiedenen Ansätzen und Modellen, die in der Praxis Anwendung finden.
- Die Bedeutung von Lehrertraining in der Lehrerausbildung
- Praxisnahe Vorbereitung auf den Lehrerberuf
- Vermittlung von sozialen Kompetenzen und Verhaltensweisen
- Vergleichende Analyse von Lehrertrainingsmodellen
- Reflexion der eigenen Erfahrungen mit Lehrertrainings
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die Relevanz von Lehrertraining angesichts der oft als praxisfern empfundenen universitären Ausbildung. Die mangelnde Vorbereitung auf den Umgang mit schwierigen Situationen im Schulalltag wird hervorgehoben und der Ansatz von Lehrertrainings als Praxisnahe Ergänzung zur traditionellen Ausbildung vorgestellt.
Kapitel zwei befasst sich mit der zentralen Bedeutung von Lehrertraining für den professionellen Umgang mit Schülern und den Herausforderungen des Lehrerberufs. Dabei werden die spezifischen Anforderungen an Lehrer, wie Wertschätzung, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit zur klaren Kommunikation, sowie die Bedeutung von Lehrertraining als Werkzeug zur Entwicklung dieser Eigenschaften diskutiert.
Im dritten Kapitel wird die Entwicklung von Lehrertraining in Deutschland seit den 1970er Jahren beleuchtet. Es werden verschiedene Formen von Lehrertrainings vorgestellt, die dazu beitragen sollen, die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten von Lehrern zu verbessern.
Der vierte Abschnitt stellt das Konstanzer Trainingsmodell (KTM) im Detail vor. Das KTM, das auf dem Prozessmodell sozialen Verhaltens basiert, dient als ein Beispiel für eine strukturierte und zielgerichtete Form von Lehrertraining. Die Ziele und der Aufbau des KTM werden näher beleuchtet.
Schlüsselwörter
Lehrertraining, Lehrerausbildung, soziale Kompetenzen, Verhaltensweisen, Konstanzer Trainingsmodell (KTM), Prozessmodell sozialen Verhaltens, Schulpraktika, Praxisnähe, Unterrichtsgestaltung, Kommunikation, Interaktion mit Schülern, Lehrerrolle.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Konstanzer Trainingsmodell (KTM)?
Das KTM ist ein von Hinsch und Ueberschär entwickeltes Selbsthilfeprogramm für Lehrer. Es basiert auf kognitiver Verhaltensmodifikation und zielt darauf ab, Gewalt in der Schule durch verbesserte Handlungsregulation zu begegnen.
Warum wird Praxisnähe in der Lehrerausbildung kritisiert?
Viele Lehramtsstudierende empfinden die universitäre Ausbildung als zu wissenschaftsorientiert. Lehrertrainings wie das KTM sollen die Lücke zwischen Theorie und dem praktischen Umgang mit schwierigen Schülern schließen.
Wie funktioniert das kognitive Prozessmodell sozialen Verhaltens im KTM?
Es geht davon aus, dass Lehrer durch ihre Kognitionen (Ziele, Erwartungen, Bewertungen) ihre Interaktion mit der Umwelt steuern. Das Training hilft, diese Prozesse bewusst zu machen und zu regulieren.
Welche sozialen Kompetenzen lernen Lehrer in solchen Trainings?
Dazu gehören Wertschätzung, Einfühlungsvermögen, klare Kommunikation und die Fähigkeit, in kritischen Unterrichtssituationen souverän zu reagieren.
Wie ist der typische Aufbau eines Lehrertrainings?
Lehrertrainings nutzen oft Rollenspiele, um reale Unterrichtssituationen zu simulieren. Die Teilnehmer proben den „Ernstfall“, um in der schulischen Realität besser vorbereitet zu sein.
Was sind die Ziele des Konstanzer Trainingsmodells?
Hauptziele sind die Reduktion von Gewalt, die Förderung der Selbstregulation der Lehrkräfte und die Verbesserung der Interaktion zwischen Lehrern und Schülern.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Lonnemann (Autor:in), 2004, Lehrertraining - Das Konstanzer Trainingsmodell (KTM), ein theoretischer und praktischer Rückblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72818