Einführung der Bildungsstandards in Baden-Württemberg an allgemeinbildenden Schulen - eine Alternative für berufliche Schulen?


Hausarbeit, 2005

31 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Die Bildungsstandards an allgemeinbildenden Schulen
2.1. Der Stein des Anstoßes: PISA und TIMMS
2.2. Was sind Bildungsstandards? – Definitionen und Charakteristika
2.3. Welche Ziele werden durch die Einführung von Bildungsstandards verfolgt?
2.4. Bildungsmonitoring, Schulevaluation und Individualdiagnostik – Die Bewertung von Bildungsstandards
2.5. Wie wird sich der Schulalltag durch Bildungsstandards verändern?
2.6. Herausforderungen bei der Umsetzung von Bildungsstandard und Perspektiven für die Zukunft

3. Bildungsstandards – eine Alternative für berufliche Schulen?
3.1. Diskussion über Standards für die berufliche Schule
3.2. Kompetenz als Bildungsstandard und deren unterschiedliche Definitionen
3.3. Anregungen bzw. Konzeptionen für die Formulierung von Bildungsstandards für den beruflichen Bereich
3.4. Einführung einheitlicher Abschlussprüfungen

4. Schlussbetrachtung

1 Problemstellung

„Wenngleich in nahezu jeder öffentlichen Diskussion über die Zukunftsfähigkeit Deutsch­lands darauf hingewiesen wird, dass eine hervorragende Bildung und Ausbildung der Schlüssel für individuelle Lebenschancen und ein Motor für gesellschaftliche Entwicklung und Innovation ist, so lässt sich in Wirklichkeit nirgends in Deutschland eine große Anteil­nahme an Bildungsdebatten feststellen. […] Wenn unsere Bildungsreformen fruchten sollen, dann braucht es mehr Interesse am Thema Bildung und den Respekt unserer Gesellschaft vor pädagogischer Arbeit in unseren Schulen.“[1]

Die Worte der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan verdeutlichen, dass eine Förderung des Bildungssystems und erfolgreiche Implementation von Bildungs­reformen nur unter der Anteilnahme und Mitwirkung der breiten Öffentlichkeit zu erreichen sind. Doch was macht Bildungsreformen in Deutschland überhaupt notwendig?

Durch das bestenfalls als mittelmäßig zu beurteilende Abschneiden Deutschlands in der inter­nationalen Vergleichsstudie PISA hat die Debatte um das deutsche Bildungssystem an Brisanz gewonnen. Die für Deutschland unbefriedigenden Ergebnisse der PISA-Studie haben das Vertrauen in die Qualität des deutschen Bildungssystems in beträchtliche Mitleidenschaft gezogen. Die Kultusministerkonferenz stand diesbezüglich unter starkem Handlungsdruck und hat am 25. Juni 2002 die Erarbeitung von nationalen Bildungsstandards für bestimmte Jahrgangsstufen in den Kernfächern beschlossen.[2]

Die Bildungsstandards stellen einen integralen Bestandteil des Bildungsplans 2004 dar. Sie sollen Bildungsgänge vereinfachen und in eine übersichtliche Ordnung bringen. Bisher wurden sie nur für allgemein bildende Schulen entworfen und beziehen sich in ihrer Ausgestaltung auf die einzelnen Schularten (Grund-, Haupt-, Realschule und Gymnasium) und Fächer (bzw. die neu gestalteten Fächerverbünde).[3]

Im Folgenden sollen die Bildungsstandards der allgemein bildenden Schulen näher untersucht werden, um im Anschluss daran die Frage aufzuwerfen, ob die Einführung von Standards auch für die berufsbildenden Schulen sinnvoll und geeignet wäre.

2 Die Bildungsstandards an allgemeinbildenden Schulen

Zu Beginn des Schuljahres 2004/2005 werden an allgemein bildenden Schulen für bestimmte Klassenstufen im Rahmen der neuen Bildungspläne sog. „Bildungsstandards“ eingeführt.[4] Doch was sind „Bildungs­standards“ überhaupt und worin liegt ihre Begründung? Die Klärung dieser Fragen liefert die Grundlage für eine nähere Betrachtung der Ziele der Bildungs­standards und deren Erfolgs­messung. Anschließend werden die Auswirkungen der reformierten Bildungspläne auf den Schulalltag beschrieben. Die Analyse der Bildungs­standards an allgemein bildenden Schulen soll mit der Darstellung von Herausforderungen bei der Implementation einerseits und dem Aufzeigen von Zukunftsperspektiven andererseits abge­schlossen werden.

2.1 Der Stein des Anstoßes: PISA und TIMMS

Schon im Jahr 1997 wiesen die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie TIMMS (Third International Mathematics and Science Study) auf die mittelmäßigen Leistungen deutscher Schüler in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften hin.

Weitaus größere öffentliche Anteilnahme wurde allerdings den PISA (Programme for International Student Assessment) Studien der OECD in den Jahren 2000 und 2003 zuteil. Auch diese Studien enthüllten deutliche (Kompetenz-) Defizite der deutschen Schüler.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, beschreibt die Situation wie folgt: „Das schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler bei der internationalen PISA-Vergleichsstudie hat die großen Mängel des deutschen Bildungssystems offenbart. Aber PISA hat auch etwas Gutes bewirkt: Denn PISA kann man durchaus auch als Chance sehen! Endlich sind die Bildung und die Bildungspolitik auch in der öffentlichen Wahrnehmung ganz oben auf der Agenda! […] Unser Bildungswesen braucht einen grund­legenden Perspektivenwechsel. PISA hat uns bescheinigt, dass wir Weltmeister im „Aus­lesen“ sind und große Defizite bei der Förderung unserer Kinder haben. Die Leitmaxime des finnischen Bildungssystems sollte auch uns Verpflichtung werden: „Jedes Kind kann es schaffen, vorausgesetzt, wir sind gut genug, es entsprechend zu fördern.“ Wir müssen die unterschiedlichen Stärken eines jeden Kindes rechtzeitig entdecken und entsprechend fördern und zugleich Benachteiligungen frühzeitig ausgleichen und reduzieren.“[5]

Bemerkenswert an den Erkenntnissen der PISA-Studie ist allerdings, dass die Defizite der deutschen Schüler mitnichten flächendeckend, resp. homogen sind. Vielmehr wurde eine er­schreckend große Kluft zwischen dem oberen und dem unteren Leistungsbereich festgestellt. Starke Schüler können sich durchaus mit der internationalen „Konkurrenz“ messen – schwachen Schülern dagegen fehlt es oft an den grundlegendsten Kompetenzen. Dieser Zu­stand ist ein Indikator dafür, dass in Deutschland zukünftig Mindestanforderungen gesetzt werden sollten, die den unteren Leistungsbereich anheben sollen. Dieses Vorhaben kann durch Bildungsstandards im Sinne von „Mindeststandards“ realisiert werden.[6]

Des Weiteren wurde durch die Zusatzstudie PISA-E evident, dass in Deutschland auch zwischen den einzelnen Bundesländern deutliche Leistungsdiskrepanzen vorliegen. Ebenso sind die Benotungsmaßstäbe mitunter sehr unterschiedlich, was die Gerechtigkeit und Gleich­heit von Bildungschancen im länderübergreifenden Vergleich nicht gewährleistet. Auch hier kann durch bundeseinheitliche Bildungsstandards Abhilfe geschaffen werden.[7]

Schließlich deuten die Ergebnisse von PISA darauf hin, dass eine „systematische Qualitäts­sicherung“ in den Schulen, beispielsweise „durch Schulleistungsstudien, durch zentrale Prüfungen, oder durch ein dichtes Netz von Schulevaluationen“[8] die Leistung der schulischen Arbeit erhöhen könnten.

Insgesamt wurden in PISA „insofern Standards gesetzt, als man (1) grundlegende Vor­stellungen über Ziele und Inhalte von Bildung – orientiert an dem pragmatischen Konzept der Grundbildung und der Idee des lebenslangen Lernens – formuliert, (2) einige Kompetenz­bereiche zur Erfassung ausgewählt und (3) konkrete Dimensionen und Stufen der zu er­werbenden Kompetenzen bestimmt hat.“[9]

Diese von PISA implizit vorgegebenen Paradigmen wurden bei der Entwicklung der Bildungs­standards berücksichtigt und aufgegriffen. Besonderer Wert wird dabei auf die Förderung von Sprach- und Lesekompetenz, mathematische Bildung und naturwissen­schaftliche Bildung gelegt.[10]

„Wurde unser Bildungssystem bisher ausschließlich durch den „Input“ gesteuert, d.h. durch Haushaltspläne, Lehrpläne und Rahmenrichtlinien, Ausbildungsbestimmungen für Lehr­personen, Prüfungsrichtlinien usw., so ist nun immer häufiger davon die Rede, die Bildungs­politik und die Schulentwicklung sollten sich am „Output“ orientieren, d.h. an den Leistungen der Schule, vor allem an den Lernergebnissen der Schülerinnen und Schüler. Der Output von Bildungssystemen umfasst neben der Vergabe von Zertifikaten im Wesentlichen den Aufbau von Kompetenzen, Qualifikationen, Wissensstrukturen, Einstellungen, Überzeugungen, Wert­haltungen – also von Persönlichkeitsmerkmalen bei den Schülerinnen und Schülern, mit denen die Basis für ein lebenslanges Lernen zur persönlichen Weiterentwicklung und gesell­schaftlichen Beteiligung gelegt ist.“[11]

2.2 Was sind Bildungsstandards? – Definitionen und Charakteristika

Bildungsstandards stellen somit in gewisser Weise eine Antwort auf die durch PISA offen gelegten Missstände des deutschen Bildungssystems dar. Vor diesem Hintergrund sollte aber zunächst geklärt werden, was man konkret unter dem Begriff „Bildungsstandards“ versteht. Daneben ist es wichtig, das Konzept der Bildungsstandards nicht isoliert zu betrachten, sondern im Ge­füge der Charakteristiken und Maßnahmen, die den Bildungsplan 2004 aus­machen.

Grundsätzlich gesagt legen Bildungsstandards auf nationaler Ebene für jedes Fach, bzw. jeden Fächerverbund fest, welche Fach-, Methoden-, Sozial- und Personal­kompetenzen die Schülerinnen und Schüler am Ende eines bestimmten „Bildungsabschnitts“ entwickelt haben sollen. Neben der reinen Wissensvermittlung zielen die Bildungsstandards auch auf herauszubildende Einstellungen, Interessen und Fähigkeiten ab – in diesem Zu­sammenhang spricht man von content standards, bzw. curricularen Standards. Darauf auf­bauend legen sog. performance standards, bzw. Leistungsstandards einen genauen Ziel­er­reichungsgrad fest. Während content standards also die allgemeinen Bildungs- und Kompe­tenzentwicklungsziele benennen, bestimmen die performance standards, wann und in welchem Ausmaß diese Ziele erreicht werden sollen.[12]

Bildungsstandards sind „ausschließlich auf die Lernergebnisse ausgerichtet [also output­orientiert, MZ], nicht auf Lernprozesse oder beispielsweise die Ausstattung von Schulen. „Bildungsstandards“ in diesem Sinne standardisieren gerade nicht den Prozess der Bildung, das heißt Lehren und Lernen; sie definieren hingegen eine normative Erwartung, auf die hin Schule erziehen und ausbilden soll.“[13] Durch Bildungsstandards werden Ziele verbindlich festgelegt, nicht der Weg dorthin!

Diese Programmatik gewährt den Lehrenden bedeutend mehr pädagogische Freiheiten und auch Verantwortung – besonders deutlich wird dies durch das Kerncurriculum/ Schul­curriculum-Konzept. Das Kerncurriculum beinhaltet verpflichtende Inhalte, die im Bezug auf die in den Bildungsstandards festgeschriebenen Kompetenzen grundlegende Anforderungen stellen. Durch das Kerncurriculum werden nur rund zwei Drittel der gesamten Unterrichtszeit verbindlich und bundeseinheitlich festgelegt. Das Schulcurriculum ergänzt und vertieft die Vorgaben des Kerncurriculums. Hierbei kann und soll jede einzelne Schule entsprechend ihres eigenen, speziellen Bildungsauftrags und Selbstverständnisses (z.B. in Bezug auf die sozialen Hintergrundbedingungen der Schülerinnen und Schüler) Schwerpunkte setzen und fächerübergreifende Querverbindungen ziehen.[14]

Bei der Erarbeitung der Schulcurricula erhalten die Schulen Hilfestellungen durch Niveau­konkretisierungen und Kontingentstundentafeln.

„In den Niveaukonkretisierungen soll das jeweilige Niveau und die Durchdringungstiefe eines Bildungsstandards bei der Behandlung im Unterricht an Beispielen verdeutlicht werden. Zu­sammen mit den Umsetzungsbeispielen für die Fächer in den unterschiedlichen Schularten bilden diese Handreichungen und geben praxisnahe und konkrete Hilfestellung bei der Arbeit mit den Bildungsstandards.“[15] Kontingenzstundentafeln legen die Gesamtstundenzahl für ein bestimmtes Fach fest. Die Verteilung dieser Stundenzahl auf die einzelnen Schuljahre liegt in der Verantwortung der jeweiligen Schule, die auf diese Weise neben dem Schulcurriculum zusätzliche Schwerpunkte setzen kann.[16]

Diese teilweise sicherlich ungewohnte neue pädagogische Freiheit und Verantwortung setzt die Schulen natürlich auch unter Druck. Aus diesem Grund wird schon seit dem Schuljahr 2002/03 in sog. „Erprobungsschulen“ mit den Bildungsstandards gearbeitet. „Geleitet vom Prinzip der best practice arbeiten Schulen für Schulen. Gelungene Beispiele aus der Schul­praxis werden allen Schulen zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise erhalten sie sukzessive eine Palette von Modellen, beispielsweise zu Kontingenzstundentafel, Schul- und Unter­richtsorganisation, zur Entwicklung von Schulcurricula, insbesondere aber für die unterricht­liche Umsetzung der Bildungsstandards“[17] in der Praxis.

2.3 Welche Ziele werden durch die Einführung von Bildungsstandards verfolgt?

Mit der Einführung des neuen Bildungsplans und den darin enthaltenen Bildungsstandards zeichnen sich also schon jetzt einige tief greifende Veränderungen für alle Beteiligten ab. Einer derartigen Umwälzung des bundesdeutschen Schulsystems liegen (abgesehen von blamablen PISA-Ergebnissen) gewichtige Zielsetzungen zugrunde, die im Folgenden erläutert werden sollen.

Zunächst einmal werden durch die Bildungsstandards diverse Bildungsziele artikuliert und festgelegt. Bildungsziele beschreiben sowohl die Kenntnisse und die Fähigkeiten, als auch die Werthaltungen und Normen der Schülerinnen und Schüler, die durch die schulische Bildung vermittelt werden sollen. Diese recht allgemein gefassten Erwartungen werden durch Bil­dungsstandards in konkrete Zielsetzungen umgesetzt.[18] Einstellungen und Werthaltungen sind nur schwer „unterrichtbar“ und nicht auf ein bestimmtes Fach festgelegt, dement­sprechend übergreifend werden sie in den Bildungsstandards formuliert („Schülerinnen und Schüler ge­winnen Lebenszuversicht, überwinden mitgebrachte Ängste, haben Freude am Lernen“). Mit Fähigkeiten sind die personalen, sozialen, methodischen und fachlichen Kompetenzen ge­meint, welche die Schüler in der Schule entwickeln sollen („Die Schüler­innen und Schüler erwerben im Unterricht die Fähigkeit sowohl allgemeiner wie gezielter Aufmerksamkeit“, „Schülerinnen und Schüler werden im Unterricht durch geeignete Fragen zum Denken ange­leitet“). Kenntnisse schließlich bezeichnen das konkrete Wissen der Schüler. Hierbei sollte auf fächerübergreifende Zusammenhänge geachtet werden, um eine Verwertbarkeit der Wissensgegenstände zu gewährleisten.[19]

„Die Bildungsstandards sind eine enorme Herausforderung für die ganze Schule, nicht zuletzt auch für die Schülerinnen und Schüler. Nicht nur ihre Lehrkräfte, sondern auch sie müssen wissen, wann sie welches Referat mit welchem Medieneinsatz vortragen. Sie müssen reflek­tiert mit Internetrecherchen umgehen, sich selbstständig in Bibliotheken informieren können. Auch wenn in den Rückmeldungen vor allem von den Lehrkräften befürchtet wird, dass die Bildungsstandards Schülerinnen und Schüler überfordern, warne ich vor allzu großen Ängsten im Blick auf Anforderungen. Schüler fühlen sich weniger schnell überfordert, als manche Lehrer denken. Im Gegenteil, große Erwartungen und große Forderungen – freilich nur solche, die auch erfüllbar sind für den jeweiligen Leistungsstand – führen auch zu guten Er­gebnissen. Und ganz nebenbei: Die Schwächsten werden nicht dadurch stärker, dass die all­gemeinen Leistungserwartungen nivelliert werden, sondern dadurch, dass sie gefordert werden.“[20]

Die Entwicklung der Bildungsstandards verfolgt aber nicht ausschließlich Bildungsziele. „Die Einführung von Bildungsstandards soll die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erleichtern, die Unterscheidung von Kerncurriculum und Schulcurriculum stärkt die pädagogische Selbst­ständigkeit in der Gestaltung der Lernkultur. Vor seiner Struktur her ist dieser Bildungsplan deshalb ein pädagogischer Meilenstein in der Entwicklung unserer Schulen. Wie jeder Bil­dungsplan, so lebt auch dieser davon, dass Schülerinnen und Schüler in unseren Schulen ernst genommen werden – in ihrer Neugierde, ihren Talenten und auf ihrer Suche nach Identität und Orientierung. Bildung und Erziehung stehen daher in einem untrennbaren Zu­sammen­hang. Zugleich gilt: Bildung beginnt nicht erst in der Schule.“[21]

Mit diesen Worten spricht die Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg, Annette Schavan, weitere wichtige Zielsetzungen der Bildungsstandards an: Die Erreichung eines bundes-, bzw. landes­einheitlichen (hohen) Leistungsniveaus, die pädagogische Selbstbe­stimmung und die schon erläuterte ganzheitliche, effektive Bildung der Schüler. Das Ziel, durch Bildungsstandards auf Bundesebene einheitliche Mindeststandards zu setzen um so ein homogenes Niveau zu erreichen, ist nicht nur in Hinblick auf die PISA-Studie und die von ihr bescheinigten Leistungsdiskrepanzen deutscher Schüler interessant. Die Anwend­barkeit eines einheitlichen Maßstabs und damit die Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse unterschiedlicher Bundesländer gewährleistet auch Gerechtigkeit (z.B. bei der Vergabe von Studienplätzen).

Darüber hinaus bieten die Bildungsstandards einen Orientierungspunkt zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung und -sicherung an den Schulen.[22] „Mit der Formulierung von Bildungs­standards, die ein Kerncurriculum enthalten, und dem Auftrag an die Schulen ihr eigenes Schulcurriculum zu gestalten ist ein Paradigmenwechsel in der Steuerung des Bildungswesens verbunden. Steuerung erfolgt nicht mehr primär über detaillierte Vorgaben, sondern über die Evaluationen von Unterrichtsergebnissen, die an den Bildungsstandards orientiert sind. (…) Mit den Bildungsstandards erhalten die Schulen ein Instrumentarium für die Bewertung der Ergebnisse der schulischen Arbeit und eine Orientierung für die Qualitätskontrolle am Ende eines Bildungsabschnitts.“[23] Aus diesem Statement des Kultusministeriums wird ersichtlich, dass der mit der Einführung der Bildungsstandards verbundene Paradigmenwechsel von der Input- zur Outputorientierung auch Maßstäbe für Bewertung und Evaluation der Bildungs­arbeit betrifft. Dieser Aspekt soll im Folgenden genauer betrachtet werden. Kurz: Wie werden Umsetzung und Erreichen der Bildungsstandards überprüft?

2.4 Bildungsmonitoring, Schulevaluation und Individualdiagnostik – Die Be­wertung von Bildungsstandards

Testverfahren, die sich auf Bildungsstandards beziehen, können grundsätzlich drei Ziel­setzungen verfolgen: Bildungsmonitoring, Schulevaluation und Individualdiagnostik.

[...]


[1] Kultusministerin Annette Schavan, zit. in: Höckele-Häfner, 2003, S. 7

[2] Vgl. Klieme, 2002, S. 2; PHV, 2004

[3] Vgl. Hentig, 2004, S. 9

[4] Vgl. o.V., 2004b, S. 7

[5] Bulmahn, 2003, S. 177-178

[6] Vgl. Klieme, 2003, S. 8

[7] Vgl. Klieme, 2002, S. 2

[8] ebenda, S. 2

[9] ebenda, S. 2

[10] Vgl. o.V., 2004b, 8-9

[11] Klieme, 2003, S. 6-7

[12] Vgl. o.V. 2004a; Klieme, 2002, S. 2-3

[13] Klieme, 2002, S. 3

[14] Vgl. o.V., 2004a; o.V., 2004b, S. 2-3

[15] o.V., 2004a

[16] Vgl. o.V., 2004a; o.V., 2004b, S. 5

[17] o.V., 2004b, S. 6

[18] Vgl. Klieme, 2003, S.13-14; o.V., 2004b, S. 1

[19] Vgl. Hentig, 2004, S. 10-14

[20] Heike Schmoll, Redakteurin bei der FAZ, zit. in: Höckele-Häfner, 2003, S. 7

[21] Schavan, 2004

[22] Vgl. Klieme, 2002, S. 3

[23] Internetveröffentlichung des Kultusministeriums, zit. in: PHV, 2004

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Einführung der Bildungsstandards in Baden-Württemberg an allgemeinbildenden Schulen - eine Alternative für berufliche Schulen?
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,7
Autoren
Jahr
2005
Seiten
31
Katalognummer
V73025
ISBN (eBook)
9783638735414
ISBN (Buch)
9783638736718
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einführung, Bildungsstandards, Baden-Württemberg, Schulen, Alternative
Arbeit zitieren
Tanja Gesierich (Autor)Melanie Zabel (Autor), 2005, Einführung der Bildungsstandards in Baden-Württemberg an allgemeinbildenden Schulen - eine Alternative für berufliche Schulen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73025

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