Mit den Schlagwörtern wie `Wille zur Macht´, `Nihilismus´ oder `Gott ist tot´ ist Nietzsche bekannt und berühmt geworden. Diese Schlagworte sind es auch, die als Indizien darauf hinweisen, dass sich sein Name an die Krisis des Nihilismus, an eine tiefe Gewissenskollision durch eine Umwertung der Moral und an eine Entscheidung - für eine andere Perspektive - knüpft, um aus einer lebensverneinenden Weltanschauung herauszutreten und die geglaubten, "geheiligten" Dogmen des Christentums zu verwerfen.
Er war zweifelsohne der bisher mutigste Kritiker des Denkens und natürlich der Moral. In Nietzsche sind aber weitaus mehr Bestandteile verschmolzen, als der ungebärdige Prophet, der dionysische Künstler oder - der dazu scheinbar unvereinbare - scharfsinnige philosophische Kritiker, oder was sonst auch immer die Menschen in ihm sehen.
Nietzsche ist ein Denker, der sich mit einer Reihe von Problemen beschäftigt, die als solche zuvor gar nicht umrissen waren. Sein angestrebtes Ziel, die Erkenntnis von der Herrschaft der Moral zu befreien, macht ihn notwendigerweise zum Kritiker aller Voraussetzungen und vieler Inhalte der Philosophie:
die Philosophie schafft so, nach Nietzsche, die Welt nach ihrem Bilde. Logik ist abhängig von der Denkweise, die Wahrheit ist eine Lüge und die Moral ein Ressentiment, durch das die Schwachen ihr Überleben absichern. Durch die Wandlung der sittlichen Würde hin zum Menschlichen, Allzumenschlichen und daher Gewöhnlichen, hat das "Heerdenthier" Mensch in seinen Augen nicht die Steigerung des Lebens gefördert, sondern übt sich - der Heldentaten unfähig geworden - zugunsten der Schwachen im Verzicht.
Für ihn ist klar, dass eine Mitleidsmoral die Entwicklung des Menschen beeinträchtigt. Ihm ist daran gelegen, durch eine Kritik der Moral eine Umkehrung der Werte auf den Weg zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 4
ERSTES KAPITEL
Nietzsches Denkbewegungen – der Versuch einer Experimentalphilosophie 14
ZWEITES KAPITEL
Der Perspektivismus als Erkenntnisprinzip 23
DRITTES KAPITEL
Nietzsches Moralkritik
I. Die Perspektivierung der Moral 33
II. Was bedeutet Moral in Nietzsches Denken ? 43
III. Nietzsches Kritik der Moral 54
IV. Das Problem des Immoralismus 71
V. Die analytische und synthetische Aufgabe der Moralkritik 74
VIERTES KAPITEL
Der Wille zur Macht als Erklärungsprinzip 78
Schlussbetrachtung 87
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Nietzsches Moralkritik unter Einbeziehung seiner zentralen erkenntnistheoretischen Säulen, insbesondere des Perspektivismus und der Experimentalphilosophie, um die Notwendigkeit einer werte-theoretischen Umkehrung aufzuzeigen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie Nietzsche die Moral aus ihrer dogmatischen Herrschaft befreit und als lebensorientiertes Instrument sowie als Ausdruck des Willens zur Macht dekonstruiert.
- Dekonstruktion der Moral als historisch gewachsene „Wahrheit“
- Der Perspektivismus als erkenntnistheoretisches Grundprinzip
- Die Experimentalphilosophie als Methode der Wertekritik
- Der Wille zur Macht als zentrales Erklärungsmodell menschlichen Handelns
- Die Transformation von der Sklavenmoral zur individuellen Selbstüberwindung
Auszug aus dem Buch
Nietzsches Denkbewegungen – der Versuch einer Experimentalphilosophie
„In media vita. – Nein! Das Leben hat mich nicht enttäuscht! Von Jahr zu Jahr finde ich es vielmehr wahrer, begehrenswerther und geheimnissvoller, - von jenem Tage an, wo der grosse Befreier über mich kam, jener Gedanke, dass das Leben ein Experiment des Erkennenden sein dürfe – und nicht eine Pflicht, nicht ein Verhängnis, nicht eine Betrügerei![...] Das Leben ein Mittel der Erkenntnis [...]“
Dieser Aphorismus enthält drei wichtige Termini in Nietzsches Denken: nämlich (a) die Befreiung des Geistes, die durch die Erkenntnis geschürt wird, (b) dass das Leben als Experiment fungieren darf. Gleichzeitig eröffnet sich Nietzsche (c) die Möglichkeit das Leben als Mittel der Erkenntnis zu betrachten.
Der Begriff des Experiments findet sich häufig in Nietzsches späteren Schriften. In seiner Frühphase war er, beeinflusst von seinem „Lehrer“ Schopenhauer, ein Anhänger von Systemen. Schopenhauer richtete sein System in >Die Welt als Wille und Vorstellung< nach zwei Eckpfeilern, der Idealität der Welt und der Realität der Willensfreiheit aus. Der Wille als das Primäre (wie später bei Nietzsche) bedingt die Vorstellung und ordnet den Intellekt als Träger der Anschauung als Äußerung des Willens dem Willen unter.
Zusammenfassung der Kapitel
ERSTES KAPITEL: Erläutert Nietzsches Übergang von Schopenhauers Systematik zu einer freien Experimentalphilosophie, die das Leben als Mittel der Erkenntnis begreift.
ZWEITES KAPITEL: Analysiert den Perspektivismus als Erkenntnisprinzip und zeigt, warum Nietzsche objektive Wahrheitsansprüche zugunsten interpretativer Lebens-Perspektiven ablehnt.
DRITTES KAPITEL: Untersucht Nietzsches Moralkritik, insbesondere die Perspektivierung der Moral, die Problematik des Immoralismus und die Unterscheidung von Herren- und Sklavenmoral.
VIERTES KAPITEL: Beleuchtet den Willen zur Macht als zentrales, irrationalistisches Erklärungsprinzip, auf das Nietzsche sämtliche menschliche Sinngebung und Handlungsweisen reduziert.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Moral, Moralkritik, Perspektivismus, Experimentalphilosophie, Wille zur Macht, Nihilismus, Sklavenmoral, Herrenmoral, Dekonstruktion, Interpretation, Wahrheit, Dasein, Lebensbejahung, Selbstüberwindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Verhältnis Nietzsches zur Moral und stellt seine methodische Herangehensweise dar, welche die Moral nicht als feststehende Wahrheit, sondern als zeitlich bedingtes Konstrukt entlarvt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Erkenntnistheorie (Perspektivismus), die moralphilosophische Kritik (Genealogie der Moral) und die anthropologische Fundierung durch den Willen zur Macht.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Nietzsche durch die „Umwertung der Werte“ die Moral als Instrument der Macht demaskiert und den Weg für eine neue, individualistische Ethik ebnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen hermeneutischen Ansatz, um Nietzsches Aphorismen und Schriften im Kontext seiner eigenen „Experimentalphilosophie“ zu deuten und systematisch zu ordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Nietzsches Denkbewegungen, der Perspektivismus, die detaillierte Moralkritik sowie der Wille zur Macht als ontologisches und psychologisches Erklärungsmodell aufeinander aufbauend analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Perspektivismus, Wille zur Macht, Moral, Sklavenmoral, Herrenmoral, Nihilismus und Experimentalphilosophie.
Warum lehnt Nietzsche laut dieser Arbeit geschlossene philosophische Systeme ab?
Nietzsche lehnt Systeme ab, weil sie seiner Ansicht nach immer auf unbewiesenen Voraussetzungen basieren und die Komplexität des Lebens durch starre Dogmen reduzieren, statt sie durch „furchtlose Fragen“ zu ergründen.
Inwiefern beeinflusst der Begriff „Vornehmheit“ Nietzsches Moralverständnis?
Die Vornehmheit beschreibt bei Nietzsche die Fähigkeit eines Individuums, jenseits der „Sklavenmoral“ der Herde zu stehen, eigene Werte zu setzen und die Verantwortung für das eigene Dasein ohne fremde moralische Krücken zu tragen.
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- Florian Schoemer (Autor), 2002, Nietzsches Moralkritik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7331