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Kampf der Kulturen? Huntingtons These in der Diskussion

Titel: Kampf der Kulturen? Huntingtons These in der Diskussion

Hausarbeit , 2007 , 23 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Michael Adam (Autor:in)

Politik - Allgemeines und Theorien zur Internationalen Politik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Dezember 1991 leitete der Zusammenbruch der Sowjetunion das Ende des Kalten Krieges und der daraus resultierenden bipolaren Machtordnung ein. In Folge dessen diskutiert die politikwissenschaftliche Fachwelt seit den neunziger Jahren verstärkt darüber, wie sich die internationale Politik nach dem Ende des Ost-West-Konflikts entwickeln wird. Die wohl bekanntesten Abhandlungen zu dieser Thematik stellen John Mearsheimers Publikation „Back to the Furture – Instability in Europe after the Cold war“ und die Ausführungen Samuel P. Huntingtons zum Kampf der Kulturen dar. Letztere veröffentlichte der Harvard-Professor im Jahre 1993 als Aufsatz mit dem Titel „The Clash of Civilizations?“ in der Zeitschrift Foreign Affairs. Huntington erläutert darin seine These, dass Konflikte in Zukunft primär zwischen Kulturkreisen bzw. zwischen Angehörigen verschiedener Kulturkreise entlang kultureller Bruchlinien und nicht mehr – aus ideologischen oder wirtschaftlichen Gründen - zwischen einzelnen Nationalstaaten entstehen und ausgetragen werden. Diese Prognose eines Kampfes der Kulturen löste in den letzten Jahren eine sehr kontroverse und weltweit geführte Diskussion aus. Huntington sah und sieht sich neben sehr viel Zuspruch auch enormer Kritik ausgesetzt, was ihn u.a. dazu bewegte, im Jahre 1996 die These vom Kampf der Kulturen in einem eigenständigen Buch „The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order“ zu verteidigen bzw. zu präzisieren.

Das vorliegende Werk stellt Huntingtons Kampf der Kulturen zur Diskussion und geht mit Blick auf den Bosnienkrieg (1992-1995), den Huntington als eines der Paradebeispiele für seine These nennt, gezielt der Frage nach, ob Huntingtons Konzept vom „Clash of Civilizations“ tatsächlich haltbar ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung und Literaturbericht

2. Huntingtons These vom „Clash of Civilizations“

2.1 Zivilisationsbegriff und Einteilung der Welt in Kulturkreise

2.2 Kampf der Kulturen: Ursachen und Ausprägungen

3. Huntingtons Fallbeispiel: Der Bosnienkrieg 1992-1995

3.1 Kriegsverlauf und Akteure

3.2 Erklärungsansatz nach Huntington

4. Kritik an Huntingtons Erklärungsansatz und deren Untersuchung am Fallbeispiel

4.1 Fragwürdige Kulturkreiseinteilung und –Abgrenzung

4.2 Reduzierung des Kulturbegriffs auf Religion

4.3 Annahme absolut homogener Kulturkreise

4.4. Unterbewertung der Nationalstaaten als Akteure der internationalen Politik

4.5 Fragwürdigkeit des Kin-Country Syndroms und der Kernstaatenkonflikte

5. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Samuel P. Huntingtons These vom „Kampf der Kulturen“ auseinander, um deren Haltbarkeit anhand des Bosnienkrieges (1992-1995) als Fallbeispiel zu überprüfen.

  • Analyse der theoretischen Grundannahmen von Huntingtons „Clash of Civilizations“.
  • Untersuchung des Bosnienkrieges hinsichtlich der Anwendbarkeit von Huntingtons Erklärungsmodell.
  • Kritische Reflexion der Konzepte Kulturkreis, Religionsfokus und Kin-Country-Syndrom.
  • Diskussion der Rolle von Nationalstaaten gegenüber kulturellen Faktoren.
  • Generalisierung der Erkenntnisse zur Bewertung der Validität von Huntingtons Theorie.

Auszug aus dem Buch

4.2 Reduzierung des Kulturbegriffs auf Religion

In seinen Ausführungen zum Kampf der Kulturen macht Huntington deutlich, dass die Religion für ihn den strukturprägendsten Faktor innerhalb der einzelnen Kulturkreise bzw. das maßgebliche Unterscheidungskriterium zwischen Zivilisationen darstellt. Zudem ist er davon überzeugt, dass die „Entsäkularisierung der Welt“ seit dem Ende des Kalten Krieges in vollem Gang ist. Dementsprechend sieht er auch die unterschiedlichen Religionen der drei Staatsnationen im ehemaligen Jugoslawien als Hauptgrund für den Bosnienkrieg an. Eine solche Reduzierung des Kulturbegriffes auf Religion wurde in der politikwissenschaftlichen Fachwelt oft kritisiert. So warnt beispielsweise Ajami Fouad davor, Macht und Einfluss von Traditionalisten – und damit auch Fundamentalisten - in den einzelnen Kulturkreisen überzubewerten. Seiner Meinung nach unterschätzt Huntington in seiner These den Einfluss der aktuell weltweit fortschreitenden Säkularisierung und Modernisierung.

So sei gerade in Indien und diversen islamischen Staaten eindeutig zu beobachten, dass sich gebildete Mittelschichten in Zukunft – entgegen Huntingtons Prognose – vom Fundamentalismus abwenden.

Im Hinblick auf den Balkan lässt sich die angeblich große Bedeutung der Religion als kulturprägender Faktor relativieren. Zwar basiert die nationale Differenzierung von Kroaten, Serben und bosnischen Muslimen nicht primär auf sprachlichen, sondern auf konfessionellen Merkmalen, doch ergaben repräsentative Umfragen, dass Ende der achtziger Jahre nur noch 53% der Kroaten, 34% der Serben und 37 % der bosnischen Muslime gläubig waren. Es kann also kaum ernsthaft behauptet werden, dass religiöser Eifer bzw. das Bewusstsein religiöser Unterschiede nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens alleine ursächlich für den Bosnienkrieg waren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problemstellung und Literaturbericht: Einführung in die Thematik der internationalen Politik nach dem Kalten Krieg und Vorstellung von Huntingtons These sowie Zielsetzung der Arbeit.

2. Huntingtons These vom „Clash of Civilizations“: Darstellung des Zivilisationsbegriffs, der Weltkarte der Kulturkreise und der Ursachen für künftige interkulturelle Konflikte nach Huntington.

3. Huntingtons Fallbeispiel: Der Bosnienkrieg 1992-1995: Überblick über den Verlauf des Bosnienkonflikts und Erläuterung, wie Huntington diesen als Beleg für seine Theorie instrumentalisiert.

4. Kritik an Huntingtons Erklärungsansatz und deren Untersuchung am Fallbeispiel: Detaillierte Auseinandersetzung mit der Kritik an Huntingtons Thesen hinsichtlich Kulturabgrenzung, Religionsfokus, Homogenitätsannahme und der Rolle von Nationalstaaten.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Theorie von Huntington konzeptionelle Schwächen aufweist und der Bosnienkrieg nicht als Beleg für einen „Kampf der Kulturen“ taugt.

Schlüsselwörter

Kampf der Kulturen, Clash of Civilizations, Samuel P. Huntington, Bosnienkrieg, Kulturkreis, Religion, Zivilisation, Nationalstaat, internationale Politik, Säkularisierung, Kin-Country-Syndrom, Konfliktforschung, Kulturkonflikt, Identität, Multikulturalismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch die umstrittene These des US-Politikwissenschaftlers Samuel P. Huntington, wonach zukünftige weltpolitische Konflikte primär zwischen verschiedenen Kulturkreisen stattfinden werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind die theoretischen Grundlagen des Huntington’schen „Clash of Civilizations“, die Analyse des Bosnienkrieges und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Konzepten von Kultur, Religion und nationalstaatlichem Handeln.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu prüfen, ob Huntingtons Konzept tatsächlich haltbar ist, indem man es am konkreten Beispiel des Bosnienkrieges (1992-1995) empirisch und theoretisch hinterfragt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine fallstudienbasierte politikwissenschaftliche Analyse, die Huntingtons theoretische Aussagen mit den historischen Gegebenheiten des Bosnienkonflikts abgleicht und kritische Einwände aus der Fachliteratur diskutiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst Huntingtons Thesen erläutert, anschließend der Bosnienkrieg historisch eingeordnet und schließlich Huntingtons Deutung dieses Krieges detailliert kritisiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Kampf der Kulturen, Clash of Civilizations, Bosnienkrieg, Zivilisation, Nationalstaat und Kulturkreis beschreiben.

Wie bewertet der Autor Huntingtons Interpretation des Bosnienkrieges?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Bosnienkrieg kein „Krieg der Zivilisationen“ war, sondern dass Huntington komplexe politische, soziale und ökonomische Ursachen ignoriert, um sie in sein kulturelles Raster zu pressen.

Warum kritisiert der Autor Huntingtons Fokus auf Religion?

Der Autor argumentiert, dass die Reduzierung des Kulturbegriffs auf Religion in der Fachwelt als einseitig abgelehnt wird, da sie Säkularisierungstendenzen und die tatsächlichen Interessen der Akteure im Bosnienkrieg außer Acht lässt.

Welche Rolle spielen Nationalstaaten in der Argumentation der Arbeit?

Der Autor stellt fest, dass Huntington die Eigenständigkeit von Nationalstaaten unterschätzt; diese handeln primär interessengebunden und nutzen kulturelle Identität lediglich als Mittel zur Legitimation ihrer politischen Ziele.

Wird das Konzept des „Kin-Country-Syndroms“ bestätigt?

Nein, der Autor weist anhand des Fallbeispiels Bosnien nach, dass das Kin-Country-Syndrom und Kernstaatenkonflikte in der Realität kaum oder nur in minimaler Form auftraten und daher keine tragfähige Erklärung für das internationale Handeln im Konflikt darstellen.

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Details

Titel
Kampf der Kulturen? Huntingtons These in der Diskussion
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Grundkurs Einführung in die Internationale Politik (BM 4)
Note
1,3
Autor
Michael Adam (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V73419
ISBN (eBook)
9783638632980
ISBN (Buch)
9783638675802
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kampf Kulturen Huntingtons These Diskussion Grundkurs Einführung Internationale Politik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Adam (Autor:in), 2007, Kampf der Kulturen? Huntingtons These in der Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73419
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Leseprobe aus  23  Seiten
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