„The Trend is your Friend“ – Diese Aussage begegnet einem bei der Lektüre einschlägiger Börsenliteratur immer wieder. Handelt es sich dabei um eine Art „Börsenplacebo“ oder wirklich um eine gewinnbringende Weisheit? Offensichtlich scheint es genügend Investoren zu geben, welche diesem Motto folgen. Wie wäre es sonst erklärbar, dass selbst in Zeiten langer und stark gestiegener Kurse immer wieder genügend Investoren auf der Käuferseite zu finden sind. Oder spielt die Psychologie den Anlegern einen Streich? Diese finden oftmals erst dann den Mut, eine Aktie zu kaufen, wenn die Kurse bereits stark gestiegen sind und es als völlig normal gilt, dieses Wertpapier zu kaufen. Dabei können die Gründe, in einen Markt einzusteigen, der sich bereits stark bewegt hat, vielfältiger Natur sein. Vielleicht wurde der Markt zuvor nicht beachtet oder es wurde vergeblich auf eine Kurskorrektur gewartet. Möglicherweise war man anfangs skeptisch über die Dauer der Kursbewegung und hat daher ganz bewusst einen Kursanstieg abgewartet.
Das letzte Motiv ist der typische Beweggrund für Trendfolger. Dabei werden sie in der Praktikerliteratur durch eine Fülle von Ratschlägen unterstützt: Die Handlungsmaxime, „sich niemals gegen den Trend stemmen“ zielt auf die gleiche Börseneinstellung ab, wie „Never catch a falling knife“ oder „It is easier to swim with the tide than against it“. Das Resultat führte ebenfalls zu einem populären Slogan: „Die Hausse nährt die Hausse“ bzw. im Falle von sinkenden Kursen zu „Die Baisse nährt die Baisse“. Kaufen institutionelle Anleger vermehrt gut gelaufene Aktien, um am Jahresende Gewinnaktien ausweisen zu können, kann dieser Effekt noch weiter verstärkt werden. Ist es aber wirklich profitabel, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen? Wie riskant ist die Einstellung „Noch schnell dabei sein, ehe der Markt dreht“? Haben Trendfolger das Potential für Überrenditen?
Diesen Fragen wird im Rahmen dieser Diplomarbeit nachgegangen. Neben allgemeinen Erläuterungen zu den Finanzmärkten werden einige Trendfolgekonzepte und Studien zu deren Erfolg vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf Strategien, welche die lineare Regression beinhalten. Kern der Arbeit ist die Vorstellung einer Trendfolgestrategie und deren Evaluierung anhand von DAX- und Dow Jones-Aktien zwischen Januar 1997 und Mai 2006.
Inhaltsverzeichnis
1 The Trend is your Friend
2 Einführende Erläuterungen
2.1 Trend, Zyklus, Saisonalität und Technische Analyse
2.2 Zeitliche Unabhängigkeit von Kursbewegungen
2.3 Informationseffizienz des Kapitalmarktes
2.4 Beurteilung der Kapitalmarkteffizienzhypothese
2.4.1 Kapitalmarktanomalien
2.4.2 Long Memory in Aktienkursen
3 Trendfolgeindikatoren
3.1 Die Dow Theorie
3.1.1 Die drei Arten von Trends
3.1.2 Die drei Phasen des Primärtrends
3.1.3 Trendbestätigungen
3.1.4 Die Umkehrung eines Trends
3.2 Trendlinien
3.3 Regressionskanäle nach Gilbert Raff
3.3.1 Grundlegendes Konzept
3.3.2 Handelsregeln für Regressionskanäle
3.4 Gleitende Regression
3.5 Die Steigung der Regressionsgeraden
3.6 Der Korrelationskoeffizient r²
4 Empirische Ergebnisse zum Erfolg von Trendfolgesystemen
4.1 Stärken und Schwächen klassischer Trendfolgesysteme
4.2 Handelssysteme auf Basis der linearen Regression
4.2.1 Studie von Sherstov und Stone
4.2.2 Erkenntnisse der Praktikerliteratur
4.3 Der Erfolg von Market Timing
5 Beschreibung der durchgeführten Studie
5.1 Die Daten
5.1.1 Die Aktienzeitreihen
5.1.2 Datenaufbereitung
5.1.3 Indexperformance in sample
5.2 Das Regressionshandelssystem (RHS)
5.2.1 Die Regressionsgerade
5.2.2 Kauf- und Verkaufsignale
5.2.3 Optimierung in sample
5.2.4 Transaktionskosten
5.3 Portfoliobildung
5.4 Performancemessung
6 Untersuchungsergebnisse
6.1 Indexperformance out of sample
6.2 Die optimalen Regressionsparameter
6.3 Investitionszeiten
6.4 Rendite
6.4.1 Analyse von Trefferquote und Payoff-Ratio
6.4.2 Rentabilität von Long- und Short-Engagements im Vergleich
6.4.3 Die Bedeutung der Transaktionskosten
6.5 Risikoadjustierte Performance
6.6 Regelmäßigkeit der Gewinnentwicklung und Korrelation
6.7 Hohe Güte linearer Regression in Trendphasen
6.8 Verteilung der Tagesrenditen
6.9 Ergebnisse der Portfoliobildung
7 Zusammenfassung der Studienergebnisse
8 Bessere Handelsdisziplin durch Technische Analyse?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob mit Trendfolgestrategien, basierend auf der linearen Regression, an Finanzmärkten nachhaltig Überrenditen erzielt werden können. Dabei wird insbesondere geprüft, ob mathematisch fundierte, objektive Handelsregeln eine Performance-Outperformance gegenüber einer Buy&Hold-Strategie ermöglichen und inwieweit das Gesamtrisiko durch ein systematisches Market Timing reduziert werden kann.
- Analyse der informationseffizienten Markthypothese und Kapitalmarktanomalien
- Untersuchung klassischer technischer Indikatoren und Trendfolgekonzepte
- Entwicklung und Simulation eines vollautomatisierten Regressionshandelssystems (RHS)
- Empirische Evaluierung anhand von DAX- und Dow Jones-Aktien (1997–2006)
- Bewertung von Handelsdisziplin und Risikomanagement durch technische Analyse
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Die drei Phasen des Primärtrends
Dow konzentrierte sich vorwiegend auf langfristige Primärtrends und unterteilt diese in drei Phasen.
In der Akkumulationsphase, der ersten der drei Phasen, herrscht unter der breiten Masse der Investoren eine gedrückte und negative Stimmung. Einige gut informierte Investoren erkennen bereits in diesem frühen Stadium, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung und ein damit verbundenes Anziehen der Kurse unausweichlich sind. Daher kaufen sie in Erwartung des nahenden Wirtschaftsaufschwungs aggressiv Aktien.
Die zweite Phase ist durch bessere Wirtschaftsnachrichten und steigende Unternehmensgewinne gekennzeichnet. Unter diesen sich verbessernden Bedingungen steigen die Trendfolger und auch die breite Masse der Investoren in den Markt ein.
Wenn sich die Medien zunehmend optimistisch über den Kursaufschwung an der Börse äußern und die wirtschaftlichen Aussichten so günstig wie nie erscheinen, ist bereits die dritte Phase angebrochen. In dieser sog. Distributionsphase vertritt die breite Öffentlichkeit die Meinung, dass der Aktienmarkt nur noch die Richtung nach oben kennt und hat daher keine Scheu mehr vor Neuengagements an der Börse. Die Marktteilnehmer kaufen nun immer mehr Aktien, was letztendlich in eine Kauf-Rallye mündet. In Erwartung eines baldigen Abschwungs beginnen nun die wenigen Investoren, welche bereits während der ersten Phase aggressiv kauften, ihre Aktienbestände zu liquidieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 The Trend is your Friend: Einleitung in die Thematik der Trendfolge, Hinterfragung der Börsenweisheiten und Definition des Untersuchungsziels.
2 Einführende Erläuterungen: Theoretische Grundlagen zu Trends, Zeitreihen, Informationseffizienz und der wissenschaftlichen Debatte zur Vorhersagbarkeit von Kursverläufen.
3 Trendfolgeindikatoren: Vorstellung klassischer technischer Konzepte wie Dow-Theorie, Trendlinien, Regressionskanäle und statistischer Kenngrößen für Trendstärke.
4 Empirische Ergebnisse zum Erfolg von Trendfolgesystemen: Diskussion der Vor- und Nachteile von Trendfolgestrategien und Literaturüberblick zu existierenden Studien, einschließlich Market-Timing-Ansätzen.
5 Beschreibung der durchgeführten Studie: Detaillierte Darstellung des methodischen Aufbaus, der Datenauswahl, der Definition des Regressionshandelssystems und der Performancemessung.
6 Untersuchungsergebnisse: Analyse der Performance des entwickelten Systems hinsichtlich Rendite, Risiko, Transaktionskosten und Portfoliobildung im Vergleich zum Benchmark.
7 Zusammenfassung der Studienergebnisse: Synthese der empirischen Befunde und Fazit zum Erfolg des vorgestellten technischen Handelsansatzes.
8 Bessere Handelsdisziplin durch Technische Analyse?: Kritische Reflexion über den Nutzen technischer Analyse als Instrument zur Disziplinierung von Investoren und zur Fehlervermeidung.
Schlüsselwörter
Technische Analyse, Trendfolge, Lineare Regression, Market Timing, Kapitalmarkteffizienz, Aktienmärkte, Handelsstrategie, Performanceanalyse, Volatilität, Long Memory, Kauf- und Verkaufssignale, Transaktionskosten, Portfoliomanagement, Rendite, Börsenpsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen von Trendfolgestrategien am Aktienmarkt, speziell unter Verwendung der linearen Regression als mathematische Basis für Handelsentscheidungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die statistische Fundierung technischer Analyse, die Untersuchung von Kurs-Zeitreihen sowie der praktische Test, ob algorithmische Systeme eine Buy&Hold-Strategie outperfomen können.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Evaluierung, ob ein regelbasiertes Regressionshandelssystem systematisch Überrenditen generieren und das Risiko durch Market Timing im Vergleich zur klassischen Buy&Hold-Strategie senken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Datenanalyse angewendet, die historische Kursdaten des DAX und Dow Jones Industrial Index (1987-2006) in einem In-Sample/Out-of-Sample-Testverfahren auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Charttechnik, eine Literaturübersicht über empirische Studien zu Handelssystemen und eine detaillierte Simulation und Performancemessung des eigenen RHS-Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Technische Analyse, lineare Regression, Market Timing, Effizienzmarkthypothese und Performancemessung (Sharpe-Ratio, Maximum Drawdown).
Wie unterscheidet sich das RHS-System von anderen Ansätzen?
Im Gegensatz zu vielen subjektiven Chartmustern basiert das RHS auf strengen mathematischen Parametern (Minimal- und Maximalsteigung), die eine objektive Signalgenerierung erzwingen.
Warum schneidet das System bei den Dow Jones-Werten schlechter ab als beim DAX?
Dies ist primär auf das spezifische Marktumfeld im Testzeitraum (Out-of-Sample) zurückzuführen, in dem viele US-Werte eine seitwärts tendierende oder weniger ausgeprägt trendstarke Entwicklung aufwiesen.
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- Daniel Wörle (Author), 2006, The Trend is your Friend. Überrenditen durch Trendfolge?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73810