Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2007

14 Seiten


Leseprobe

Stephan Eisel

Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter

Am 14. August 1949 wurde Konrad Adenauer bei der ersten Bundestagswahl der neuen Bundesrepublik Deutschland mit überzeugendem Ergebnis im Wahlkreis 10 „Bonn Stadt und Land“ als Wahlkreisabgeordneter gewählt. Er stellte sich bei den ersten fünf Bundestagswahlen der Direktwahl und vertrat den Bonner Wahlkreis bis zu seinem Tod im Deutschen Bundestag. Dennoch ist der direkt gewählte Bonner Bundestagsabgeordnete Konrad Adenauer nur selten ein Thema in den inzwischen zahlreich erschienenen Biographien über ihn. Selbst das Standardwerk von Hans-Peter Schwarz übergeht diesen Teil des Wirkens des ersten deutschen Bundeskanzlers. Für Bonn freilich und insbesondere für die Bonner CDU ist Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter prägend und unvergessen.

Adenauer und Bonn

Adenauers Beziehung zu Bonn gründet in einer lange zurückreichenden Familiengeschichte. Sein Urgroßvater hatte sich 1784 in Bonn angesiedelt. Väterlicherseits stammte der erste Bundeskanzler aus einer Bonner Bäckerfamilie[1] und auch mütterlicherseits gab es Bonner Verknüpfungen. So stellt Hans-Peter Schwarz in seiner Adenauer-Biographie fest: „Der Befund ist offenkundig: Konrad Adenauer ist nur ein Neu-Kölner, genealogisch kann ihn Bonn viel eher für sich reklamieren.“[2]

1895 verbrachte Adenauer schon als 19jähriger „erstmals einen längeren Zeitraum in Bonn“[3] und absolvierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität die letzten drei Semester seines Jurastudiums. Wie vor ihm der spätere Reichskanzler Wilhelm Marx und nach ihm Robert Schuman, stieß er zur katholischen Bonner Studentenverbindung Arminia. Hans-Peter Schwarz vermutet in dieser Zeit auch den Ursprung der Absicht, sich in der Rhöndorfer Gegend niederzulassen. Der Umzug dorthin erfolgte dann 1935 – zwei Jahre nach der Absetzung als Kölner Oberbürgermeister durch die Nazis.

Im „Rhöndorfer Exil“ gehörte ein Bonner Bekanntenkreis mit dem Kunsthistoriker Josef Busley, dem Zahnarzt Joseph Vollmar[4] und dem Syndicus der Handwerkskammer Fritz Schliebusch zu Adenauers Bezugspunkten. In jener Zeit hat sich „in Bonn und Bad Godesberg ein ganzes Nest ehemaliger Zentrumspolitiker zusammengefunden“.[5] Dazu gehörten neben Adenauer der frühere Reichskanzler Wilhelm Marx, Andreas Hermes, Reichsernährungsminister a. D. und späterer nach der Befreiung aus der Todeszelle in Plötzensee Gründer der CDU, Prof. Albert Lauscher als ehemaliger Vorsitzender des preuß. Zentrums, Rudolf Ameluxen – im Plittersdorfer Haus des späteren ersten Regierungschefs von Nordrhein-Westfalen fand Adenauer nach dem Röhmputsch eine zeitweilige Bleibe – und Prof. Benedict Schmittmann mit seiner Frau Ellen. Auch nach dem Krieg blieb Bonn für die Familie Adenauer vielfacher persönlicher Bezugspunkt. So studierte Sohn Paul in Bonn Katholische Theologie und Sohn Georg besuchte das Godesberger Aloisius-Kolleg.[6]

Seine erste große Rede an die Bonnerinnen und Bonner hielt Konrad Adenauer am 7. April 1946 im Kuppelsaal des Museums Koenig. Seine Worte zum Schluss der Rede offenbaren auch den persönlichen Bezug des späteren Bundeskanzlers zur späteren Bundeshauptstadt: „Lassen Sie mich zum Schluss noch ein Wort zu Ihnen sagen als Einwohner der Stadt Bonn. Jede Stadt am Rhein hat ihr besonderes Gesicht, ihre besondere Aufgabe. Ich kenne Bonn. Ich war der Vorsitzende der Bonner Studenten 1½ Jahre lang, und ich habe seit vielen Jahren im geistigen Bereich Bonns gelebt und an seinen geistigen und kulturellen Leben Anteil genommen. Bonn hat die Aufgabe, ein geistiges und kulturelles Zentrum am Rhein zu sein, ein deutsches geistige Zentrum, aber durchdrungen von der Atmosphäre des rheinischen Landes, weltoffen und aufgeschlossen gegenüber dem Westen und gegenüber dem europäischen Geiste. Ich hoffe und ich wünsche, dass Bonn und Bonns Alma matar aus Schutt und Asche wieder auferstehen möge zu neuem Leben, dass Bonn diese Aufgabe, die das Schicksal ihm zugewiesen hat, erfüllen wird.“[7]

An seinem 75. Geburtstag am 5. Januar 1951 wurde Konrad Adenauer – wie es in der Urkunde u. a. heißt „als bescheidener Dank dafür, dass der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland den Bürgern unserer Stadt sich ganz besonders verbunden fühlt“ die Ehrenbürgerwürde der Stadt Bonn verliehen. Aus diesem Anlass beschrieb der Bundeskanzler und Bonner Abgeordnete in einer Rede von der Rathaustreppe, von der 1848 auch Karl Schurz gesprochen hatte, sein Verhältnis zu Bonn u. a. mit den Worten:

„Dann bin ich aber doch zum Teil deswegen Bonner, weil mein Vater in Bonn geboren ist. Und weiter, meine lieben Bonner, war ich drei Semester in Bonn Student. Ich erinnere mich, dass auf dem alten Markplatz die Bonner Stadtsoldaten Fastnacht mächtig ihre Wesen und Unwesen treiben und dass sie die Leute verhafteten und hereinbrachten. Die Zeiten sind anders geworden. Das Bonn von damals besteht noch zum Teil. Ich sage nicht, es ist vergangen, denn von der alten Tradition Bonns ist doch noch Gott sei Dank viel erhalten geblieben, und wenn Bonn jetzt Hauptstadtsitz geworden ist, muss es doch bestrebt sein, von seiner alten Tradition möglichst viel durch die Wirrnisse dieser Zeit mitzunehmen in die Zukunft. …Aber Bonn ist nicht nur eine Hohenzollern-Universitätsstadt gewesen, Bonn war immer eine Hochburg demokratischen Gedankens, und eben ist mir gesagt worden, dass von dieser Stelle aus seinerzeit Schurz zu den Bonnern gesprochen hat und ebenfalls Kinkel. Meine Freunde, ich halte fest an dem freiheitlichen Geist, der diese Männer beseelt hat und ich sage Ihnen im Namen der Bundesregierung, dass wir uns mit ganzer Kraft dafür einsetzen werden, dass eines Tages unser geliebtes deutsches Vaterland wieder frei und geachtet im Rate der Völker dastehen wird. Dazu brauchen wir die Mithilfe der deutschen Bevölkerung und insbesondere der deutschen Jugend. Ich habe eben gehört, dass die Bonner Jugend den Problemen unserer Zeit aufgeschlossen gegenüber steht. Ich freue mich darüber und bitte Sie: Halten Sie fest daran, dass von Bonn ausgehen muss in die deutschen Lande dieser Geist einer wahren demokratischen Freiheit.“[8]

[...]


[1] Die Bäckerei Adenauer befand sich zunächst an der Ecke Kasernenstraße/Maargasse (heute Oxfordstraße) und später in Meßdorf (zu Einzelheiten siehe Herbert Weffer, Die Verbundenheit der Familie Adenauer mit Meßdorf, in: Beiträge zur Geschichte Lessenich-Meßdorf, Bonn S. 175-186 und Hans-Peter Schwarz, Adenauer – Der Aufstieg 1867-1952, Stuttgart 1986, S. 54 [im folgenden abgekürzt, Schwarz, Adenauer I]).

[2] Schwarz, Adenauer I, S. 58.

[3] Schwarz, Adenauer I, S. 99.

[4] Als Adenauer im September 1944 aus dem Krankenhaus Hohenlind floh, um sich den Zugriff der Nazis bis zum Eintreffen der Amerikaner zu entziehen, übernachtete er auf der Flucht in Vollmars Bonner Wohnung (vgl. Schwarz, Adenauer I, S. 402).

[5] Schwarz, Adenauer I, S. 403.

[6] Vgl. Hans-Peter Schwarz/Rudolf Morsey (Hrsg.), Adenauer, Rhöndorfer Ausgabe, Briefe 1951-1953, Rhöndorf 1987, S. 336 ff. (im folgenden abgekürzt: Rhöndorfer Ausgabe).

Dort wollte Adenauer im Februar 1953 übrigens die Abiturrede für den Abiturjahrgang seines Sohnes halten. Wegen einer Grippe musste er kurzfristig absagen, aber die typisch Adenauersche heiter-ernste Rede wurde vom damaligen Ako-Direktor Pater Dr. Hubert Becker verlesen.

[7] Eine Rede, die Adenauer für den 18. Februar 1948 beim Parteitag des Kreisverbandes Bonn-Land in Godesberg zugesagt hatte, musste er kurzfristig absagen und bat um Weitergabe des Redemanuskripts an die Versammlung. Das Manuskript ist im Archiv der „Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus“, Rhöndorf erhalten.

[8] Zit. nach Bonner Rundschau vom 6. Januar 1951.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V73943
ISBN (eBook)
9783638780315
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konrad, Adenauer, Bundestagsabgeordneter, Bonn, CDU, Bundestag, Bundeskanzler, Geschichte, Bundesrepublik Deutschland
Arbeit zitieren
Stephan Eisel (Autor), 2007, Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73943

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